Durch Schreiben denken lernen

Auf meinem Schreibtisch liegt ein weiterer Band der UTB-Reihe „Kompetent lehren“ mit dem Titel „Schreibdenken“. Auf den ersten Blick erschließt sich mir nicht sofort, was damit gemeint ist. Denke ich nicht immer beim Schreiben? Versuche ich nicht immer, mir den passenden Stil und Inhalt zurechtzudenken? Doch genau das soll hier nicht gemeint sein. Vielmehr geht es darum, beim Schreiben weiterzudenken, um im Anschluss die Quintessenz der Gedanken herauszufiltern. Nach einem Selbsttest kann ich sagen: Klingt erstmal schwierig, ist es aber nicht! Hat man sich einmal darauf eingelassen, lässt sich ein kreativer Schub wahrnehmen. Ein Blick ins Buch erklärt uns auch, warum: Schreibdenken integriert beide Hirnhälften und das steigert unsere Denkleistung. Gar nicht mal so schlecht! Und dann – auf der Höhe unserer Denkleistung – fällt es natürlich umso leichter, das Wesentliche herauszufiltern.

Dank 20-jähriger Schreiberfahrung – sowohl als Autorin als auch Unterstützerin anderer Autorin – schafft Ulrike Scheuermann es, ihr Konzept verständlich rüberzubringen. Dabei kritisiert sie auch die derzeitige Schreibsituation in Deutschland allgemein und an Hochschulen. Man kann ihr nur zustimmen, wenn sie meint, dass bei uns vorrangig die Meinung herrscht, dass man „schreiben entweder kann – oder eben nicht“. Dabei können doch ein paar kleine Übungen täglich aus jedem von uns einen besseren Schreiber machen. Und diesen Ansatz verfolgt das vorliegende Buch durchgängig. Dabei schafft sie es, trotz Nennung klassischer Techniken eine Verbindung zum Selbstcoaching und der Psychologie herzustellen. In der Übung „Das innere Gespräch“ ist man dazu angehalten, mit zwei Facetten seiner selbst in Dialog zu treten: Wenn der „Mäkelige“ nichts mehr zu meckern hat und die „Gerneschreiberin“ kurz innehält, dann ist das Ziel erreicht: Man hat sich mit sich selbst auseinandergesetzt und kann mit frischen Ideen starten.

Es wird sogar philosophisch

Doch was bietet das Buch inhaltlich? Neben grundlegenden Informationen über das Schreibdenken wird auch eine Beziehung zu anderen Konzepten, wie z. B. Voice oder Flow hergestellt. Auch zeigt es auf, wie sich Schreibblockade und andere (Schreib-)Probleme lösen lassen. Besonders positiv fallen dabei die Schilderung des prototypischen Schreibprozesses und die Auflistung der Schreibtypen auf. Hat man erstmal festgestellt, ob man eher der „Drauflosschreiber“, „Versionenschreiber“, „Patchwork-Schreiber“ oder „Planer ist“ – mit allen Vor- und Nachteilen – fällt es viel leichter, sich auf das Schreiben einzulassen. Und auch Intro- und Extravertierte werden eingebunden. Letztere – eher als Schreibmuffel bekannt – werden dazu angehalten, Möglichkeiten zu suchen, über das Geschriebene zu sprechen. Ein weiterer großer Pluspunkt sind die vielen praktischen Übungen. Dabei wird vor allem auf Kürze udn Prägnanz wert gelegt. Längere Übungen (bis zu 30 Minuten) sind als Gruppenübungen angelegt. Das lässt den Arbeitsaufwand abschätzen und demotiviert nicht gleich vorab. Auch werden die Übungen in bestimmte Kontexte gesetzt. Welche Übung hilft z. B. wenn ich mich fokussieren will? Am Ende wird es sogar noch philosophisch: Schreibdenken lässt sich nämlich auch für das Selbstcoaching im Alltag anwenden. Und wie findet man am besten heraus, was man in den letzten 7 Monaten seines Lebens tun würde, als einfach mal draufloszuschreibdenken?

Fazit

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die einfaches Rezeptwissen in kurzweiliger Darstellung suchen. Viele Tipps helfen Ihnen sicherlich aus dem Schreibloch und zeigen neue Wege, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Um tiefer in die Materie einzutauchen, eignet sich das Buch nicht – den Anspruch erhebt es aber auch nicht. Wer eine Abhandlung zum Thema Schreibdenken erwartet, wird sicher enttäuscht. Vielmehr nennt das Buch sein Konzept, geht dabei aber auch immer wieder auf andere Bereiche bis hin zum Selbstcoaching und privaten Schreiben ein. Genau darin liegt aber die Stärke des Buches: Es ist eine generelle Schreibhilfe.

Literatur:  Scheuermann, Ulrike [2016; 3. Aufl.]: Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. Verlag Barbara Budrich, Opladen und Toronto. ISBN 978-3-8252-4717-1.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Stoff reduzieren

Ist weniger mehr? – Lehrstoff sinnvoll reduzieren

Titelseite: Ritter-Mamczak "Stoff reduzieren"

Titelseite: Ritter-Mamczak „Stoff reduzieren“

Vor mir liegt nun also ein Arbeitsbuch für die Lehrpraxis an Hochschulen. „Stoff reduzieren“ von Bettina Ritter-Mamczek war der Auftakt zur Reihe „Kompetent lehren“ des UTB-und Budrich-Verlages, in der mittlerweile 8 Bücher erschienen sind. Im Mittelpunkt steht – ganz dem Zeitgeist entsprechend – der Lernende. Wie kann ich Wissen so aufbereiten, dass der Lernende den größtmöglichen Nutzen daraus zieht?
Die Autorin ist selbst seit 19 Jahren als Dozentin und Moderatorin tätig. Sie liefert einen Überblick über Lehrkonzepte und gibt zahlreiche Tipps zur Planung von Lehrveranstaltungen.  Dabei geht es nicht nur um Stoffreduzierung sondern auch um durchdachte Lehrorganisation. Das Buch startet mit einer notwendigen Begriffserklärung als Schnelleinstieg und versammelt dann Konzepte zur Veranstaltungsplanung, insbesondere sog. Fachlandkarten. Zur Veranschaulichung fließen immer wieder Beispiele aus der Praxis ein. Aufgelockert wird das Ganze mit Handzeichnungen.

Hält sich das Buch an seine eigenen Regeln?

Stellenweise fällt es schwierig, sich einen endgültigen Masterplan herauszufiltern. Die Autorin nennt so viele Konzepte und teils sich überschneidende Fragelisten zur Planung, dass ich mich frage, wo ich am besten anfangen soll. Hier liegt es dann doch am Leser selbst, sich daraus einen geeigneten Plan zurechtzubasteln. Aber genau das muss nicht immer ein Nachteil sein. Die Autorin beschränkt sich nämlich nicht nur auf klassische Lehrmethoden, sondern bedient sich auch beim Projektmanagement (s. SMART-Konzept). Die Stärke des Buchs liegt dabei klar in den praxisrelevanten Beispielen und Übungen. Der Leser wird dazu angehalten, die eigene Arbeit im Hinblick auf das Beschriebene zu überdenken oder in Übungen zu erproben. Dadurch stellt sich schnell eine gewisse Routine in der Aufbereitung von Lehrinhalten ein.

Und was nützt das im Unternehmen?

Schön und gut, jetzt habe ich gelernt, wie ich Studenten und Schülern sinnvoll Wissen vermittle. Aber kann ich dieses Wissen auch in anderen Bereichen anwenden? Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich. Die vorgestellten Konzepte lassen sich ganz klar auf die Arbeit im Unternehmen und den Redaktionsalltag übertragen. Immer wieder muss ich mich beim Schreiben eines Artikels fragen: Wer sind meine Leser, was meine Ziele, und was ist das zentrale Thema? Das letzte Kapitel widmet sich dieser Problematik und liefert Vorschläge für auftauchende Fragen. Außerdem sind Workshops und Seminare auch bei uns im Unternehmen immer ein Thema. Dafür kann man sich hier bedenkenlos bedienen.

Ein Nachschlagewerk für Wissensvermittlung

Der Tatsache geschuldet, dass das Buch in einer Reihe erschienen ist, werden einige Aspekte nicht behandelt. Es geht nicht darauf ein, wie man Inhalte veranstaltungsübergreifend vorbereitet, was bei heterogenen Gruppen zu beachten ist oder  welcher Medieneinsatz sinnvoll ist. Hier liegen dann auch die Grenzen für mich als Redakteurin im Unternehmen oder Leiterin von Workshops, wo eine homogene Zielgruppe doch eher die Ausnahme ist. Nichtsdestotrotz liefert das Buch einen hervorragenden Einstieg in das Thema. Es richtet sich an Einsteiger und Geübte gleichermaßen, wobei letztere dabei vor allem zur Reflexion ihrer bisherigen Lehrgestaltung angeregt werden. Sollte ich mal vergessen haben, worauf es ankommt, kann ich mich mit diesem Buch immer wieder daran erinnern.

Literatur:  Bettina Ritter-Mamczek [2016; 2. Aufl.]: Stoff reduzieren. Methoden für die Lehrpraxis. Verlag Barbara Budrich, Opladen und Toronto. ISBN 978-3-8252-4462-0
Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.