Endspurt: doctima-Preis für NachwuchswissenschaftlerInnen

Symbolbild: Pokal

Preis oder Pokal?
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Innovation verbindet man oft nur mit technischen Entwicklungen. Doch wie sieht es eigentlich in unserem Geschäftsfeld, der technischen Dokumentation, aus? Klar, auch hier gibt es technische Innovationen, zum Beispiel bei Content-Management-Systemen. Mindestens ebenso wichtig sind aber neue Erkenntnisse zu redaktionellen Techniken, Textsorten und Zielgruppen.

Weil uns Innovation im Sprach-Bereich am Herzen liegt, haben wir einen Wissenschafts-Preis ins Leben gerufen. Er wird in Kooperation mit der Gesellschaft für Angewandte Linguistik an Nachwuchsforscherinnen bzw. Nachwuchsforscher für Arbeiten zum “Beruflichen Schreiben” verliehen. Die Preisträgerin oder der Preisträger wird auf der GAL-Sektionentagung einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Bewerbungsfrist für den diesjährigen Preis läuft noch bis zum 15.06.2013. Wer also seine Arbeit noch einreichen möchte, muss sich beeilen. Der komplette Ausschreibungstext findet sich hier.

Ach ja: Einen schicken Pokal wie im Bild gibt es zwar nicht zu gewinnen. Dafür winken aber 500 Euro Preisgeld.

7 + 1 Styleguide-Fehler, die Sie nicht machen sollten

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Da geht’s lang! Styleguides als Wegweiser
(c) Jorma Bork / pixelio.de

Styleguides oder auch “Redaktionsleitfäden” sind in der Technischen Dokumentation beliebt, um für eine einheitliche sprachliche Qualität zu sorgen. Doch immer wieder scheitern Styleguides. Denn einen Styleguide zu erstellen ist alles andere als einfach. In unseren Beratungsprojekten begegnen wir solchen gescheiterten Styleguides immer wieder. Und meist steckt einer der folgenden Fehler dahinter:

1. Unklare Ziele und Qualitätsmaßstäbe

Oft herrscht in einer Redaktion zwar Einigkeit, dass man eine Redaktionsrichtlinie braucht, aber nicht so sehr, warum. Ziele und Qualitätsmaßstäbe zu definieren bedeutet eben auch, dass man „weit“ zurückfragt zu den Unternehmenszielen – Kosten sparen, Premium-Qualität anbieten etc. Die erste Frage ist also nicht: Was will ich regeln? Sondern: Warum und mit welchen Zielen möchte ich regeln?

Damit ist dann auch klar, warum es keine gute Idee ist, sich einfach einen “Standard-Styleguide” im Internet zu suchen und zu kopieren. In den allermeisten Fällen scheitern solche Vorlagen, weil sie an den Zielen des Unternehmens vorbei gehen.

2. Zielgruppen nicht bedenken

Jeder Styleguide hat (mindestens) zwei Zielgruppen: (a) Die „interne“ Zielgruppe, also diejenigen, die den Leitfaden anwenden sollen. Und (b) die Leser, denen die standardisiert formulierten Texte helfen sollen.

Oft vergisst man die zuerst genannte Zielgruppe des Styleguides, nämlich die Autoren. Dann bewirken die Regeln zwar im Prinzip eine tolle Qualität für den Leser, sind aber leider für die Autoren nicht umsetzbar.

3. Überambitionierung

So schwer einem das manchmal als Sprachprofi fällt: Ein Leitfaden darf nicht zu viel wollen. Je mehr sprachliche Details geregelt werden sollen, desto umfangreicher und komplexer wird der Leitfaden.
Wie viel man den „Anwendern“ des Leitfadens zumuten kann, hängt von deren Schreibprofessionalität ab. Wenn ich Gelegenheitsschreiber dazu bringen möchte, eine bestimmte Textqualität zu erreichen, darf ich nur mit ganz wenigen Regeln arbeiten, die diese Leute auch nachvollziehen können. Sonst ist die Akzeptanz im Nu weg.
Richtet sich der Leitfaden an Sprachprofis, darf er ruhig elaborierter, fachlicher und umfangreicher sein.

4. Blindes Übernehmen alter Regeln

In jeder Redaktion gibt es bereits (geschriebene und ungeschriebene) Sprachregeln. Meist sind sie historisch gewachsen nicht immer passen sie zueinander oder zu den übergreifenden Zielen.
Also: Wenn schon ein Leitfaden, dann muss ein Großreinemachen stattfinden. Erst fachlich korrekt standardisieren, im Kleinen verproben und dann via Styleguide zum Standard erheben.

5. Unkonkret bleiben

Abstrakte oder prosaische Regelsammlungen, die nebulöse Sollzustände beschreiben und nicht konkret werden sind schlimmer als gar keine Regeln. “Schreiben Sie anregend.” “Vermeiden Sie unverständliche Begriffe.” – Mit solchen Gemeinplätzen kann ein Redakteur nun wirklich nichts anfangen.

Ähnlich wie bei einer Anleitung gilt auch für Styleguides: “eindeutig, klar und instruktiv”. Besser wenige klare Regeln, die sich auch wirklich umsetzen lassen. Wenn sich später zeigt, dass die Regeln nicht ausreichen, können immer noch neue (konkrete) ergänzt werden. Denn ein Styleguide darf niemals in Stein gemeißelt sein, er muss leben und sich den Bedürfnissen der Autoren (und Leser) anpassen.

6. Zu wenige Beispiele

Und dazu passt auch: Ein Redaktionsleitfaden ohne gute Beispiele ist tot. Die Beispiele müssen aus dem Redaktionsalltag sein und nicht speziell für den Leitfaden konstruiert werden. Lässt sich für eine Regel kein Beispiel finden, ist die Regel vielleicht an sich nicht so wichtig.
Am besten ist es, man bietet zusätzlich zu den beispielhaften Ausschnitten im  Leitfaden einen Reader an, in dem man als Redakteur vollständige Texte nachlesen kann mit Kommentaren, welche Regeln jeweils angewendet wurden.

7. Unpraktisches Medienformat

Dazu muss man die Arbeitsweise der Autoren genau kennen. Ziel ist es, den Styleguide so eng wie möglich in den Schreibprozess zu integrieren. Ob der Styleguide dann als Druckwerk, als Intranet-Angebot oder direkt integriert in der Arbeitsumgebung vorgehalten wird (oder alles gleichzeitig), ist vom konkreten Einzelfall abhängig.

Zugegeben: Ich bin immer noch ein Freund von Papier. Denn einen Leitfaden muss man einfach „in die Hand nehmen“ und darin „blättern“ können.

Zusatztipp: Bloß die Nutzer nicht ins Boot holen

Wenn Sie wirklich sicherstellen wollen, dass Ihr Styleguide scheitert, dann sollten Sie auf jeden Fall diesen Tipp befolgen. Reden Sie über die Köpfe Ihrer Nutzer hinweg. Vermeiden Sie, die Erfahrungen der Redakteure einzuholen, ignorieren Sie ihre Befürchtungen und Bedürfnisse. Sprechen Sie von “Regeln, die befolgt werden “müssen“; drohen Sie mit Konsequenzen, wenn Regeln nicht eingehalten werden.

Kurz: Zeigen Sie sich als autokratischer Diktator. Und machen Sie sich auf jeden Fall unerreichbar, damit Sie kein Anwender-Feedback belästigt. Denn mal ehrlich: Wenn eine Regel im Alltag nicht weiterhilft, dann liegt das doch an den Redakteuren und nicht am Styleguide…

Leben und arbeiten

Rolf van Melis  / pixelio.de

Klappt das – Familie und Beruf?
(c) Rolf van Melis / pixelio.de

In den letzten Jahren hat ein Thema in der Personalentwicklung Konjunktur bekommen, das gerne mit dem neudeutschen Begriff “Work-Life-Balance” umrissen wird. Bei doctima beschäftigen wir uns schon seit längerem mit der Frage, wie sich Beruf, Familie und persönliche Weiterentwicklung vereinbaren lassen. Dafür sind wir auch wiederholt ausgezeichnet worden, z. B. 2010 vom Bundesfamilienministerium (Video) oder vor einigen Tagen von der Metropolregion Nürnberg mit dieser schönen Urkunde.

10 Jahre Familienorientiertung

10 Jahre Familienorientiertung

Mehr als nur Worte

Aber so schön diese Anerkennung auch ist: Bloße Worte helfen bei diesem Thema niemandem. Und in der Praxis ist es oft nicht so leicht, den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Schnell sind z. B. in einem “familienorientierten” Unternehmen die jüngeren Kollegen unzufrieden, wenn sie den Eindruck bekommen, dass sich alles nach den Bedürfnissen der Mitarbeiter mit Kindern richtet.

Damit kein Bereich zukurz kommt, unterscheiden wir deshalb drei unterschiedliche Aspekte bei der Work-Life-Balance.

  • Selbst: Wie kann ich mich persönlich weiterentwickeln? Welche Perspektiven bietet mir meine Arbeit? Wo will ich mich hinentwickeln? Das sind Fragen, die alle Mitarbeiter bewegen. Damit genügend Entwicklungsmöglichkeiten für alle bestehen, haben wir ein Fortbildungsbudget eingeführt, das alle Kollegen eigenverantwortlich für die Themen einsetzen können, in denen sie selbst ihren Schwerpunkt setzen wollen. Das Budget ist unabhängig von den Fortbildungen, die für die konkrete Arbeit notwendig sind. Für die persönliche Weiterentwicklung ermöglichen wir es MItarbeitern eine Auszeit zu nehmen. Eine Kollegin nutzt das beispielsweise gerade, um ein privates Buchprojekt voranzubringen.
  • Arbeit: Wie wird meine Arbeit geschätzt? Wo kann ich mich verbessern? Welche Änderungen können die Arbeit leichter, effizienter oder qualitativ besser machen? In regelmäßigen Feed-Back-Gesprächen kümmern wir uns um solche Fragen. Wichtig ist dabei, auf Augenhöhe zu sprechen: Kritik kann und soll geäußert werden, aber stets in beide Richtungen.
  • Familie: Das ist natürlich der klassische Bereich der Work-Life-Balance. Bei doctima bieten wir hier eine ganze Palette von Maßnahmen an, angefangen bei flexiblen Arbeitszeitmodellen über Telearbeit und bis hin zu Auszeiten für die Pflege von Familienangehörigen. Wichtig ist aber neben den einzelnen Maßnahmen vor allem eine Kultur, die Familie nicht als Belastung für Mitarbeiter begreift, sondern als Resource aus der sich Kraft und Inspiration schöpfen lässt.

Bleibt zum Abschluss noch die harte betriebswirtschaftliche Frage: Ist Work-Life-Balance nicht nur eine Form von Gutmenschentum, die letztlich das Unternehmen und seine Ertragskraft belasten? Unsere Erfahrung zeigt: Das ist nicht so.Wer langfristig innovativ und  erfolgreich sein will, muss Mitarbeitern Raum zur Entwicklung geben. Entwickeln kann man sich aber nur als ganze Persönlichkeit – ein künstlicher Gegensatz zwischen Familie und Arbeit, zwischen privat und beruflich legt dem nur Hemmnisse in den Weg.

 

Verständlichkeit (zu) leicht gemacht

Verständlichkeit - kinderleicht?`

Verständlichkeit – kinderleicht?`
(c) Helene Souza / pixelio.de

Ja, das gibt es wirklich. Man stöbert mal wieder zu seinem Leib-und-Magen-Thema “Verständlichkeit” und stößt auf ein kostenloses Selbstlernheft des Bundesministeriums des Innern (oder genauer gesagt, der “Bundesakademie für öffentliche Verwaltung”). “Spannend”, dachte ich und habe mir das Werk einmal näher angesehen.

Die Autorin, Monika Salchert, war mir bisher nicht als Verständlichkeits-Expertin aufgefallen. Und tatsächlich: eine kurze Recherche zeigt: Sie ist Lokal-Journalistin und Buchautorin von Werken wie “Mit Genuss einkaufen in Köln und in der Region” und “Entspannt essen gehen mit Kindern”. Das muss an sich kein Manko sein; in diesem Fall merkt man der Broschüre die fehlende fachliche Grundlage aber an.  Die Ratschläge beschränken sich auf Altbekanntes aus der Mottenkiste der traditionellen Stilistik. Passiv vermeiden, Fremdwörter erklären, keine Abkürzungen – im Prinzip ist das nicht verkehrt, aber im konkreten Einzelfall reicht solch eine pauschale Aussage meist nicht aus. Da habe ich schon die seltsamsten Stilblüten gesehen: Fachleute, die anderen Fachleuten Standardterminologie erklären; überlange Tabellenspalten; seltsame Satzanschlüsse, um das Passiv zwanghaft zu vermeiden. Pauschale Regeln richten im Alltag oft mehr Schaden an als sie nutzen.

Für die berufliche Fortbildung hat mir auch der Aspekt “Verständlichkeit und Recht” gefehlt. Oft genug sind im Berufsalltag gesetzliche Anforderungen der Grund für unverständliche Formulierungen. Wie geht man damit professionell um? Mit solchen Fragen lässt die Autorin ihre Leser leider allein.

Nun könnte man sagen, dass in einer kurzen Broschüre mit 46 Seiten Text dafür nicht der Raum ist. Dann frage ich mich allerdings, warum sich der Text ein Kapitel über die sogenannte “Neue Rechtschreibung” gönnt. Zur Erinnerung: Die Rechtschreibreform war 1996. Ein Berufseinsteiger hat in seiner Schullaufbahn höchstwahrscheinlich nie etwas anderes kennengelernt. Und wer nach 17 Jahren die Änderungen immer noch nicht kennt, hat weiß Gott andere Probleme als nur die Verständlichkeit seiner Texte.

Insgesamt leidet das Selbstlernheft darunter, dass seine Zielgruppe nicht wirklich deutlich wird. Anwendungsfälle im beruflichen Schreiben gibt es viele: Vom Verwaltungsschreiben über das Pflichtenheft bis hin zum Roman – Verständlichkeit ist die Ersteller dieser Texte wichtig, die Probleme und Lösungen sehen aber jeweils anders aus. Die Beispieltexte der Broschüre reichen vom belletristischen und journalistischen Schreiben bis hin zu amtlichen Schriftstücken. Etwas mehr Fokus hätte dem Text gut getan. Bezeichnend, dass auch das Thema “Zielgruppe” und Verständlichkeit bestenfalls gestreift wird. Dabei herrscht in der Verständlichkeitsforschung mittlerweile Einigkeit, dass Verständlichkeit immer von der Zielgruppe um dem kommunikativen Kontext abhängt.

Wohlgemerkt, das Selbstlernheft hat auch seine Verdienste. Es ist selbst verständlich geschrieben und enthält Zusammenfassungen der wichtigsten Punkte und zahlreiche Beispiele, wie es geht (und wie es nicht geht). Schreibübungen regen zum Ausprobieren an. Anhand von Musterlösungen lernt man zu erkennen, worauf es ankommt. Für absolute Neulinge oder für den Schreibunterricht in der Mittelstufe kann das Selbstlernheft also durchaus sinnvoll sein. Für professionelle Autoren aber reicht das Heft bei weitem nicht.

Literatur: Salchert, Monika [2. Auflage/2012]: Verständliches Schreiben – Mehr Erfolg durch gute Texte. hg. Bundesakademie für öffentliche Verwaltung im Bundesministerium des Innern

Im Falle eines Falles

Grammatikrat am Sprachtelefon  (c) Rainer Sturm / pixelio.de

Grammatikrat?
(c) Rainer Sturm / pixelio.de

Grammatik löst bei den meisten Leuten ähnliche Euphorie aus, wie ein Zahnarzt-Besuch – meistens schmerzhaft, bestenfalls langweilig. Als Linguist sehe ich das naturgemäß anders: Für mich ist Grammatik die Struktur, mit der wir komplexe Bedeutung überhaupt erst aufbauen können.

Sobald man sich aber als Grammatik-Fan geoutet hat, zeigt sich: Viele Leute plagen sich mit grammatischen Fragestellungen herum und suchen Klarheit, wie es “nun eigentlich richtig ist.” In Ausgabe 01/2013 der technische kommunikation habe ich einmal einen klassischen Fallstrick aus der Grammatik unter die Lupe genommen. “Von Fall zu Fall korrekt” beschäftigt sich mit den Tücken des Dativs und Akkusativs.

Was tun bei Sprachfragen?

Und falls der kurze Beitrag bei Ihnen noch Fragen offen gelassen hat. Schnellen und einfachen Rat zu grammatischen Themen bietet canoo.net – für mich die erste Anlaufstelle bei Grammatikfragen. Sehr empfehlenswert ist dort auch das Blog “Fragen Sie Dr. Bopp“, in dem Sprachfragen der Leser kompetent beantwortet werden. Einen ähnlichen Service bietet das Sprachtelefon der Uni Duisburg-Essen; auch hier kann man sich kompetent zu Zweifelsfällen der deutschen Sprache informieren. Und wenn Ihre Anforderungen komplexer sind und sich nicht in einigen wenigen Sätzen beantworten lassen: Für solche Fälle haben wir – Achtung Eigenwerbung – ein Coaching-Angebot entwickelt.

Haben Sie gute Anlaufstellen bei Sprachfragen entdeckt? Lassen Sie uns doch wissen, wo Sie Rat suchen oder wo Sie interessante Informationsquellen entdeckt haben.

Nachlese zur tekom-Frühjahrstagung

Tekom F13 - Fahnen im Wind

tekom F13 – Fahnen im Wind

Der Branche ist es nicht unverborgen geblieben: Letzte Woche fand die tekom-Frühjahrstagung statt. Diesmal in Münster, was die Anreise zwar recht lange gestaltet hat. Dafür gab es aber die Gelegenheit, sich mit norddeutschen Kollegen zu treffen, die sonst oft unter langen Anfahrten leiden (und deshalb seltener zu sehen sind).

Das Drumherum…

Und ich muss sagen, mit Münster hat die tekom eine gute Wahl getroffen. Nicht nur wegen dem ausgesprochen schmucken Stadtbild – wovon man auf einer Tagung ja ohnehin nur in homöopathischen Mengen etwas mitbekommt. Auch der Veranstaltungsort war gut gewählt: Er war leicht erreichbar und bot mit kostenlosem Garderobenservice und W-LAN mehr als manch anderer Veranstalter. Das Catering war ebenfalls ausgezeichnet, wobei sich bei mir aber wieder einmal bestätigt hat, dass Rote Bete der natürliche Feind des Business-Hemds ist.

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(c) Martin Häberle / Lesegefahr.de

Am Rande notiert: Einen schönen Beweis, dass Technische Redakteure auch Humor haben, lieferte die tekom übrigens im Eingangsbereich zur Tagung mit einer wohlgeformten Kurzanleitung, wie man in diesem Foto bewundern kann.

… und die Inhalte

Inhaltlich war wieder einiges geboten. Die Keynote von Lutz Schumacher führte in die Tücken moderner Technik ein. Amüsant, aber an manchen Stellen hätte ich persönlich mir mehr Bezug zur Technischen Dokumentation gewünscht.

Das Rahmenthema “Mobile Dokumentation” war gut gewählt und schon die Zahl der Beiträge zeigte, dass das Thema im Mainstream der Technischen Dokumentation angekommen ist. Höhepunkt war sicherlich die Vorstellung des tekom-Leitfadens, an dem auch unser Kollege Edgar Hellfritsch beteiligt war. Auffällig war beim Thema Mobile Dokumentation aber auch: Bisher fehlen noch immer die Killer-Applikationen. Die meisten der Präsentationen und Projektbeispiele beschränkten sich darauf, zu zeigen, “dass es geht”.

Positiv aufgefallen ist mir in diesem Zusammenhang hingegen ein Vortrag von Thomas Barnitzki (RWTH Aachen), der anhand eines Industrieprojekts aus dem Bergbau zeigte, wie man 3D-Anleitungen auf iPads bringt. Es war spannend zu sehen, dass solche Anleitungen nicht nur helfen können, Informationen anschaulich zu präsentieren, sondern auch interkulturelle Blockaden zu durchbrechen. Sein Fazit stimmt allerdings nachdenklich: “Überlegen Sie genau, ob Sie das brauchen, der Aufwand ist sehr hoch.” und “Rechnen Sie mit dem spitzen Stift.”

Ebenfalls positiv: Der Vortrag von Martin Häberle (Lesegefahr.de), der sich einmal darüber Gedanken gemacht hat, ob Apps wirklich so selbsterklärend sind, wie immer behauptet wird, und wie ein intelligentes Hilfekonzept für Apps aussehen könnte. Denn bisher werden die Hilfen für Apps immer noch von den Entwicklern erstellt – Willkommen zurück in der Steinzeit der Technischen Dokumentation!

Abseits vom Thema mobil gab es noch Vorträge zu den Dauerbrennern strukturiertes Schreiben und Anwenderfreundlichkeit. Endlich einmal auch aus dem Blickwinkel leichte Sprache und barrierefreie Dokumentation, die uns hier ja auch schon gelegentlich beschäftigt hat. Hoffnungsfroh stimmt mich, dass die Workshop-Moderatoren Christian Lieske und Melanie Siegel sich mit der Frage beschäftigt haben, wie sich Texte in leichter Sprache mit Controlled Language Checkern unaufwändiger schreiben lassen. Vielleicht lässt sich ja so die Kostenneutralität erreichen, die die Teilnehmer in unserer Umfrage gefordert haben.

Bleiben noch unsere eigene Tagungsbeiträge zu erwähnen. Ich hatte mich – wenig überraschend – mit einem Kurztutorial zum Thema “Keine Angst vor Blogbeiträgen” zu Wort gemeldet. Blogs führen in der Technischen Dokumentation leider noch immer ein Schattendasein. Aber langsam scheint sich daran etwas zu ändern. Jedenfalls war das Interesse an meinem Tutorial so groß, dass aus Platzgründen Teilnehmer wieder gehen mussten. Für alle die Pech gehabt haben: Wir haben die Folien zum Download auf der tekom-Tagungs-Homepage bereitgestellt.

Einschub von Edgar Hellfritsch
eh11_reasonably_smallMein Beitrag gab einen Überblick über Sicherheitsaspekte bei der Verteilung von Unternehmensinterna auf Mobilgeräte. Für meine Zuhörer schien das tatsächlich ein spannendes Thema zu sein: Obwohl ich – ins Mittagessen hinein – merklich überzogen habe, blieben sie fast alle bis zuletzt gespannt sitzen.
Markus’ Einschätzung zu Location und Inhalten der Tagung teile ich weitgehend, wenn auch ein oder zwei Vorträge bei mir vor allem den Erkenntnisgewinn brachten, dass wir bei dem Mobilthema, nun ja, im Vergleich ziemlich weit vorne dabei sind.

Zu guter Letzt ein Bitte an unsere Leser: Waren Sie selbst auf der tekom Frühjahrstagung? Wie war Ihr Eindruck? Und falls Sie nicht dort waren: Was hätten Sie gerne gesehen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Ein paar Links

No Risk – No Fun. Risikokommunikation für die Technik

Buchcover Risikokommunikation

Narratives of Risk - Risikokommunikation jenseits des Tellerrands

Es gibt diese Bücher, die wir Technischen Redakteure auf jeden Fall als Handwerkszeug kennen sollten. Und dann gibt es da noch die Bücher, die uns über die unmittelbare Alltagsarbeit hinaus inspirieren können. Auf ein solches Buch hatte ich gehofft, als ich auf “Narratives of Risk – Interdisciplinary Studies” gestoßen bin. Und ich muss sagen, ich wurde auch nicht enttäuscht.

Risiko in Perspektive

Der Band versammelt auf mehr als 500 Seiten 21 wissenschaftliche Beiträge zur Risikokommunikation. Bemerkenswert ist dabei der breite fachliche Hintergrund: Literatur und Linguistik, Medizin, Theologie und Politologie. Entsprechend vielfältig sind auch die Themen: Texte die für ihre Autoren zum Risiko werden, Texte die vor Risiken warnen, Texte die ein Risiko darstellen – der Bogen ist weit gespannt.

Natürlich ist das nicht alles unmittelbar relevant für Technische Redakteure, wenngleich manches durchaus interessant ist und den Horizont erweitert, z. B. wenn es um das Risiko ewiger Verdammnis in Balthasar Münters Texten aus dem 18. Jahrhundert geht.

Darüber hinaus gibt es aber auch Beiträge, die uns direkt betreffen; auf einige will ich kurz eingehen. Allen voran ist hier ein Beitrag von Anastasia Parianou zu nennen, in der sie einen Ansatz zur Risikokommunikation in Gebrauchsanleitungen vorstellt. Kurz zusammengefasst: Eine Strategie zur Risikokommunikation muss das “Involvement” der Leser und ihre Emotionalität berücksichtigen. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass das Produkt bzw. die Technik abgelehnt wird und der Leser den Produktnutzen nicht realisieren kann. Sie demonstriert dies anschaulich an der Anleitung zu einem Notrufgerät für Senioren, die Befürchtungen der Leser ernst nimmt und durch geeignete kommunikative Maßnahmen (erklären, positives Feedback etc.) beseitigt.

Aase Voldgard Larsen zeigt mit Texten zur Nanotechnologie, wie durch kluge Risikokommunikation auf Unternehmens-Websites Vertrauen und Identifikation mit dem Hersteller aufgebaut werden kann. Sicherheit und Vertrauen, Warnhinweise und Kundenbindung – ein Gedanke, den es sich auch für Anleitungen weiterzuverfolgen lohnt.

Peter Langemeyer beschäftigt sich mit Jugendliteratur und welche Rolle Risiken darin spielen. Er stellt fest: “Risiko und Gefahr können [...] einen Reiz ausüben.” (S. 310) und “dass große Bedrohungen keine abschreckende Wirkung haben müssen. Im Gegenteil. [...] Die Bereitschaft, eine Handlung einzugehen, steigt mit der Wahrscheinlichkeit des Scheiterns und der Höhe des eintreffenden Schadens oder Verlusts.” Auch das ist ein Punkt, der in der Technischen Dokumentation eher wenig thematisiert wird: Haben unterschiedliche Zielgruppen ein unterschiedliches Risikoverhalten und wie ist ggf. damit umzugehen?

Karl Halvor Teigen geht in seinem Aufsatz der Frage nach, wie wir die Werte für statistische Wahrscheinlichkeiten in Texten für die Allgemeinheit mit Worten ausdrücken. Er zeigt, dass hier eine Fülle von Missverständnissen lauern, die letztlich auf dem unterschiedlichen Umgang von Fachleuten und Laien mit Risiken beruhen: “Affective, motivational, and cognitive aspects of risks may overrule statistical information about accident frequencies.” In Anleitungen wird bisher die Wahrscheinlichkeit von Risiken ohnehin nur selten thematisiert. Auf der sicheren Seite sind wir deshalb aber noch lange nicht. Denn verstehen unsere Benutzer zum Beispiel wirklich den Unterschied zwischen “Warnung” und “Gefahr” wie die ANSI Z.535 ihn vorsieht?

Risiko und Dokumentation

Risiken spielen in der Technischen Kommunikation eine wichtige Rolle. Denn jedes einigermaßen komplexe Produkt bringt Risiken mit sich. In der Technischen Kommunikation sprechen wir allerdings seltener von den Risiken, stattdessen steht der Begriff der Sicherheit im Zentrum unserer Überlegungen. Wie mir beim Lesen des Buches bewusst wurde, kann das durchaus relevant sein. Denn Risiken beinhalten neben den Gefahren auch den Gewinn bzw. Nutzen, weswegen man das Risiko eingeht. “Zum Risiko gehört beides: Verlust und Gewinn [...]. Es kann negativ, aber auch positiv bewertet werden” (S. 31). Sicherheit ist dagegen ein Zustand, der an sich und deshalb auch absolut wünschenswert ist. Kann es sein, dass wir deshalb in der Technischen Dokumentation so oft versuchen, auch noch die abwegigsten Gefahren auszuschließen und dadurch manchmal in Versuchung geraten, den Nutzen des Produkts unter den Tisch fallen zu lassen?

Fazit

Was bleibt zu sagen? Das Buch ist sicher keine leichte Kost. Wer nicht gewohnt ist, sich mit geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung zu beschäftigen, wird sich wohl kaum dazu aufraffen. Wer diese Mühen aber auf sich nimmt, wird immer wieder durch inspirierende Einsichten belohnt. Gerade weil sich die Beiträge mit einem breiten Themenfeld beschäftigen. Und weil sie nicht auf direkte Umsetzbarkeit schielen.

Bedauert habe ich lediglich, dass das Buch keinen Index mitbringt. Denn so stehen die Aufsätze doch weitgehend unverbunden nebeneinander, Parallelen zwischen unterschiedlichen Themenfeldern erschließen sich deshalb nur mit Mühe.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Waxmann  Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur: Knudsen, Karen Patrick u. a. (Hrsg.) [2012]: Narratives of Risk – Narrative des Risikos. Interdisciplinary Studies – Interdisziplinäre Beiträge. Waxmann Verlag, Münster u. a. ISBN 978-3-8309-2903-4

Personas – ein Segen und ein Fluch

(c) Ruth Rudolph  / pixelio.de

(c) Ruth Rudolph / pixelio.de

Ende Februar haben Kyra Edeker und Jan Moorman im UXMagazin einen Beitrag gepostet, den ich aus zwei Gründen interessant finde. Die Autorinnen beleuchten in knapper Form die mittlerweile 30-jährige Geschichte der Personas und verlinken dazu – quasi als Bonus – eine ansprechende Infographik. Zum anderen setzen sie sich im Detail mit der zunehmenden Kritik zu Personas auseinander, die in der UX-Gemeinde in letzter Zeit laut wird. Was bedeutet die Kritik für die Zielgruppenarbeit in der Technischen Redaktion?

Problem-Personas

Edeker und Moorman identifizieren drei typische Probleme bei der Erstellung von Personas:

  1. Halbgare Personas
    Erstellen die Beteiligten ihre Personas mit zu wenig systematischen Untersuchungen, dann entstehen Personas, die nur scheinbar das Bedürfnis der Benutzer nach einem Arbeitswerkzeug erfüllen. Die Usability-Experten erhalten zwar eine Persona, durch eine unzureichende Faktengrundlage verleitet sie aber zu Fehlentscheidungen. “A little knowledge is a dangerous thing,” wie Alexander Pope schon im 19. Jahrhundert wusste.
  2. Leere Personas
    Noch schlimmer sind leere Personas, die ohne Faktengrundlage lediglich aus Marketing-Annahmen und Vermutungen der Projektbeteiligten gespeist werden. Solche Personas halten in der Realität nicht stand, gehen an den Bedürfnissen der Entwickler vorbei und destabilisieren langfristig das Vertrauen in die Persona-Technik insgesamt.
  3. Überdefinierte Personas
    Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Fällen liegt hier das Problem in zu viel Information mit zu wneig relevanz für die Entwickler. Edeker und Moorman verdeutlichen das am Beispiel einer Software für Support-Hotlines. Für die Persona ist letzten Endes nicht entscheidend, ob sie verheiratet ist oder nicht. Stattdessen muss die Persona aber herausarbeiten, dass es unterschiedliche Typen von Support-Mitarbeitern gibt: Unerfahrene, die lediglich möglichst viele Tickets abarbeiten und erfahrene, denen die Zahl der abgearbeiteten Tickets weniger wichtig ist und die sich auf eine gute Supportleistung konzentrieren.

Lösungen

Sollten wir angesichts dieser Probleme auf Personas verzichten? Die Autorinnen kommen zu einem eindeutigen Ergebnis:

Good personas that enable us to have extended role-play with our users serve a need that isn’t currently filled by anything else. If the design community throws personas in the trash, they’re back to square one: the standard old argument around the product team table based on everyone’s personal opinion. The user is lost in the equation.”

Es gibt also keine Alternative zu Personas. Aber es gibt Möglichkeiten, sie besser zu machen. Schlüsselfaktoren sind dabei:

  • Solide Informationsbeschaffung und -auswertung
  • Balance zwischen persönlichen Charakteristika (um die Persona realistischer zu machen) und den Einstellungen, Zielen, Erwartungen der Personas
  • Anreicherung der Persona mit realen Fotos, Videos etc. aus der Benutzerbefragung
  • Bewerben und Verbreiten der Personas im eigenen Unternehmen

…und die Technische Dokumentation?

Edeker und Moorman beziehen sich mit ihrem Post auf den Aspekt des Produkt- und User-Interface-Designs. In weiten Teilen gilt das aber gleichermaßen für die Technische Dokumentation (wie sich ja insgesamt viele Parallelen zwischen Dokumentation und Usability finden lassen).

Allerdings trifft uns das Problem der “leeren Personas” fast noch schärfer, da das Produkt-Design den Käufer zumindest teilweise berücksichtigen muss und Marketingdaten dadurch zumindest eine geringe Relevanz haben. Technische Dokumentation hingegen richtet sich immer an den Benutzer – und dessen Bedürfnisse können sich von denen des Käufers stark unterscheiden.

Den Ratschlag, Personas auf einer aufwändigen Benutzeruntersuchung aufzubauen, ist wiederum für Technische Dokumentation berechtigt aber letzten Endes unrealistisch. Denn wenn schon die Produktentwicklung nicht die Budgets dafür erhalten, sind die Chancen für die (oft als notwendiges Übel verstandene) Dokumentation noch wesentlich geringer.

Einen Ausweg bietet hier manchmal eine strategische Allianz mit dem Marketing und den Usability-Fachleuten. Was einer Abteilung als Budget nicht zugestanden wird, können drei Bereiche vielleicht gemeinsam verargumentieren. Wichtig ist für uns dann aber, dass die Recherchen sich auch auf die Benutzer erstrecken und nicht nur Kunden-Personas einbeziehen.

Alles in allem bleibt uns in der Technischen Dokumentation wohl nichts anderes übrig, als mit dem zu arbeiten, was wir haben. Das entspricht zwar ziemlich genau dem Problembild “halbgare Persona”. M. E: ist diese Lösung aber immer noch besser als komplett ohne Benutzerkonzept zu arbeiten. Umso wichtiger ist es, die Personas regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen und mit Benutzerdaten abzugleichen, soweit wir sie ermitteln können.

 

Zu Gast bei Freunden – doctima bei der SCHEMA User Conference 2013

Schema User Conference 2013

Schema User Conference 2013

Vor einiger Zeit erklärte mir jemand, er erkenne einen echten Freund unter anderem daran, dass er bei ihm ohne fragen zu müssen an den Kühlschrank gehen und sich zu Essen nehmen könne, wenn ihn der Hunger plagt. Sprach’s und verputzte genüsslich die drei Wurstbrote, die mein Kühlschrank gerade noch so hergab.

Wenn man die SCHEMA User Conference letzte Woche als Kunde oder – so wie ich als Partner im Ausstellerbereich – besucht hat, konnte man das ähnlich sehen. Denn wie rührend unser Gastgeber dafür gesorgt hatte, dass man sich vor, zwischen und nach den Workshops und Vorträgen wohl fühlen konnte, das war nicht nur professionell, sondern mit offensichtlicher Freude an echter Gastfreundlichkeit organisiert.

Doch nur deswegen waren die etwa 250 Besucher nicht gekommen. Natürlich nicht.

Mehr ST4 geht kaum

Wer wie SCHEMA mit ST4 eines der modernsten Content Management Systeme (CMS) entwickelt hat, darf sich über regen Zuspruch freuen. Die SCHEMA User Conference am 06. und 07.03.2013 in Herzogenaurach bot die ideale Plattform für das fachinteressierte Publikum: ST4-Anwender, generell CMS-Interessierte, usw. Hier konnte man die neuesten Entwicklungen kennen lernen, sich mit anderen Anwendern in ungezwungener Atmosphäre über Erfahrungen austauschen, den SCHEMA-Entwicklern schnell mal mit fixen Ideen kommen. Neu auf der Agenda und sehr praktisch übrigens sind die einstündigen Anwender-Workshops gewesen.

Und nicht zu vernachlässigen: Die Partner-Area.

Win-win-Situationen

Wenn man seit beinahe 15 Jahren eine Partnerschaft pflegt so wie doctima und SCHEMA es tun, dann hat man viel mit- und voneinander gelernt und gemeinsam erlebt. Als Schema nun dieses Jahr das traditionelle User Group Meeting in die User Conference mit einem neuen Partner-Konzept umgewandelt hat, war für uns klar: Da wollen wir mit dabei sein.

Nirgendwo sonst kommen wir unserer Zielgruppe ST4-User näher und nirgendwo sonst ist unser Know-how – Technische Redaktion mit ST4 – so gefragt wie hier.

Nur ein Beispiel: Ein Maschinenbauunternehmen hat ST4 seit kurzem im Einsatz, das 19-köpfige Redaktionsteam macht sich „by doing“ mit allen Finessen der System-Konfiguration vertraut, wird geschult, kommt prima voran. Aber plötzlich, wie’s so kommt, feiert der Vertrieb Erfolge, die zu einer regelrechten Auftragsspitze führen. Verzug in der Auslieferung der Technischen Dokumentation ist tabu. Was liegt näher, als das Team auf Zeit mit technischen Redakteuren zu verstärken, die ST4-Erfahrung haben? Oder kurzfristig Beratung von Profis einzuholen, wie man ST4 noch besser nutzen, den Redaktionsprozess noch effizienter gestalten kann?

Diese und ähnliche Fragen haben wir während der zwei Tage in Herzogenaurach häufig gehört und – so machen uns die ersten Feedbacks berechtigte Hoffnung – sehr zur Zufriedenheit unserer Kunden und Interessenten beantwortet.

In angenehmer Atmosphäre, wie gesagt.

Daher ganz herzlichen Dank ans SCHEMA-Team.

P. S.: Mittlerweile ist im Schema-Blog auch ein Film mit Impressionen von der User Conference zu finden. Viel Spaß beim Ansehen!

Mobil und sicher

Symbolbild: Datenschutz

(c) Gerd Altmann / pixelio.de

Hier ist er also nun, der versprochene zweite Teil zum Thema “Mobil im Unternehmen”. Einsatzgebiete gibt es genug für mobile Inhalte in Unternehmen. Entsprechend vielfältig sind auch die Verteilwege für mobile Informationen. Stellt man die Inhalte per Webserver online bereit, was das Aktuell-Halten erleichtert, aber nicht in allen Fällen anwendbar ist (Funkloch, Datenmenge, Antwortzeit)? Oder sendet man ein PDF oder eBook per Mail auf das Gerät senden und speichert es dort abspeichern, um die Information lokal verfügbar zu haben? Für gehobene Ansprüche kann eine eigene, native App angebracht sein, die wiederum Inhalte von online oder offline anzeigen kann.

Vorsicht ist in dem Moment geboten, wenn schützenswerte Daten ins Spiel kommen – und das passiert schneller als man denkt. Nicht alle Informationen beispielsweise, die die Kollegen von Vertrieb oder Service mit sich führen, sind für die Öffentlichkeit bestimmt. Und die oben genannten Verteilwege besitzen unterschiedliche Schwachstellen. Somit ergibt sich die Frage, wie man bei Bedarf einen ausreichenden Grad an Sicherheit gewährleisten kann.

Schützenswerte Daten sind, grob formuliert, entweder firmeninterne Informationen, die aus Eigen- oder Kundeninteresse nicht nach außen dringen dürfen, oder personenbezogene Daten, die dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung unterliegen. Schaden kann entstehen durch unerlaubtes bzw. unerwünschtes Lesen, Weitergeben, Verändern oder Löschen dieser Daten.

Auf dem Transportweg lassen sich Daten abfangen, etwa durch sog. Man-in-the-Middle-Attacken. Auf dem Gerät kann Schadsoftware die Daten ausspionieren. Nach Verlust oder Diebstahl lässt sich Information in aller Ruhe extrahieren. Besonders einfach zu verlieren sind SD-Karten, die in vielen Geräten als flexible Speichererweiterung verwendet werden. Ebenfalls heikel ist die Praxis, private Geräte dienstlich zu benutzen (Bring Your Own Device), wo sich private Apps und dienstliche Daten eine Plattform teilen – und wo gerne unverschlüsselte Backups des Mobilgeräts auf dem heimischen PC landen (z.B. via iTunes) bzw. möglicherweise personenbezogene Daten in ein nach EU-Recht unsicheres Drittland ausgelagert werden (z.B. via iCloud).

Bevor man interne Daten mobil bereitstellt, sollte man also an Schutzmechanismen denken. Grundlagen für jede Schutzmaßnahme sind Authentifikation und Verschlüsselung. Um fremde Augen fern zu halten, muss als Minimum ein Passwort-Schutz eingerichtet sein. Um den unbefugten Zugriff zu erschweren, sollten schützenswerte Daten verschlüsselt übertragen und abgelegt werden.

Mobile Geräte lassen sich über eine PIN oder ein Passwort vor unerlaubter Nutzung sichern. Allerdings lässt sich dieser Schutz aus Bequemlichkeit abschalten, was auf keinen Fall für dienstlich genutzte Geräte erlaubt sein sollte. Blackberry unterscheidet private und dienstliche Nutzung. Android lässt ab Version 4.2 mehrere Benutzer zu. Es empfiehlt sich, diese Optionen zu nutzen, um privat installierte Apps von den dienstlichen Daten zu trennen.

In Apple-Geräten ist eine hardwarebasierte Verschlüsselung des gesamten Systems fest eingebaut. Ein Jailbreak hebelt allerdings diesen Schutzmechanismus komplett aus. Android kennt eine automatische Verschlüsselung seit Version 3, die aber standardmäßig deaktiviert ist. Auch werden in der Regel nur “persönliche Daten” verschlüsselt, nicht aber z.B. die Inhalte von SD-Karten. Wie bei Android üblich, sind die Grundeinstellungen hersteller- und geräteabhängig gesetzt bzw. überhaupt vorhanden. Blackberry besitzt eine durchgehende Verschlüsselung.

Der übliche Weg, Apps und Dokumente auf mobile Geräte zu verteilen, ist die öffentliche Bereitstellung in einem “Store”. Dieser Weg scheidet für firmen-interne Informationen aus. Bindet man mobile Geräte über einen VPN-Zugang ins interne Unternehmensnetz ein, lassen sich v.a. Online-Inhalte auf einfache Weise sicher transportieren. Man kann das so weit treiben, dass der Zugriff nach intern nur über eine Remote-Lösung wie den Citrix-Receiver erlaubt ist. Allerdings bleibt vom Bedienkomfort des Touch-Geräts nicht viel übrig, wenn man sich vom iPad aus auf einen Windows-Server einloggt.

Eine flexiblere Lösung sind sog. Mobile Device Management Systeme, kurz MDM. Sie erlauben es, mobile Geräte gezielt und zentral mit Apps, Daten und Sicherheitszertifikaten zu versorgen. Hier gibt es eine Reihe von herstellerunabhängigen Lösungen wie Mobilelron oder Apptech360, aber auch proprietäre Systeme der Hersteller wie den Blackberry Enterprise Server BES oder die iOS Developer Distribution Platform von Apple.

Welche der o.g. Betriebssysteme man für interne Zwecke zulässt, hängt letztlich von Details ab. Setzt das eine Unternehmen ausschließlich auf Blackberry, unterstützt das andere nur die Apple-Plattform. Das Android-System ist zu heterogen und offen, um es pauschal als sicher und verwaltbar einzustufen. Ob sich das neue Windows Phone von Microsoft auf dem Markt durchsetzt, bleibt abzuwarten.