Was tun mit dem Fachwort?

„Responder“, „conversion“ – manchmal sind Fachwörter ein Problem.

Fachwörter sind immer ein Thema, wenn es darum geht, wie man verständlich und prägnant schreibt. Kaum ein Ratgeber kommt ohne den Fachwort-Tipp aus. Doch mal ganz ehrlich: Wie macht man das denn, Fachwörter zu vermeiden?

Ist das denn nötig?

Bevor man sich aber daran macht, alle Fachwörter zu vermeiden, sollte man sich vielleicht erst einmal klar darüber werden, warum es Fachwörter überhaupt gibt bzw. was wir mit ihnen erreichen wollen. Fachwörter sind im Prinzip eine Art Abkürzung: Sie verdichten einen genau definierten Sachverhalt. Deshalb ist ein Fachwort auch immer die beste Lösung, wenn wir Texte für Fachleute schreiben. Denn Fachwörter sind: präzise und kurz, also genau das, was wir bei unseren Texten erreichen wollen.

Schwierig wird es erst dann, wenn unsere Leser keine Fachleute sind. Im ersten Moment denkt man sich vielleicht: „Das ist doch offensichtlich, ob sich ein Text an Fachleute richtet!“ Tatsächlich gibt es auch zwischen Fachleuten manchmal Missverständnisse. Zum Beispiel hat mir gegenüber einmal ein Sachbearbeiter in einer Kommune behauptet, alle seine Leser seien Fachleute, denn der Brief geht nur an Ärzte. Schade nur, dass seine Fachwörter aus dem Steuerrecht sind. Die Ärzte sind in diesem Fall also ebenso Laien wie beispielsweise ein Fabrikarbeiter. Denn genau wie wir alle Ausländer sind, fast überall; genauso sind wir auch alle Laien – bei fast jedem Thema.

Und wenn es nötig ist?

Für Fachleute ist Fachwortschatz also kein Problem; hier werden unsere Texte unverständlicher, wenn wir auf Fachwortschatz verzichten. Was tun aber, wenn wir für Laien schreiben? Sollten wir dann auf Fachwörter verzichten? Die Antwort lautet: Nein. Natürlich ist es sinnvoll genau zu überlegen, ob ein Fachwort für die Zielgruppe verständlich ist. Und natürlich ist nicht jedes Fachwort notwendig. Aber: Auf Fachworte sollten Sie immer dann nicht verzichten, wenn

  • Ihre Leser ein gemischtes Publikum aus Laien und Fachleuten sind oder
  • das Fachwort in Ihrem Text häufig auftauchen wird.

Denn wenn Sie in diesen Fällen auf Fachwörter verzichten, dann wird ihr Text nur unnötig lang und unpräzise. Worauf Sie andererseits immer verzichten können, ist Fachjargon.

Wie umgehen mit dem Fachwort?

Wenn nun Fachwörter in einem Laientext sinnvoll sind, wie geht man dann am besten damit um? „Erklären“ – schreiben viele Stilhandbücher lapidar. Aber wie? Zunächst einmal gilt: So kurz wie möglich. Wenn es ein besonders wichtiges Fachwort ist, bei dem es darauf ankommt, dass Laien auch Bedeutungs-Feinheiten verstehen, kann man sich zwar ruhig ein wenig mehr Raum für die Erklärung gönnen. Dann aber gerne mit Beispielen. Denn viele Leser lernen besser durch Beispiele als durch Erklärungen.

Eine wichtige Frage ist auch, wo man das Fachwort erklären sollte. Jedes Mal, wenn es erwähnt wird? Das wird schnell ermüdend. Nur bei der ersten Erwähnung? Problematisch wenn die Texte ­– wie zum Beispiel Gebrauchsanleitungen – nicht sukzessive von Anfang bis Ende gelesen werden, sondern die Leser mitten im Text einsteigen. Aus unserer Sicht ist deshalb die Masterlösung eine Kombination aus drei Elementen:

  1. Einem Glossar, das jeden Fachbegriff ausführlich erklärt. Hier kann man sich entweder schnell den Fachwortschatz des Textes insgesamt aneignen oder bedarfsweise nachsehen.
  2. Einer kurzen Erklärung, wenn das Fachwort zum ersten Mal erwähnt wird. Das zeigt Laien, worum es in etwa geht und lässt sie einschätzen, ob sie den Begriff verstehen.
  3. Einem kleinen Hinweis-Icon, mit dem jedes Fachwort bei jeder Erwähnung markiert wird. Es weist die Leser darauf hin, dass sie diesen Begriff im Glossar nachschlagen können. Dazu muss das Icon einerseits selbsterklärend sein, aber gleichzeitig unaufdringlich, damit es den Lesefluss nicht stört.

Klar, nicht in jedem Text lässt sich so ein ausgefeiltes System für Fachworte umsetzen. Aber bei längeren Sachtexten ist es das Mittel der Wahl, um Laien an den Text heranzuführen und Experten durch unnötige Erklärungen nicht über Gebühr zu strapazieren.

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