Denkblockaden oder Schreibmythen?

Christian Wymann [2016]: Schreibmythen entzaubern

Christian Wymann [2016]: Schreibmythen entzaubern

Falsche Vorstellungen können beim Schreiben oft mehr blockieren als ein schweres Thema oder stilistische Schwächen. Das ist uns in unseren Schreib-Coachings immer wieder aufgefallen. Dankenswerter Weise hat nun Christian Wymann die häufigsten Denkblockaden in einem kurzen Buch zusammengestellt. Denn immerhin: Solche „Schreibmythen“ (wie er sie nennt) können zum echten Karrierekiller werden, wenn sie nicht rechtzeitig „entzaubert“ werden.

Wymanns Buch versammelt je drei „Schreibmythen“ zu Autor, Schreibprozess und Dokument. Die so gesammelten „Schreibmythen“ sind selbstverständlich nicht vollständig, decken aber die häufigsten Missverständnisse ab, die es rund um das Schreiben so gibt. Jedes Kapitel startet mit einem kurzen Fragenteil, der dabei hilft einzuschätzen, ob man diesem „Mythos“ selbst anhängt. Der Autor streut zur Veranschaulichung der „Mythen“ viele Schreibbiographien von professionellen Autoren ein. Zum Ende eines Kapitels gibt Wymann noch kurze Tipps, wie man mit dem jeweiligen „Mythos“ umgehen kann, was sich gegen ihn tun lässt. Ich bezweifle zwar, ob sich eine eingefahrene Denkblockade durch die Lektüre des Buchs wirklich beseitigen lässt. Aber Wymanns Ratgeber kann den ersten Anstoß geben, um mehr über sich und seine Schreibgewohnheiten nachzudenken.

Das Buch beschäftigt sich im Prinzip nur mit dem akademischen Schreiben. Man sollte sich dadurch aber nicht abschrecken lassen. Denn die „Schreibmythen“ wirken auch bei anderen Formen des sachorientierten Schreibens. Für die Technische Redaktion sind sie mühelos übertragbar. Für Technische Redakteure und Redakteurinnen dürfte beim Lesen allerdings das durchgängig verwendete große Binnen-I ungewohnt sein. In der Hochschulwelt ist diese Schreibung mittlerweile verbreitet, in der Wirtschaft aber noch nicht angekommen.

Insgesamt ist „Schreibmythen“ ein lesenswertes Buch, insbesondere für den schmalen Preis von 12,99 €. Ich empfehle es all denen, die eben gerade nicht gerne schreiben. Gestört hat mich bei dem Buch eigentlich nur der Begriff „Schreibmythen“. Ein Mythos ist in meiner Sicht eine Erzählung, die zwar nicht unbedingt die reale, faktische Welt darstellt, aber eine innere Wahrheit wiedergibt. Das sind die hier genannten Schreibmythen aber nun gerade nicht. Deshalb werde ich auch weiter von „Denkblockaden“ sprechen.

Literatur: Christian Wymann [2016]: „Schreibmythen entzaubern. Ungehindert schreiben in der Wissenschaft“. Verlag Barbara Budrich, Opladen, Toronto

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

 

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