Pluralis Maiestatis – lateinische Fremdwörter auf -us

Wie jetzt?

Wie jetzt? – Unklarheiten gab es wohl bereits im Mittelalter. Eigenes Foto.

Nachdem mir immer wieder und aus allen Richtungen Stati um die Ohren fliegen, und ich kürzlich mit umfangreichen Textkorpi konfrontiert wurde, möchte ich unser Blog zum beruflichen Schreiben einmal dazu hernehmen, meinen inneren Klugscheißer unverblümt nach außen zu kehren. Auch wenn ich mich damit als Informatiker zwischen all den Linguisten und Redakteuren auf ganz dünnes Eis wage.

Die folgende Liste enthält Beispiele für die unterschiedlichenauf -us endenden Deklinationen im Lateinischen, die sich in Form von Fremdwörtern bis ins heutige Umgangsdeutsch erhalten haben.

  • Die O-Deklination endet im Plural auf -i: Modus, Torus, Servus werden zu Modi, Tori und Servi.
  • Die U-Deklination endet im Plural auf -ūs: Status, Casus, Lapsus, Passus, Sexus, Usus werden demnach nur anders betont mit einem langen u, so wie Statuuuus.
  • Substantive der I-Deklination enden in der Mehrzahl auf -ora oder -era: Tempus, Corpus, Genus, Opus werden zu Tempora, Corpora, Genera und Opera. Die in der Musik gebräuchliche Form Tempi stammt aus dem Italienischen, ist also richtig, hat aber hier nichts zu suchen.

Wörter wie Apfelmus oder Linienbus vermehren sich mit dem deutschen Standard-Plural zu Apfelmus-en oder Linienbus-sen. Im Zweifelsfall kann man die lateinischen Fremdwörter darauf abbilden: Torusse, Statusse und Tempusse sind zwar auch nicht korrekt, erzeugen aber etwas weniger heiße Luft und peinliches Schweigen als Stati oder Korpi.

4 Gedanken zu „Pluralis Maiestatis – lateinische Fremdwörter auf -us

  1. Genau dieses Fremdschämen über „Stati“ kenne ich auch.
    Diesen blogpost wollte ich auch schon immer schreiben. Bin aber bislang daran gescheitert, dass ich keinen blog habe.
    Eine Anmerkung noch: Den Plural von „Servus“ mit „Servi“ anzugeben, halte ich für problematisch (so richtig das auch rein philologisch betrachtet ist). „Servus“ schließlich ist ja als Synekdoche für „Gruß“ oder „Abschied“ zu verstehen. Also etwa
    „Ich schickte ihr immer ein stummes „Servus“ hinterher“.
    Aber
    *“Ich schickte ihr immer stumme „Servi“ hinterher“
    geht ja nicht, oder?

    • Genau. Bei dem deutschen Wort „Servus“, eine Verkürzung der höflichen Grußformel „Ich verbleibe Ihr Diener“, handelt es sich um eine Interjektion. Da macht der lateinische Plural wenig Sinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.