Aller guten Dinge sind Menü 3

Diesmal werden wir fleischlos glücklich – mit Ei aber ohne Avocado.

Hühnchen und Reh haben in unseren beiden ersten Weihnachtsmenü-Vorschlägen die Hauptrolle gespielt. Heute wird es zur Abwechslung mal vegetarisch. Denn wer sagt denn, dass Weihnachten nur mit Braten und Soße komplett ist?

  • Die Vorspeise kommt diesmal von mir. Feldsalat ist ja eines der wenigen Blattgemüse, die man auch im Winter noch frisch im Garten ernten kann. Mit Birne, gerösteten Walnüssen und Honig-Balsamico wird daraus ein runder Einstieg.
  • Zum Hauptgang wird es exotisch: Mit der Gemüse-Couscous-Pfanne von unserem Software-Entwickler Daniel wird auch die größte Festgesellschaft auf leckere Art auch ohne Fleisch satt.
  • Der Abschluss ist im Vergleich dazu fast schon wieder traditionell. Dafür zaubern  Apfel-Zimt-Muffins von unserem Redakteur Clemens aber mit Sicherheit ein Lächeln auf das Gesicht ihrer Gäste.

Mittlerweile sind wir ja schon im Weihnachts-Endspurt. Wer sich bis jetzt noch nicht für ein Menü entscheiden konnte, der kann aber getrost noch bis nächste Woche abwarten. Zu guter Letzt kommt dann ein klassisches Menü mit Suppe und Braten.

Menü 2 à la française

Käse zur Vorspeise – in unserem zweiten Adventsmenü.

Nach der mediterranen Note von letzter Woche haben wir heute ein französisch inspiriertes Menü vorbereitet. Nach den vielen positiven Rückmeldungen aus der letzten Woche, hoffe ich, dass auch dieses Menü viele Fans findet.

  • Als Vorspeise schlägt uns Ulrike aus unserem Redaktionsteam Camembert mit einem raffinierten Cranberry-Chutney vor. Um noch Platz für Hauptspeise und Dessert zu lassen (es lohnt sich), empfiehlt sie hier eher kleine Käselaibchen. Mit normalen Camemberts ist das Rezept auch als Zwischenmahlzeit oder kleines Hauptgericht geeignet.
  • Wild ist im Herbst und Winter eigentlich immer ein leckeres Hauptgericht gut. Unsere Geschäftsführerin Katrin hat sich ein ganz besonderes Rezept herausgesucht, in dem Rehfilet mit Schokoladensauce kombiniert wird. Neben der Edelbitter-Schokolade gibt Pflaumenmus der Sauce eine wunderbar herbstliche Note.
  • Sibyl aus unserem Redaktionsteam hat aus ihrer Heimat Frankreich das Dessert mitgebracht. Wir bleiben im schokoladigen Bereich und verwöhnen uns zum Abschluss mit Bûche de Noël.

Zum Abschluss bleibt mir noch, uns allen einen guten Appetit zu wünschen.

Advent, Advent – es wird aufgetischt

Es ist angerichtet für unser erstes Weihnachtsmenü…

Anfang des Monats haben wir es schon angekündigt: Dieses Jahr gibt es im doctima-Blog die besten Rezeptvorschläge unserer Kolleginnen und Kollegen für das Weihnachtsmenü. Zum Start haben wir drei leichte Gerichte mit mediterraner Note ausgesucht. Vielleicht ja nicht das schlechteste, wenn Weihnachten einmal nicht im Suppenkoma endet…

  • Die Vorspeise stammt von Lisa aus unserer Software-Entwicklung: Eine rote Linsensuppe mit Ingwer und Limette setzt zum Start einen säuerlichen Akzent.
  • Als Hauptspeise schlägt unsere Management-Assistentin Güldan eine leichtere Geflügelvariante vor als die übliche Weihnachtsgans. Hühnchen „alla cacciatora“ nimmt die Zitronennoten der Vorspeise auf und variiert sie mit Oliven, Sardellen und Kapern.
  • Zum Abschluss empfiehlt unser Redaktionsleiter Johannes ein Bratapfel-Tiramisu als deutsch-mediterranes Crossover mit Spekulatius, Mascarpone und griechischem Joghurt. Für die säuerliche Note sorgen hier Äpfel, Zitrone und Weißwein.

Wie steht es bei Ihnen? Wissen Sie schon, was es zum Fest gibt? Gefällt Ihnen unser erster Menüvorschlag? Oder wäre Ihnen etwas Traditionelleres lieber? Dann seien Sie beruhigt, es ist ja erst erster Advent.

Nur noch 50 Tage bis Weihnachten

Winter is coming – Weihnachten naht

Auch wenn es manche gar nicht glauben können: Weihnachten kommt nicht jedes Jahr immer früher. Denn genau heute sind es noch 50 Tage bis zum Heiligen Abend. Und: Achtung Falle: Dieses Jahr ist Heilig Abend am vierten Advent. Die Weihnachtszeit ist diesmal also besonders kurz.

Damit es 2017 aber wirklich besinnlich wird, haben wir von doctima für unsere Leser schon jetzt ein kleines Paket geschnürt. Ganz wichtig dabei unsere Checkliste für ein entspanntes Weihnachtsfest:

Die vielen schönen Geschenke wollen natürlich auch stilvoll verpackt sein. Mit unserem Bastelbogen für eine weihnachtliche Geschenkbox geht das ganz leicht:

Und in der Zeit, die Sie sich bei den Vorbereitungen sparen, könnten Sie sie sich ja mit einem Buch in weihnachtliche Stimmung bringen. Edgar Hellfritsch hat für uns die Weihnachtgeschichte von Charles Dickens illustriert und als eBook verpackt:

  • Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte (.epub, .mobi)

Fehlen eigentlich nur noch die kulinarischen Highlights. Da haben sich unsere Kollegen mächtig ins Zeug gelegt und werden Sie in der Adventszeit mit Menüvorschlägen überraschen. Schauen Sie also bei uns herein und lassen Sie uns die „staade Zeit“ gemeinsam genießen.

Nudge – Dokumentation mit Stups

Aufkleber an Straßenlaterne "Good News is coming"

War das ein Nudge für den Post?

Seit vorgestern steht fest: Richard Thaler erhält dieses Jahr den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Damit wird der Vertreter einer „menschlicheren“ bzw. „psychologischeren“ Form der Ökonomie geehrt. Bekannt wurde Thaler unter anderem für die Technik des „Nudge“ (engl. für „Anstupsen“). Eine Form der Verhaltenssteuerung, die sich – meiner Ansicht nach – auch die Technische Dokumentation genauer ansehen sollte.

Was ist Nudging?

Als Ausgangspunkt stand bei Thaler die Beobachtung, dass Menschen sich nicht so ökonomisch rational verhalten, wie das die klassische Wirtschaftswissenschaft postuliert. So gibt es z. B. einen hohen Prozentsatz von Steuerzahlern, die ihren Lohnsteuer-Jahresausgleich nicht abgeben, obwohl sie mit einer deutlichen Erstattung rechnen können.

Bei Nudging handelt es sich nun um Techniken, mit denen durch relativ einfache Anreize das Verhalten von Menschen so gelenkt wird, dass sie die für sie vorteilhaften Entscheidungen auch umsetzen. Gebote, Verbote und ökonomische Anreize spielen dabei keine Rolle. Stattdessen sollen Menschen auf sanfte Weise dazu bewegt werden, das (aus individueller oder gesellschaftlicher Sicht) Richtige zu tun.

Ein Beispiel dafür ist die Förderpraxis für Wärmedämmung in Großbritannien. Obwohl Hausbesitzer durch Fördergelder bereits innerhalb eines Jahres einen effektiven Gewinn für sich realisieren konnten, wurde der Fördertopf nicht abgerufen. Thaler stellte fest, dass die meisten Leute den Aufwand scheuten, ihren Dachboden vor der Umbaumaßnahme aufzuräumen. Das Förderprogramm wurde in der Folge ein Erfolg, weil die Fördergelder mit einem preiswerten Entrümpelungsservice gekoppelt wurden.

Grundsätzlich ist Nudging natürlich eine Form der Manipulation. Denn die Verhaltenssteuerung kann prinzipiell auch für die Interessen der „Nudger“ und zum Schaden der Marktteilnehmer eingesetzt werden. Dieser Aspekt hat wiederholt zu Kritik geführt. Deshalb entwickelte Thaler drei Kriterien für ethische „Nudges“:

  • Transparent kommunizieren:
    Die Beteiligten müssen erkennen können, welche Maßnahmen eingesetzt werden
  • „Opt-out“ ermöglichen:
    Die Beteiligten müssen sich einfach und unaufwändig gegen einen Nudge entscheiden können.
  • Nutzen stiften:
    Die Maßnahme muss ein nutzbringendes Verhalten für das Individuum oder die Gesellschaft bewirken.

Braucht Dokumentation Nudging?

Was hat das Ganze nun aber mit Technischer Dokumentation zu tun? Bei genauerem Hinsehen, sind die Berührungspunkte ziemlich deutlich. Wie auch in den anderen Anwendungsfeldern von Nudging geht es bei Technischer Kommunikation um die Beeinflussung von Verhalten, und zwar

  • indem wir den Benutzern neue Verhaltensweisen (Handhabungen) beizubringen versuchen,
  • indem wir versuchen, Benutzer zu bewegen unter mehreren Alternativen eine vorteilhafte Verhaltensweise zu wählen (Tipps)
  • indem wir versuchen, Benutzer von schädlichen Verhaltensweisen abzuhalten (Sicherheitshinweise).

Genau genommen gehört hierher auch die Frage, wie wir Benutzer überhaupt dazu bewegen, die angebotene Dokumentation zu benutzen. Potenzial für Nudges gibt es also in der Technischen Dokumentation genug.

Bisher ist Dokumentation noch stark von einem rationalen Kommunikationsansatz geprägt, der Verbote (Sicherheitshinweise) und finanzielle Strafen (Verlust der Gewährleistung, Schäden am Gerät etc.) in den Vordergrund stellt. Gleichzeitig steht Dokumentation unter Druck, weil sie in der jetzigen Form nicht oder nur ungern gelesen wird.

Wie starten mit Nudging?

Aber wie sehen Nudges in der Technischen Dokumentation nun konkret aus? Bisher ist Nudging aus diesem Blickwinkel noch nicht betrachtet worden. Einige Grundprinzipien sind jedoch schon deutlich:

  1. Mache Dokumentation so bequem verfügbar wie möglich.
  2. Sorge für Belohnungen bei erwünschtem Verhalten.
  3. Nenne/fokussiere nur erwünschte Verhaltensweisen.
  4. Sorge dafür, dass Benutzer sich auch einfach gegen den Nudge entscheiden kann.

Ein Nudge kann dementsprechend eine ganz einfache Maßnahme sein. Ein Beispiel: Oft ist es schwierig, Supporttechniker außerhalb des Unternehmens zu motivieren, Aktualisierungen der Sicherheitshandbücher zu lesen. Liefert man nun die Dokumentation digital, bzw. mobil an die Serviceleute aus, so lässt sich ein einfacher Nudge dadurch einbauen, dass man den Benutzern beim Einloggen die Anzahl der ungelesenen neuen Dokumente zeigt. Ein kleiner Stups, der aber große Wirkung zeigen kann.

Noch mehr zu Nudges

Medien und Linguistik und Schokolade

Buchcover Medienlinguistik 3.0

Medienlinguistik 3.0 (Cover)

Eigentlich klingt „Medienlinguistik 3.0“ zu gut, um wahr zu sein. Denn Medien und Linguistik und Social Web – das sind drei Dinge auf einmal, das kann sonst ja nur ein Ü-Ei. Sehen wir also mal nach, was in dem Überraschungs-Ei „Medienlinguistik 3.0 – Formen und Wirkung von Textsorten im Zeitalter des Social Web“ (so der komplette Buchtitel) versteckt ist.

Und das ist so einiges. 20 Beiträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Den Anfang machen mehrere Aufsätze zur Abgrenzung des Themenbereichs und zu anderen Grundfragen. Teil 2 beschäftigt sich dann mit „Textsorten und Online-Journalismus“. Die Bezeichnung finde ich persönlich ein wenig unglücklich, denn durch die herausgehobene Nennung des Online-Journalismus drohen die lesenswerten Beiträge von Wenz und Opilowski zu Internet-Memen fast thematisch unterzugehen.

Der dritte Bereich widmet sich den Plattformen, wobei aber auch hier immer wieder der Bezug zu Textsorten hergestellt wird. Interessant fand ich zum Beispiel die Analyse von Peter Schildhauer, ob, wie und warum Blogs von Facebook und Twitter verdrängt werden. Den Abschluss des Bandes bildet ein vierter Teil zur Mediendidaktik. Dass Mediendidaktik in Deutschland ein wichtiges Desiderat ist, brauche ich wohl kaum zu betonen. In Anbetracht dieser Wichtigkeit fällt für meinen Geschmack der Bereich mit nur zwei Beiträgen ein wenig schmal aus. Dafür sind die beiden Beiträge hoch relevant. Besonders der Aufsatz von Judith Buendgens-Kosten war für mich erhellend. Sie zeigt, wie Unterricht dadurch scheitert, dass Blogs eingeführt werden – nicht deshalb, weil Blogs im Unterricht eingesetzt werden, sondern weil sie als eine exotische Schreibpraxis dargestellt werden, die mit der Lebenswirklichkeit der Schüler (den Kindern der Digital Natives) nichts zu tun hat.

Aktuelle Fragestellungen – z. B. zu Fake-News und Echokammern – findet man in „Medienlinguistik 3.0“ allerdings (und selbstverständlich) nicht. Das Buch ist aus den Vorträgen einer Tagung von 2014 entstanden, als diese Themen noch nicht in den Blick der Öffentlichkeit gerückt waren. Gerade das tut beim Lesen aber auch gut. Denn halbgare hektische Analysen zu aktuellen Trends gibt es genug. Was fehlt, sind solche fundierten Studien wie „Medienlinguistik 3.0“, die eine stabile Basis für die Beurteilung der schnelllebigen Social Media Phänomene schaffen. Das Überraschungs-Ei hat also wirklich drei Wünsche auf einmal erfüllt: Medien, Linguistik und gesunde Kost fürs Hirn.

Literatur: Baechler, Coline/Eva Martha Eckkrammer/Johannes Müller-Lancé/Verena Thaler [Hrsg. 2016]: Medienlinguistik 3.0 – Formen und Wirkung von Textsorten im Zeitalter des Social Web. Reihe Sprachwissenschaft. Bd. 34 Frank & Timme Verlag für wissenschaftliche Literatur, ISBN: 978-3-7329-0078-7.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Leitbilder „zwischen den Zeilen“ lesen

Es wird Zeit unsere Gewinnerin zu präsentieren. Wie auch beim letzten Mal gab es wieder eine Fülle von hochqualitativen Abschlussarbeiten, die an unserem doctima-Preis teilgenommen haben. Verdient gewonnen hat Dr. Simone Burel mit einer linguistischen Dissertation zu Unternehmensleitbildern. Mittlerweile hat sie sich selbständig gemacht und ist Inhaberin und linguistische Beraterin bei LU-Linguistische Unternehmenskommunikation. In den Bereichen Organisationskommunikation, Genderlinguistik und Trendforschung berät sie nationale Konzerne, KMU und Bildungsorganisationen tätig. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Analyse und Messung der sprachlichen Kommunikation von Organisationen sowie der Aufdeckung verborgener bzw. neuer Bedeutungen. Aber lassen wir sie selbst zu Wort kommen.

Unternehmen, Organisationen und Kommunen verschenken jedes Jahr Millionenbeträge ihres Marketingbudgets durch, Pardon, Nonsens-Kommunikation oder Kommunikationsverlust, da sie sprachliches Wissen über sich oder ihre Zielgruppen nicht effektiv auswerten. Es ist ja nur ein Text, die harten Fakten zählen…

Was wäre, wenn die Wörter im Geschäftsbericht, in Werbeanzeigen, auf der Homepage, der Karriereseite, in Mitarbeiterumfragen oder Social-Media-Kommunikationen darüber entschieden, ob die Kommunikation gelänge oder nicht?

Linguistische Untersuchungen konnten beispielsweise bestätigen, dass es mitunter an der Wortwahl liegt, ob Krisengespräche oder Stellenausschreiben kommunikativ erfolgreich beendet wurden, denn Sprechen und Denken hängen unmittelbar zusammen. Adjektive wie ehrgeizig oder analytisch sprechen eher Männer, empathisch und kommunikativ eher Frauen an, da wir unterbewusst, wo die Sprachverarbeitung stattfindet, doch noch an Stereotypen hängen bleiben. Es macht einen Unterschied, von Belegschaft oder Mitarbeiter zu sprechen. Es macht außerdem einen Unterschied, ob ein Unternehmen oder quasi jedes Unternehmen das Wort Nachhaltigkeit nutzt.

Sprache ist das primäre Medium, über das wir Welt und Wissen (er-)fassen und vergegenständlichen, werden im Business jedoch traditionell als Soft Skills wahrgenommen („das war doch nur ein dummer Spruch“), entscheiden jedoch nachweislich mit über den Erfolg – sei es in einer Paarbeziehung oder einem Wirtschaftsunternehmen. Letztlich ist es doch die Macht der Worte und deren anhaltende Erinnerung, durch welche Interaktionen gelingen oder nicht. Und: Wissen ist nicht Macht, sondern erst angewandtes (Sprach-)Wissen. Die konkreten Auswirkungen einer reflektierten Wortwahl auf die Performance von Unternehmen zeigen sich auch langfristig noch in verringerten Vertriebskosten, Effizienzsteigerungen in der allgemeinen Korrespondenz, Imageverbesserungen, überzeugenderer Darstellung der Produkte, längerfristiger Kundenbindung sowie besserer Kundeninteraktion.

Es fehlte bislang jedoch an solider linguistischer Begleitung und Interaktion, um Unternehmen auf der Basis neuester linguistischer Forschungsergebnisse und automatisierter Textanalysen sprachlich voranzubringen. Diese Lücke nutzten dagegen viele semi-linguistische Ratgeber oder Praktiker ohne linguistische Vorbildung.

Ziel meiner Dissertation war es daher, auf der Basis von 465 Unternehmenstexten, die in der externen Image-Kommunikation verwendet werden – genau, Leitbilder, Mission Statements, Mission, Visionen, Imagebroschüren und wie sie alle auch heißen (dass hier eine große Heterogenität innerhalb der Bezeichnungskonventionen herrscht und ein Leitbild nicht gleich ein Leitbild ist, sei vorausgeschickt) – ein Kompendium passgenauer Erfahrungswerte anzubieten, das zur authentischeren Kommunikation beiträgt, denn die Wirkungsweisen von sprachlichen Zeichen müssen in effektiv kommunizierenden Organisationen von Anfang an mitgedacht werden. Auf ausgetreten Sprachpfaden kommt man nicht zu neuen Denkzielen.

Mich interessierte vor allem, welche Keywords, Themen und rhetorische Strategien Unternehmen anwendeten, um über sich schriftlich zu kommunizieren, sich dabei voneinander unterschieden oder einander glichen. Als untersuchenswerte Unternehmen wurden von mir die DAX-30-Unternehmen, d.h. die 30 deutschen Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung und Hauptsitz in Deutschland (BASF, SAP, Siemens, Commerzbank etc.) im Zeitraum von 2008-11 ausgewählt.

Gleiche unter Gleichen

Die Arbeit deckte u.a. ein Paradoxon auf: Einerseits geben alle Unternehmen vor, unverwechselbar, besonders oder einzigartig sein. Andererseits gleichen sich ihre sprachlichen Versuche diesbezüglich sehr stark. Das relativ uniforme Wording erstreckt sich von substantivischen Hochwertwörter (Verantwortung, Nachhaltigkeit, Respekt etc.) mit adjektivischen Partnerwörtern (nachhaltig*, gesellschaftlich*, erfolgreich* etc.), Verben (schaffen, erleben, gestalten etc.) bis hin zu sogenannten semantischen Leerformeln wie Zukunft gestalten oder Verantwortung übernehmen. Leer sind sie deshalb, da alle sie benutzen und wir ihnen daher keine besondere Bedeutung mehr zumessen als reine Werbung.

Auf Satzebene zeigte sich ein ähnliches Bild: wir-Formeln mit den Verben sein oder bilden (wir sind fair, offen, erfolgreich etc.) komplettieren den kurzen parataktischen Satzaufbau, der den starken Bekundungscharakter der Texte unterstützt.

Auf der Inhaltsebene konnten insgesamt 14 Themen, die durch 49 Subthemen ausdifferenziert werden, erarbeitet werden, die scheinbar prototypisch für die Unternehmenskommunikation nach außen sind, u.a. Verhaltenseigenschaften wie Respekt, Integrität, Ehrlichkeit, Fairness, Vertrauen, Sicherheit, Transparenz und Qualität oder Normen wie Nachhaltigkeit, Verantwortung, Werte und Kultur.

Um ihre Glaubwürdigkeit rhetorisch zu stützen, verwenden Unternehmen musterhaft Bezugnahmen auf Umsatz-/Standort-/Mitarbeiter-Zahlen, Studien, ihre (Familien-)Tradition, Wettbewerber, Autoritäten (der Gründer, der Erfinder) sowie Klassifikationen mit sogenannten als-Phrasen (als leistungsorientiertes Unternehmen. Explizite Bewertungen mittels dimensionaler Adjektive (höchste*, größte*) werten Unternehmen dominant-verabsolutierend auf  –  bis hin zu hyperlativen Formen (globalstes Unternehmen).

Praxistransfer − Die Linguistische Unternehmensberatung LU

Die Dissertation wurde somit zu einem profunden Sammelwerk an Sprachmustern, die es (nicht) zu nutzen gilt, wenn authentisch kommuniziert werden soll. Mit diesem Wissen sind Unternehmen in der Lage, sich selbst aus Mitarbeiter- oder Kundenperspektive zu betrachten und eine reflektiertere Sprachwahl anzustreben.

Im Jahr 2015 entstand aufbauend auf den Dissertationsergebnissen die erste linguistische Unternehmensberatung LU – Linguistische Unternehmenskommunikation, die den beschriebenen wissenschaftlichen Service von der (maschinellen) Textanalyse mit dem LU-Tool in Form von Studien bis hin zu Sprach-Workshops oder individuellen Sprach-Guidelines anbietet. Breite Presserezeption und Kundenzustrom belegen die entsprechende Nachfrage – und bestätigen letztlich: es lässt sich eine Korrelation von Sprachverwendung und Unternehmenserfolg empirisch nachweisen.

Wissen, Medien und der ganze Rest

Jaki/Sabban (Hrsg.): Wissensformate in den Medien - Cover

Wissensformate in den Medien – Cover

Wenn man sich tagein, tagaus mit Fragen des Wissenstransfers und der Wissensdokumentation beschäftigt, dann freut man sich über einschlägige Forschungsliteratur. Denn leider wird das Thema Wissen in der Linguistik nicht immer so intensiv behandelt, wie es in einer Wissensgesellschaft sinnvoll und notwendig wäre.

„Wissensformate in den Medien“ versucht hier einen Beitrag zu leisten. Die Herausgeberinnen dokumentieren mit den gesammelten Aufsätzen die gleichnamige Tagung, die 2015 in Hildesheim stattgefunden hat. Ziel ist es, „Sichtweisen der einzelnen Disziplinen und Arbeitsfelder zusammenzubringen“. Bleibt zu entscheiden, ob das auch gelungen ist.

Das Buch versammelt Aufsätze verschiedener Autoren zu einem breiten Themenspektrum. Diese Aufsätze sind nach Medien in drei Bereiche gruppiert „Print“, „Fernsehen“ und „Neue Medien“, zwei einführende Aufsätze ergänzen das Inhaltskonzept. Thematisch spannen die einen breiten Bogen von Kinderbüchern über Infotainmentsendungen und bis hin zu Wikipedia-Artikeln. Und natürlich darf auch die Sendung mit der Maus nicht fehlen. Neben unterschiedlichen Zielgruppen für die Wissensangebote (Kinder, Patienten) enthält der Band auch Ergebnisse aus anderen Sprachen und eine kontrastive Studie zu englischen und deutschen Titeln von Wissensdokus im Fernsehen.

Bei aller thematischen Breite sind aber auch die Lücken auffällig; mich haben sie gestört. Bei der Auswahl der Medien lässt „Wissensformate“ große Lücken, gerade auch bei aktuellen Entwicklungen: Ich hätte mir zumindest ein, zwei Beiträge zu Hörbüchern, Rundfunksendungen oder Onlinetrainings erhofft. Der Bereich „Neue Medien“ fällt mit zwei Aufsätzen extrem schmal aus und diese beiden Beiträge beschränken sich zudem auf seit langem etablierte Online-Angebote. Hier hätte ich mir etwas zu Plattformen wie YouTube oder Twitter oder zu neuen Formaten wie Sprachlern-Apps erhofft.

Auch die betrachteten Zielgruppen sind dann gar nicht so vielfältig wie sie im ersten Moment daherkommen. Innerbetriebliche Wissenformate, Senioren, Menschen mit kognitiven Einschränkungen (die Forschungsstelle für leichte Sprache sitzt im Tagungsort Hildesheim) – zu viel bleibt ohne Not ausgespart. Und auch das fremdsprachliche Spektrum will nicht recht überzeugen. Englische und französische Wissensformate sind zwar interessant, aber etwas mehr interkulturelle Bandbreite (z. B. japanische, chinesische, arabische oder türkische Angebote) hätte hier gut getan.

Die Beiträge an sich sind solide, aber nicht spektakulär. Oft beschäftigen sie sich mit Detailfragen (Bilder-Sachbücher, einzelnen TV-Sendungen). Das ist der Publikationsform Aufsatz zwar durchaus angemessen, aber letzten Ende entsteht so ein Eindruck der Beliebigkeit. Der Band versammelt Beiträge ohne einen größeren Rahmen zu bieten und ein Phänomen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Der Band ist wahlweise zu breit oder nicht breit genug angelegt. Für eine Darstellung der Bandbreite medienlinguistischer Forschung sind die thematischen Lücken zu eklatant; die behandelten Themen untereinander zu ähnlich. Andererseits ist das thematische Spektrum aber zu breit, um ein durchgehendes Thema durch verschiedene Blickwinkeln eine zusätzliche Dimension zu geben. Größere thematische Breite oder stärkerer Fokus; jede dieser Strategien hätte dem Buch gut getan. Mit der jetzigen Konzeption bleibt man jedoch – trotz der an sich lesenswerten Beiträge – seltsam unbefriedigt zurück.

Literatur:  Sylvia Jaki/Annette Sabban [Hrsg. 2016]: Wissensformate in den Medien. Analysen aus Medienlinguistik und Medienwissenschaft. Reihe Kulturen – Kommunikation – Kontakte. Bd. 25. Frank & Timme Verlag für wissenschaftliche Literatur, ISBN: 978-3-7329-0201-9.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Was tun mit dem Fachwort?

„Responder“, „conversion“ – manchmal sind Fachwörter ein Problem.

Fachwörter sind immer ein Thema, wenn es darum geht, wie man verständlich und prägnant schreibt. Kaum ein Ratgeber kommt ohne den Fachwort-Tipp aus. Doch mal ganz ehrlich: Wie macht man das denn, Fachwörter zu vermeiden?

Ist das denn nötig?

Bevor man sich aber daran macht, alle Fachwörter zu vermeiden, sollte man sich vielleicht erst einmal klar darüber werden, warum es Fachwörter überhaupt gibt bzw. was wir mit ihnen erreichen wollen. Fachwörter sind im Prinzip eine Art Abkürzung: Sie verdichten einen genau definierten Sachverhalt. Deshalb ist ein Fachwort auch immer die beste Lösung, wenn wir Texte für Fachleute schreiben. Denn Fachwörter sind: präzise und kurz, also genau das, was wir bei unseren Texten erreichen wollen.

Schwierig wird es erst dann, wenn unsere Leser keine Fachleute sind. Im ersten Moment denkt man sich vielleicht: „Das ist doch offensichtlich, ob sich ein Text an Fachleute richtet!“ Tatsächlich gibt es auch zwischen Fachleuten manchmal Missverständnisse. Zum Beispiel hat mir gegenüber einmal ein Sachbearbeiter in einer Kommune behauptet, alle seine Leser seien Fachleute, denn der Brief geht nur an Ärzte. Schade nur, dass seine Fachwörter aus dem Steuerrecht sind. Die Ärzte sind in diesem Fall also ebenso Laien wie beispielsweise ein Fabrikarbeiter. Denn genau wie wir alle Ausländer sind, fast überall; genauso sind wir auch alle Laien – bei fast jedem Thema.

Und wenn es nötig ist?

Für Fachleute ist Fachwortschatz also kein Problem; hier werden unsere Texte unverständlicher, wenn wir auf Fachwortschatz verzichten. Was tun aber, wenn wir für Laien schreiben? Sollten wir dann auf Fachwörter verzichten? Die Antwort lautet: Nein. Natürlich ist es sinnvoll genau zu überlegen, ob ein Fachwort für die Zielgruppe verständlich ist. Und natürlich ist nicht jedes Fachwort notwendig. Aber: Auf Fachworte sollten Sie immer dann nicht verzichten, wenn

  • Ihre Leser ein gemischtes Publikum aus Laien und Fachleuten sind oder
  • das Fachwort in Ihrem Text häufig auftauchen wird.

Denn wenn Sie in diesen Fällen auf Fachwörter verzichten, dann wird ihr Text nur unnötig lang und unpräzise. Worauf Sie andererseits immer verzichten können, ist Fachjargon.

Wie umgehen mit dem Fachwort?

Wenn nun Fachwörter in einem Laientext sinnvoll sind, wie geht man dann am besten damit um? „Erklären“ – schreiben viele Stilhandbücher lapidar. Aber wie? Zunächst einmal gilt: So kurz wie möglich. Wenn es ein besonders wichtiges Fachwort ist, bei dem es darauf ankommt, dass Laien auch Bedeutungs-Feinheiten verstehen, kann man sich zwar ruhig ein wenig mehr Raum für die Erklärung gönnen. Dann aber gerne mit Beispielen. Denn viele Leser lernen besser durch Beispiele als durch Erklärungen.

Eine wichtige Frage ist auch, wo man das Fachwort erklären sollte. Jedes Mal, wenn es erwähnt wird? Das wird schnell ermüdend. Nur bei der ersten Erwähnung? Problematisch wenn die Texte ­– wie zum Beispiel Gebrauchsanleitungen – nicht sukzessive von Anfang bis Ende gelesen werden, sondern die Leser mitten im Text einsteigen. Aus unserer Sicht ist deshalb die Masterlösung eine Kombination aus drei Elementen:

  1. Einem Glossar, das jeden Fachbegriff ausführlich erklärt. Hier kann man sich entweder schnell den Fachwortschatz des Textes insgesamt aneignen oder bedarfsweise nachsehen.
  2. Einer kurzen Erklärung, wenn das Fachwort zum ersten Mal erwähnt wird. Das zeigt Laien, worum es in etwa geht und lässt sie einschätzen, ob sie den Begriff verstehen.
  3. Einem kleinen Hinweis-Icon, mit dem jedes Fachwort bei jeder Erwähnung markiert wird. Es weist die Leser darauf hin, dass sie diesen Begriff im Glossar nachschlagen können. Dazu muss das Icon einerseits selbsterklärend sein, aber gleichzeitig unaufdringlich, damit es den Lesefluss nicht stört.

Klar, nicht in jedem Text lässt sich so ein ausgefeiltes System für Fachworte umsetzen. Aber bei längeren Sachtexten ist es das Mittel der Wahl, um Laien an den Text heranzuführen und Experten durch unnötige Erklärungen nicht über Gebühr zu strapazieren.

KPIs für Technische Redaktionen – FAQ

Henne oder Ei – auch bei Kennzahlen in der Technischen Redaktion

Vor zwei bzw. drei Wochen haben wir uns mit Kennzahlen in der Technischen Dokumentation beschäftigt. Heute möchte ich in einem kurzen Post noch auf ein paar Fragen eingehen, die in dem Zusammenhang immer wieder auftauchen.

Woher bekomme ich denn die Kennzahlen?

Pauschal lässt sich das leider nicht beantworten. Aber vielleicht hilft ein wenig Systematik, damit Sie Ihre Zahlenlieferanten identifzieren können. Grundsätzlich können Sie an drei Messpunkten ansetzen:

  1. Der Content: z. B. Dokumentzahl, Umfang, unterstützte Medien etc.
  2. Der Prozess: z. B. Bearbeitungsdauer pro Dokument, Fertigstellungszeiten, Übersetzungskosten etc.
  3. Der Nutzer: z. B. Seitenaufrufe, Supportanfragen zu undokumentierten Themen, Zufriedenheitsanalysen etc.

Je nach Ihren Zielen werden Sie natürlich andere Kennzahlen erheben. Und vielleicht werden Sie auch feststellen, dass bisher keine Kennzahlen dazu existieren.

Womit soll man Kennzahlen vergleichen?

Das ist eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme und die dem Henne-Ei-Problem ähnelt: „Womit soll ich meine Kennzahlen vergleichen, wenn es bisher keine Daten gibt?“ Die Antwort ist einfach: Mit der Zukunft. Wichtig ist, dass Sie wissen, welche Ziele Sie haben und welche Daten Sie zur Zielkontrolle erfassen wollen. Wenn Sie bisher keine (qualitätiv ausreichenden) Daten dazu vorliegen haben, dann fangen Sie halt jetzt mit der Erhebung an. Schon nächstes Monat können Sie Ihre Daten mit dem Vormonat vergleichen.

Geht das nicht auch automatisch?

Natürlich geht das automatisch. Und je stärker Ihre Arbeitsprozesse digitalisiert sind, desto einfacher ist es, Kennzahlen zu erheben. Wenn Sie filebasiert Anleitungen erstellen können Sie (bei konsistenter Benennung) z. B. mit einem Skript nach verschiedenen Dokumentarten suchen. Bei webbasierter Dokumentation können Sie z. B. Seitenaufrufe erfassen. Am einfachsten haben Sie es, wenn Sie ein Redaktions-CMS verwenden und dessen Auswertungsfunktionen nutzen.

Woher soll ich denn dafür noch die Zeit nehmen?

Mal andersherum gefragt: Haben Sie denn die Zeit, ohne Kennzahlen zu arbeiten? Letzten Endes bedeutet der Verzicht auf Kennzahlen, im Blindflug nach Gefühl zu steuern. Das kann gutgehen. Aber auch im besten Fall bedeutet das, zusätzliche Aufwände und Reibungsverluste. Zeit, die Sie schlicht und einfach nicht haben. Durch Kennzahlen werden Sie effizienter. Und falls das auf Sie nicht zutrifft, dann arbeiten Sie vermutlich mit den falschen Kennzahlen.

Wer soll denn die KPI erfassen?

Im Prinzip kann die Kennzahlen – wenn sie denn einmal definiert sind – jeder erheben, der Zugriff auf die Systeme hat, also auch eine Praktikantin oder ein Azubi. Wichtiger ist, die Zahlen strukturiert auszuwerten und dafür zu sorgen, dass die richtigen Leute diese Ergebnisse bekommen. Denn die Ergebnisse der Auswertungen sind ein Steuerungsinstrument, das die Führungsebene für ihre Entscheidungen braucht.

Haben Sie weitere Fragen zu Kennzahlen und KPIs? Dann schreiben Sie sie doch in unsere Kommentare. Wir antworten Ihnen gerne.