OneNote als Leitsystem für das Projekt-Management

Entspannt Projekte managen mit OneNote

Von Haus aus ist Microsoft OneNote ja eigentlich „nur“ eine Notizbuch-Software. Allerdings mit dem Potenzial zu sehr viel mehr. Wie wir hier im doctima-Blog schon mehrfach berichtet haben, lässt sich OneNote zu einer intelligenten Projektmanagement-Plattform ausbauen. In der doctima-Redaktion arbeiten wir als Team schon einige Jahre auf dieser Basis. In diesem Post möchte ich noch einmal zusammenfassen, was man tun muss, um dieses Mehr zu erreichen – und was für uns noch heute den Reiz dieser Lösung ausmacht.

Antwort auf zwei zentrale Fragen

Die Grundlage dafür, dass es mit OneNote als Projektmanagement-Plattform klappen kann, liegt in zwei einfachen Fragen. Fragen, die im Grunde für jede Systemeinführung gelten. Was möchte ich mit einer Lösung erreichen? Und wer soll damit arbeiten? Die Frage also nach der Funktion und den Zielgruppen.

Unser Glück war, dass wir diese Fragen bei unserem Start mit OneNote recht gut beantworten konnten. Wir brauchten eine Plattform, die uns bei der inhaltlichen Steuerung der täglichen Projektarbeit unterstützt. Und zwar für ein Team aus bis zu zehn Beteiligten, die allesamt professionell in der Technischen Redaktion unterwegs sind.

Damit war eine klare Grenze gesetzt zu Systemen, die vor allem planerische Aufgaben fokussieren oder auf Verwaltung und Controlling von Budgets spezialisiert sind wie beispielsweise Microsoft Project oder auf Projektmanagement spezialisierte Ticketsysteme wie redmine. Wir haben solche Systeme durchaus im Einsatz, aber als „Hilfssysteme“ und nicht als „Leitsystem“.

OneNote hat sich nach einigen Tests schnell als ein solches „Leitsystem“ angeboten, das unsere naturgemäß stark redaktionell und content-orientierten Bedürfnisse wirksam unterstützt.

Aufgeräumte Informationsstrukturen

A und O eines funktionierenden Datenbestandes sind passgenaue Informationsstrukturen. Strukturen, die über eine längere Zeit halten und in denen sich auch Neueinsteiger – nach einem initialen Briefing – sicher bewegen und zurechtfinden. Im Falle von OneNote betrifft das Thema Informationsstrukturen vor allem die folgenden drei Bereiche:

Die Grobaufteilung der Daten. Liegt alles, was über OneNote organisiert werden soll, in einem einzigen Notizbuch? Oder braucht es mehrere? – Wir als Team haben insgesamt sieben Notizbücher im Einsatz, von denen jedes eine definierte Klasse an gemanagten Daten und Informationen enthält.

Kurz ein Blick in drei dieser Notizbücher – anonymisiert, versteht sich: Herzstück unserer Architektur ist das Notizbuch mit den laufenden Projekten. Quasi als Fundament darunter managt ein weiteres Notizbuch projektübergreifende Informationen und Wissensbestände zu einzelnen Kunden (z. B. den Redaktionsleitfaden, CI-Ressourcen wie das Kundenlogo, spezielle kundenspezifische Arbeitsprozesse, die für jedes Einzelprojekt gelten). Und noch eine Ebene „grundsätzlicher“ angesiedelt ist eine Knowledge-Base in Form eines Notizbuchs, in der wir Fachwissen, das für uns als Team wichtig ist, strukturiert ablegen.

Wie der Screenshot zeigt: Für jedes Notizbuch verwenden wir eine jeweils eigene Form der Informationsstrukturierung. Das Notizbuch für Projekte ist (logischerweise) nach Projekten geordnet, die Knowledge-Base dagegen nach Stichworten.

Als dritte Ebene der Strukturierung arbeiten wir in jedem Notizbuch mit Templates, also vordefinierten Seitentypen. Hier ein Blick auf die Startseite eines Projekts. Wie Sie sehen: Die Aufbereitung der Daten ist strikt standardisiert, was – in diesem Fall zu dem gewünschten – Ergebnis führt, dass jedes Projekt aus Perspektive des standardisierten Informations-Managements unabhängig von seinem Inhalt erst einmal „gleich“ aussieht:

Strikt standardisiert – trotzdem einfach und flexibel

Stringente Standardisierung und Flexibilität müssen sich nicht ausschließen. Das ist etwas, das wir als Team an unserer Lösung mit OneNote sehr schätzen. Dabei kommt uns zugute, dass OneNote im Gegensatz zum Beispiel zu web-basierten Systemen wie Wiki-Plattformen oder Microsoft SharePoint wirklich „wiki“ (also schnell) zu bedienen ist. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Frontend (User-Perspektive) und Backend (Verwaltungsperspektive). Brauche ich eine neue Seite, ist sie mit wirklich nur einem einzigen Mausklick angelegt. Natürlich – das System stellt nicht automatisch sicher, dass die Standards (siehe oben) eingehalten werden. Dafür ist der (und nur der) verantwortlich, der vor dem Rechner sitzt. Weil wir ein überschaubares und gut eingespieltes Team sind, ist das für uns kein Problem. In größeren Prozessen kann diese Offenheit von OneNote durchaus zum Fallstrick werden.

Was ich zum Stichwort „Einfachheit“ noch dringend empfehle: Eine Team-spezifische Registerkarte im Menüband von OneNote, die alle Formate, Funktionen und Makros an einer Stelle sammelt. So braucht niemand zu raten, was erlaubt ist und was nicht. Und es geht auch keine Zeit dafür verloren, irgendwo im Menüband von OneNote versteckte Einzelfunktionen zu suchen.

Fazit – Wir bleiben dabei

Ein Leitsystem für’s Projektmanagement mit einer Notizbuch-Software? Ja, das funktioniert. Und auch noch nach Jahren. Wir als Team sehen noch keinen Bedarf, uns grundlegend umzuorientieren. Natürlich hat OneNote deutliche Grenzen, gerade in den Bereichen Automation, Integration und Datenaggregation. Wir arbeiten deswegen wie gesagt mit einem Set an flankierenden Assistenz-Systemen und fahren mit dieser Aufstellung sehr gut.

Ich selbst bin über die Jahre zugegeben zu einem OneNote-Fan geworden – ich organisiere auch privat einiges über OneNote. Und gleich nachher werde ich OneNote wieder beruflich in einem Szenario „at its best“ nutzen. Es geht zu einem Kundenworkshop. Meine Fragen habe ich in OneNote dabei und dank des Caching-Mechanismus die gesamte Projekthistorie mitsamt meiner gewohnten Arbeitsumgebung, ganz so, als würde ich von meinem Schreibtisch im Büro aus arbeiten. Und wenn ich mit den Workshop-Ergebnissen zurückkomme, dauert es nur ein paar Sekunden, bis mein ganzes Team darauf Zugriff hat. Geht’s schneller?

Coach zu werden ist nicht schwer…

Titelblatt "Coach werden"„Coach zu sein dagegen sehr!“ So könnte man das bekannte Gedicht von Wilhelm Busch abwandeln. Denn Coach darf sich jeder nennen. Doch um als Coach seriös und erfolgreich zu arbeiten, braucht es mehr als eine selbstgedruckte Visitenkarte. Andererseits ist auch für viele Redakteure Coaching ein interessantes Tätigkeitsfeld. Denn bei genauerem Hinsehen tun sich einige Parallelen auf. In beiden Berufen geht es darum, durch Kommunikation Veränderungen zu bewirken.  Mit diesem Gedanken ist mir das schmale Buch von Brigitte Wolter in die Hände gefallen und ich habe mich gefragt: „Wird es seinem Anspruch gerecht?“

Das Buch behandelt sein Thema knapp aber logisch. Zunächst beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, was eigentlich Coaching ist. Bereits hier hatte ich das erste Aha-Erlebnis. Entgegen dem mittlerweile inflationären Gebrauch des Begriffs, ist Coaching nicht einfach nur ein Synonym für (etwas hippere) Beratung. Coaching definiert sich dadurch, dass der Coach keine Lösungen vorgibt, sondern dem zu Beratenden dabei hilft eigene Lösungen zu entwickeln. Dankenswerter Weise geht die Autorin auch auf die Frage ein, worin die Befriedigung einer Tätigkeit als Coach liegt und welche Anforderungen an einen Coach zu stellen sind.

In der zweiten Hälfte des Buches beantwortet Brigitte Wolter Fragen, die eher organisatorischer Art sind: Wie gehe ich das Projekt „Coach werden“ erfolgsversprechend an? Wo finde ich eine qualifizierte Coaching-Ausbildung? Welche unternehmerischen Fähigkeiten brauche ich als Coach? Und: Wie kann ich mich als Coach mit anderen vernetzen?

Mit einem Umfang von netto 100 Seiten ist das Buch für meinen Geschmack fast schon zu gerafft. Gelegentlich hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht und ab und zu konnte ich mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass hier bewusst mit Informationen knausrig umgegangen wird, um so eine Folge-Schulung oder -Beratung anzuschließen. Und wer sich Techniken und Methoden für die Arbeit als Coach erhofft, der ist mit diesem Buch ohnehin an der falschen Stelle.

Deshalb mein Fazit: Alles Wesentliche ist enthalten. Die Leser bekommen einen guten Eindruck davon, was es bedeutet den Beruf Coach zu ergreifen. Als Erstinformation ist das Buch also den Lesern zu empfehlen, die schon einiges über Coaching wissen und nun entscheiden wollen, ob sie sich in diesen Bereich beruflich hineinentwickeln wollen.

Literatur: Wolter, Brigitte [2016]: Ich will Coach werden. Von der Idee zum Traumberuf. budrich inspirited, 2017, 116 Seiten. 978-3-8474-2032-3

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Wie technische Redakteure den Wandel in der technischen Kommunikation aktiv mitgestalten können

Wenn der Zeitdruck steigt, bleibt die Qualität leicht auf der Strecke.

Wenn der Zeitdruck steigt, bleibt die Qualität leicht auf der Strecke.

In unserer Reihe zu Trends in der Technischen Redaktion haben wir heute Ina Franke zu Gast. Sie ist Senior Marketing Manager bei der Acrolinx GmbH. Acrolinx hilft Unternehmen überzeugenden Content zu erstellen: markenkonform, wirkungsvoll und skalierbar. Ausgestattet mit einer fortschrittlichen Sprachtechnologie, „liest“ Acrolinx Content und leitet Autoren an, ihn zu verbessern. Mehr Informationen dazu finden sich auf acrolinx.de.

Der Wert der technischen Kommunikation wird auf Unternehmensebene häufig unterschätzt. Manager betrachten die technische Kommunikation oft als notwendige Kostenstelle und übersehen dabei ihre enorme Bedeutung für die Gewinnung und Bindung von Kunden. Gleichzeitig tun technische Redakteure noch immer wenig, um diese Vorstellung zu korrigieren. Besonders, wenn sie ihren Aufgabenbereich darauf reduzieren, Verbrauchern Fragen zu Produkten und Fehlerbehebungen zu beantworten.

Mit der weiterhin steigenden Bedeutung von Content beobachten wir 6 wichtige Veränderungen im Bereich der technischen Kommunikation, die die Rolle von technischen Redakteuren neu definieren:

  1. Die Erstellung von technischem Content wird vorverlagert. Immer häufiger sind es Ingenieure und Mitarbeiter in der Produktentwicklung und im technischen Support, die Inhalte erstellen. Dadurch wird es schwieriger, für Konsistenz zu sorgen – sowohl innerhalb der technischen Redaktion als auch unternehmensweit. Verschärft wird das Problem dadurch, dass Content oft ohne eine abteilungsübergreifende Abstimmung veröffentlicht wird. Dies kann zu inkorrekten Informationen und unzufriedenen Kunden führen.
  2. Knappe Budgets oder eine fehlende Wertschätzung der technischen Kommunikation können zur Folge haben, dass das Erstellen von technischem Content ausgelagert wird. Auch dies führt dazu, dass Inhalte von zentralen technischen Ressourcen wie Produktentwicklungsteams oder der gesamten Content-Strategie abgekoppelt werden.
  3. Content wird zunehmend von Nicht-Muttersprachlern erstellt. Zu den Folgen dieser Entwicklung zählen fehleranfälliger und inkonsistenter Content, schwer verständliche und kostenaufwändige Übersetzungen und ein mangelnder redaktioneller Überblick. Das Fehlen effektiver Qualitätskontrollen erschwert es außerdem, Fehler zu beheben – oft bleiben diese unkorrigiert.
  4. Vor allem englischer Content wird zunehmend von Nicht-Muttersprachlern gelesen. Vor diesem Hintergrund müssen technische Informationen leicht verständlich sein und interkulturellen Anforderungen genügen. Eine computerunterstützte Übersetzung kann für die Lokalisierung von technischem Content hilfreich sein, erfordert aber eine zusätzliche Qualitätskontrolle.
  5. Engere Zeitpläne machen schnellere Turnarounds erforderlich. Dabei ist es wichtig, dass technische Redakteure frühzeitig integriert werden. Das ist leider nicht immer der Fall. Der Fokus auf Kosten und Schnelligkeit führt häufig sogar dazu, dass technische Inhalte erst auf Nachfrage von Kunden geschrieben werden. So hinkt technischer Content den Entwicklungen oft hinterher.
  6. Technische Redakteure teilen ihr Wissen in sozialen Medien, die von immer mehr Kunden als Ergänzung oder sogar als Ersatz für die eigentliche Dokumentation wahrgenommen werden. Statt Content vor der Auslieferung eines Produkts zu erstellen, reagieren technische Redakteure in Echtzeit auf Fragen von Kunden. Hierbei ist es wichtig, eine gute Balance zu finden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Unternehmen Social Media als zusätzliche Rechtfertigung dafür sehen, technischen Content weiter zu kürzen.

Als technischer Redakteur sollten Sie die genannten Entwicklungen zum Anlass nehmen, sich geschickt neu zu positionieren. Dazu sollten Sie zunächst Ihre Selbstwahrnehmung überprüfen und sich den Wert ihrer Arbeit bewusstmachen.

Die technische Kommunikation kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Umsätze Ihres Unternehmens zu steigern. Überlegen Sie, wie Sie strategische Prioritäten Ihres Unternehmens unterstützen und dies nachvollziehbar demonstrieren können. Zeigen Sie, dass die Nachfrage nach Ihrem Content wächst. Dabei können Sie sich auch auf die Marketing-Strategie Ihres Unternehmens und die Wünsche von Kunden beziehen.

Ihre Arbeit spielt eine wichtige Rolle, das Leistungsversprechen Ihres Unternehmens umzusetzen. Um das Potential Ihrer Rolle voll auszuschöpfen, müssen Sie den Wert Ihrer Arbeit jedoch überzeugend auf den Punkt bringen.

Von A nach B – 6 Tipps zur Contentmigration

Pelikane im Flug

Nur selten ist Migration so einfach wie bei Zugvögeln…

Wenn es um die Bestandsdatenübernahme geht, kann man beim Wechsel des CMS einige böse Überraschungen erleben. Denn bei der Übernahme von Altdaten steckt der Teufel im Detail. Deshalb wollen wir heute einmal ein paar Tipps zu den Details geben, auf die Sie in Ihrem Contentmigrations-Projekt achten sollten.

Zeichenkodierung beachten

Welche Zeichenkodierung haben eigentlich die Ausgangsdaten: ISO-8859-1, Windows-1252, Unicode oder etwas noch Exotischeres? Und welche Zeichenkodierung erlaubt bzw. verlangt das Zielsystem. Gibt es im Ausgangstext ein durchgehendes Escaping (Kodierung von Sonderzeichen durch Zeichenfolgen, z. B. „äußerst“ wird zu „äußerst“) und wie lässt sich dieses in das Zielsystem transformieren? Wer hier die Daten vorab genau analysiert, kann eine Menge Probleme im Migrationsprozess vermeiden.

Inkompatible Layout- und Textkonstrukte

Sind die Textkonstrukte zwischen Ausgangs- und Zielsystem kompatibel zueinander.  Komplexe semantische Handlungsanweisungen, tief geschachtelte Listen oder Zeichenformatkombinationen sind typische Problemstellen. Manches System lässt schon die Kombination aus Fett- und Kursivmarkierung (<b><i>Si meliora…</i></b>) aus der Kurve fliegen.

Makros machen Ärger

Gelegentlich werden auch statische Dokumente teilweise dynamisch gestaltet (z. B. durch eingebundene Excel-Berechnungen) oder nachträglich verändert (z. B. durch Word-Makros). Im eigentlichen Bestandscontent sind solche Mechanismen oft nicht leicht zu erkennen und manchmal sind sie den Benutzern nicht einmal bewusst. Hier ist also Recherche angesagt und ein Vergleich zwischen dem Bestandscontent und den ausgelieferten Dokumenten. Hat man solche Mechanismen entdeckt, gilt es zu entscheiden, ob sich auf sie verzichten lässt, ob sie im Zielsystem nachimplementiert werden können oder ob sie durch geeignete Mechanismen des Zielsystems ersetzt werden müssen.

Grafikformate

Auch bei Grafiken gibt es Formatprobleme – und nicht nur wenn es um print oder online als Ausgabemedien geht. Immer wieder kommen bestimmte Zielsysteme nicht mit den Formaten des Ausgangssystems zurecht. Word kann zum Beispiel nicht mit SVG umgehen. Umgekehrt stellen Word-Zeichnungen für fast alle anderen Systeme ein Problem dar. Also: Auch hier genau prüfen, was möglich ist und im Problemfall zum Beispiel ein Kompromissformat finden, mit dem beide Systeme zurechtkommen.

Beschriftungen

Neben den eigentlichen Grafikformaten sollten Sie sich auch die Art der Beschriftung in den Grafiken ansehen. Hier sind ganz unterschiedliche Varianten üblich: fest im Bild integriert (eher selten), als gruppierte Objekte (häufig und schwierig zu migrieren), mit einer eigenständigen, unabhängigen Legende (aufpassen, damit die Zusammenhänge nicht verloren gehen) u. v. m. Bedenken Sie auch die Optionen, die das Zielsystem bietet. Vielleicht ist ja z. B. eine Clickmap die bessere Lösung für die Beschriftung. Denn wenn man schon den Aufwand für die Migration betreibt, dann sollte der Content im Zielsystem auch besser sein als zuvor.

Migration – eine neue Heimat für den Content

Edgar Hellfritsch

Edgar Hellfritsch

Daten und Content: Ein Schatz, den wir im Lauf der Jahre mühsam aufgebaut haben. Und der zum Problem wird, wenn wir uns zum Beispiel entscheiden von der altgedienten Textverarbeitung (z. B. Word oder FrameMaker) auf ein Content-Management-System umzusteigen. Seltene Aufgabe, die aber doch immer wieder zu erledigen ist, wenn ein Systemumstieg ansteht. Wir haben mit Edgar Hellfritsch geredet. Er beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit der Frage, wie man Daten und Content am besten migriert und hat über hundert Migrationsprojekte geleitet. In diesem Interview schildert er uns seine Erfahrungen.

doctima: Edgar, wie sieht denn das typische Migrationsprojekt aus?

Jedes Projekt ist irgendwie natürlich wieder anders. Aber grundsätzlich kann man sagen: Ein typisches Migrationsprojekt hat etwa 10.000 Seiten DIN A4, die in etwa 30 Sprachen vorliegen. Migriert wird meistens von einem layout-orientierten Textverarbeitungssystem in ein strukturiertes Format, also ein CMS oder xml-basierte Standards wie DITA. Letzten Endes kommt aber alles vor. Wir hatten auch schon Fälle wo wir DITA nach DITA migriert haben, weil zwei Unternehmensteile sich für einen gemeinsamen Standard entschieden haben.

doctima: Und wie geht man dabei vor?

Grundsätzlich muss man sich entscheiden, ob der Content schrittweise nach und nach migriert werden soll oder zu einem Stichtag in einer großen Hauruck-Aktion. Welches Vorgehen da sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt von der Gesamtdatenmenge, vom Vernetzungsgrad des Contents, von den Redaktions- und Freigabeprozessen und natürlich von der Terminplanung für den Produktionsstart im neuen System ab.

Nach und nach zu migrieren erscheint auf den ersten Blick oft erst einmal wünschenswerter. Altdaten können fallweise auch einmal unmigriert bleiben, der Aufwand ist überschaubarer und die ersten Erfolgserlebnisse sind schnell vorhanden. Aber: Nach und nach zu migrieren bedeutet einen deutlichen Mehraufwand, denn beide Systeme müssen über einen längeren Zeitraum weiterbetreut werden. Und wenn die Redaktion diesen Mehraufwand personell nicht leisten kann, kommt es im schlimmsten Fall dazu, dass die (produktive) Systemeinführung sich so lange verzögert, bis sie komplett scheitert.

Und dann gibt es noch eine Fülle weitere Entscheidungen: intern oder extern, automatisiert oder manuell und, und, und. Jede dieser Entscheidungen hat ihr eigenes Für und Wider. Aber ich glaube das würde jetzt zu weit führen, wenn ich da im Detail darauf eingehe.

doctima: Übernimmt so eine Migration der Systemhersteller?

In den seltensten Fällen. Denn Migration bedeutet eine ganz eigene Art von Expertise, bei der man Ausgangsformat und Endformat genau im Blick haben muss. Auf dem Weg gibt es dabei einige Tücken, die für Systemhersteller schwer zu kalkulieren sind. Im Normalfall ist es hier besser, sich einen Dienstleister ins Boot zu holen, der auf Migrationsprojekte spezialisiert ist.

doctima: Welche Formate sind denn besonders schwer zu migrieren?

Wahrscheinlich erwarten jetzt viele als Antwort: Word! Das ist aber gar nicht so. Denn das Problem liegt nicht so sehr im Format selbst, sondern eher darin, wie strukturiert die Redakteure gearbeitet haben und wie konsequent sie ihre Standards eingehalten haben. Da sind mir Word-Dokumente, bei denen sauber mit Formatvorlagen gearbeitet wurde, tausendmal lieber als Dokumente, bei denen die Redakteure versucht haben, mit XML zu layouten.

Umgekehrt kann eine scheinbar einfache Anforderung, wie DITA nach DITA zu migrieren, sich im Projektverlauf als extrem heikel erweisen, wenn z. B. Metadaten zur Steuerung des Publikationsprozesses verwendet wurden oder eben semantische Strukturen missbraucht wurden, um ein bestimmtes Erscheinungsbild zu erzeugen. Da werden dann Informationssequenzen als Bildbeschriftung getaggt, weil man das Ganze gerne in einer Box darstellen will. Für die Migration ist so etwas ein Desaster.

doctima: Ein Erfolgserlebnis?

Für unsere Kunden ist der größte Erfolg wohl immer, wenn sie sehen, wie schnell ein Großteil des Contents migriert ist. Als derjenige, der sich um die Umsetzung kümmert, sind die ERfolge für mich aber oft eher die Kleinigkeiten am Rande. Vor einiger Zeit ist es mir z. B. in einem Projekt gelungen, komplexe Tabellen automatisiert von CALS nach HTML und wieder zurück umzuwandeln. Der Weg von CALS nach HTML ist mehr oder weniger trivial. Der Weg zurück ist aber ziemlich trickreich, weil das CALS-Tabellenmodell – na sagen wir mal – „originell“ ist. Da muss man sich letzten Endes jede Tabellenzelle einzeln angesehen haben, bevor man die Tabelle zusammenbauen kann. Für den Laien ist das dann nicht weiter spektakulär, wenn am Ende alles klappt. Aber als Spezialist ist man da schon ein wenig stolz.

doctima: Zum Abschluss: Was würdest du jemandem für die Migration raten,  bevor er einen Systemumstieg plant?

Sich neben dem Dokumentbestand auch den Redaktionsprozess vorher genau anzusehen und sich im Zweifelsfall Hilfe von außen zu suchen.  Ohne Bestandsanalyse kann man sonst manche böse Überraschung erleben, weil zum Beispiel im Publikationsprozess Makros nachträglich noch den Content verändern. Generell ist es sinnvoll sich anzusehen, welche Strukturen im Content vorhanden sind und welche davon erhalten bleiben müssen. Wir haben dazu automatisierte Verfahren mit denen wir Bestands-Content analysieren. Da stellt sich dann eigentlich meistens heraus, dass es eine ganze Reihe von Dokumentstrukturen gibt, die bei 10.000 Seiten vielleicht nur drei oder vier Mal vorkommen. Und da sollte man sich dann schon fragen, ob es sich lohnt, das auch im Zielsystem abzubilden.

doctima: Danke für das spannende Interview.

Gerne.

 

Information 4.0 – Schritte auf dem Weg zur Intelligenten Information

Industrielle Steuerung?Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist derzeit eines der meist diskutierten Themen. Auch unserer Branche, der Technischen Dokumentation, stehen tief greifende Veränderungen bevor.
Seit Anfang 2016 bin ich Mitglied der tekom-AG „Information 4.0“ und gestalte dadurch diese Veränderungen mit. In der AG arbeiten wir iiRDS aus, einen Standard zur Bereitstellung von intelligenter Information in digitalisierten, vernetzten Umgebungen. Mit diesem Beitrag fasse ich einige meiner Gedanken zum Thema Industrie 4.0 und intelligente Information zusammen.

Einige Begriffe

  • Industrie 4.0, digitale Fabrik: Sich selbst steuernde, weitestgehend automatisierte Fertigungsprozesse, die der Mensch nur noch „orchestriert“ und bei Bedarf eingreift.
  • Cyberphysikalisches System: Komponente, die aus einem dinglichen Objekt und aus einer digitalen, vernetzten Repräsentation besteht.
  • RAMI 4.0: dreidimensionales Referenzarchitekturmodell der Plattform Industrie 4.0. Strukturiert das Thema nach Lebenszklus von Entwurf bis Entsorgung, Hierarchie von Einzelkomponente bis zur umgebenden Cloud und nach Integrationslevel von Objekt („Asset“) bis Geschäftsmodell („Business“).
  • Verwaltungsschale: Digitale Repräsentation eines cyberphysikalischen Systems. Enthält beschreibende und identifizierende Eigenschaften, Sensordaten und Zugriffsmöglichkeiten zu digitalen Funktionen.

Technische Dokumentation heute

Für die meisten Akteure im Umfeld Industrie 4.0 findet Technische Dokumentation auf dem sog. „Asset Level“ in der digitalen Fabrik statt. Sie gehen gedanklich vom aktuellen Status Quo (oder eigentlich von dem Stand vor zehn Jahren) aus, und der heißt PDF. Dokumente für Installation, Wartung, Betrieb und ggf. Entsorgung werden als Einheiten betrachtet und als abrufbare Eigenschaften in der Verwaltungsschale eingeplant.

Auf diese Granularität zielt wohl auch die in Arbeit befindliche VDI-Richtlinie 2770 zur digitalen Herstellerinformation ab. Für einige Branchen (gerade ältere Industrieanlagen sind in der Regel auf Papier dokumentiert) ist das auch sicher ein Fortschritt. Aber natürlich geht viel mehr.

Intelligente Information

Technische Dokumentation lässt sich viel präziser modularisieren. In vielen Redaktionen wird das bereits heute betrieben, v. a. als Basis des Variantenmanagements: Die Filterung nach Zielgruppen, Sprachen, Gerätevarianten findet heute bereits statt und zwar beim Publizieren von Dokumentvarianten.

In einer Industrie-4.0-Umgebung lässt sich diese Filterung zum Lesezeitpunkt hin verlagern. Damit werden gezielte Abfragen möglich, die dem Anwender die von ihm benötigte Information passend zu seiner aktuellen Aufgabe bereitstellen.

Dazu werden Metadaten benötigt, die die einzelnen Informationsmodule klassifizieren und identifizieren. Zuordnung zu Hersteller, Gerät, Variante, Komponente und Funktionsgruppe sind ebenso entscheidend wie Sprache, Zielgruppe und Informationstyp. Außerdem erfordert die Integration ein Auslieferungsformat, das sich embedded, mobil und am Schreibtisch sauber anzeigen lässt. Standardisierung ist nötig, damit sich die Dokumentation unterschiedlicher Hersteller zu einer Gesamtinformation integrieren lässt.

Bei der tekom arbeiten wir an einem solchen Standard, dem iiRDS. Die Arbeitsgruppe hat ihre Zwischenergebnisse auf der tekom-Jahrestagung vorgestellt. Der Standard soll Mitte nächsten Jahres verfügbar sein.

Wo am Ende die Informationen bereitgestellt werden, ob direkt beim Komponentenhersteller, beim Anlagenbauer, vor Ort beim Betreiber der digitalen Fabrik oder direkt auf der Komponente, ist dabei offen. Ebenso ist offen, ob die Information auf einem eigenen Content Delivery Server, einem integrierten Webservice (der zum Beispiel über den doctima ContentConnect mit Inhalten versorgt wird) oder als Informationsbausteine in einem Asset Management System wie SAP AIN zu liegen kommen. Das abstrakte Konzept der Verwaltungsschale erlaubt hier viele Wege zu gehen.

Die Idee, dass alle (bleiben wir realistisch: möglichst viele) Ersteller von Technischer Information ein gemeinsames Format bereitstellen, um dem Anwender einen integrierten Wissensschatz zu einem aus vielen Komponenten bestehenden System bereitzustellen, erscheint mir auch ohne den direkten Bezug zu Industrie 4.0 ein absolut erstrebenswertes Ziel zu sein – weil es u. a. zu Verbesserungen für das leidige Thema Zulieferdokumentation bringen kann. In der Denkweise des RAMI 4.0 lässt sich die Dokumentation von der untersten Ebene mit PDF-Dokumenten als „Assets“ auf die vierte Ebene, das Information Layer, mit Content-Delivery-Diensten als funktionaler Teil der übergreifenden Verwaltungsschale aufwerten.

Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Entwicklungen und wie sich das iiRDS-Format in der Praxis bewähren wird – und auf Ihre Meinung. Wie sind Ihre Erwartungen bezüglich der Digitalisierung der Arbeitswelt? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren!

Lasten- und Pflichtenhefte – der Erfolg entscheidet sich am Dokumentkonzept

Vorgefertigte Lastenhefte wollen viele. Aber wären die sinnvoll?

Vorgefertigte Lastenhefte wollen viele. Aber wären die sinnvoll?

Seit gut zehn Jahren bin ich in Unternehmen unterwegs, um mit Entwicklungsabteilungen einen für die Ingenieure oft lästigen Dokumenttyp auf Vordermann zu bringen: Lasten- und Pflichtenhefte. Egal wohin ich komme, hegen meine Kunden eine ganz bestimmte Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich in zwei Fragen ausdrückt:

Frage 1: Gibt es Normen, die man unbedingt beachten muss, um ein wirklich sauberes (und damit vollständiges und möglichst rechtssicheres) Lastenheft oder Pflichtenheft zu erstellen?

Und Frage 2: Gibt es nicht allgemeingültige Dokumentvorlagen mit allen benötigten Inhalten – am besten downloadbar aus dem Web? Und dann ist alles gut?

Unerfüllbare Hoffnungen

Diese Hoffnung muss ich regelmäßig enttäuschen. Leider – könnte man erst einmal meinen.

Natürlich gibt es Normen, die Lasten- und Pflichtenhefte thematisieren, zum Beispiel die DIN 69901. Aber diese Normen helfen bei den Fragen, die die Unternehmen umtreiben, nicht wirklich weiter. Normen kann man vor allem Definitionen entnehmen, was ein Lasten- oder Pflichtenheft ist, was als Gliederung eventuell sinnvoll ist und wie man diese Dokumente in Entwicklungsprozessen am besten einsetzt. Gewonnen ist damit nicht viel.

Dasselbe gilt für downloadbare Vorlagen: Sie können einem einen ersten Eindruck geben, was vielleicht wichtig ist. Aber eine Dokumentvorlage und vor allem die darin enthalten Inhaltspunkte entspringen immer einem bestimmten Kontext und treffen nie passgenau zu. Oder sie sind so allgemein gehalten, dass sie im Grunde nichts aussagen.

Die gute Nachricht – Freiraum für passgenaue Dokumentkonzepte

Mit „Kontext“ ist das relevante Stichwort schon gefallen. Jedes Unternehmen arbeitet (egal ob Auftragnehmer oder Auftraggeber, egal ob Lastenheft oder Pflichtenheft) unter anderen Rahmenbedingungen. Produkte unterscheiden sich technologisch grundlegend, die Vertragspartner sind unterschiedliche, interne Dokumente benötigen andere Inhalte als Dokumente, die über Unternehmensgrenzen ausgetauscht werden. Abhängig davon, wer die Designverantwortung trägt, entwickeln Lasten- und Pflichtenhefte erst ihre eigentliche Gestalt.

Eine Lösung von der Stange – das zeigt mir die Praxis immer wieder ganz deutlich – kann es eigentlich gar nicht geben.

Genau hier aber liegt die große Chance für die Unternehmen. Und das ist die Botschaft, die die Miene meiner Kunden ganz schnell wieder aufhellt. Weil der Kontext hochgradig individuell ist, besteht große Freiheit in der Gestaltung von Lastenheften und Pflichtenheften. Ganz sicher keine Beliebigkeit, aber ein Freiraum, in dem man eine unternehmensspezifisches Dokumentenkonzept entwickeln kann. Ein Konzept, das dann wirklich funktionierende Dokumente ermöglicht.

Was so ein spezifisches Dokumentenkonzept ganz konkret ausmacht, möchte ich hier noch an drei Beispielen zeigen:

Beispiel 1: Es muss nicht immer viel sein

Dieses Konzept ist vor gut zwei Jahren in München entstanden. Ein Unternehmen der Schwerindustrie liefert als Auftragnehmer eine Presseinrichtung für eine große Stahlverarbeitungsanlage. Das spezifizierte Produkt ist für meine Vorstellungen riesengroß, das Pflichtenheft dazu ist aber maximal schlank geworden. Es ist wenige Seiten lang und macht zusammen mit dem Maschinenplan trotzdem eine vollumfängliche Leistungszusage an den Auftraggeber.

Der Kunde hat sehr aufgeatmet: Dass ein Projekt mit Pflichtenheft die Dokumentationsaufwände der Ingenieure, die ja sowieso schon unter hohem Zeitdruck arbeiten, vervielfachen würde – diese Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet.

Beispiel 2: Ein Dokument, das skaliert

Genau hinsehen! Auf dem Weg zu einer passgenauen Dokumentkonzeption

Genau hinsehen! Auf dem Weg zu einer passgenauen Dokumentkonzeption

Ein Unternehmen für Fenster- und Fassadentechnologie definiert seinen Entwicklungsprozess für Innovationsprojekte neu. Damit die Entwicklung koordiniert abläuft, soll der Vertrieb als unternehmensinterner Auftraggeber ein Lastenheft schreiben. Das Problem an der bisherigen Praxis: Das Lastenheft des Vertriebs ist der Entwicklung zu unspezifisch, der Vertrieb möchte aber nichts vorgeben und spezifizieren, worüber er noch keine Aussagen machen kann. Eine klassische Patt-Situation.

Als Lösung haben wir ein Lastenheft konzipiert, das mitwachsen kann. In seiner ersten Fassung (das „Lastenheft light“) formuliert der Vertrieb die Produktidee und die zentralen Leistungsmerkmale des neu zu entwickelnden Produkts. Dieser Stand dient der internen Abstimmung. Erst wenn klar ist, ob sich dieses Produktkonzept technologisch und wirtschaftlich umsetzen lässt (und in diesem Bewertungs- und Aushandlungsprozess sitzt die Entwicklung mit am Tisch), wird ein „richtiges“ und umfassendes Lastenheft erstellt, das für die Entwicklungsabteilung die Vorgaben in relevanter Breite und Tiefe niederlegt.

Dass dieses Konzept aufgeht, ist konzeptionell vor allem der Gliederung der neuen Lastenheftvorlage zu verdanken. Sie kann angelehnt an den Fortschritt im Entwicklungsprozess von vorne nach hinten wachsen. Es ist als Lastenheft-Standard eine ganz individuelle Lösung entstanden, die sich durch ein hohes Maß an Flexibilität und Skalierbarkeit auszeichnet.

Beispiel 3: Antworten auf 1500 Anforderungen

Ein letztes Beispiel: Ein Automobilzulieferer bekommt von seinen Auftraggebern in schöner Regelmäßigkeit Lastenhefte vorgelegt, die 300 Seiten und länger sind. Um noch einmal eine Zahl zu nennen: Wir reden von 1200 bis 1500 Anforderungen.

Wie kann nun ein Pflichtenheft bzw. die Leistungszusage in so einem Szenario aussehen? Und zwar ohne dass als Pflichtenheft ein noch längeres Monsterdokument entsteht, das unsinnige Aufwände erzeugt? Denn immerhin sagt die reine Lehre – und auch die Auftraggeber aus dem Automobilsektor fordern es: Ein Pflichtenheft muss Antwort geben auf alle Anforderungen des Auftraggebers.

In diesem Fall entwickeln wir eine Lösung aus zwei Dokumenten:  Die Detailantworten stehen in einer Excel-Liste, die eine maximal kurze Antwort auf wirklich jede Anforderung gibt. Dazu kommt aber – und das war hier das Aha-Erlebnis – ein Rahmendokument, in dem der Auftragnehmer noch einmal losgelöst von dem Detaildokument seine Lösung und seine Leistungsfähigkeit konzentriert darstellt. Das zudem Punkte hervorhebt und anbringt, die ihm aus seiner Rolle heraus wichtig sind – und nicht nur solche, die der Auftraggeber aktiv nachfragt. Und das zu guter Letzt sogar – auch das ein Novum – den Auftraggeber in die Pflicht nimmt.

Seit diesem Jahr gehen alle „Antworten“ dieses Kunden auf diese Weise zurück an seine Auftraggeber.

Buchbar als Praxispaket Lastenhefte/Praxispaket Pflichtenhefte

Die konzeptionelle Anlage eines Lasten- oder Pflichtenheftes halte ich im Rückblick auf bestimmt 60 Beratungs-Einsätze als den wesentlichen Schlüssel zum Erfolg. Und das Schöne ist, dass man die Konzepte so auslegen kann, dass daraus ein wirklicher Standard entsteht – also Vorlagen und Definitionen, die für ganze Klassen von Projekten tragen und nicht nur für einen Einzelfall.

Sollten Ihnen diese Sorte Spezifikationsdokumente auch im Magen liegen: Schauen Sie sich doch einfach einmal unser ‚Praxispaket Lastenhefte/Praxispaket Pflichtenhefte‚ an. Ein bewährtes Verfahren, in dem wir schon ganz viele Unternehmen begleitet haben.

Steilkurs für PR-Einsteiger

Buchcover: Steinbach: "Crashkurs Public Relations"Als Quereinsteiger hat man es nicht immer leicht. Da sind gute Tipps gefragt oder am besten jemand, der uns für den Anfang unter die Fittiche nimmt. Und genau das beabsichtigt Marion Steinbach mit ihrem „Crashkurs Public Relations“.

Eine Lektüre, die also auch für Technische Redakteure interessant ist. Denn gerade in mittelständischen Unternehmen sind von unserem Beruf ja Allrounder-Fähigkeiten gefragt. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass man „nebenbei“ auch die PR des Unternehmens zu bewältigen hat.

Mehr als erwartet

Wer nun denkt, „Crashkurs“ und „9 Schritte“ deutet auf ein schmales Büchlein hin, der wird enttäuscht werden. Denn die neun Schritte brauchen dann doch fast 300 Seiten. Dort findet man dann aber auch alles Wesentliche, was der PR-Einsteiger oder die PR-Einsteigerin wissen muss. Wer schon ein wenig Vorerfahrung mitbringt, wird einiges wiedererkennen: SWOT-Analyse, AIDA-Formel – das hat man womöglich auch an anderer Stelle schon gelesen oder gehört.

Hin- und hergerissen

Da ist es deshalb gut, dass sich Marion Steinbach nicht lange bei den theoretischen Grundlagen aufhält. Auch Themen wie „Das PR-Konzept“ (Kapitel 1) geht sie ganz praxisnah an, mit Tipps die Lust machen, sie sofort umzusetzen. Dazu streut sie in den Text immer wieder Infoboxen („Achtung“, „Extratipp“) ein, die Wichtiges herausheben und gleichzeitig den Lesefluss auflockern. Auch Zitate und Unternehmensbeispiele tragen zur guten Lesbarkeit bei.

Man ist bei dem Crashkurs hin- und hergerissen: Einerseits möchte man das Buch am liebsten in einem Satz durchlesen, andererseits macht es große Lust, die vorgestellten Tipps und Konzepte sofort auszuprobieren. „Leser“ und „Macher“ kommen also gleichermaßen auf ihre Kosten.

Was ich mir gewünscht hätte

Neben dem ingesamt sehr positiven Eindruck stören mich aber auch ein paar Kleinigkeiten an dem Buch. Das Lektorat war leider nicht immer so gründlich, wie man sich das wünschen würde: Wenn man auf Rechtschreibfehler wie „Mediac- lipping“ oder „Präsenz“ statt „Präsens“ stößt, dann ist das zumindest ärgerlich, manchmal sogar verwirrend. Und warum alle Überschriften substantivisch formuliert sind, das letzte Kapitel aber „Events – gar nicht old fashioned“, erschließt sich mir auch nicht. Ach ja, die Überschriften: Warum verspricht man im Titel des Buchs „9 Schritte“, wenn der Begriff „Schritt“ danach nicht mehr auftaucht (außer bei der PR-Strategie als „Step“, dann aber mit nur 4 Steps). Vielleicht deshalb, weil die neun Buchkapitel eben keine Schritte sind, die man der Reihe nach geht, sondern Themeneinheiten, die man je nach Interesse und Bedarf mehr oder weniger unabhängig voneinander lesen kann.

Auch bei der Auswahl der Inhalte hätte man sich an manchen Stellen beschränken können. Themen wie Suchmaschinenoptimierung oder Social Media sind immer ein wenig problematisch, wenn man sie in Buchform packt. In diesen Bereichen ändern sich Inhalte so schnell, dass sie oft schon veraltet sind, bis das Buch erscheint. Zum Beispiel hätte ich mir bei den Social-Media-Plattformen gewünscht, dass auch LinkedIn vorgestellt wird; mittlerweile ist es auch in Deutschland verbreiteter und international sowieso der Standard. Sinnvoller wäre es deshalb wohl gewesen, die Themenkomplexe kurz anzusprechen und auf ein, zwei gute Online-Quellen zur Eigenrecherche zu verweisen.

Alles in allem sind das aber Kleinigkeiten, die höchstens zu Abzügen in der B-Note führen. Eine Sache hätte ich mir aber wirklich gewünscht: Dass dieses Buch schon erschienen wäre, als ich anfing, mich mit PR zu beschäftigen. Dann hätte ich mir manch schmerzhaftes „Trial-and-Error“ erspart. Also: Für Quereinsteiger in die PR-Arbeit eine eindeutige Lese-Empfehlung!

Literatur: Marion Steinbach [2016]: „Crashkurs Public Relations. In 9 Schritten zum Kommunikationsprofi“. UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz und München. ISBN 978-3-86496-782-5

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

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