Auf zu neuen Themen…

Themen finden mit Barbara Hallmann

Themen finden mit Barbara Hallmann

Verglichen mit unseren Kollegen aus dem Journalismus haben wir als Technische Redakteure und Redakteurinnen es auf den ersten Blick recht einfach: Denn das Thema immer schon gegeben. Denn im Regelfall wissen wir genau, welches Produkt als nächstes zu dokumentieren ist.

Und doch gibt es immer wieder Fälle, bei denen wir eigenständig Themen entwickeln müssen: z. B. für Vorträge, Fachartikel, Blogbeiträge oder Pressemeldungen. In solchen Fällen kann die ungewohnte Themenfindung dann recht beschwerlich werden.

Was liegt also näher als von den Journalisten zu lernen, für die das ja Alltagsgeschäft ist? Bei meinen Recherchen bin ich auf das Buch von Barbara Hallmann “Themen finden “gestoßen.

Sieben kurze Kapitel, kleines Format, nur 100 Seiten Umfang – ich muss zugeben, allzu viel habe ich mir von dem Buch nicht erwartet. Umso angenehmer, dass meine Erwartungen enttäuscht wurden. Denn die Autorin zeigt fokussiert und auf knappem Raum, wie sich kontinuierlich Themen finden lassen, was gute Themen ausmacht und wie man sie  an den Mann (oder die Frau) bringt.

Zielgruppe des Buches sind Einsteiger im Journalismus. Das bedeutet für uns Technische Redakteure natürlich einen gewissen Transferaufwand; nicht alles in dem Buch lässt sich auf unseren Arbeitsalltag übertragen. Dadurch dass sich das Buch aber an Anfänger richtet, stellt es die Leser aber auch nicht vor große Verständnishürden.

Abgerundet wird “Themen finden ” durch einen recht ausführlichen Übungsteil. Wer den durchgearbeitet – das verspricht die Autorin -, hat mindestens 70 Themen für sich identifiziert. Auch hier gilt wieder die Einschränkung, dass sich nicht alles übertragen lässt, aber dennoch bleiben genügend Anregungen für die Technische Dokumentation.

Alles in allem ist “Themen finden” von Barbara Hallmann also gerade wegen seines kompakten Umfangs ein gelungenes Buch, das Ideenfutter für Technische Redakteure bietet, die gerne über den  Tellerrand hinaussehen.

Ach ja: Falls Sie sich jetzt fragen, welche Anregungen ich für meine Arbeit übernommen habe: Das verrate ich demnächst hier im doctima-Blog.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur: Hallmann, Barbara [2014]: Themen finden. Reihe: Wegweiser Journalismus. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz, München

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Social Media und Konferenzen

Konferenz

(c) Uwe Steinbrich / pixelio.de

Für die meisten von uns gehören Tagungen und Konferenzen zum Alltagsgeschäft. In der letzten Zeit beobachte ich immer öfter, dass sich um die Veranstaltungen herum eine ganze Reihe von Aktivtäten in den Social Media entwickeln. Ich will hier mal ein paar der DInge zusammenfassen, die ich zu Web 2.0 und Konferenzen gelernt habe.

Vorbereitung

Wenn man eine Konferenz als Teilnehmer auch in Social Media gut zur Geltung bringen will, dann lohnt sich ein wenig Vorbereitung.Als erster Schritt ist es wichtig, herauszufinden, was auf der Veranstaltung selbst in puncto Social Media geplant ist. Gibt es ein Hashtag für die Konferenz, einen eigenen Facebook- oder Twitter-Account oder haben wenigstens die Veranstalter eine Social Media-Präsenz? Oder gibt es einen Konferenzblog, auf den sich in eigenen Postings verweisen lässt? Im Normalfall findet sich immer ein Interface zwischen dem eigenen Social Media-Profil und dem der Veranstaltung. Am besten definiert man schon jetzt eine Suche zum Hashtag der Veranstaltung und abonniert sie als Stream. So bekommt man schon im Vorfeld mit, was sich auf der Konferenz tun wird.

Auf jeden Fall sollte man sich auch sein eigenes “Netzwerk” für die Veranstaltung vorbereiten: Anhand eines Blicks in die Teilnehmer- und Ausstellerliste lässt sich schnell herausfinden, welche Teilnehmer oder Vortragende auf Twitter, Facebook, Xing etc. aktiv sind. Mit diesen sollte man Kontakt aufnehmen und vielleicht sogar ein Treffen vereinbaren.

Umgekehrt weisen ein Tweet in die Runde, ein Posting auf G+ und Facebook oder ein Blogbeitrag die eigenen Follower darauf hin, dass man bei der Veranstaltung da sein wird. Einige werden sich sicherlich melden und ankündigen, dass sie selbst auf die Konferenz kommen. Andere regen die Postings vielleicht dazu an, die Teilnahme noch zu buchen. Oder zu schreiben, dass sie nicht kommen, sich aber über Live-Tweets freuen. Auf jeden Fall entsteht so Interaktion rund um den Event – und das macht ihn interessanter.

Idealerweise ist man sich schon vorab darüber im Klaren, welche Sessions man besuchen wird. Dann kann man die Hinweis-Tweets dafür schon im Vorfeld der Veranstaltung erstellen (z. B. während der Anreise). Das lässt auf der Konferenz mehr Raum für Pausengespräche und hält die Aufmerksamkeit während des Vortrags frei.

Auf der Konferenz

Die ideale Form eine Konferenz in Social Media zu begleiten ist für mich Twitter: schnell, interaktiv und mit (potentiell) großer Breitenwirkung. Live-Tweeting von Konferenzen ist ein beliebtes Format auf Twitter. Viele “Twitterati” schätzen die Gelegenheit, wenigstens aus der Ferne mit Infos von der Konferenz versorgt zu werden.

Eine Frage, die sich immer wieder stellt: Wie intensiv will man von der Konferenz berichten? Möchte man sich selbst noch aktiv als Teilnehmer engagieren, dann bleibt oft nicht für viel mehr Zeit als ein paar Tweets zu den besuchten Sessions und einigen Beobachtungen am Rande. Sieht man seine Rolle eher als Berichterstatter auf der Konferenz, dann sind die Handlungsmöglichkeiten natürlich weitaus größer. Ein Interview mit dem Keynote Sprecher? Kein Problem, wenn man es vorher vereinbart hat. Eine Bildstrecke auf Instagram rund um die Highlights der Tagung? Braucht Zeit, wenn man sie gut machen will. Eine Zusammenfassung des Konferenztags gleich abends im Blog? Nimmt die Möglichkeit, mit anderen Teilnehmern am “Sozialprogramm” teilzunehmen. Wie man seine Rolle auf der Konferenz also sieht, sollte man sich gut überlegen.

Auch ganz wichtig: Bilder von der Veranstaltung. In Zeiten des Smartphones eigentlich kein Problem; man darf nur nicht vergessen, sie zu machen. Neben den üblichen Impressionen finden sich oft auch witzige Beobachtungen am Rande. Wenn gar nichts läuft: Essen geht immer im Social Web. Im Zweifelsfall gibt ein Bild vom Mittagessen oder vom kalten Buffet manchmal mehr her als das hundertste Foto von Messebesuchern in Ausstellungsgängen.

Nicht vergessen sollte man, dass eine Konferenz immer auch eine gute Plattform ist, um die eigenen Social Media-Plattformen bekannter zu machen. Zeigen Sie Beispiele aus Ihrem Blog, geben Sie bei den Kontaktfolien Ihren Twitter-Namen und Facebook-Account an, versprechen Sie den Teilnehmern, dass sie die Folien auf Slideshare herunterladen können.

Nachbereitung

Nach der Konferenz ist vor der Konferenz. Hat Ihnen die Veranstaltung gefallen? Dann können Sie auf dem Heimweg den Ausrichtern ja einen kurzen Danke-Tweet schicken. Und den neugewonnenen Bekannten eine gute Heimreise wünschen.

Zu Hause angekommen sollte man prüfen, ob man sich mit allen neuen Kontakten auch vernetzt hat. Tipp: Viele Plattformen lassen bei Kontakten Metatags zu. Dann ist es sinnvoll, die Veranstaltung als einen der Metatags zu vergeben, damit man sich später daran erinnern kann, wo man diesen Kontakt kennen gelernt hat.

Jetzt ist auch der Zeitpunkt, um noch einmal ausführlich von der Konferenz zu berichten. Wie waren Ihre Eindrücke, was haben Sie gelernt, wen haben Sie getroffen? Direkt nach der Konferenz sind die Beobachtungen noch frisch, nach einer Woche ist das Bild oft schon verblasst.

Und auch dann gilt wieder: Nach der Konferenz ist vor der Konferenz. Denn die nächste Veranstaltung lässt sicher nicht lange auf sich warten.

Zu Guter Letzt: Wie ist das bei Ihnen? Nutzen Sie Social Media auf Konferenzen und was hat sich aus Ihrer Erfahrung bestätigt? Welche Plattformen sind gut geeignet, welche eher nicht? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare!

Mehr Handbuch als Praxis

Die Titelseite des Praxishandbuchs

Die Titelseite des Praxishandbuchs

In diesem Blog habe ich ja schon das eine oder andere Mal den Standpunkt vertreten, dass Technische Redakteure sich mehr mit Marketing und Werbung auseinandersetzen sollten. Da kam es mir ganz gelegen, dass der UVK Verlag uns das “Praxishandbuch Werbung” von Schweiger und Schrattenecker zur Rezension angeboten hat.

Angenehm überrascht haben mich zunächst einmal die (für ein Fachbuch) hochwertige Gestaltung und das ansprechende Titelmotiv. Ein Detail, zugegebenermaßen, aber es zeigt, dass das Buch sein Thema ernst nimmt und auf die Wirkung von Werbung vertraut.

Die beiden Autoren sind an der Wirtschaftsuni Wien tätig. Diesen österreichischen Hintergrund merkt man auch recht deutlich an der Auswahl des Anschauungsmaterials. Im Fokus stehen immer wieder österreichische Veranstaltungen und Unternehmen, die in Deutschland kaum bekannt sind (z. B. die Schuhmarke Humanic, Römerquelle etc.). Was im ersten Moment für Nicht-Österreicher wie ein Nachteil wirken mag, hat sich für mich jedoch tatsächlich als eine Stärke des Buchs erwiesen. Gerade die Markenfremdheit und das “Unabgenutzte” der Werbebeispiele demonstrieren die diskutierten Phänomene deutlicher als hundertmal gesehene Standardwerbung.

Lobenswert ist, dass die Autoren begleitend zum Buch auch eine Website anbieten, auf der sie ergänzendes Material und vor allem Beispiel-Videos hinterlegt haben. Für meinen Geschmack ist dieses Angebot allerdings bei weitem zu spartanisch und lieblos geraten. Hier hätte man die interaktiven Möglichkeiten des Internets noch deutlich besser ausreizen müssen.

Inhaltlich ist das Handbuch umfassend und detailreich: Es betrachtet Marketingplanung, -instrumente und -kommunikation, behandelt Werbeplanung und -controlling ebenso wie Grenzen der Werbung. Dabei spart es auch aktuelle Neuerungen (Social Media, Suchmaschinenoptimierung, Neuromarketing etc.) nicht aus. Es verfällt aber auch nicht in die derzeit grassierende Euphorie und räumt den modernen Werbeformen überproportional viel Raum ein.

Und damit komme ich auch schon zu meinem Hauptkritikpunkt an dem Buch. Als Hintergrundmaterial, als Lehrwerk ist das “Praxishandbuch Werbung” gut geeignet. Wer sich selbst in die Grundlagen des Marketings einarbeiten möchte, ist mit diesem Werk sicher gut beraten. Für Leute, die praktische Anleitungen suchen, für die konkrete Arbeit im Alltag, sprich als Praxishandbuch bietet das Werk aber schlicht zu wenig. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Schweiger und Schrattenecker zeigen weder, wie sich die theoretischen Ausführungen in die alltägliche Arbeit im Marketing übertragen lassen. Und sie bieten auch keine Möglichkeit, mit der sich die Inhalte des Buches selbst erarbeiten lassen (z. B. durch Übungsaufgaben, Recherche-Aufträge etc.).

Letzten Endes bleibt dadurch das Buch weit hinter dem Anspruch zurück, den der Titel erhebt. Eigentlich schade, denn als einführendes Grundlagenwerk ist es durchaus gut lesbar und auch für Neulinge im Marketing geeignet.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur: Schweiger, Günter; Gertraud Schrattenecker [2013]: Praxishandbuch Werbung. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz, München ISBN 978-3-86764-468-6

Bitte nicht! Bessere Alternativen zu Captchas

Bitte nicht Captchas

(c) doctima

Ihrem Anspruch nach sind Captchas für Menschen entschlüsselbar; SPAM-Bots müssen dagegen weinend aufgeben und gesenkten Hauptes von dannen ziehen. Soweit die Theorie.

Leider haben Captchas eine viel zu hohe false positive-Rate, d. h. zu viele echte Nutzer scheitern an ihnen, und damit sind Captchas für ihren Job schlicht ungeeignet. Außerdem besitzen sie ein enormes Frustrationspotenzial und sind nicht barrierefrei. Deshalb sind sie für eine professionelle Website nicht als lästig, sondern viel eher als geschäftsschädigend einzustufen.

Es geht ohne. Mit wenigen einfachen Maßnahmen bekommt man ähnliche Trefferquoten wie mit Captchas, allerdings ohne die Benutzer zu belästigen. Und das geht beispielsweisezwar so: Wir benötigen Kartoffelsalat, Honig und eine Uhr.

Kartoffelsalat

Bots lesen den Quelltext von Webseiten. Wenn ein Eingabefeld im HTML “E-Mail” heißt, dann schreiben sie eine E-Mail-Adresse hinein. Das kann man ausnutzen. Der normale Nutzer sieht diese Bezeichnungen nicht. Also nennen wir das E-Mail-Feld anders, z. B. “Schlangengurke”. Das Feld für den Nachnamen nennen wir “Kartoffelsalat” u. s. w.. Damit ist es für einen SPAM-Bot schon kaum noch lösbar, sinnvolle Werte in die richtigen Felder zu schreiben. Ob z. B. in ein E-Mail-Feld Freitext geschrieben wurde, lässt sich aber leicht per Skript prüfen. Unplausible Bot-Ergüsse werfen wir weg.

Honigtöpfe

Wir verstecken ein Eingabefeld per Stylesheet, sodass der normale Nutzer es weder sieht noch ausfüllen kann. Dieses Feld nennen wir aber im HTML-Quellcode “E-Mail”, und dort steht es, für den Bot gut sichtbar, zwischen dem Kartoffelsalat und der Schlangengurke. So etwas nennt man einen “Honigtopf“. Sobald der Bot das Feld ausfüllt, ist er entlarvt und wir schicken seine Eingaben ins digitale Nirwana.

Digitaluhren

Wie lange dauert es, ein Formular auszufüllen? Bis die ganzen Feldbezeichnungen gelesen und verstanden, die Eingabefelder eingetippt sind, brauchen menschliche Nutzer meist eine ganze Reihe von Sekunden, je nach Umfang des Formulars vielleicht auch Minuten. Einem Bot dauert das zu lange, der muss ja noch ein paar Zehntausend weitere Formulare ausfüllen vor dem Feierabend. Das nutzen wir aus. Wir gucken beim Aufruf der Seite auf die digitale Uhr und zählen. Wird ein mehrseitiges Formular innerhalb weniger Sekunden ausgefüllt und abgeschickt, dann können wir getrost davon ausgehen, dass wir es mit einem Bot zu tun haben und die Eingaben verwerfen.

Funktioniert das?

Wir betreiben das oben Beschriebene seit mehreren Jahren erfolgreich auf eigenen Sites und in Kundenprojekten. Dazu mussten wir die aufgeführten Konzepte nicht einmal selbst ausprogrammieren. Es gibt fertige Module, z. B. die typo3-Extension Spamshield oder das WordPress-Plugin Antispam Bee. Die haben noch ein paar weitere Tricks drauf, die man aber normalerweise nicht unbedingt braucht. Für andere CMS gibt es entsprechende Lösungen.

Fazit

Spiegel online rechnet vor, dass weltweit jeden Tag siebzehn Mannjahre dafür verschwendet werden, Captchas auf Internetseiten zu entschlüsseln. Das ist ziemlich heftig. Captchas sind kein notwendiges Übel. Sie sind übel, soweit korrekt, aber sie sind nicht notwendig. Sie sind, wie Matt Dunn es formuliert, “the Anti-User Experience“, und haben angesichts besserer Alternativen auf professionell erstellten Websites keinerlei Existenzberechtigung.

Nebenbei: Viele Bots lösen die Rätsel gängiger Captcha-Software genauso gut wie der normale Durchschnittsnutzer. Wenn das nicht ausreicht, kann man für ca. einen Dollar pro tausend gelöste Captchas einen menschlichen Knobler engagieren.

Nachhaltig dokumentiert?

Nachhaltige DokumentationHeute will ich mal ein paar Worte zu einem Punkt loswerden, der mir einerseits am Herzen liegt, den ich andererseits als einen blinden
Fleck in der Technischen Dokumentation wahrnehme: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als Aufgabe in der Technischen Dokumentation. Lange wurde das ja als ein Thema für irgendwelche “grüne Spinner” abgetan. Aber in den letzten Jahren haben auch Unternehmen gelernt (nicht zuletzt bedingt durch Skandale wie bei Shell, BP oder Siemens) , dass sie sich den damit verbundenen Fragen stellen müssen. Das Ergebnis zeigt sich in PR-Meldungen, in Geschäftsberichten, in Compliance-Handbüchern oder CSR-Guidelines und in der Werbung sowieso. Nur in der Technischen Dokumentation scheint das noch nicht angekommen zu sein. Woran liegt das? Hat die Dokumentation zu wenig Berührungspunkte mit dem Thema?

Dokumentation und Nachhaltigkeit

Ganz im Gegenteil. Nachhaltigkeit sollte in der Dokumentation sogar aus mehreren Blickwinkeln eine Rolle spielen. Ich will die hier einmal am Beispiel von Anleitungen (unserem Standard-Produkt) darstellen und ein paar Fragen anreißen, die man sich zu dem jeweiligen Aspekt stellen sollte.

  • Anleitungen sind Teil des Produkts:
    In wie weit sorgen wir in unseren Anleitungen dafür, dass unsere Produkte nachhaltig verwendet werden? Können wir durch verbesserte Usability ineffizienten Gebrauch verhindern? Reicht es wirklich aus, nur einen kurzen Entsorgungshinweis nach der RoHS-Richtlinie zu geben? Oder wäre es besser, genau über die Umweltschäden zu informieren, die durch unsachgemäße Entsorgung entstehen?
  • Anleitungen sind selbst Produkte:
    Spielen ökologische Gesichtspunkte eine Rolle bei der Auswahl der Medien, die wir produzieren? Sparen wir Energie und Rohstoffe mit einer Online-Anleitung oder verschwenden wir sie, weil die Nutzer ohnehin alles ausdrucken? Werden wir unserer sozialen Verantwortung gerecht bei der Zielgruppendefinition? Achten wir auf Barrierefreiheit in unseren Dokumenten?
  • Anleitungen entstehen in Prozessen:
    Wie energieaufwendig sind diese Prozesse? Lassen sich Recherchetermine vielleicht durch Telefonkonferenzen ersetzen? Wie energie-intensiv sind unsere Arbeitsstationen? Laufen die weiter, auch wenn wir uns gerade mal nicht am Arbeitsplatz befinden? Wo lässt eigentlich unser Übersetzer oder unser Software-Dienstleister arbeiten – in Deutschland, in der EU oder z. B. in Vietnam? Und wie sind die Arbeitsverhältnisse dort?

Ansatzpunkte für nachhaltige Dokumentation gibt es also genug. Doch ich wage zu bezweifeln, ob sich viele Technische Redaktionen systematisch mit dem Thema beschäftigen. Wie ist das bei Ihnen? Diskutieren Sie mit uns und schildern Sie uns Ihre Erfahrungen oder Ideen zu dem Thema.

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