tekom 2017, die Doku-Branche zu Besuch in Stuttgart

Vier Wochen ist es her, dass wir auf der tekom-Jahrestagung 2017 waren. Viel ist seitdem passiert, wir sind schon voll im konkreten Austausch mit Kontakten von der Tagung. Dazu beigetragen hat sicherlich unser iiRDS-Szenario mit unserem Roboterarm. Einerseits Eyecatcher, andererseits die anschauliche Darstellung, wie automatisierte Prozesse und Informationsflüsse in Unternehmen heutzutage ablaufen. Ausführlichere Infos und zusätzliche Videos dazu finden Sie auf unserer iiRDS-Seite.

Ansonsten wollen wir unsere Eindrücke der Jahrestagung schildern.

Benjamin Rauschenberger

Meine Gespräche während der Tagung gingen vor allem um die Themen Digitalisierung und Vernetzung von Abteilungen, Systemen und Tools in Bezug auf Content sowie Mobile Dokumentation. Das bedeutet konkret, dass ein Großteil der Besucher Fragen hatte wie „Wie kann ich denn unseren Content aus dem Redaktionssystem dem Vertrieb bereit stellen?“ oder „Unser Content und unsere Daten im CMS sind gut, aber mein Vorgesetzter will Teile davon auf der Website haben, weiß aber nicht wie“. Die Weiterverwendung von Content aus der Technischen Redaktion in anderen Unternehmensbereichen hat immer mehr eine große Bedeutung, weil unsere Kunden damit einen Mehrwert des Dokumentations-Contents generieren.
Und Mobile Doku spielte deshalb eine große Rolle, da ich zusammen mit dem Dresdner Kühlanlagenbau eine Partnerpräsentation gehalten habe, deren Thema „Sichere Service-Unterlagen per App“ war. Sicherheitsanleitungen und Gefahrstoffhinweise haben wir in einem Projekt ausgehend von Word ins CMS SCHEMA ST4 gepackt und generieren daraus eine App, welche die Service-Meister und -Monteure im Arbeitsalltag nutzen. Ein toller mobiler Einsatz von Fach-Content, der von den Anwendern und Auditoren sehr gelobt wurde und dieses Feedback teilten auch die Besucher des Vortrags. Daher hatte ich anschließend viele Gespräche dazu.
Weiteres Highlight für mich war die Vorstellung unseres Projektes mit Landis+Gyr. Gemeinsam haben wir den Landis+Gyr Infofinder entwickelt. Eine Doku-App, welche Fachpersonal unterstützt, die Industrie-Wärmezähler von Landis+Gyr zu installieren, zu parametrieren und zu warten. Das Marketing-Video zum Infofinder hatten wir an unserem Messestand laufen und es war Anlass für viele Gespräche.

Markus Nickl

Mein wichtigster Eindruck von der tekom 2017: Die Branche und die Redaktionsabteilungen öffnen sich. In den letzten Jahren gab es am Stand oft Detailfragen: „Können Sie auch CE-Kennzeichnung?“ – „Ja, natürlich. Wir machen alles für Sie, damit Ihre Dokumentation standardkonform und stimmig ist.“ In diesem Jahr waren die Fragen dagegen eher strategischer Natur: „Wie bekommen wir unsere Dokumentationsinhalte in die Schulungsunterlagen?“ oder „Wo können wir mit mobilen Apps einen Zusatznutzen generieren?“ Klar, auch darauf haben wir Antworten. Die lassen sich allerdings nicht mit einem Satz umreißen. Das macht die Gespräche intensiver, anspruchsvoller und (für mich) interessanter. Für die Technische Redaktion insgesamt lässt mich diese Beobachtung hoffen. Wir bewegen uns heraus aus dem Elfenbeinturm der klassischen Technischen Redaktion, öffnen uns zu anderen Abteilungen und fokussieren so auf die unternehmensweite Wertschöpfung unserer Arbeit.

Edgar Hellfritsch

Noch weniger als im letzten Jahr bin ich dazu gekommen, die Tagung als Gelegenheit zur Fortbildung zu nutzen. Aber ich empfinde das nicht als schlimm, denn stattdessen habe ich sehr viele interessante Gespräche an unserem Messestand geführt. Die Digitalisierungswelle hat unsere Branche erfasst, und um dieses Thema haben sich die meisten meiner Gespräche gedreht. Einige Unternehmen sind bereits tief in das „unbekannte Land“ eingedrungen – da geht es dann um Augmented Reality und Integration der Technischen Dokumentation in übergreifende Unternehmensprozesse. Andere Technische Redaktionen stehen gerade erst vor der Anschaffung einer CMS-Lösung, weil sie erkannt haben, dass sie eine solide Ausgangsbasis benötigen, um ihre Informationen in die digitale Welt publizieren zu können.
An zwei Veranstaltungen der Tagung war ich selber beteiligt: Im Showcase „Prototype Implementations of iiRDS“ durfte ich gemeinsam mit Sebastian Göttel von SCHEMA unseren ST4-iiRDS-CDS-Roboter-Durchstich vorstellen, und den Showcase Mobile Dokumentation habe ich mit Stefan Dierssen von DiNovum moderiert. Einige der sieben Vorträge hier haben beeindruckende Lösungen gezeigt, auch hier geht die Professionalisierung der Branche weiter.
Insgesamt war die Tagung bzw. die Messe ein großer Gewinn und freue mich schon auf das nächste Mal.

Johannes Dreikorn

Ganz viele Gespräche an unserem Stand habe ich zum Thema Content-Management-Systeme geführt. Im Rückblick auf die Tagung denke ich mir: Das ist kein Wunder. Denn auf dem Weg in die Digitalisierung ist für Unternehmen spätestens jetzt der Zeitpunkt erreicht, sich aus der file-basierten Verwaltung von Content zu lösen.
Sind sie zu spät dran, haben einige meiner Gesprächspartner gefragt. Da habe ich sie beruhigen können. Eigentlich ist jetzt ein sehr geschickter Zeitpunkt. Es gibt heute technologisch ausgereifte Lösungen, die ihre Tauglichkeit bewiesen haben. Und es gibt erfahrene Partner, die mit einem geschärften Blick für das Notwendige und Machbare beim smarten Übergang in die neue Welt helfen können. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf die ersten Termine und Workshops in den nächsten Wochen.

Christian Hammer

Auch dieses Jahr kam ich nicht dazu auch nur einen Vortrag zu besuchen. Das klingt jetzt nicht so toll, ist aber natürlich eigentlich ein riesen Erfolg: Unser Messe-Stand war immer gut besucht und es blieb einfach keine Zeit für Vorträge. Der Standort für unsere dreitägige doctima-Außenstelle war wie auch in den vergangenen Jahre perfekt gewählt. Persönlich ist es natürlich immer schön, in Stuttgart auch die Leute mal wieder zu sehen, denen man das restliche Jahr über nur per Telefon begegnet. Die Mischung aus diesen Bekannten, neuen Interessenten und der Schar, die einfach nur unserem Roboter beim Stapeln zugeschaut haben, hat Spaß gemacht.

Clemens Mühlig

Die tekom Herbsttagung 2017 – eine Premiere für mich. Als Gast auf der tekom-Tagung war ich schon einige Male, ein ganz anderes Gefühl ist es jedoch für die eigene Firma die Fahne hochzuhalten. Diesmal ging es nicht nur darum, in die Messe selbst einzutauchen und den Puls der Branche zu spüren. Nein, dieses Mal hieß es, am Stand und im Workshop selbst tätig zu werden. Am Stand warteten viele interessante und v.a. intensive Gespräche mit Kunden und Kollegen aus aller Welt. Es macht einfach Spaß Kunden, die man sonst nur vom Telefon kennt, nun auch ein Gesicht zuordnen zu können. Nicht ganz unschuldig an den vielen Gesprächen war natürlich auch der Messeliebling, unser Demonstrationsroboter. An dem blieb gefühlt jeder Besucher irgendwann stehen und sah diesem begeistert bei seinem Treiben und (geplantem) Versagen zu.
Ein Highlight für mich war auch der Austausch in den beiden Workshops zum Thema Lasten- und Pflichtenhefte. Diese waren beide Male sehr gut besucht und scheinen einen Nerv der Branche getroffen zu haben. Ich durfte mit sehr motivierten Teilnehmern arbeiten sowie angeregte und auch für mich lehrreiche Diskussionen führen. Insgesamt war dies eine tolle Messe und die nächste kommt bestimmt!

Ulrike Hager

Für mich bot die Herbsttagung 2017 gleich mehrmals etwas Neues und Besonderes. Während ich im letzten Jahr zu meinem ersten Besuch noch privat auf der Tagung war und nur einen Tag Zeit hatte, kamen in diesem Jahr zwei volle Tage hinzu – und diesmal in großer doctima-Runde. Außerdem habe ich im letzten Jahr noch Vorträge besucht – in diesem Jahr haben Johannes Dreikorn und ich gemeinsam ein Tutorial durchgeführt. Zu einem Thema, das regen Diskussionsstoff bot: Was passiert mit Ihrem Redaktionsleitfaden, wenn Sie ein CMS eingeführt haben? Wir haben dazu viele anregende Gespräche am Stand geführt und das große Potenzial eines eingebetteten Leitfadens erkannt und können es kaum erwarten, das Ganze gemeinsam mit unseren Kunden zu realisieren. Was unseren doctima-Stand wohl am spannendsten machte (ja, neben Benny versteht sich), war der leuchtend orangene Roboterarm, der uns drei Tage lang kräftig unterstützte und große Augen bei den Messebesuchern verursachte. Ein großes Lob (und vor allem Bewunderung) an dieser Stelle für unsere IT und vor allem an Lisa. Dank des Roboters sind wir alle in Berührung mit dem Standard iiRDS gekommen, der ein großes Thema auf der diesjährigen Tagung war.
Mein Fazit zur Tagung: Alles in allem fühlt sich die Teilnahme an der Tagung wie ein Besuch bei der Großfamilie an – überall kennt man jemanden und kann sich zu unglaublich vielfältigen Themen weiterbilden, inspirieren lassen oder sie auch mal kritisch diskutieren. Und abends gibt es dann auch noch etwas Gutes zu essen und zu trinken.

Lisa Lippold

Obwohl mir die tekom-Tagung bereits seit einiger Zeit bekannt war, hatte ich dieses Jahr zum ersten Mal die Gelegenheit, im Rahmen meines Praktikums bei doctima daran teilzunehmen. Dabei war ich nicht nur als Besucher auf der Messe, sondern auch als Standpersonal tätig. Daraus ergab sich für mich ein guter Ausgleich zwischen spannenden Gesprächen bei uns am Stand und Vorträgen, die ich mir angehört habe. Für mich persönlich war dabei das Thema iiRDS besonders interessant.
Ich war allerdings nicht der einzige Neuzugang am doctima-Stand: mit dabei war auch unser Roboterarm, gesteuert über ein Arduino-Board und einen Raspberry Pi. Als eine der Projektbeteiligten war es schön für mich zu sehen, wie der Roboterarm Besucher angezogen hat und auf der gesamten Messe bekannt war – die Arbeit hat sich also gelohnt! Insgesamt war die tekom-Tagung für mich ein spannendes Erlebnis, bei dem ich sowohl interessante neue Kontakte geknüpft als auch bekannte Gesichter wiedergesehen habe.

Und Sie?

Wie war Ihr Eindruck der tekom-Jahrestagung dieses Jahr? Hatten Sie ähnliche Geprächsthemen? Wir freuen uns über Kommentare und tauschen uns gerne weiter dazu aus.

Medien und Linguistik und Schokolade

Buchcover Medienlinguistik 3.0

Medienlinguistik 3.0 (Cover)

Eigentlich klingt „Medienlinguistik 3.0“ zu gut, um wahr zu sein. Denn Medien und Linguistik und Social Web – das sind drei Dinge auf einmal, das kann sonst ja nur ein Ü-Ei. Sehen wir also mal nach, was in dem Überraschungs-Ei „Medienlinguistik 3.0 – Formen und Wirkung von Textsorten im Zeitalter des Social Web“ (so der komplette Buchtitel) versteckt ist.

Und das ist so einiges. 20 Beiträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Den Anfang machen mehrere Aufsätze zur Abgrenzung des Themenbereichs und zu anderen Grundfragen. Teil 2 beschäftigt sich dann mit „Textsorten und Online-Journalismus“. Die Bezeichnung finde ich persönlich ein wenig unglücklich, denn durch die herausgehobene Nennung des Online-Journalismus drohen die lesenswerten Beiträge von Wenz und Opilowski zu Internet-Memen fast thematisch unterzugehen.

Der dritte Bereich widmet sich den Plattformen, wobei aber auch hier immer wieder der Bezug zu Textsorten hergestellt wird. Interessant fand ich zum Beispiel die Analyse von Peter Schildhauer, ob, wie und warum Blogs von Facebook und Twitter verdrängt werden. Den Abschluss des Bandes bildet ein vierter Teil zur Mediendidaktik. Dass Mediendidaktik in Deutschland ein wichtiges Desiderat ist, brauche ich wohl kaum zu betonen. In Anbetracht dieser Wichtigkeit fällt für meinen Geschmack der Bereich mit nur zwei Beiträgen ein wenig schmal aus. Dafür sind die beiden Beiträge hoch relevant. Besonders der Aufsatz von Judith Buendgens-Kosten war für mich erhellend. Sie zeigt, wie Unterricht dadurch scheitert, dass Blogs eingeführt werden – nicht deshalb, weil Blogs im Unterricht eingesetzt werden, sondern weil sie als eine exotische Schreibpraxis dargestellt werden, die mit der Lebenswirklichkeit der Schüler (den Kindern der Digital Natives) nichts zu tun hat.

Aktuelle Fragestellungen – z. B. zu Fake-News und Echokammern – findet man in „Medienlinguistik 3.0“ allerdings (und selbstverständlich) nicht. Das Buch ist aus den Vorträgen einer Tagung von 2014 entstanden, als diese Themen noch nicht in den Blick der Öffentlichkeit gerückt waren. Gerade das tut beim Lesen aber auch gut. Denn halbgare hektische Analysen zu aktuellen Trends gibt es genug. Was fehlt, sind solche fundierten Studien wie „Medienlinguistik 3.0“, die eine stabile Basis für die Beurteilung der schnelllebigen Social Media Phänomene schaffen. Das Überraschungs-Ei hat also wirklich drei Wünsche auf einmal erfüllt: Medien, Linguistik und gesunde Kost fürs Hirn.

Literatur: Baechler, Coline/Eva Martha Eckkrammer/Johannes Müller-Lancé/Verena Thaler [Hrsg. 2016]: Medienlinguistik 3.0 – Formen und Wirkung von Textsorten im Zeitalter des Social Web. Reihe Sprachwissenschaft. Bd. 34 Frank & Timme Verlag für wissenschaftliche Literatur, ISBN: 978-3-7329-0078-7.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Stellenanzeigen für die Imagepflege des Unternehmens

Trotz Social Media und zahlreichen Kontaktmessen für verschiedene Branchen ist die Stellenanzeige immer noch das zentrale Instrument, um neue Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen. Das heutige Fachbuch befasst sich mit Stellenanzeigen im Zusammenspiel mit verschiedenen Unternehmensbereichen und Forschungsgebieten. In verschiedenen Fachartikeln geht es darum, wie Stellenanzeigen für Unternehmen zur Bildung einer Arbeitgebermarke genutzt werden können – ein wesentliches Thema auch für Unternehmen der Technischen Redaktion, deren Bewerber sehr oft mit heterogenen Hintergründen aufwarten.

Worum geht es?

Der Band „Stellenanzeigen als Instrument des Employer Branding in Europa“ sammelt Studien, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven damit beschäftigen, wie Stellenanzeigen für die Entwicklung eines Unternehmens als attraktive Marke genutzt werden können. In elf Studien und einem Interview wird unter anderem aus dem Blickwinkel des Marketings und der Werbung, aus der Textgestaltung und den Rechtswissenschaften auf Stellenausschreibungen geschaut.

In einer Studie geht es zum Beispiel darum, wie sich das Design der Textsorte Stellenanzeigen auf die Gewinnung von Bewerbern auswirkt. In einer anderen wird gezeigt, wie in Stellenanzeigen Markenbildungsstrategien eingesetzt werden können. Interessant ist aus textlinguistischer Sicht auch der Beitrag von Karin Luttermann, der den Aufbau und die Rolle der einzelnen Textbausteine einer Stellenanzeige untersucht und wie sie als Werbemittel für das Unternehmen verwendet werden können.

Der Großteil der Beiträge basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen von Textsammlungen. Eine auflockernde Abwechslung ist das einzige darin enthaltene Interview: Eine der Herausgeber, Karin Luttermann, bespricht sich dort mit unserem Kollegen Markus Nickl zum Thema Stellenanzeigen bei doctima. Wer also wissen möchte, wie der Bewerberprozess bei doctima abläuft und welche Rolle Social Media und Stellenanzeigen spielen, sollte diesen Beitrag lesen.

Für wen ist das Buch zu empfehlen?

Da Stellenanzeigen immer noch das klassische Mittel für die Mitarbeiterfindung sind, sollte ihr Wert als markenbildendes Mittel für das Unternehmen nicht unterschätzt werden. Ein Beispiel: Ist das Unternehmen dem möglichen Bewerber nicht bekannt, gewinnt er über die Anzeige einen ersten Eindruck. Und der ist ja bekanntlich nicht zu unterschätzen. Kann der Bewerber nicht klar erkennen, worum es bei der Stelle geht oder was das Unternehmen ihm zu bieten hat, kann ein qualifizierter Bewerber schon verloren gehen.
Der Band bzw. einzelne Studien des Bands sind also für diejenigen interessant, die über Stellenanzeigen das Image des Unternehmens mitgestalten möchten. Abhängig von der Ausrichtung des Unternehmens, aber sicher auch der angesprochenen Zielgruppe der Stellenanzeige kann man in diesem Band durchaus interessante Forschungsergebnisse finden, die sich für die eigene Anzeige nutzen lassen. Oder über die man zumindest einmal nachdenken könnte – denn auch für Unternehmen der Technischen Kommunikation gilt der immer stärker werdende Wettbewerb um gut ausgebildete Arbeitskräfte.

Fazit

Dass eine sauber strukturierte und verständlich formulierte Stellenanzeige einen besseren Eindruck hinterlässt und so zielgenauer wirkt, dürfte klar sein. Welche Aspekte dabei eine besondere Rolle spielen, lässt sich tiefergehend anhand der Studien im Band nachsehen. Und dass man auch über eine Stellenanzeige die erste Beziehung zum neuen Mitarbeiter herstellt – der für das Unternehmen genauso wichtig ist wie das Unternehmen für den Mitarbeiter – ist ein weiteres Argument, eine Stellenbeschreibung auch konzeptionell anzugehen. Gleichzeitig stellen die dargestellten Studien natürlich Ausschnitte von klar abgegrenzten Analysen dar, sie bilden also nur einen Teil der Wahrheit ab. Der Wert der Erkenntnisse muss für das eigene Vorgehen selbst bemessen werden. Aber sie sind ein Fundus wissenschaftlicher Argumente für die Gestaltung einer Stellenbeschreibung.

Literatur:  Nielsen, Martin; Magdalène Lévy-Tödter, Karin Luttermann [Hrsg. 2017]: Stellenanzeigen als Instrument des Employer Branding in Europa. Interdisziplinäre und kontrastive Perspektiven. Reihe Europäische Kulturen in der Wirtschaftskommunikation. Bd. 23. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-658-12718-3.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Weltweit erfolgreich mit Single Source Publishing

Hilscher Produktseite

Hilscher Produktseite

Unser Kunde Hilscher als Hersteller von Komponenten für Industrienetzwerke agiert weltweit. Um seine wichtigsten Märkte optimal zu versorgen, pflegt Hilscher seine Website in sieben Sprachen. Sie zeigt unter anderem ein vollständiges, aktuelles Produktportfolio mit 1500 Produkten. Der Effekt dieser umfassenden Kommunikationsleistung ist messbar: bereits im ersten Jahr nach dem zurückliegenden Relaunch verdoppelten sich die Besucherzahlen des Internetauftritts. Dennoch bleibt der Gesamtaufwand für die Verwaltung der Inhalte überschaubar, die Website wird von zwei Mitarbeitern nebenbei betreut. Wie das gelingt, möchte ich in diesem Beitrag schildern.

Produktinformationen mit Single-Source-Ansatz

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Produkten machen bei Hilscher das Gros des Website-Contents aus. Diese Inhalte werden nicht direkt im Internet-CMS TYPO3 gepflegt, sondern über einen Connector aus dem Redaktionssystem SCHEMA ST4 dort eingespielt. Es gibt eine Reihe von Gründen, die Produktbeschreibungen in dem für Single-Source-Publishing ausgelegten Redaktionssystem zu pflegen:

1. Mehrfachverwendung

Der naheliegendste Grund: Aus denselben Produktinformationen werden u. a. auch gedruckte Datenblätter erstellt. Um Konsistenz zu gewährleisten und Doppelarbeit zu vermeiden, ist da eine gemeinsame Datenquelle unabdingbar. Mit den HTML- und PDF-Ausgabmechanismen von ST4 lassen sich beide Formate auf Knopfdruck generieren.

2. Modularisierung

Eine Produktbeschreibung ist ein hochgradig strukturiertes Dokument. Sie besteht aus einem festgelegten Satz von Textbestandteilen wie Features, technischen Daten oder Bestellinformationen (Beispiel). Einige dieser Bausteine können dabei für ganze Produktgruppen identisch sein, wofür sich der Wiederverwendungsmechanismus des Redaktionssystems anbietet. Web-CMS sind nicht unbedingt für die Verwaltung dieses Komplexitätsgrads ausgelegt. TYPO3 erlaubt es immerhin, eine Seite aus mehreren Content-Elementen aufzubauen, aber Bearbeitung und Übersetzung verlieren schnell an Übersichtlichkeit.

3. Metadaten

In ST4 is es ein Leichtes, jedes Produkt mit Eigenschaften bzw. Metadaten zu versehen, die sich automatisiert aus dem Produktdatenmanagement übernehmen lassen. Im Internetauftritt entsteht mit diesen Informationen nützliche Zusatzfunktionalität. Bei Hilscher haben wir einen Technologiefilter (Beispiel) und einen kriteriengesteuerten Produkt-Finder implementiert. Beide Mechanismen erleichtern es dem Anwender, die für seine Zwecke richtigen Produkte zu identifizieren.

4. Übersetzungsmanagement

Die Produktbeschreibungen werden mithilfe von TRADOS in einer Agentur übersetzt. Die COTI-Übersetzungsschnittstelle von ST4 erlaubt eine zügige, kosteneffiziente Abwicklung der Übersetzungen und stellt mit seinem Übersetzungsreport ein mächtiges Werkzeug for die Qualitätssicherung zur Verfügung.

5. Qualitätssicherung

Der Abgleich nach TYPO3 aus dem ST4 erfolgt automatisiert über die von doctima entwickelte Standard-Schnittstelle ContentConnect, die Fehlerbehandlung, Datenmodellabgleich und Reporting mitbringt.

Redaktionsarbeit in TYPO3

Überblicksinformationen und Unternehmensbeschreibung sind in der Regel Freitext und lassen sich deshalb leichter als die Produktinformationen im Web-CMS verwalten. Auch sind bei diesen Texten die Nutzeffekte kleiner, die sich z.B. aus Modularisierung und Wiederverwendung ergeben. Deshalb werden diese Informationen direkt in TYPO3 gepflegt.

Um auch in TYPO3 ein systematisches Übersetzungsmanagement zu implementieren, haben wir die vorhandene Extension Localization Manager von Loctimize in Abstimmung mit der Übersetzungsagentur unseres Kunden angepasst.

Aus dem Produktivbetrieb

Das oben beschriebene Setting befindet sich mittlerweile seit einiger Zeit erfolgreich im Produktivbetrieb und die Projekterwartungen konnten vollständig realisiert werden. Neben den erhofften Nutzeffekten haben sich für unseren Kunden aber immer wieder auch unerwartete Benefits ergeben. Ein Beispiel: Wir hatten den  automatisierter Import von Inhalten und verknüpften Metadaten eigentlich für die Produktfinder-Funktion gedacht. Nebenbei liefert er aber systematisch Keywords und verbessert damit u.a. die Statistik-Auswertung von Marketing-Aktionen. Fazit: Wenn sich Dokumentation und Marketing enger zu verzahnen, steht dem weltweiten Erfolg nichts mehr im Weg.

Suchmaschinenoptimierung für die Technische Dokumentation: 6 Schritte

Hilft Ihre Gebrauchsanleitung der Suchmaschine?

Hilft Ihre Anleitung der Suchmaschine?

Heute habe ich im Parson-Blog einen Post darüber veröffentlicht, wie die Technische Dokumentation ihr SEO(Suchmaschinen)-Potenzial entfalten kann. Aus Platzgründen habe ich dabei die Frage aussparen müssen, welche Schritte notwendig sind, um Produktkommunikation für Suchmaschinen nutzbar zu machen.

1. Contentqualität heben

Richten Sie Ihre Dokumentation konsequent auf die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppen aus. Entschlacken Sie Inhalte und geben Sie den Nutzern Ihrer Dokumentation einen Eindruck für welchen Zeitpunkt im Produktlebenszyklus der aktuelle Content gedacht ist. Entwickeln Sie eine Strategie, wie die Nutzer jeweils den richtigen Content zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Medium finden können. Dadurch sorgen Sie dafür, dass auch die Suchmaschine Ihren Content als relevant erkennt.

2. Modular texten

Modulares Texten ist seit längerem der Königsweg, um die Textvolumen in der Technischen Dokumentation effizient und qualitativ hochwertig produzieren zu können. Technisch wird die modulare Texterstellung oft durch XML-basierte Redaktionssysteme oder professionelle CMS-Lösungen unterstützt. Durch geschickte modulare Texterstellung versorgen Sie Ihren Webauftritt mit der Contentmenge, die tatsächlich suchmaschinenwirksam wird.

3. Metadaten vergeben

Text zu erstellen, ist nur die halbe Miete. Durch Metadaten reichern Sie Ihren Content mit Semantik an. Metadaten ermöglichen eine intelligentere Suche und sorgen dafür, dass Contentmodule automatisch in die richtigen Zusammenhänge integriert werden (z. B. eine Produktbeschreibung in den Webshop). Dadurch reichern Sie bestehenden Web-Content mit einer höheren Qualität an und erhöhen die Relevanz für Nutzer und Suchmaschinen.

4. Terminologie nutzen

Vermutlich haben Sie schon einen funktionierenden Terminologieprozess in Ihrem Unternehmen. Für das Web ist hier eine Umkehrung des Prozesses gefragt. Denn natürlich soll Ihr Content unter allen Begriffsvarianten gefunden werden und nicht nur entsprechend Ihrer terminologischen Festlegungen. Analysieren Sie deshalb Ihre „deprecated terms“ und reichern Sie Ihren Content für die Webdarstellung an geeigneten Stellen (z. B. in description, title, Alt-Tags) mit diesen Begriffen an. Dadurch sorgen Sie dafür, dass Google Sie unter möglichst vielen Begriffsvarianten als relevant erkennt.

5. Übersetzungen managen

Übersetzungsmanagement ist in Technischen Redaktionen heute oft ein Kernprozess. In vielen Fällen laufen Übersetzungen aber parallel zum Marketing ab. Hinzu kommt, dass Marketingabteilungen auch heute noch oft ohne gezielte Übersetzungssteuerung und Translation Memory Systeme arbeiten. Eine Analyse der gemeinsamen Content-Schnittmengen sorgt hier dafür, dass Content in möglichst vielen Sprachen zu Verfügung steht und Suchmaschinen das eigene Unternehmen auf allen Zielmärkten weit oben rankt.

6. Content automatisieren

Suchmaschinenoptimierung mit Dokumentations-Content kann keine Handarbeit sein. Das verbieten allein schon die typischen Contentbestände in der Technischen Dokumentation. Viele Unternehmen stellen heute Produktdokumentation als PDF zum Download bereit. Eine suboptimale Lösung, denn PDFs entfalten eine vergleichsweise geringe Suchmaschinenwirkung. Besser ist es, Dokumentationscontent nativ in den Webauftritt zu integrieren und die Redaktionswerkzeuge der beteiligten Abteilungen miteinander zu vernetzen. Dadurch erzielen Sie einen starken Automatisierungsgrad und – für Suchmaschinen ein wichtiges Kriterium – eine hohe Aktualität Ihres Contents.

Es lohnt sich also, das Suchmaschinenpotenzial der Technischen Redaktion zu erschließen. Reden Sie mit uns. Wir helfen Ihnen gerne auf dem Weg zum erfolgreichen Dokumentations-Content.

Erzähl mir keine Geschichten

Welche Geschichte wohl hinter diesem Schild steckt?

Heute auf meiner Leseliste: „Digital Storytelling“ von Dieter Georg Herbst und Thomas Heinrich Musiolik. Storytelling? Ja, Geschichten haben wieder Konjunktur im Marketing und der Unternehmenskommunikation. Da lohnt es sich sicher, einmal einen Blick über den Tellerrand zu wagen und zu gucken, ob das nicht auch für die Technische Redaktion ein interessanter Trend werden könnte. Und da kann die Beschränkung auf „digital“ eigentlich nur nutzen, schließlich sind auch bei uns die meisten Texte digital.

Mit einigermaßen großen Hoffnungen habe ich mich also an die Lektüre gemacht. Ich hoffte zum einen mehr darüber zu erfahren, wie Geschichten funktionieren, wie man sie in einem Unternehmenskontext nutzbar macht. Und zum anderen hat mich interessiert, was digitale Geschichten von den Geschichten unterscheidet, die wir alle kennen.

Und ich muss sagen, ich wurde auf ganzer Linie enttäuscht. Was eine Geschichte ist, das setzen die Autoren anscheinend als gegeben voraus. Jedenfalls weiß ich das am Ende des zweiten Kapitels immer noch nicht; das dritte Kapitel zeigt mir aber schon wie ich zum „eigenen Digital Storytelling“ komme. In der Zwischenzeit habe ich bereits mehrfach gehört, wie wichtig es ist, die Lagerfeueratmosphäre des Geschichtenerzählens für Unternehmen nutzbar zu machen. Dabei wird immer wieder mit unterschiedlichsten Begriffen jongliert, die alle irgendwie mit „Geschichten“ zu tun haben: Bilder, Emotionen, Transparenz – alles ist irgendwie eine Story und auch wieder nicht.

Vielleicht liegt das ja auch daran, dass Herbst und Musiolik selbst erstaunlich wenig Geschichten erzählen. Stattdessen changiert der Text zwischen Marketing-Speak und Quasi-Wissenschaftlichkeit. Beispiele werden zwar immer wieder genannt, aber nur angerissen und nicht besprochen, sondern irgendwie immer schon als bekannt vorausgesetzt. Da fehlt es mir letzten Endes an Konkretheit.

Zum Schluss noch ein Geständnis: Es passiert mir nur ganz selten, aber dieses Buch habe ich nicht zu Ende gelesen: Es kann also sein, dass „Digital Storytelling“ so ab dem zweiten Drittel eine komplette Kehrtwende macht und all das liefert, was ich mir erhofft habe. Vielleicht ein Fehler, aber mir fehlte schlicht und einfach die Geduld. An dem Thema Storytelling (und Technische Dokumentation) werde ich sicher dran bleiben. Mit „Digital Storytelling“ aber nicht.

Literatur: Herbst, Dieter Georg; Thomas Heinrich Musiolik [2016]: „Digital Storytelling. Spannende Geschichten für interne Kommunikation, Werbung und PR“. UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz und München. ISBN 978-3-7398-0017-2

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Ein Raum für Informationen

Uwe Reißenweber (c) DOCUFY

Im ersten Teil unserer Reihe zu Trends in der Technischen Dokumentation begrüßen wir Uwe Reißenweber. Er ist Geschäftsführer der DOCUFY GmbH und gilt als Experte für die Implementierung, Einführung und Weiterentwicklung von Technischen Redaktionssystemen. 2016 begründete er die Strategie der Multi-Level-Dokumentation und ebnet so den Weg für die Zukunft der Technischen Dokumentation in einer digitalen Welt.

Aktuelle Trends wie Digitalisierung, Industrie 4.0, Mobile Computing, Social Selling Big Data und Co. beeinflussen die Produkte von morgen und prägen letztlich die zukünftige Entwicklung unserer gesamten Gesellschaft.

Die Technische Dokumentation bleibt davon natürlich nicht verschont. Im Gegenteil, Informationen entwickeln sich immer mehr zum Schmierstoff unserer digitalen Welt und wer könnte diese besser liefern als die Technische Dokumentation? Für sie besteht also die einmalige Chance, das traditionelle Mauerblümchendasein zu verlassen und zu einem der Big Player im Unternehmensgefüge aufzusteigen.

Die Dokumentation von morgen

Damit dies möglich wird, muss sich die Technische Dokumentation ganz neu erfinden: Der Informationsnutzer von morgen wird erwarten, dass ihm die richtige Information im Kontext seiner aktuellen Nutzung durch intelligente Informationssysteme quasi automatisch wie auf dem Silbertablett serviert wird. Selbstverständlich müssen die Informationen dabei mehrdimensional miteinander verknüpft sein. So möchte man in einem Produktkonfigurator von der Nutzerbeschreibung einer bestimmten Produktoption mal schnell in die zugehörige Bedienungsinformation wechseln, den Entsorgungshinweis einsehen oder sinnvolles Zubehör sichten, bevor es dann an die tatsächliche Kaufentscheidung geht. Im Servicefall soll am besten zeitgleich mit dem Serviceauftrag, die notwendige Dokumentation der anstehenden Serviceprozeduren mitgeliefert werden, idealerweise in der richtigen Reihenfolge. Und natürlich wären Tipps und Tricks der Kollegen sehr praktisch, wenn diese sich bereits zu einer bestimmten Tätigkeit oder Fragestellung geäußert haben. Notfalls wäre man sicher auch selbst bereit, eigene Tipps und Kommentare hinzuzufügen – zum Beispiel, wenn es eine besonders gute Lösung für ein Problem gibt.

Im privaten Alltag sind all diese genannten Dinge mit facebook, Google, Amazon und Co. schon gelebte Realität. Nur im professionellen Arbeitsumfeld ist das vorherrschende Informationssystem heute leider noch oft die PDF-Datei.

Das Dokument hat ausgedient

Um aber den zukünftigen Dokumentationsanforderungen gerecht zu werden, ist eine Abkehr von unserem liebgewonnenen Dokument unausweichlich. Einerseits fordern die Informationsnutzer den direkten Zugriff auf passende und korrekte Einzelinformationen. Andererseits wird der dokumentorientierte Redaktionsprozess zunehmend mühsamer, da die zu dokumentierenden Produkte immer varianten- und umfangreicher werden. So führt die Strategie des Maximaldokuments, das alle Varianten und Optionen einer ganzen Produktreihe umfasst, immer öfter ins unbeherrschbare Chaos. In Zeiten, in denen konkrete Produkte sich immer mehr auflösen und zu einer Funktionswolke mutieren, aus der jeder Nutzer sein persönliches Produkt individuell zusammenstellen kann, ist ein dokumentorientierter Redaktionsprozess gänzlich undenkbar. Warum? Mit dem Verschwinden konkreter Produkte entfällt eben auch die Grundlage für einen dokumentorientierten Redaktionsprozess.

Der Informationsraum

Arbeiten im Informationsraum (Symbolbild) (c) DOCUFY

Aber wie sieht die Lösung der zukünftigen Dokumentationsanforderungen aus? Wer übernimmt die Strukturierung, Bündelung und Zuordnung der Information, wenn es kein Dokument mehr gibt? Aus konzeptioneller Sicht ist die Antwort ganz einfach. Wir brauchen einen Informationsraum. Doch wie muss man sich so einen Informationsraum vorstellen? Welche Aufgaben übernimmt er und welche Funktionen hat er?

Der Informationsraum liefert eindeutige Adressen für alle relevanten Informationen eines Geschäftes. Die Einsatzmöglichkeiten gehen dabei weit über die klassische Technische Dokumentation hinaus. Vielmehr können dort Informationen zum gesamten Produktlebenszyklus, von der Entwicklung über Marketing und Vertrieb, Installation, Betrieb, Wartung und schließlich Entsorgung verankert werden. Dabei ist der Informationsraum nicht als eigenständiges Softwaresystem zu verstehen, sondern vielmehr als Konzept, das die eindeutige Adressierung oder besser Klassifizierung von Einzelinformationen ermöglicht.

Auf Basis dieses Informationsraums kann dann zukünftig der Informationsbedarf geplant, die redaktionelle Erstellung gesteuert und die zielgerichtete Nutzung der Information in den verschiedensten Informationssystemen ermöglicht werden.

Zugegeben, das hört sich ziemlich abenteuerlich an und wird die gewohnte Arbeitsweise der traditionellen Technischen Redaktion auf den Kopf stellen. Und es klingt nach viel Arbeit, so einen Informationsraum initial zu erstellen und dauerhaft zu pflegen. Aber um auch zukünftig erfolgreich sein zu können, ist es für Unternehmen unerlässlich, alle geschäftsrelevanten Informationen zu konsolidieren und für verschiedenste Zwecke verfügbar zu machen. Und dies ist die ureigenste Qualifikation und Aufgabe der Technischen Dokumentation.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Aufbau Ihres Informationsraums. Und keiner hat behauptet, der Weg zum Big Player wäre leicht… 🙂

Für mehr Information:
www.multi-level-dokumentation.de
www.docufy.de

 

„Vermeintlich“ richtig

"Vermutlich" der beste Freund des Menschen - oder doch eher "vermeintlich"?

„Vermutlich“ der beste Freund des Menschen – oder doch eher „vermeintlich“?

Als Linguist ist es vermutlich ein Berufsrisiko: Sobald ich in einem Text über eine Formulierung stolpere, fange ich an zu grübeln, was da eigentlich los ist.

Sprachliches Unbehagen

Gegrübelt habe ich in letzter Zeit zum Beispiel über Sätze wie diesen aus einem Artikel auf Spiegel online: „In der Zwischenzeit hat Bügerrechtsanwältin Gloria Allred in einer Pressekonferenz in Los Angeles ein weiteres vermeintliches Opfer von Trump vorgestellt. Summer Zervos, eine frühere Kandidatin der Realtity-Show „The Apprentice“, beschuldigt Trump ebenfalls, sie belästigt zu haben.“

Na? Regt sich bei Ihnen auch das sprachliche Unbehagen? Zugegeben, Trump und sein Verhältnis zu Frauen ist immer ein wenig gruselig. Aber das meine ich in dem Fall nicht. Mir geht es auch nicht um  „Bügerrechtsanwältin“ und „Realtity“, sondern um das „vermeintlich“ (na ja, das war bei dem Titel des Posts wohl auch zu erwarten).

Was ist los mit „vermeintlich“?

Im ersten Moment, war ich ein wenig irritiert, anhand welcher Fakten der Autor  Frau Zervos der Lüge überführt hat. Dann wurde mir klar: Es geht hier gar nicht um „vermeintlich“ sondern um „mutmaßlich“. „Vermeintlich“ heißt im Kern: „Es wird behauptet/angenommen, ist in Wirklichkeit aber gar nicht so.“ Gemeint war aber „Es wird behauptet/angenommen.“ und genau das drückt „mutmaßlich“ aus.

Ursachen – vermutlich

Ich denke, dass hier eine Verwechslung mit „vermutlich“ vorliegt. „Vermutlich“ bedeutet zwar das Richtige, Nur hat „vermutlich“ auch den Nachteil, dass es kein typisches Adjektiv ist, was manche Schreiber vermutlich verunsichert. Das Wort unterliegt nämlich bei seiner Verwendung gewissen Beschränkungen. Ein Beispiel: „Der vermutliche Täter ist alt.“ lässt sich ohne Probleme formulieren; dagegen „Der alte Täter ist vermutlich.“ nicht. Das heißt: „Vermutlich“ ist ein Adjektiv, das sich nur eingeschränkt prädikativ verwenden lässt. Bei „vermeintlich“ ist das übrigens genau das Gleiche: „Der alte Täter ist vermeintlich.“ Wohl auch ein Faktor bei der Verwechslungsgefahr.

Ist das denn so wichtig

Wer mich kennt, weiß, dass ich ganz gewiss kein Sprachkritiker bin, der bei jeder Sprachwandel-Erscheinung sofort den Niedergang des Abendlands ausruft. Andererseits muss ich zugeben, dass mir Fehler wie dieser wirklich den Blutdruck in die Höhe treiben. Ich finde nämlich, dass hier etwas sehr Wichtiges verloren geht: Und zwar die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Potenziellem und Irrealem. Das Gleiche sieht man auch beim Verschwinden des Konjunktivs. Und bei der Verwechslung zwischen „anscheinend“ und „scheinbar“. Und, und, und. Aber vielleicht muss das ja im Zeitalter der Virtual und Augmented Reality so sein…

(Ergänzung: Offensichtlich ist auch Spiegel online der Fehler bereits aufgefallen. Mittlerweile wurde „vermeintlich“ durch „mutmaßlich“ ersetzt.)

Steilkurs für PR-Einsteiger

Buchcover: Steinbach: "Crashkurs Public Relations"Als Quereinsteiger hat man es nicht immer leicht. Da sind gute Tipps gefragt oder am besten jemand, der uns für den Anfang unter die Fittiche nimmt. Und genau das beabsichtigt Marion Steinbach mit ihrem „Crashkurs Public Relations“.

Eine Lektüre, die also auch für Technische Redakteure interessant ist. Denn gerade in mittelständischen Unternehmen sind von unserem Beruf ja Allrounder-Fähigkeiten gefragt. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass man „nebenbei“ auch die PR des Unternehmens zu bewältigen hat.

Mehr als erwartet

Wer nun denkt, „Crashkurs“ und „9 Schritte“ deutet auf ein schmales Büchlein hin, der wird enttäuscht werden. Denn die neun Schritte brauchen dann doch fast 300 Seiten. Dort findet man dann aber auch alles Wesentliche, was der PR-Einsteiger oder die PR-Einsteigerin wissen muss. Wer schon ein wenig Vorerfahrung mitbringt, wird einiges wiedererkennen: SWOT-Analyse, AIDA-Formel – das hat man womöglich auch an anderer Stelle schon gelesen oder gehört.

Hin- und hergerissen

Da ist es deshalb gut, dass sich Marion Steinbach nicht lange bei den theoretischen Grundlagen aufhält. Auch Themen wie „Das PR-Konzept“ (Kapitel 1) geht sie ganz praxisnah an, mit Tipps die Lust machen, sie sofort umzusetzen. Dazu streut sie in den Text immer wieder Infoboxen („Achtung“, „Extratipp“) ein, die Wichtiges herausheben und gleichzeitig den Lesefluss auflockern. Auch Zitate und Unternehmensbeispiele tragen zur guten Lesbarkeit bei.

Man ist bei dem Crashkurs hin- und hergerissen: Einerseits möchte man das Buch am liebsten in einem Satz durchlesen, andererseits macht es große Lust, die vorgestellten Tipps und Konzepte sofort auszuprobieren. „Leser“ und „Macher“ kommen also gleichermaßen auf ihre Kosten.

Was ich mir gewünscht hätte

Neben dem ingesamt sehr positiven Eindruck stören mich aber auch ein paar Kleinigkeiten an dem Buch. Das Lektorat war leider nicht immer so gründlich, wie man sich das wünschen würde: Wenn man auf Rechtschreibfehler wie „Mediac- lipping“ oder „Präsenz“ statt „Präsens“ stößt, dann ist das zumindest ärgerlich, manchmal sogar verwirrend. Und warum alle Überschriften substantivisch formuliert sind, das letzte Kapitel aber „Events – gar nicht old fashioned“, erschließt sich mir auch nicht. Ach ja, die Überschriften: Warum verspricht man im Titel des Buchs „9 Schritte“, wenn der Begriff „Schritt“ danach nicht mehr auftaucht (außer bei der PR-Strategie als „Step“, dann aber mit nur 4 Steps). Vielleicht deshalb, weil die neun Buchkapitel eben keine Schritte sind, die man der Reihe nach geht, sondern Themeneinheiten, die man je nach Interesse und Bedarf mehr oder weniger unabhängig voneinander lesen kann.

Auch bei der Auswahl der Inhalte hätte man sich an manchen Stellen beschränken können. Themen wie Suchmaschinenoptimierung oder Social Media sind immer ein wenig problematisch, wenn man sie in Buchform packt. In diesen Bereichen ändern sich Inhalte so schnell, dass sie oft schon veraltet sind, bis das Buch erscheint. Zum Beispiel hätte ich mir bei den Social-Media-Plattformen gewünscht, dass auch LinkedIn vorgestellt wird; mittlerweile ist es auch in Deutschland verbreiteter und international sowieso der Standard. Sinnvoller wäre es deshalb wohl gewesen, die Themenkomplexe kurz anzusprechen und auf ein, zwei gute Online-Quellen zur Eigenrecherche zu verweisen.

Alles in allem sind das aber Kleinigkeiten, die höchstens zu Abzügen in der B-Note führen. Eine Sache hätte ich mir aber wirklich gewünscht: Dass dieses Buch schon erschienen wäre, als ich anfing, mich mit PR zu beschäftigen. Dann hätte ich mir manch schmerzhaftes „Trial-and-Error“ erspart. Also: Für Quereinsteiger in die PR-Arbeit eine eindeutige Lese-Empfehlung!

Literatur: Marion Steinbach [2016]: „Crashkurs Public Relations. In 9 Schritten zum Kommunikationsprofi“. UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz und München. ISBN 978-3-86496-782-5

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Endlich Kohle! Profit First von Mike Michalowicz

Mike Michalowicz: Profit First

Mike Michalowicz: Profit First

Ich muss zugeben, dieses Buch liegt schon seit längerem zur Rezension bei mir auf dem Schreibtisch. Das hat zwei Gründe: Zum einen bin ich vermutlich nicht die richtige Zielgruppe. Wenn man seit fast zwanzig Jahren erfolgreich ein Unternehmen leitet, dann sind grundlegende Fragen der Unternehmensführung nicht unbedingt die Themen, die die höchste Priorität haben. Und zum anderen hat mich auch die Autoren-Biografie nicht unbedingt angesprochen; das klang mir zu sehr nach New Economy, nach „brillanter“ Start-up-Schwätzer und „Ich mache euch alle reich:“

Und wie war es?

„Aber man kann ja immer dazulernen“, habe ich mir gedacht. Und ich muss sagen, ich habe es zumindest nicht bereut, das Buch gelesen zu haben. Im Kern dreht es sich darum – so viel will ich hier vom Inhalt verraten – das buchhalterische Denken umzudrehen. Während man traditionellerweise sagt: Umsatz – Kosten = Gewinn stellt Michalowicz die Formel auf den Kopf und definiert Umsatz – Gewinn = Kosten. Mathematisch ist das äquivalent; es macht aber trotzdem einen Unterschied. Denn bei der klassischen Sichtweise ist der Gewinn das, was am Ende (hoffentlich) übrigbleibt. Der Fokus liegt also auf dem Umsatz und die Kosten werden solange dazu neigen sich dem Umsatz anzugleichen bis kein Gewinn mehr übrig bleibt. Kehrt man die Formel um, dann heißt das: Setze den Gewinn als fix und gestalte die Kosten so, dass der Gewinn erhalten bleibt.

Klar, das ist kein wirklich neuer Gedanke. Aber ich habe ihn bisher selten so deutlich ausformuliert gesehen; das muss man Michalowicz zu Gute halten. Und er hat diesen Gedanken konsequent zu Ende gedacht und bis auf konkrete Maßnahmen heruntergebrochen. Im Prinzip kann man also gleich loslegen. Und das ist auch, was Michalowicz dem Leser (nicht nur einmal) empfiehlt.

Ja, aber…

Und jetzt komme ich zum großen Manko dieses Buches. Das Buch ist sehr amerikanisch. Und wenn ich sehr amerikanisch sage, dann meine ich sehr, sehr, SEHR amerikanisch. Dem Verlag kann hier keinen Vorwurf machen; tatsächlich hat er sogar versucht, das Buch an deutsche Gegebenheiten anzupassen. Dennoch war es letzten Endes dieser „Jeder kann es schaffen“- und „Ich mache euch alle reich“-Tonfall, den ich schon vorher befürchtet hatte. An manchen Stellen kam ich mir so vor, als sei ich in einem Homeshopping-Kanal gelandet – „mit echten Zirkonen!“

Das mag im amerikanischen Original nicht weiter stören; die Tonalität im Marketing ist in den USA einfach plakativer. Im Deutschen hat das auf mich allerdings unseriös gewirkt. Und mal ganz ehrlich, will man seine Firmenfinanzen auf eine Idee abstellen, die man für unseriös hält?

Für wen ist das etwas?

Wie schon gesagt: ich würde mich nicht trauen, meine berufliche Existenz auf diese Basis zu stellen. Wenn man allerdings am Anfang seiner selbständigen Laufbahn steht, kann man das durchaus anders sehen. Oder wenn man generell auf „Chakka“-Rufe in seinem Business steht. Denn rein inhaltlich habe ich nichts auszusetzen. Die Botschaft glaub ich wohl, allein mir fehlt das Vertrauen.

Literatur: Michalowicz, Mike: Profit First. Ein einfaches System, jedwedes Unternehmen von einem kapitalfressenden Monster in eine Geldmaschine zu verwandeln. budrich Inspirited, Opladen / Berlin / Toronto ISBN 978-3-8474-0672-3

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.