Verständlichkeitsforschung! Transdisziplinär?

Verständlihckeitsforshcung - Überblick und Zusammenschau

Verständlichkeitsforschung – Überblick und Zusammenschau

Manchmal liegen Bücher bei mir länger zur Rezension auf dem Schreibtisch als mir lieb ist. Das kann ganz verschiedene Gründe haben. Im Fall von „Verständlichkeitsforschung transdisziplinär“ war es schlicht und einfach – Neugier. Immer wenn ich mit meinem Post beginnen wollte, stieß ich auf diesen einen Aspekt, den ich noch unbedingt vorher durchlesen wollte, oder jene interessante Information, die ich auf jeden Fall noch einmal nachschlagen musste. Lange Rede, kurzer Sinn: das Buch hat mich nachhaltig gefesselt; nicht unbedingt wie ein packender Roman, aber doch mehr als das bei Fachbüchern üblicherweise der Fall ist. Und erst jetzt habe ich mich so weit losreißen können, dass dieser Post erscheinen kann.

Verständlichkeit – ein alter Hut?

Das liegt natürlich auch am  Thema. Ich verrate wahrscheinlich nicht zu viel, wenn ich hier gestehe, dass Verständlichkeitsforschung seit langem ein Steckenpferd von mir ist. Allerdings habe ich in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass das Thema irgendwie zu Ende erzählt ist. Neuere Publikationen – so mein EIndruck -variieren entweder lange Bekanntes oder beschäftigen sich mit Detailproblemen der kognitiven Text- und Bildverarbeitung, die sich nur schwer in die Praxis übertragen lassen.

„Ganz schön mutig!“ dachte ich mir deshalb, als Lutz Benedikt mir von seinem Buchprojekt erzählte. Und jetzt bin ich froh, dass er diesen Mut gehabt hat. Denn herausgekommen ist etwas lange Fälliges: Ein intelligent zusammengestellter Überblick über die diversen Strömungen der Verständlichkeitsforschung; ergänzt durch ein eigenes Modell der Verständlichkeit, das bestehende Modelle weiterentwickelt und gleichzeitig praxistauglich bleibt.

Verständlichkeit – neu gesehen!

Das allein wäre schon verdienstvoll genug. Neue Dynamik gewinnt das Thema aber auch durch den Blickwinkel aus unterschiedlichen Disziplinen und daraus, wie Benedikt Lutz zeigt, dass sich die Disziplinengrenzen in der Verständlichkeitsforschung auflösen. Man kann ihm nur zustimmen wenn er schreibt: „Häufig hat die Frage nach der jeweiligen Disziplin [in der Technischen Dokumentation; MN] gar keine Bedeutung mehr, wenn man gemeinsam nach guten Lösungen im Sinne der Anwender sucht.“

Und hier deutet sich auch der dritte Aspekt an, der dieses Buch zu einer gelungenen Lektüre macht: Benedikt Lutz schildert mit großer Sachkenntnis, wie das Thema Verständlichkeit in verschiedenen Berufsfeldern gehandhabt wird. Einziger Kritikpunkt: Bei dem Themenbereich der Softwareentwicklung (Kap. 9) hätte ich mir gewünscht, dass der Autor auch auf den Trend zur agilen Entwicklung eingeht – meiner Ansicht nach eine andere Art auf die Problematik einzugehen, dass es Entwicklern oft schwer fällt, verständliche und verbindliche Entwicklungsdokumente zu produzieren.

Transdisziplinäre Verständlichkeit – für wen?

Benedikt Lutz‘ Buch ist für mich mittlerweile die Einführung in das Thema Verständlichkeitsforschung – ein echtes Must-have. Ich kann das Buch allen empfehlen, die sich auf einem ernsthaften Niveau einen Überblick zum Thema Verständlichkeit verschaffen wollen. Wohlgemerkt: Das Werk ein Fachbuch und kein Ratgeber. Einfaches Rezeptwissen oder Tipps und Tricks sucht man hier vergeblich. Das will und soll das Buch aber auch nicht leisten.

Literatur: Lutz, Benedikt [2015]: Verständlichkeitsforshcung transdisziplinär. Verlag Vienna University Press, Wien, 406 Seiten. ISBN 978-3-84710-453-7

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Türkische Kulturwissenschaft für Technische Redakteure?

Fachbuch für Übersetzer. Und für Technische Redakteure?

Fachbuch für Übersetzer. Und für Technische Redakteure?

An dieser Stelle haben wir bereits von der Bedeutung interkultureller Kompetenz bei Technischen Redakteuren gesprochen. Heute liegt ein Buch (Mehmet Tahir Öncü: Kulturspezifische Aspekte in technischen Texten) zur Rezension auf unserem Schreibtisch, das eigentlich für (Fach-)Übersetzer gedacht ist. Mit seiner kulturvergleichenden Analyse von Gebrauchsanleitungen könnte es aber auch eine interessante Quelle für die Technische Redaktion sein.

Fachübersetzer müssen neben fremdsprachlichem Wissen in einem fachlichen Bereich auch über ein Bewusstsein für die kulturellen Besonderheiten der Sprachgemeinschaft verfügen. Wer Land und Leute, Sprache und Kultur kennt, kann Übersetzungsfehler vermeiden.

Eine Hilfestellung für den türkischsprachigen Raum möchte Mehmet Tahir Öncü mit seiner Habilitationsschrift vor allem Übersetzern bieten. Doch auch für Technische Redakteure ist sie ein nützliches Nachschlagewerk, und zwar nicht nur in Bezug auf  türkischsprachige Anleitungen.

Worum geht es?

Öncü setzt sich mit seinem Werk „Kulturspezifische Aspekte in technischen Texten“ zwei ehrgeizige Ziele – gleichzeitig kommt seine Arbeit, laut seinen Worten, einer Pionierarbeit gleich, da es noch kein ähnliches Unterfangen im Bereich des Fachübersetzens gibt:

  • Er möchte neue  Ergebnisse für die systematische Analyse mono- und multilingualer Gebrauchsanleitungen liefern.
  • Er will spezifische Eigenschaften auf Text- und Satzebene von deutsch- und türkischsprachigen Anleitungen aufzeigen.

Öncü richtet sich damit in erster Linie an Fachübersetzer, die für den türkischsprachigen Raum deutsche Gebrauchsanleitungen übersetzen. Dazu untersucht er Gebrauchsanleitungen der beiden Sprachen von nationalen und internationalen Herstellern von Haushaltsgeräten.

Kurzer Vergleich  der deutschen und türkischen Kultur

Das Buch besteht wie jede gute wissenschaftliche Arbeit aus einem Theorie- und einem darauf aufbauenden Empirieteil. Nachdem er den Begriff „Kultur“ im Theorieteil kurz umrissen hat, vergleicht Öncü die deutsche und türkische Kultur mithilfe des häufig für  Analysen zugrunde gelegten Fünf-Dimensionen-Modells nach Hofstede, das (bis dahin) als einziges die türkische Kultur einbezieht.  Die fünf Dimensionen umfassen:

  1. Machtdistanz/Soziale Distanz
  2. Kollektivismus vs. Individualismus
  3. Unsicherheitsvermeidung
  4. Maskulinität vs. Feminität
  5. Langfristige vs. kurzfristige Orientierung

Öncü stellt in seinen Vergleichen fest, dass in nahezu allen Dimensionen Unterschiede in den beiden Kulturen bestehen. Um dem Thema „Übersetzen“ treu zu bleiben, erklärt er danach die Eigenheiten der Übersetzungsmechanismen in Deutschland und in der Türkei. So zeigt er zum Beispiel die unterschiedlichen Einflüsse für Übersetzungen, die durch verschiedene Wahrnehmung von Zeit oder Machtdistanzen entstehen und wie diese die Kommunikation prägen. Nach diesem Einblick in die deutsch- und türkischsprachige Kulturwissenschaft geht Öncü kurz auf universelle und kulturspezifische Eigenschaften von Gebrauchsanweisungen ein. Um seinen Untersuchungsgegenstand „Gebrauchsanleitungen“ definieren zu können, erläutert er Fachtextsorten und deren Konventionen. Öncü definiert die Textsorte „Gebrauchsanleitung“  als Mittel der Massenkommunikation und grenzt sie als Textsorte unter der Sammelbezeichnung „Technische Dokumentation“ ab. Er attestiert dieser Textsorte eine „Kulturgebundenheit“, also eine Abhängigkeit zur jeweiligen Kulturgemeinschaft, für bzw. in der sie verfasst wurde.

Praktische Erkenntnisse für Übersetzer und Technische Redakteure?

Seine Analysen im Empirieteil konzentrieren sich auf die Bereiche der Text- und Satzebene. Vor allem für Übersetzer, aber auch für Redakteure,  sind die Ergebnisse auf Textebene interessant. Hier legt er den Schwerpunkt auf die Makrostruktur, Sprechakte und den Personeneinbezug. Ein beispielhafter Einblick in seine Ergebnisse zum Bereich der Sprechakte:

Es mag manch einen erstaunen, dass die deutschsprachigen Anleitungen der Untersuchung mehr Direktive (Aufforderungen, Befehle, Bitten) aufweisen als die türkischsprachigen. Diese verwenden im Vergleich zu den deutschsprachigen Anleitungen verhältnismäßig mehr Repräsentative, die ja Feststellungen, Beschreibungen, Behauptungen und Vermutungen beinhalten. Öncü deutet dies als Zeichen einer hohen Machtdistanz,  da mit den Repräsentativen eine Art Entwicklerperspektive eingenommen wird und der Anwender den „Entwicklern“ scheinbar weniger dominant gegenübersteht. Die deutschsprachigen Anleitungen stellen analog eine „Anwenderperspektive“ dar.

Fazit: Querschnitt für Übersetzer und Technische Redakteure

Das Buch eignet sich durchaus für Übersetzer bzw. Technische Redakteure, die für den türkischsprachigen Raum arbeiten. Der Leser kann wertvolle Hinweise für die Übersetzung finden – allerdings muss man diese tatsächlich suchen, da sie leider – dem Ziel des wissenschaftlichen Schreibens erliegend – nur schwer im Text aufzufinden sind. Unter den Ergebnissen im Empirieteil finden sich immer wieder nützliche Informationen zu kulturspezifischen Eigenheiten türkischsprachiger Anleitungen. Diese Informationen können auch herangezogen werden, wenn ein Konzept für eine Gebrauchsanleitung für den türkischsprachigen Raum erstellt werden soll.

In diesem Sinne ist das Buch auch Technischen Redakteuren dienlich, die nichts mit der Übersetzung zu tun haben und nicht speziell für den türkischsprachigen Raum Anleitungen erstellen – denn der kleine Rundumschlag Öncüs zu textuellen und sprachlichen Eigenschaften deutschsprachiger Anleitungen kann auch der eigenen Arbeit nützen.

Also: Kein Thema für eine breite Masse; aber hilfreiche Ergebnisse sowohl für deutsch- als auch türkischsprachige Gebrauchsanleitungen. Inwiefern man im Arbeitsalltag darauf zurückgreift, bleibt offen. Im Sinne nutzerorientierter Anleitungen wäre ein belegbarer Zusammenhang zwischen Direktiven und Verständlichkeit interessant; dies war aber nicht im Fokus der Arbeit und verlangt eine andere Zielstellung und Methodik.

Literatur: Öncü, Mehmet Tahir: Kulturspezifische Aspekte in technischen Texten. FFF – Forum Fachsprachen Forschung, Bd. 109. Verlag Franck & Timme, Berlin, 212 Seiten. ISBN 978-3-86596-517-2

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Was meinen die eigentlich mit „demnach“?

Minus gibt "demnach mehr? (c) Thorben Wengert / pixelio.de

Minus gibt „demnach“ mehr?
(c) Thorben Wengert / pixelio.de

In letzter Zeit sind mir immer wieder Texte aufgefallen, in denen das Wort demnach „irgendwie seltsam“ verwendet wird. Ein schönes Beispiel habe ich da gestern auf Spiegel online entdeckt: „Trotz Zuwanderung sinke die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2016 noch einmal leicht um 60.000 Menschen, errechneten die Forscher. 2017 werden demnach 290.000 Menschen mehr als derzeit ohne Job sein.“ (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/brexit-votum-kostet-deutsche-wirtschaft-2017-halbes-prozent-wachstum-a-1100291.html). Was läuft da verkehrt? Und habe ich Recht mit meinem „semantischen Unbehagen“?

Demnach und demnach – ein Wort, (bald?) zwei Bedeutungen

Sehen wir uns also einmal die Bedeutung von „demnach“ an. Das Wortschatzprojekt der Uni Leipzig nennt folgende Synonyme: „woraus, somit, logischerweise, hinterher, folglich, demzufolge, dementsprechend, danach, also, alsdann, mithin, jedenfalls, folglich, darauf, somit“. Mit „demnach“ zieht man also eine Schlussfolgerung – soweit, so einfach.

Interessant in der Leipziger Synonymliste sind für mich aber besonders zwei Einträge: „demzufolge“ und „dementsprechend“. Die heißen nämlich nicht nur „folglich“, sondern manchmal auch „sagt diese oder jene Quelle“; allerdings im Normalfall dann eher als Wortgruppe: „Den Berichten unserer Korrespondenten zufolge…“ Oder: „Entsprechend der Angaben der befragten Zeugen…“

Demnach und demnach – im Konflikt

Und hier zeigt sich auch, wo die Fahrt hingeht für „demnach“. Denn immer öfter sieht man das Wort, um eine Quelle zu zitieren. Im Prinzip ganz analog zu „demzufolge“ und „dementsprechend“: „Nach der aktuellen Konjunkturprognose des IMK …“. Blöd nur, wenn so eine konkrete Wortgruppe mit „demnach“ verkürzt wird und die zitierte Quelle nicht unmittelbar zuvor genannt wird. Der Bezug geht verloren und „demnach“ kann als Schlussfolgerung interpretiert werden. So wie in dem Spiegel-Beispiel weiter oben: Dann wird aus einem Minus von 60.000 ganz zwangsläufig ein Plus von 290.000.

Zehn Dinge, die ein Technischer Redakteur können sollte

Zehn_Dinge bearbeitetSie sind technischer Redakteur oder interessieren sich zumindest für technische Redaktion? Vermutlich schon, denn sonst wären Sie nicht hier. Gut für Sie. Technische Dokumentation gewinnt nämlich an Bedeutung. Hochwertige Dokumentation ist ein Qualitätsmerkmal, mit dem sich Unternehmen profilieren können. Technische Redakteure sind also gefragt. Grund genug, einmal genauer hinzusehen, was so ein technischer Redakteur eigentlich können sollte. Wir haben dazu verschiedene Blickwinkel (mit verschiedenen Erwartungen) auf den technischen Redakteur untersucht. Denn wir wollten wissen: Was denken Berufsanfänger? Wie sieht das offizielle Berufsbild aus? Und wonach suchen Unternehmen tatsächlich?

Was denken Jungredakteure, dass sie können sollten?

Nehmen wir einmal die Perspektive von Berufseinsteigern ein. Gerade angehende technische Redakteure sind noch unbeschriebene Blätter und nicht durch ihre Berufserfahrungen beeinflusst. Stellvertretend für diese Gruppe haben Theo Helmberger und ich uns Gedanken gemacht, welche Kompetenzen wir für wichtig halten. Danach haben wir unsere Gedanken zu dieser Übersicht eingedampft:

Priorität Fähigkeit
1 Selbständiges Arbeiten
2 Sicheres Deutsch
3 Teamfähigkeit
4 Grundlegendes technisches Verständnis
5 Komplexere Sachverhalte einfach darstellen
6 Ausbildung / Studium / Zertifikat
7 Freude am Schreiben
8 Kenntnisse über Standards
9 Didaktische Fähigkeiten
10 Grundkenntnisse der Redaktionssysteme

Aus unserer Sicht müsste selbständiges Arbeiten, sicheres Deutsch und Teamfähigkeit bei technischen Redakteuren hoch im Kurs stehen. Allerdings haben wir als Berufsanfänger bisher nur kleinere, unabhängig arbeitende Redaktionen kennengelernt.

Außerdem sind angehende wie erfahrene technische Redakteure dafür da, dem Auftraggeber Schreibarbeit abzunehmen. Dazu ist ein gewisses Maß an Selbständigkeit nötig. Denn die Probleme sind nur verlagert, wenn sich der Auftraggeber statt mit der Dokumentation mit externen technischen Redakteuren herumschlagen muss.

Was denkt der Fachverband, dass Technikredakteure können sollten?

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Fachverband der technischen Redakteure: tekom.

Werfen wir einen Blick nach oben. Die tekom als der Fachverband der technischen Redakteure hat ein ausführliches Berufsbild dazu entwickelt, was einen technischen Redakteur ausmacht. Wir haben das hier einmal zusammengefasst:

Fähigkeit
Kennt juristische und normative Anforderungen
kennt Prozesse und Methoden der Informationsentwicklung
kann professionell zielgruppenorientiert schreiben
kann optisch ansprechend gestalten und layouten
kann Illustrationen und bildhafte Darstellungen erstellen
hat sprachliche Kompetenz und Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch
hat Software-, EDV-Kompetenzen
hat interpersonelle Kommunikationskompetenz
hat einen präzisen, sorgfältigen Arbeitsstil
hat Zeitmanagement-Skills

 

Beim Vergleich der Vorstellungen des Fachverbands mit den Vorstellungen der Einsteiger fällt etwas auf. Erlernbare Fähigkeiten, die für die tekom wichtig sind, werden auch von Einsteigern als wichtig erachtet. Davon haben die Berufsanfänger vielleicht schon gehört oder in Praktika Nutzen gehabt. Mit einigen Kompetenzen, die die tekom von fertigen Redakteuren erwartet, haben Berufsanfänger aber noch nichts zu tun. Wohl deshalb werden von der tekom genannte Fähigkeiten wie Zeit- und Prozessmanagement von Einsteigern noch nicht als wichtig erachtet.

Und was erwartet der Arbeitsmarkt tatsächlich von einem Technikredakteur?

Arbeitsplatz

Für Berufsanfänger wichtig: Erwartungen am Arbeitsplatz.

Ein Merkmal von Berufsanfängern ist, dass sie irgendwann mit ihrem Beruf anfangen wollen. Daraus folgt ein Interesse für das, was potenzielle Arbeitgeber von technischen Redakteuren erwarten. Das hat uns auch interessiert und wir haben uns im Stellenmarkt nach den Anforderungen der Arbeitgeber umgesehen. Die Anforderungen haben wir gruppiert und statistisch ausgewertet. Die Essenz aus über 50 Stellenanzeigen ist ein eindeutiges Bild:

Priorität Fähigkeit
1 Technisches Verständnis
2 Sicheres Englisch
3 Erfahrung in der zu dokumentierenden Branche
4 Studium
5 Teamfähigkeit
6 Kommunikationsfähigkeit
7 Selbständigkeit
8 Ausbildung
9 Sicheres Deutsch
10 Erfahrung mit CMS

Technisches Verständnis und Branchenerfahrung sind gefragter als Team- und Kommunikationsfähigkeit. Anscheinend legen Unternehmen mehr Wert auf fachliche als auf soziale Kompetenzen. Kurioserweise wird sicheres Englisch als wichtiger als sicheres Deutsch eingeschätzt. Während die tekom allgemein von Sprachkompetenz spricht, haben Berufsanfänger vor allem das sichere Deutsch im Blick. In Deutschland sind mehrere große internationale Unternehmen tätig. Auch mit Sitz in Deutschland schreiben diese häufig ihre Dokumentation zunächst auf Englisch. Für diese Unternehmen bringt der ideale technische Redakteur deshalb Englischkenntnisse mit. Für Unternehmen, Einsteiger und tekom gleichermaßen wichtig ist, dass die Handwerkszeuge ordentlich beherrscht werden.

Kleinste gemeinsame Nenner

Vergleichen wir die Vorstellungen von Einsteigern, tekom und dem Arbeitsmarkt über das, was einen technischen Redakteur ausmacht. Es gibt drei erkennbare Kompetenzen, die von allen für so wichtig gehalten wurden, dass sie Erwähnung fanden.

Selbständiger Arbeitsstil

Zum perfekten technischen Redakteur gehört ein selbständiger Arbeitsstil. Die tekom wird noch etwas präziser. Zum selbständigen Arbeiten muss man sich die Zeit einteilen können und sorgfältig arbeiten.

Sprachliche Kompetenz

Deutsch sollte der technische Redakteur beherrschen. Englisch wird nur von Einsteigern nicht genannt. Das liegt vielleicht daran, dass Einsteiger nur selten mit englischsprachiger Dokumentation in Berührung kommen. Manchmal treiben es Unternehmen noch weiter und wünschen sich Sprachen wie Französisch, Italienisch oder Spanisch.

Beherrschte Handwerkszeuge

Unternehmen wie Anfänger denken, dass technische Redakteure zumindest erste Erfahrungen mit Content-Management- oder Redaktionssystemen haben sollten. Die tekom gibt sich damit nicht zufrieden. Nach ihren Vorstellungen sollten technische Redakteure auch kompetent im Umgang mit anderer Software sein.

Diese drei Kompetenzen sollte jeder technische Redakteur mitbringen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Kompetenzen, die den idealen technischen Redakteur ausmachen. Welche das sind, das hängt vom Blickwinkel ab. Je nachdem, aus welcher Ecke man auf den technischen Redakteur schaut, ändert sich sein Profil. Und welche Fähigkeiten sind aus ihrem Blickwinkel besonders wichtig? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

SCHEMA Conference 2016 – so war es

Tja, nun liegt sie hinter uns, die SCHEMA Conference 2016.

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SCHEMA Conference im Convention Center West in der Messe Nürnberg (c) doctima

Zwei Tage unter Strom und mit Hektik sind vergangen. Zwei Tage, die sehr viel Spaß gemacht haben.

Wen haben wir getroffen?

Unter den ganzen SCHEMA-Interessenten und -Kunden waren auch eine ganze Reihe doctima-Kunden und -Kontakte. Das war natürlich toll, bekannte Gesichter zu sehen und sich zu unterhalten. Zusätzlich haben meine Kollegen Johannes Dreikorn und Edgar Hellfritsch und ich  auch viele neue Leute kennen gelernt. Bunt gestreut aus allen Branchen gab es viel Gesprächsbedarf und eine große Nachfrage nach Redaktionsberatung und -dientleistungen sowie Unterstützung zu ST4. Was mich direkt zu den Themen der Conference bringt.

Was waren die Gesprächsthemen?

Einerseits gab es viele Fragen nach Beratung zu Redaktionsprozessen und zum Content Management System, andererseits zu Coachings für Anwender. Was nach wie vor ein großes Thema ist (und das hatte ich im Blogbeitrag im Vorlauf zur Conference Auf zur SCHEMA Conference schon angekündigt): die Migration von Datenbeständen in das Content Management System. Auch wenn einige Stimmen der Meinung sind, das wichtigste ist das Redaktionssystem, der Rest kommt von alleine, ist unserer Erfahrung nach die Migration immer noch eine der größten Herausforderungen. Das CMS soll ja genutzt werden. Also muss ich meinen bestehenden Content auch schlank und strukturiert ins Redaktionssystem migrieren.

Insofern hatte Edgar Hellfritsch mit seinem Vortrag zu diesem Thema den Finger am Puls der Zeit. Nach seinem Vortrag kamen mehrere Zuhörer zu uns an den Messestand um das Gehörte zu vertiefen und weiter darüber zu diskutieren. Was uns natürlich gefreut hat und zeigt, wie aktuell das Thema ist.

Wir hatten zusätzlich noch unsere beiden Produkte ContentConnect und ContentRuleset zum Vorstellen dabei. Und auch diese erwiesen sich als absolut aktuell. Ich hatte viele Gespräche mit Conference-Besuchern über unsere Standardschnittstelle ContentConnect. Denn die Wiederverwendung von Produktinformationen aus der Redaktion und dem Redaktionssystem infolge technischer Weiterpublikation interessiert viele Unternehmen. Und auch das ContentRuleset, unser Controlled-Language-Checker auf Basis von Schematron, fand großen Anklang unter der anwesenden Redakteuren und Dokuleitern. Es wurde als sehr gute Arbeitserleichterung im Redaktionsalltag wahrgenommen. Ich werde die nächsten Tage schon die ersten Angebote an Interessenten der SCHEMA Conference dazu verschicken.

Industrie 4.0 kam auch zur Sprache. Hierbei herrscht noch eine große Unsicherheit, was denn genau dabei auf uns zukommt und wie sehr das den Doku-Bereich prägt. Das spürte man auch auf der Conference. Wir sehen die Technische Dokumentation als einen wichtigen Baustein hin zur Industrie 4.0. Deswegen veranstalten wir am 28.06. eine offene und kostenlose Informationsveranstaltung zu Industrie 4.0 (Informationen dazu gibt es unter Was leistet Technische Dokumentation für Industrie 4.0? oder bei mir: 0911/97567027 bzw. benjamin.rauschenberger@doctima.de).

Und die Vorträge?

Nun, auf Grund der vielen Gespräche am Messestand hatte ich persönlich gar keine Zeit, Vorträgen beizuwohnen. Ich bin mir aber sicher, dass genug gute dabei waren. Würde mich freuen, wenn der ein oder andere in den Kommentaren unten ergänzt, welcher Vortrag oder auch welche Vorträge denn besonders interessant und hilfreich waren und warum.

Die Organisation der SCHEMA Conference

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Das Sommelierset hat Henrik Kaspersen von MAN Diesel & Turbo gewonnen (c) doctima

Die war hervorragend. Es lief alles bestens, alles war super ausgeschildert, die Räumlichkeiten waren toll und übersichtlich, ich fand mich sehr gut zurecht. Falls man doch Hilfe brauchte, gab es genug SCHEMA-Mitarbeiter, die einem weiterhalfen. Und auch Getränke und Snacks waren in unmittelbarer Reichweite und lecker. Schade nur, dass ich durch die Vielzahl an Gesprächen keine Zeit hatte, am Mittagessen teilzunehmen.

Das Abend-Event am ersten Conference-Tag im Bratwurst Röslein war eine gelungene Veranstaltung. Hat mir sehr gut gefallen, im historischen Rahmen zu netzwerken und noch einen Austausch über Fachthemen hinaus zu führen. Einziger kleiner Punkt, an dem noch Luft nach oben ist, ist die Tatsache, dass durch die Bindung an Sitzplätze die Interaktion in diesem Rahmen eingeschränkt war. Ansonsten ein schöner Ausklang des ersten Tages.

Was bleibt?

Wir nehmen eine Vielzahl an Anregungen, Fragen, Ideen und neue Kontakte mit in die nächsten Wochen und Monate. Es gibt viel nachzubearbeiten und wir haben schon auf der Conference einige Web-Präsentationen und Termine vereinbart. Wir freuen uns sehr, mit den beteiligten Personen demnächst wieder zu sprechen und (hoffentlich) zusammenzuarbeiten. Und sicherlich sieht man sich dann auch wieder nächstes Jahr auf der SCHEMA Conference. Für all diejenigen, die nicht da waren: Es lohnt sich zu kommen.

Technisches Marketing

Technik - einfach, verständlich, marktfähig

Technik – einfach, verständlich, marktfähig?

„Technisches Marketing“ taucht zurzeit immer häufiger als Schlagwort auf. Aber was ist eigentlich Technisches Marketing? Sollte Marketing nicht unabhängig vom Produkt funktionieren? Und wenn nicht, worin unterscheidet sich Technisches Marketing von anderen Marketing-Angeboten? Wir haben uns den Trend einmal näher angesehen.

Mehr Klarheit im Technischen Marketing

Technisches Marketing wird an einigen Hochschulen als Studiengang oder Unterrichtsinhalt angeboten. Daneben taucht der Begriff seit einiger Zeit auch in unserer Branche Technische Kommunikation auf z. B. als Fokustag Technisches Marketing. Sieht man genauer hin, dann fällt auf, dass es sich hier um zwei unterschiedliche Sichtweisen handelt: Bei den universitären Angeboten ist Technisches Marketing ein Element der Produktentwicklung. Innerhalb der Technischen Kommunikation ist es eine Form des B2B-Marketing für erklärungsbedürftige technische Produkte.

Bei doctima haben wir von Anfang an Marketing und Dokumentation als ergänzende Disziplinen gesehen (z. B.: Aufsatz von 2002 in technische kommunikation – Paywall; doctima-Blogpost ). Kein Wunder also, dass auch wir Technisches Marketing umfassend als spezielle Form des allgemeinen Marketing verstehen. Und wir uns freuen, wenn auch die Branche langsam Marketing als Arbeitsgebiet für sich entdeckt.

Was ist besonders im Technischen Marketing?

Wie schon gesagt, Technisches Marketing hat zwei Besonderheiten: Es handelt sich um erklärungsbedürftige technische Produkte und die Zielgruppe sind Geschäftskunden bzw. Experten.

Daraus ergeben sich einige Konsequenzen, die das Technische Marketing zu einer besonderen Disziplin machen:

  1. Argumentationen im Technischen Marketing sind nutzenorientiert, emotionale Aspekte spielen eine vergleichsweise geringe Rolle.
  2. Dem Marketeer muss es deshalb schnell gelingen, anhand von technischen Daten und Entwicklungsdokumenten die Produktfunktionalitäten und den Produktnutzen herauszuarbeiten und aus Anwendersicht darzustellen.
  3. Technisches Marketing bewegt sich immer in einem Rahmen in dem rechtliche Anforderungen und Arbeitsschutz eine wichtige Rolle spielen.
  4. Fachkräftemangel ist in technischen Berufen ein akutes Problem. Employerbranding und Personalmarketing ist deshalb ein wichtiger Bestandteil des Technischen Marketing.

Wie arbeitet Technisches Marketing?

Natürlich lässt sich in einem kurzen Blogpost nicht komplett zeigen, was die Arbeit im Technischen Marketing besonders macht. Anhand von zwei Beispielen will ich aber einmal einen kurzen Eindruck geben: grafische Gestaltung und Social Media.

Spricht man mit Fachexperten, so bekommt man manchmal zu hören: „Das muss gar nicht designt werden, das lesen danach sowieso nur Fachleute. Die wollen das nicht hübsch und bunt.“ Und in einem gewissen Sinn haben diese Leute auch recht: Eine zu emotionale Gestaltung kann auch für technische Fachexperten abschreckend oder unseriös wirken. Sollte man deshalb auf Design komplett verzichten? Beobachtet man technische Fachexperten, so merkt man schnell, dass sie gut gestaltete Unterlagen durchaus wertzuschätzen wissen. Für die Gestaltung ist das ein Dilemma: Schick aber irgendwie doch nicht? Die Lösung liegt hier in einem funktionalen Gestaltungsansatz. Der Designer verzichtet möglichst auf Zierelemente. Stattdessen liegt der Fokus auf der bestmöglichen Unterstützung der Usability durch Gestaltungselemente. Ergibt sich daraus ein harmonisches Gesamtkonzept, dann trägt eine „schicke“ Gestaltung auch bei technischen Fachexperten zur Kaufentscheidung bei.

Social Media halten manche Industrieunternehmen für eine Modeerscheinung, die mit technischen Produkten wenig zu tun hat. Tatsächlich ist Social Media aber für Technisches Marketing ein wichtiges Werkzeug: Denn im Gegensatz zum klassischen Push-Marketing steht in den sozialen Medien der Kundennutzen im Vordergrund – ein Blickwinkel, der Technikern besonders nahesteht. Das heißt natürlich nicht, dass sich ein Industrieunternehmen nur bei Facebook eine Seite anlegen muss und damit ist es dann gut. Social Media Marketing für erklärungsbedürftige Produkte braucht eine ausgefeilte Strategie: Zielgruppen, Kommunikationsinhalte und vor allem geeignete Plattformen müssen identifiziert werden, damit Technisches Marketing in Sozialen Netzwerken Erfolg hat. Oft steht im Technischen Marketing deshalb ein Blog im Mittelpunkt des Social-Media-Engagements, daneben meist auch weniger bekannte Branchen-Plattformen wie Entwicklerforen.

Technisches Marketing – alter Wein in neuen Schläuchen?

Technisches Marketing ist mehr als ein Schlagwort. Es ist die gezielte Anwendung von bewährten Marketingmethoden auf ein Arbeitsfeld, das bisher im Marketing nur eine begrenzte Rolle gespielt hat. Daneben kommen Erkenntnisse und Methoden aus der Technischen Kommunikation zum Einsatz. Technische Redakteure bringen dabei zwei Vorteile mit: 1. Sie sind von Haus aus daran gewöhnt, den nutzenorientierten Blickwinkel einzunehmen, der für Technisches Marketing entscheidend ist. Und 2. Ihre Kernkompetenz ist es, erklärungsbedürftige Produkte zu analysieren und auf den Punkt zu bringen. Technisches Marketing ist deshalb mehr als ein neuer Hype-Begriff; es wird in der Zukunft sogar noch eine deutlich größere Rolle spielen als bisher.

Auf zur SCHEMA Conference 2016

Wir verlosen ein Sommelierset auf der SCHEMA Conference (c) doctima

In eineinhalb Wochen ist es soweit: Die diesjährige SCHEMA Conference findet statt. Am 14. und 15. Juni im Convention Center West in der Messe Nürnberg. Und ich als Neuling bei dieser Veranstaltung bin natürlich ganz besonders gespannt, was mich erwartet. Aus Erzählungen weiß ich, dass es eine tolle und kommunikative Veranstaltung mit innovativen Vorträgen, informativem Erfahrungsaustausch und allgemein sehr guter Stimmung untereinander ist.

Vertreten auf der Conference sind all die, die sich im Netzwerk von SCHEMA tummeln: Interessenten, Kunden und Partner. Da fehlen wir von doctima als Goldpartner natürlich nicht.

Mit Aussteller-Stand, Produkten und Vortrag vertreten

Vor Ort sind wir zu dritt. Edgar Hellfritsch und Johannes Dreikorn im Wechsel, ich als Ansprechpartner die komplette Veranstaltungsdauer über. Am Messestand 8 gibt es alle Informationen zu unserem Portfolio rund um Content Management und ST4.

Letztes Jahr hat Johannes Dreikorn unsere Entwicklung für das Schematron-Modul als Beta-Version auf der Conference vorgestellt. Mittlerweile ist unser Produkt marktreif und bei den ersten Kunden im Einsatz. Worauf wir megastolz sind! Name des Ganzen ist doctima ContentRuleset. Infos dazu gibt es schon online: doctima ContentRuleset, Content-Qualität – am besten automatisch und 600 Regeln für die Content-Qualität. Des Weiteren sehr gerne direkt vor Ort auf der Conference. Ich habe eine Produktvorführung mit dabei und freue mich, wenn diese auch zum Einsatz kommt.

Und auch unser zweites Produkt ist gerade in Fertigstellung. doctima ContentConnect ist eine von uns entwickelte Standardschnittstelle von ST4 in jedmögliches Zweitsystem. Sprechen Sie mich darauf gerne an (entweder auf der Conference oder direkt unter 0911/97567027 bzw. benjamin.rauschenberger@doctima.de) oder lesen Sie selbst, was wir dazu schon im Blog haben: Content Connected und Connecting Content.

Zusätzlich hält mein Kollege Edgar Hellfritsch noch einen Vortrag zum Thema Migration ins Content Management System. Nach wie vor eines der bedeutendsten Themen in IT-Projekten, wie ich es in meinem Vertriebsalltag wahrnehme. Denn egal ob die Daten aus einem veralteten Content Management System oder aus anderen Plattformen/Systemen in ein neues CMS sollen, je nach Datenbestand kann das ganz schön aufwändig sein. Da braucht man gute Nerven. Und gehen dann auch keine Daten verloren? Edgar Hellfritsch gibt Ratschläge, wie man das am besten angeht und was man alles bedenken sollte. Ich bin mir sicher, dass es dazu einigen Diskussionsstoff geben wird.

Verlosung an jedem Messestand

Auch dieses Jahr wird wieder von jedem SCHEMA-Partner, der als Aussteller an der Conference teilnimmt, ein Preis verlost. An unserem doctima-Messestand haben Sie die Möglichkeit, ein Sommelier-Set zu gewinnen. Um an der Verlosung teilzunehmen, einfach an unserem Messestand vorbeikommen. Dort werden wir eine Losbox haben und Teilnahmekärtchen.

Abendveranstaltung am ersten Messetag

Nicht zuletzt freue ich mich sehr auf die Abendveranstaltung am ersten Messetag. Stattfinden wird diese in der Nürnberger Altstadt, im Bratwurst Röslein. Silke Schmitt und ihr SCHEMA-Marketing-Team stellen immer wahnsinnig tolle Events auf die Beine. Das weiß ich aus Erfahrung, weil ich daran schon teilnehmen durfte auf den tekom-Jahrestagungen. Sicherlich wird das wieder ein Highlight werden, in entspannter Atmosphäre am Abend noch viele Gespräche mit Interessenten und Partnern zu führen.

Tja, nun lasse ich bzw. lassen wir die SCHEMA Conference auf mich/uns zukommen. Die Spannung steigt mit jedem Tag. Ein Bericht als Nachlese wird hier im doctima Blog folgen.

Sicherheits- und Warnhinweise – Ein LEIT-FADEN aus dem Dschungel?

leitfaden_warnhinweisWer technische Dokumentation schreibt, kommt früher oder später mit dem Thema Sicherheits- und Warnhinweise in Berührung. Herauszufinden, welche Normen und Gesetze für das aktuelle Projekt relevant sind, stellt in der Regel keine allzu große Herausforderung dar. Aber schnell stellt man fest, dass all diese Regelungen doch einen enormen Spielraum für die konkrete Umsetzung lassen. Dass viele Redakteure verunsichert sind, ist deshalb nicht verwunderlich…

Klare Ziele

Hier setzt der „Leitfaden Sicherheits- und Warnhinweise“ an. Mit ihrem Werk haben sich die Autoren zwei Hauptziele gesetzt:

  • Technischen Redakteuren einen Überblick über die gesetzlichen und normativen Anforderungen zu geben und
  • eine Entscheidungshilfe für die konkrete Umsetzung von sicherheitsbezogenen Informationen bereitzustellen, die mit konkreten Beispiele illustriert wird.

Klare Grenzen

Die Autoren machen von Anfang an auf zwei Einschränkungen aufmerksam: Einige klar definierte Branchen werden nicht behandelt. Außerdem werden die sicherheitsrelevanten Informationen nur aus Herstellersicht betrachtet, was in dem Kontext durchaus gerechtfertigt ist.
Das Thema wird dafür aber insgesamt sehr strukturiert abgearbeitet. Auch Definitionen zentraler Begriffe sowie ein Abkürzungs- und Literaturverzeichnis fehlen nicht. Viele Informationen sind tabellarisch dargestellt, was den Überblick erleichtert. Die Autoren bemühen sich, auch Hintergründe nachvollziehbar darzustellen statt nur abstrakte Fakten zu präsentieren. Dies erfolgt manchmal allerdings auf Kosten der angestrebten Übersichtlichkeit. Auch mit kleinen Einschüben à la „das Wichtigste in Kürze“ hätte man diese Anschaulichkeit erreichen können.

Bemerkenswert: Die Autoren unterscheiden begrifflich zwischen „Warnhinweise“ und „Sicherheitshinweise“, die oft eigentlich synonym verwendet werden. Sicherheitshinweise stehen am Anfang der Anleitung in einem gesonderten Kapitel. Ihr Zweck: Den Anwender mit dem Produkt insgesamt vertraut machen und ihn zum sicheren Umgang mit dem Produkt befähigen. Sie müssen also nicht zwangsläufig als normierte Warnhinweise formuliert sein. Warnhinweise hingegen stehen immer in dem Zusammenhang, in dem eine konkrete Gefährdung auftritt und sollten als solche eindeutig erkennbar sein.

Sicherheitsbezogene Information: Wege zur Qualität

Die ersten beiden Kapitel vermitteln wichtige Grundlagen darüber, welche Arten von sicherheitsbezogenen Informationen es gibt und wie diese in der Produkt- bzw. Dokumentationsentwicklung eingebettet sind. Typische Fehlerquellen zu Prozessbeginn, die aber gravierende Folgen haben, werden beleuchtet. Sehr wertvoll sind z. B. die Hinweise auf Mängel in der Risikobeurteilung. Dem Leser wird auch deutlich vorgeführt, wie wichtig eine klare und strukturierte Vorgehensweise schon zu Beginn der Produktentwicklung ist.

Aber auch andere wichtige Qualitätsfaktoren werden in einem größeren Gesamtkontext betrachtet. Die Textsorte „sicherheitsbezogene Informationen“ stellt besondere Anforderungen hinsichtlich der Verständlichkeit – mit dieser Aussage überraschen die Autoren wohl niemanden; sie stellen aber klar, warum „Verständlichkeit“ sich in diesem Kontext nicht auf „verständlich formuliert“ reduzieren lässt. Dass auch der Technische Redakteur nicht alleine die Verantwortung dafür trägt (und tragen darf), dürfte für einige eine angenehme Überraschung sein. Der Leitfaden erklärt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Konstruktion und Redaktion für die Qualität des Endergebnisses ist, und zeigt auch mögliche Wege auf, dies umzusetzen. Man erfährt zum Beispiel, warum es von zentraler Bedeutung ist, die getroffenen Entscheidungen über die Sicherheitsinformationen zu dokumentieren.

Rechtliche und normative Anforderungen: Ein klarer Überblick

Kapitel 3 und 4 geben einen Gesamtüberblick über die Quellen für gesetzliche und normative Anforderungen weltweit. Diese sind nach drei Aspekten gegliedert: Region, branchenübergreifende und branchenspezifische Anforderungen. Diese Art der Aufbereitung erweist sich fürs schnelle Nachschlagen als sehr praktisch. Damit lösen die Autoren ihr erstes Hauptziel.
Die kontrastive Darstellung der gesetzlich-rechtlichen Grundlagen in den USA und Europa und die praktischen Tipps zur Umsetzung helfen, Kriterien für prüfbare Qualität festzulegen.
Was die Normen betrifft, werden nur die relevantesten besprochen. Man kommt also nicht darum herum, selbst zur prüfen, wie die Sachlage im eigenen Fall ist. Aber der Leser bekommt jede Menge Anhaltspunkte, was er in Betracht ziehen soll.

Worauf es bei der Umsetzung ankommt…

Die Empfehlungen zur Umsetzung in Kapitel 5 vermitteln meiner Meinung nach eine gute Basis, um eigene Entscheidungen zu treffen, vor allem auch deshalb, weil die Autoren einige Grundlagen zur kognitiven Wahrnehmung berücksichtigen.
Behandelt werden die wichtigsten Aspekte:

  • Aufbau und Inhalt des Sicherheitskapitels (mit Mustergliederungen)
  • Gestaltung
  • Platzierung
  • Formulierung

Auch das Zusammenspiel mancher Aspekte (z. B. Gestaltung in Abhängigkeit von Platzierung) wird angesprochen.

Zwar gehen die Autoren gesondert auf die Warnschilder ein, aber dieses Thema fällt meines Erachtens etwas zu kurz aus. Dies hängt womöglich damit zusammen, dass diese in den Bereich der Konstruktion fallen.

Mein persönliches Fazit

Persönlich habe ich zwei Sachen vermisst.
Zum einen hätte ich erwartet, dass die Belange der mobilen Dokumentation auch einen deutlichen Raum bekommen. Denn insbesondere die Dokumentation, die auf dem Smartphone gelesen wird, stellt besondere Anforderungen an den Text, die durch die hier dargestellten Prinzipien nicht abgedeckt werden.
Auch hätte ich mir einen praktischen Teil gewünscht oder zumindest eine umfangreichere Sammlung kommentierter Beispiele.

Dennoch bleibt mein Gesamturteil positiv: Dieser Leitfaden vermittelt dem Leser die wesentlichen Grundlagen und stellt ihm ein wichtiges Instrumentarium bereit, um eigenständig sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Literatur: Heuer-James, Jens-Uwe u. a. [2014]: Leitfaden Sicherheits- und Warnhinweise, tekom Stuttgart, ISBN 978-3-944740-03-4

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

600 Regeln für die Content-Qualität

doctima_contentruleset600 Regeln? Das kann doch kein Mensch im Griff behalten! Stimmt. Deswegen haben wir bei doctima das ContentRuleset entwickelt, eine Software, die Technische Dokumente systematisch auf unterschiedliche Prüffälle hin untersucht. Heute wollen wir einmal zeigen, was das ContentRuleset ist und was sich damit machen lässt.

Was ist das ContentRuleset?

Das ContentRuleset ist eine Sammlung von Regeln, die typische Prüffälle aus allen sprachlichen Ebenen und zu häufigen Prozessschritten abbilden. Die Prüfroutinen sind technologisch umgesetzt mit dem ISO/IEC-Standard ‚Schematron‘ (ISO/IEC FDIS 19757-3). Es integriert sich nahtlos in die Schematron-Schnittstelle des Content-Management-Systems SCHEMA ST4 (Version 2014 und 2016).

Mit dem doctima ContentRuleset geben wir Ihnen die Möglichkeit, das Schematron-Modul in ST4 zu einem leistungsfähigen Controlled-Language-Checker auszubauen durch …

  • ein elaboriertes Set an Prüfroutinen, das alle relevanten Qualitätsdimensionen für Content prüft. Und das bereits im Redaktionssystem – also noch bevor der Content zu einem Informationsprodukt verarbeitet wurde.
  • ein ausgeklügeltes Ordnungssystem, mit dem Sie die Routinen einfach und schnell verwalten und anwenden können.
  • eine funktionale Erweiterung des ‚ST4 Schematron Reports‘, die Ihnen das zielgenaue Detektieren und Beheben von Standardverletzungen vereinfacht.

Wer braucht es?

Das ContentRuleset adressiert den typischen Bedarf in der Technischen Redaktion. Es berücksichtigt Prüfkriterien aus den aktuellen Branchenstandards wie die tekom-Leitlinie ‚Regelbasiertes Schreiben‚. Dadurch ist das doctima ContentRuleset die ideale Lösung für Technische Redaktionen, die bereits mit ST4 arbeiten und die ihre Qualitätsprozesse optimieren und straffen wollen.

Das Content-Ruleset ist leicht zu handhaben und integriert sich nahtlos in den Arbeitsprozess. Der Katalog der Prüfroutinen lässt sich auf unternehmensspezifische Standards anpassen und bietet dadurch volle Flexibilität.

Wie bekommt man es?

Haben Sie Lust bekommen, das doctima ContentRuleset einmal in Aktion zu sehen? Möchten Sie mehr erfahren? Benjamin Rauschenberger beantwortet gerne alle Ihre Fragen; per Email an benjamin.rauschenberger@doctima.de und telefonisch unter 0911/97567027. Oder Sie vereinbaren gleich eine kostenlose Online-Präsentation auf unserer Produktseite. Wir freuen uns auf Sie!

Mobile Dokumentation mit „Go Mobile“

Go mobile - ein schlanker Einstieg in die mobile Dokumentation

Go mobile – ein schlanker Einstieg in die mobile Dokumentation

Bei doctima beschäftigen wir uns seit langem mit mobiler Dokumentation – in Projekten wie auch theoretisch. Als Dietrich Juhl, Technischer Redakteur und Buchautor, uns fragte, ob wir sein neues Buch zur Mobilen Dokumentation sponsoren würden, haben wir deshalb ohne lange nachzudenken freudig zugesagt. Mittlerweile ist „Go mobile!“ erschienen und heute werfen wir einen Blick hinein.

Herausforderung: Mobile Dokumentation

Der erste Zugang zur elektronischen Technischen Dokumentation (eTD) kann schwer, unübersichtlich oder sogar furchteinflößend sein. Immer wurden Anleitungen einfach als das verfasst, was sie nun mal sind: Texte. Und jetzt spricht plötzlich jeder von HTML, CHM, Near-by-Suchen und dieser komischen Siri.

Vom ersten Einstieg zum ersten Umstieg

Da kommt Dietrich Juhls „Go mobile“ gerade Recht. Es kann wie ein kleines Nachschlagewerk genutzt werden: Die Grundlagen der eTD werden verständlich und meist auf nur einer Seite als leicht verdauliche Häppchen angeboten. Aufgelockert werden die Beiträge zusätzlich durch zahlreiche Abbildungen, Comics und Internetcodes, die zu praktischen Beispielen führen.

Aber „Go mobile“ nur auf die Umstellung von textbasierter auf elektronische Dokumentation zu reduzieren, wäre ein Frevel. Vielmehr liefert Juhl eine Einführung in die Technische Redaktion per se, indem er grundlegende Systematiken erklärt, ihre Anwendungsbereiche vorstellt und schließlich ihre Umsetzung für elektronische Ausgabegeräte diskutiert.

Und er fängt ganz von vorne an: Welche Ordnungssysteme stehen für Topics zur Verfügung? Wo liegt der Unterschied zwischen handlungs- und lernorientierten Texten? Was sind Hypertextelemente? Was ist unter Responsive Design zu verstehen und welche verschiedenen Arten von Filtern, Speicherformaten und Ausgabegeräten sind denkbar? Fragen dieser Art werden zwar sehr knapp aber immer unter Berücksichtigung bzw. in der Gegenüberstellung von textbasierter und mobiler Dokumentation beantwortet.

Die letzten Kapitel können als ein Konzept und damit auch als eine Checkliste für die Aufbereitung und Umstellung einer bestehenden Dokumentation für elektronische Ausgabegeräte genutzt werden. Hätten Sie daran gedacht, dass die Bilder jetzt auch auf einem mini Smartphone zu erkennen sein müssen? Haben Sie eine Suchwortoptimierung durchgeführt? Schon mal überlegt, ob wirklich die gesamte Doku elektronisch zugänglich gemacht werden muss?

Nur für Anfänger?

Der sehr knappe und oft stichpunktartige Einstieg in die eTD richtet sich selbstverständlich hauptsächlich an Anfänger und Laien, die vielleicht mit den Gedanken spielen, auf eTD umzusteigen oder sich allgemein über den damit verbundenen möglichen Mehrwert informieren möchten.

Aber auch Menschen mit ein wenig mobiler Erfahrung können von diesem Buch profitieren: Sie haben wohl selten die wichtigsten Aspekte für die Arbeit eines Technischen Redakteurs so kompakt und strukturiert zusammengestellt gesehen. Das Buch kann dazu inspirieren, mal etwas Neues auszuprobieren oder davor bewahren, vor lauter Detailverliebtheit wichtige Grundlagen zu vergessen.

Zudem liegt Juhls Augenmerk immer auf dem, was die Sonne eines jeden Technischen Redakteurs sein sollte: Der Leser! Wie nutzt der Leser die Anleitung? Mobil? Was weiß er? Was braucht er? Wie kann ich den Zugriff für ihn optimieren? Wo kann für ihn die elektronische Dokumentation einen Mehrwert bringen? Auch alten Hasen der Technischen Redaktion kann es gut tun, sich solche Fragen immer mal wieder zu stellen.

Theorie – keine Praxis

Juhl stellt Mehrwert und ggf. auch Nachteile elektronischer gegenüber textbasierten Anleitungen immer ganz richtig dar, geht aber nicht auf den Aufwand ein, der mit den unterschiedlichen Formaten einhergeht. V.a. ein Anfänger könne die Welt der eTD durchs Juhls Brille daher ein wenig zu kunterbunt sehen. „Go mobile“ sollte auf keinen Fall zu hohe Erwartungen an die gegebenen technischen Möglichkeiten und v.a. den Etat wecken: Volltextsuchen in PDFs oder Aufklapptexte in CHMs sind weitaus leichter zu bekommen, als eine App oder gar eine von Siris Schwestern.

Und noch eine Bitte:

Dietrich Juhl rät den Lesern, sein Buch nicht von vorne nach hinten, sondern quer zu lesen. Bitte! Tun Sie ihm nicht den Gefallen, zumal dies ohne Stichwortverzeichnis ohnehin nicht so leicht wird.

Schnappen Sie sich das Buch und lesen Sie es ganz altmodisch und linear von vorne bis hinten Wort für Wort durch!

Literatur: Juhl, Dietrich [2016]: „Go Mobile„, BoD Norderstedt, ISBN 978-3-7392-1027-8

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.