Bitte nicht! Bessere Alternativen zu Captchas

Bitte nicht Captchas

(c) doctima

Ihrem Anspruch nach sind Captchas für Menschen entschlüsselbar; SPAM-Bots müssen dagegen weinend aufgeben und gesenkten Hauptes von dannen ziehen. Soweit die Theorie.

Leider haben Captchas eine viel zu hohe false positive-Rate, d. h. zu viele echte Nutzer scheitern an ihnen, und damit sind Captchas für ihren Job schlicht ungeeignet. Außerdem besitzen sie ein enormes Frustrationspotenzial und sind nicht barrierefrei. Deshalb sind sie für eine professionelle Website nicht als lästig, sondern viel eher als geschäftsschädigend einzustufen.

Es geht ohne. Mit wenigen einfachen Maßnahmen bekommt man ähnliche Trefferquoten wie mit Captchas, allerdings ohne die Benutzer zu belästigen. Und das geht beispielsweisezwar so: Wir benötigen Kartoffelsalat, Honig und eine Uhr.

Kartoffelsalat

Bots lesen den Quelltext von Webseiten. Wenn ein Eingabefeld im HTML “E-Mail” heißt, dann schreiben sie eine E-Mail-Adresse hinein. Das kann man ausnutzen. Der normale Nutzer sieht diese Bezeichnungen nicht. Also nennen wir das E-Mail-Feld anders, z. B. “Schlangengurke”. Das Feld für den Nachnamen nennen wir “Kartoffelsalat” u. s. w.. Damit ist es für einen SPAM-Bot schon kaum noch lösbar, sinnvolle Werte in die richtigen Felder zu schreiben. Ob z. B. in ein E-Mail-Feld Freitext geschrieben wurde, lässt sich aber leicht per Skript prüfen. Unplausible Bot-Ergüsse werfen wir weg.

Honigtöpfe

Wir verstecken ein Eingabefeld per Stylesheet, sodass der normale Nutzer es weder sieht noch ausfüllen kann. Dieses Feld nennen wir aber im HTML-Quellcode “E-Mail”, und dort steht es, für den Bot gut sichtbar, zwischen dem Kartoffelsalat und der Schlangengurke. So etwas nennt man einen “Honigtopf“. Sobald der Bot das Feld ausfüllt, ist er entlarvt und wir schicken seine Eingaben ins digitale Nirwana.

Digitaluhren

Wie lange dauert es, ein Formular auszufüllen? Bis die ganzen Feldbezeichnungen gelesen und verstanden, die Eingabefelder eingetippt sind, brauchen menschliche Nutzer meist eine ganze Reihe von Sekunden, je nach Umfang des Formulars vielleicht auch Minuten. Einem Bot dauert das zu lange, der muss ja noch ein paar Zehntausend weitere Formulare ausfüllen vor dem Feierabend. Das nutzen wir aus. Wir gucken beim Aufruf der Seite auf die digitale Uhr und zählen. Wird ein mehrseitiges Formular innerhalb weniger Sekunden ausgefüllt und abgeschickt, dann können wir getrost davon ausgehen, dass wir es mit einem Bot zu tun haben und die Eingaben verwerfen.

Funktioniert das?

Wir betreiben das oben Beschriebene seit mehreren Jahren erfolgreich auf eigenen Sites und in Kundenprojekten. Dazu mussten wir die aufgeführten Konzepte nicht einmal selbst ausprogrammieren. Es gibt fertige Module, z. B. die typo3-Extension Spamshield oder das WordPress-Plugin Antispam Bee. Die haben noch ein paar weitere Tricks drauf, die man aber normalerweise nicht unbedingt braucht. Für andere CMS gibt es entsprechende Lösungen.

Fazit

Spiegel online rechnet vor, dass weltweit jeden Tag siebzehn Mannjahre dafür verschwendet werden, Captchas auf Internetseiten zu entschlüsseln. Das ist ziemlich heftig. Captchas sind kein notwendiges Übel. Sie sind übel, soweit korrekt, aber sie sind nicht notwendig. Sie sind, wie Matt Dunn es formuliert, “the Anti-User Experience“, und haben angesichts besserer Alternativen auf professionell erstellten Websites keinerlei Existenzberechtigung.

Nebenbei: Viele Bots lösen die Rätsel gängiger Captcha-Software genauso gut wie der normale Durchschnittsnutzer. Wenn das nicht ausreicht, kann man für ca. einen Dollar pro tausend gelöste Captchas einen menschlichen Knobler engagieren.

Nachhaltig dokumentiert?

Nachhaltige Dokumentation

Gerd Altmann / pixelio.de

Heute will ich mal ein paar Worte zu einem Punkt loswerden, der mir einerseits am Herzen liegt, den ich andererseits als einen blinden
Fleck in der Technischen Dokumentation wahrnehme: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als Aufgabe in der Technischen Dokumentation. Lange wurde das ja als ein Thema für irgendwelche “grüne Spinner” abgetan. Aber in den letzten Jahren haben auch Unternehmen gelernt (nicht zuletzt bedingt durch Skandale wie bei Shell, BP oder Siemens) , dass sie sich den damit verbundenen Fragen stellen müssen. Das Ergebnis zeigt sich in PR-Meldungen, in Geschäftsberichten, in Compliance-Handbüchern oder CSR-Guidelines und in der Werbung sowieso. Nur in der Technischen Dokumentation scheint das noch nicht angekommen zu sein. Woran liegt das? Hat die Dokumentation zu wenig Berührungspunkte mit dem Thema?

Dokumentation und Nachhaltigkeit

Ganz im Gegenteil. Nachhaltigkeit sollte in der Dokumentation sogar aus mehreren Blickwinkeln eine Rolle spielen. Ich will die hier einmal am Beispiel von Anleitungen (unserem Standard-Produkt) darstellen und ein paar Fragen anreißen, die man sich zu dem jeweiligen Aspekt stellen sollte.

  • Anleitungen sind Teil des Produkts:
    In wie weit sorgen wir in unseren Anleitungen dafür, dass unsere Produkte nachhaltig verwendet werden? Können wir durch verbesserte Usability ineffizienten Gebrauch verhindern? Reicht es wirklich aus, nur einen kurzen Entsorgungshinweis nach der RoHS-Richtlinie zu geben? Oder wäre es besser, genau über die Umweltschäden zu informieren, die durch unsachgemäße Entsorgung entstehen?
  • Anleitungen sind selbst Produkte:
    Spielen ökologische Gesichtspunkte eine Rolle bei der Auswahl der Medien, die wir produzieren? Sparen wir Energie und Rohstoffe mit einer Online-Anleitung oder verschwenden wir sie, weil die Nutzer ohnehin alles ausdrucken? Werden wir unserer sozialen Verantwortung gerecht bei der Zielgruppendefinition? Achten wir auf Barrierefreiheit in unseren Dokumenten?
  • Anleitungen entstehen in Prozessen:
    Wie energieaufwendig sind diese Prozesse? Lassen sich Recherchetermine vielleicht durch Telefonkonferenzen ersetzen? Wie energie-intensiv sind unsere Arbeitsstationen? Laufen die weiter, auch wenn wir uns gerade mal nicht am Arbeitsplatz befinden? Wo lässt eigentlich unser Übersetzer oder unser Software-Dienstleister arbeiten – in Deutschland, in der EU oder z. B. in Vietnam? Und wie sind die Arbeitsverhältnisse dort?

Ansatzpunkte für nachhaltige Dokumentation gibt es also genug. Doch ich wage zu bezweifeln, ob sich viele Technische Redaktionen systematisch mit dem Thema beschäftigen. Wie ist das bei Ihnen? Diskutieren Sie mit uns und schildern Sie uns Ihre Erfahrungen oder Ideen zu dem Thema.