Heute will ich mal ein paar Worte zu einem Punkt loswerden, der mir einerseits am Herzen liegt, den ich andererseits als einen blinden
Fleck in der Technischen Dokumentation wahrnehme: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als Aufgabe in der Technischen Dokumentation. Lange wurde das ja als ein Thema für irgendwelche “grüne Spinner” abgetan. Aber in den letzten Jahren haben auch Unternehmen gelernt (nicht zuletzt bedingt durch Skandale wie bei Shell, BP oder Siemens) , dass sie sich den damit verbundenen Fragen stellen müssen. Das Ergebnis zeigt sich in PR-Meldungen, in Geschäftsberichten, in Compliance-Handbüchern oder CSR-Guidelines und in der Werbung sowieso. Nur in der Technischen Dokumentation scheint das noch nicht angekommen zu sein. Woran liegt das? Hat die Dokumentation zu wenig Berührungspunkte mit dem Thema?
Dokumentation und Nachhaltigkeit
Ganz im Gegenteil. Nachhaltigkeit sollte in der Dokumentation sogar aus mehreren Blickwinkeln eine Rolle spielen. Ich will die hier einmal am Beispiel von Anleitungen (unserem Standard-Produkt) darstellen und ein paar Fragen anreißen, die man sich zu dem jeweiligen Aspekt stellen sollte.
- Anleitungen sind Teil des Produkts:
In wie weit sorgen wir in unseren Anleitungen dafür, dass unsere Produkte nachhaltig verwendet werden? Können wir durch verbesserte Usability ineffizienten Gebrauch verhindern? Reicht es wirklich aus, nur einen kurzen Entsorgungshinweis nach der RoHS-Richtlinie zu geben? Oder wäre es besser, genau über die Umweltschäden zu informieren, die durch unsachgemäße Entsorgung entstehen? - Anleitungen sind selbst Produkte:
Spielen ökologische Gesichtspunkte eine Rolle bei der Auswahl der Medien, die wir produzieren? Sparen wir Energie und Rohstoffe mit einer Online-Anleitung oder verschwenden wir sie, weil die Nutzer ohnehin alles ausdrucken? Werden wir unserer sozialen Verantwortung gerecht bei der Zielgruppendefinition? Achten wir auf Barrierefreiheit in unseren Dokumenten? - Anleitungen entstehen in Prozessen:
Wie energieaufwendig sind diese Prozesse? Lassen sich Recherchetermine vielleicht durch Telefonkonferenzen ersetzen? Wie energie-intensiv sind unsere Arbeitsstationen? Laufen die weiter, auch wenn wir uns gerade mal nicht am Arbeitsplatz befinden? Wo lässt eigentlich unser Übersetzer oder unser Software-Dienstleister arbeiten – in Deutschland, in der EU oder z. B. in Vietnam? Und wie sind die Arbeitsverhältnisse dort?
Ansatzpunkte für nachhaltige Dokumentation gibt es also genug. Doch ich wage zu bezweifeln, ob sich viele Technische Redaktionen systematisch mit dem Thema beschäftigen. Wie ist das bei Ihnen? Diskutieren Sie mit uns und schildern Sie uns Ihre Erfahrungen oder Ideen zu dem Thema.
