Was tun mit dem Fachwort?

„Responder“, „conversion“ – manchmal sind Fachwörter ein Problem.

Fachwörter sind immer ein Thema, wenn es darum geht, wie man verständlich und prägnant schreibt. Kaum ein Ratgeber kommt ohne den Fachwort-Tipp aus. Doch mal ganz ehrlich: Wie macht man das denn, Fachwörter zu vermeiden?

Ist das denn nötig?

Bevor man sich aber daran macht, alle Fachwörter zu vermeiden, sollte man sich vielleicht erst einmal klar darüber werden, warum es Fachwörter überhaupt gibt bzw. was wir mit ihnen erreichen wollen. Fachwörter sind im Prinzip eine Art Abkürzung: Sie verdichten einen genau definierten Sachverhalt. Deshalb ist ein Fachwort auch immer die beste Lösung, wenn wir Texte für Fachleute schreiben. Denn Fachwörter sind: präzise und kurz, also genau das, was wir bei unseren Texten erreichen wollen.

Schwierig wird es erst dann, wenn unsere Leser keine Fachleute sind. Im ersten Moment denkt man sich vielleicht: „Das ist doch offensichtlich, ob sich ein Text an Fachleute richtet!“ Tatsächlich gibt es auch zwischen Fachleuten manchmal Missverständnisse. Zum Beispiel hat mir gegenüber einmal ein Sachbearbeiter in einer Kommune behauptet, alle seine Leser seien Fachleute, denn der Brief geht nur an Ärzte. Schade nur, dass seine Fachwörter aus dem Steuerrecht sind. Die Ärzte sind in diesem Fall also ebenso Laien wie beispielsweise ein Fabrikarbeiter. Denn genau wie wir alle Ausländer sind, fast überall; genauso sind wir auch alle Laien – bei fast jedem Thema.

Und wenn es nötig ist?

Für Fachleute ist Fachwortschatz also kein Problem; hier werden unsere Texte unverständlicher, wenn wir auf Fachwortschatz verzichten. Was tun aber, wenn wir für Laien schreiben? Sollten wir dann auf Fachwörter verzichten? Die Antwort lautet: Nein. Natürlich ist es sinnvoll genau zu überlegen, ob ein Fachwort für die Zielgruppe verständlich ist. Und natürlich ist nicht jedes Fachwort notwendig. Aber: Auf Fachworte sollten Sie immer dann nicht verzichten, wenn

  • Ihre Leser ein gemischtes Publikum aus Laien und Fachleuten sind oder
  • das Fachwort in Ihrem Text häufig auftauchen wird.

Denn wenn Sie in diesen Fällen auf Fachwörter verzichten, dann wird ihr Text nur unnötig lang und unpräzise. Worauf Sie andererseits immer verzichten können, ist Fachjargon.

Wie umgehen mit dem Fachwort?

Wenn nun Fachwörter in einem Laientext sinnvoll sind, wie geht man dann am besten damit um? „Erklären“ – schreiben viele Stilhandbücher lapidar. Aber wie? Zunächst einmal gilt: So kurz wie möglich. Wenn es ein besonders wichtiges Fachwort ist, bei dem es darauf ankommt, dass Laien auch Bedeutungs-Feinheiten verstehen, kann man sich zwar ruhig ein wenig mehr Raum für die Erklärung gönnen. Dann aber gerne mit Beispielen. Denn viele Leser lernen besser durch Beispiele als durch Erklärungen.

Eine wichtige Frage ist auch, wo man das Fachwort erklären sollte. Jedes Mal, wenn es erwähnt wird? Das wird schnell ermüdend. Nur bei der ersten Erwähnung? Problematisch wenn die Texte ­– wie zum Beispiel Gebrauchsanleitungen – nicht sukzessive von Anfang bis Ende gelesen werden, sondern die Leser mitten im Text einsteigen. Aus unserer Sicht ist deshalb die Masterlösung eine Kombination aus drei Elementen:

  1. Einem Glossar, das jeden Fachbegriff ausführlich erklärt. Hier kann man sich entweder schnell den Fachwortschatz des Textes insgesamt aneignen oder bedarfsweise nachsehen.
  2. Einer kurzen Erklärung, wenn das Fachwort zum ersten Mal erwähnt wird. Das zeigt Laien, worum es in etwa geht und lässt sie einschätzen, ob sie den Begriff verstehen.
  3. Einem kleinen Hinweis-Icon, mit dem jedes Fachwort bei jeder Erwähnung markiert wird. Es weist die Leser darauf hin, dass sie diesen Begriff im Glossar nachschlagen können. Dazu muss das Icon einerseits selbsterklärend sein, aber gleichzeitig unaufdringlich, damit es den Lesefluss nicht stört.

Klar, nicht in jedem Text lässt sich so ein ausgefeiltes System für Fachworte umsetzen. Aber bei längeren Sachtexten ist es das Mittel der Wahl, um Laien an den Text heranzuführen und Experten durch unnötige Erklärungen nicht über Gebühr zu strapazieren.

Wie erstellt man eine Checkliste? Tipps und Tricks

In meinem letzten Beitrag habe ich davon erzählt, wofür sich Checklisten in der Qualitätssicherung lohnen und welche Chancen aber auch Risiken sie bergen. Damit Sie vor allem die möglichen Risiken eingrenzen können, zeige ich Ihnen heute, was Sie beachten sollten, um eine gute Checkliste zu erstellen.

Vorbereitung: Bestimmen Sie die Rahmenbedingungen

Bevor Sie eine Checkliste für die Qualitätssicherung erstellen, müssen Sie sich einige Fragen beantworten. Dann fällt ihnen das Aufschreiben der Listenpunkte leichter und sie können die zu prüfenden Fakten besser eingrenzen. Folgende Fragen müssen Sie für sich beantworten:

1. Wofür möchte ich die Checkliste einsetzen? Was ist das Ziel?

Der Begriff „Qualitätssicherung“ ist zwar eine erste Begrenzung – aber wirklich aussagekräftig ist das nicht, oder? Da fallen Ihnen sicher viele Sachen ein, die man mal qualitätssichern könnte… Überlegen Sie sich also vorher und möglichst nach der SMART-Methode, was das Ziel der Checkliste sein soll. Eine Variante ist, sich für die Produktqualität zu entscheiden, die ich ja im letzten Beitrag schon erläutert habe. Dann überlegen Sie weiter und brechen die Produktqualität herunter auf die einzelnen Merkmale, die die Qualität für den Kunden letztendlich ausmachen. Manchmal sind das ganz profane Dinge wie die richtige Schriftart zu verwenden oder die richtigen Bezeichnungen. Denn die sind oft so offensichtlich, dass man sie im Stress leicht übersehen kann. Umso besser, wenn man dann noch mal drüber schaut.

2. Für wen ist die Checkliste?

Ganz wichtig: Wer arbeitet mit der Checkliste? Orientieren Sie sich an Ihrer Zielgruppe. Vielleicht sind Sie sogar selbst Ihre Zielgruppe? Legen Sie auch fest, ob die Checkliste nur intern verbleiben soll oder ebenso an den Kunden geht. Auch davon hängt ab, wie Sie die Checkliste aufbauen und formulieren. Ein weiterer Aspekt: Ein eingearbeiteter Kollege wird mit kurzen, knappen Formulierungen leichter zurechtkommen als ein neuer Mitarbeiter.

3. In welcher Form soll die Checkliste bereitstehen?

Die Checkliste soll ja vor allem die Qualitätsmerkmale prüfen und diese sichern. Sie sollte aber auch so beschaffen und zugänglich sein, dass sie die Arbeitsprozesse der jeweiligen Anwender nicht behindert. Sonst wird sie berechtigterweise leicht als Ballast empfunden und verliert an Akzeptanz. Und dann haben Sie und die Qualität des Produkts oder des Prozesses leider nicht viel von der Checkliste. Mögliche Medien für Checklisten sind Microsoft Excel und Word, OneNote, PDF, händisch auf einem Blatt Papier usw. Bedenken Sie auch, ob die Checkliste als digitale Variante ausreicht oder ausgedruckt vorliegen sollte. Ebenfalls wichtig: Wer darf die Checkliste anpassen? Wenn das nicht alle dürfen, greifen Sie auf eine PDF-Variante zurück, deren Ursprungsdatei nur die autorisierte Person ändern darf.

Durchführung: Erstellen Sie die Checkliste

Wenn Sie diese drei Fragen für sich beantwortet haben und jetzt Ziel, Zielgruppe und Kontext kennen, geht es an die Gliederung der Liste und die Formulierung der Listenpunkte.

Nutzen Sie das Wissen und das Können Ihrer Mitarbeiter und Kollegen

Wenn Sie die Checklistenpunkte formulieren, arbeiten Sie dabei eng mit denjenigen zusammen, die die Checkliste verwenden. Nur so können Sie gut dafür sorgen, dass die Formulierungen auch in der konkreten Situation verstanden werden. Gehen Sie gemeinsam durch, welche QS-Tätigkeiten anfallen und in welcher Reihenfolge sie durchgegangen werden. Zerlegen Sie die Tätigkeiten in möglichst einfache Teilaufgaben. Ein Beispiel dazu: Bei der QS eines Dokuments fängt man am besten beim Layout auf der höchsten Ebene an und arbeitet sich dann in die Details vor: Wurde die vorgesehene Gliederungsstruktur eingehalten? Sind die Überschriften korrekt formatiert? Wurden Elemente korrekt ausgezeichnet?

Ob die Listenpunkte so kurz wie möglich formuliert werden oder kurze Hintergrundinformationen enthalten, hängt stark vom Ziel und der Zielgruppe der Checkliste ab. Einem erfahrenen Mitarbeiter reicht ein Checklistenpunkt wie „Einhaltung der Formatvorlagen“. Für einen unerfahrenen Kollegen müssen die spezifischen Formatvorlagen vermutlich mitgegeben werden.

Lassen Sie die Checkliste leben

Ein Tipp zum Schluss, der über das Erstellen hinausgeht: Kommunizieren Sie an Ihre Mitarbeiter, dass es die Checkliste nun gibt und sie gültig ist. Und sorgen Sie dafür, dass die Checkliste gültig bleibt, indem Sie sie pflegen und Feedback einholen. Denn mit einer funktionierenden Checkliste pflegen Sie letztlich auch die Qualität.

KPIs für Technische Redaktionen – FAQ

Henne oder Ei – auch bei Kennzahlen in der Technischen Redaktion

Vor zwei bzw. drei Wochen haben wir uns mit Kennzahlen in der Technischen Dokumentation beschäftigt. Heute möchte ich in einem kurzen Post noch auf ein paar Fragen eingehen, die in dem Zusammenhang immer wieder auftauchen.

Woher bekomme ich denn die Kennzahlen?

Pauschal lässt sich das leider nicht beantworten. Aber vielleicht hilft ein wenig Systematik, damit Sie Ihre Zahlenlieferanten identifzieren können. Grundsätzlich können Sie an drei Messpunkten ansetzen:

  1. Der Content: z. B. Dokumentzahl, Umfang, unterstützte Medien etc.
  2. Der Prozess: z. B. Bearbeitungsdauer pro Dokument, Fertigstellungszeiten, Übersetzungskosten etc.
  3. Der Nutzer: z. B. Seitenaufrufe, Supportanfragen zu undokumentierten Themen, Zufriedenheitsanalysen etc.

Je nach Ihren Zielen werden Sie natürlich andere Kennzahlen erheben. Und vielleicht werden Sie auch feststellen, dass bisher keine Kennzahlen dazu existieren.

Womit soll man Kennzahlen vergleichen?

Das ist eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme und die dem Henne-Ei-Problem ähnelt: „Womit soll ich meine Kennzahlen vergleichen, wenn es bisher keine Daten gibt?“ Die Antwort ist einfach: Mit der Zukunft. Wichtig ist, dass Sie wissen, welche Ziele Sie haben und welche Daten Sie zur Zielkontrolle erfassen wollen. Wenn Sie bisher keine (qualitätiv ausreichenden) Daten dazu vorliegen haben, dann fangen Sie halt jetzt mit der Erhebung an. Schon nächstes Monat können Sie Ihre Daten mit dem Vormonat vergleichen.

Geht das nicht auch automatisch?

Natürlich geht das automatisch. Und je stärker Ihre Arbeitsprozesse digitalisiert sind, desto einfacher ist es, Kennzahlen zu erheben. Wenn Sie filebasiert Anleitungen erstellen können Sie (bei konsistenter Benennung) z. B. mit einem Skript nach verschiedenen Dokumentarten suchen. Bei webbasierter Dokumentation können Sie z. B. Seitenaufrufe erfassen. Am einfachsten haben Sie es, wenn Sie ein Redaktions-CMS verwenden und dessen Auswertungsfunktionen nutzen.

Woher soll ich denn dafür noch die Zeit nehmen?

Mal andersherum gefragt: Haben Sie denn die Zeit, ohne Kennzahlen zu arbeiten? Letzten Endes bedeutet der Verzicht auf Kennzahlen, im Blindflug nach Gefühl zu steuern. Das kann gutgehen. Aber auch im besten Fall bedeutet das, zusätzliche Aufwände und Reibungsverluste. Zeit, die Sie schlicht und einfach nicht haben. Durch Kennzahlen werden Sie effizienter. Und falls das auf Sie nicht zutrifft, dann arbeiten Sie vermutlich mit den falschen Kennzahlen.

Wer soll denn die KPI erfassen?

Im Prinzip kann die Kennzahlen – wenn sie denn einmal definiert sind – jeder erheben, der Zugriff auf die Systeme hat, also auch eine Praktikantin oder ein Azubi. Wichtiger ist, die Zahlen strukturiert auszuwerten und dafür zu sorgen, dass die richtigen Leute diese Ergebnisse bekommen. Denn die Ergebnisse der Auswertungen sind ein Steuerungsinstrument, das die Führungsebene für ihre Entscheidungen braucht.

Haben Sie weitere Fragen zu Kennzahlen und KPIs? Dann schreiben Sie sie doch in unsere Kommentare. Wir antworten Ihnen gerne.

 

Stellenanzeigen für die Imagepflege des Unternehmens

Trotz Social Media und zahlreichen Kontaktmessen für verschiedene Branchen ist die Stellenanzeige immer noch das zentrale Instrument, um neue Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen. Das heutige Fachbuch befasst sich mit Stellenanzeigen im Zusammenspiel mit verschiedenen Unternehmensbereichen und Forschungsgebieten. In verschiedenen Fachartikeln geht es darum, wie Stellenanzeigen für Unternehmen zur Bildung einer Arbeitgebermarke genutzt werden können – ein wesentliches Thema auch für Unternehmen der Technischen Redaktion, deren Bewerber sehr oft mit heterogenen Hintergründen aufwarten.

Worum geht es?

Der Band „Stellenanzeigen als Instrument des Employer Branding in Europa“ sammelt Studien, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven damit beschäftigen, wie Stellenanzeigen für die Entwicklung eines Unternehmens als attraktive Marke genutzt werden können. In elf Studien und einem Interview wird unter anderem aus dem Blickwinkel des Marketings und der Werbung, aus der Textgestaltung und den Rechtswissenschaften auf Stellenausschreibungen geschaut.

In einer Studie geht es zum Beispiel darum, wie sich das Design der Textsorte Stellenanzeigen auf die Gewinnung von Bewerbern auswirkt. In einer anderen wird gezeigt, wie in Stellenanzeigen Markenbildungsstrategien eingesetzt werden können. Interessant ist aus textlinguistischer Sicht auch der Beitrag von Karin Luttermann, der den Aufbau und die Rolle der einzelnen Textbausteine einer Stellenanzeige untersucht und wie sie als Werbemittel für das Unternehmen verwendet werden können.

Der Großteil der Beiträge basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen von Textsammlungen. Eine auflockernde Abwechslung ist das einzige darin enthaltene Interview: Eine der Herausgeber, Karin Luttermann, bespricht sich dort mit unserem Kollegen Markus Nickl zum Thema Stellenanzeigen bei doctima. Wer also wissen möchte, wie der Bewerberprozess bei doctima abläuft und welche Rolle Social Media und Stellenanzeigen spielen, sollte diesen Beitrag lesen.

Für wen ist das Buch zu empfehlen?

Da Stellenanzeigen immer noch das klassische Mittel für die Mitarbeiterfindung sind, sollte ihr Wert als markenbildendes Mittel für das Unternehmen nicht unterschätzt werden. Ein Beispiel: Ist das Unternehmen dem möglichen Bewerber nicht bekannt, gewinnt er über die Anzeige einen ersten Eindruck. Und der ist ja bekanntlich nicht zu unterschätzen. Kann der Bewerber nicht klar erkennen, worum es bei der Stelle geht oder was das Unternehmen ihm zu bieten hat, kann ein qualifizierter Bewerber schon verloren gehen.
Der Band bzw. einzelne Studien des Bands sind also für diejenigen interessant, die über Stellenanzeigen das Image des Unternehmens mitgestalten möchten. Abhängig von der Ausrichtung des Unternehmens, aber sicher auch der angesprochenen Zielgruppe der Stellenanzeige kann man in diesem Band durchaus interessante Forschungsergebnisse finden, die sich für die eigene Anzeige nutzen lassen. Oder über die man zumindest einmal nachdenken könnte – denn auch für Unternehmen der Technischen Kommunikation gilt der immer stärker werdende Wettbewerb um gut ausgebildete Arbeitskräfte.

Fazit

Dass eine sauber strukturierte und verständlich formulierte Stellenanzeige einen besseren Eindruck hinterlässt und so zielgenauer wirkt, dürfte klar sein. Welche Aspekte dabei eine besondere Rolle spielen, lässt sich tiefergehend anhand der Studien im Band nachsehen. Und dass man auch über eine Stellenanzeige die erste Beziehung zum neuen Mitarbeiter herstellt – der für das Unternehmen genauso wichtig ist wie das Unternehmen für den Mitarbeiter – ist ein weiteres Argument, eine Stellenbeschreibung auch konzeptionell anzugehen. Gleichzeitig stellen die dargestellten Studien natürlich Ausschnitte von klar abgegrenzten Analysen dar, sie bilden also nur einen Teil der Wahrheit ab. Der Wert der Erkenntnisse muss für das eigene Vorgehen selbst bemessen werden. Aber sie sind ein Fundus wissenschaftlicher Argumente für die Gestaltung einer Stellenbeschreibung.

Literatur:  Nielsen, Martin; Magdalène Lévy-Tödter, Karin Luttermann [Hrsg. 2017]: Stellenanzeigen als Instrument des Employer Branding in Europa. Interdisziplinäre und kontrastive Perspektiven. Reihe Europäische Kulturen in der Wirtschaftskommunikation. Bd. 23. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 978-3-658-12718-3.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Wie controllt man Dokumentation?

Raus aus dem roten Bereich – Kennzahlen für die Technische Redaktion

Wissen Sie, wie erfolgreich Ihre Dokumentation ist? Vermutlich nicht, wenn es Ihnen so geht, wie dem Großteil der Technischen Redaktionen in Deutschland. Denn nur wenige verfügen über ein Kennzahlensystem, mit dem sie den Erfolg ihrer Abteilung messen können. Ich möchte mir deshalb heute einmal ansehen, wie ein Kommunikationscontrolling für Technische Redaktionen aussehen muss. Und in einem der nächsten Blogposts zeige ich dann, wie man mit Kennzahlen im Redaktionsalltag umgeht.

Warum das Ganze?

Ganz zu Beginn will ich aber die Sinnfrage stellen. Haben wir nicht schon sowieso genug zu tun? Warum jetzt also auch Kennzahlen? Meine Antwort: „Sie haben gar nicht die Zeit, keine Kennzahlen zu erheben.“

Denn nur mit den geeigneten Kennzahlen lässt sich eine Redaktion auch zielgerichtet steuern. Ohne einen objektiven (und damit messbaren) Blick auf die Fakten bleiben alle Bemühungen um Verbesserung unfokussiert. Man erkennt weder, ob man auf dem richtigen Weg ist, noch wann man sein Ziel soweit erreicht hat, dass man in den Bereich der sinkenden Grenzwerterträge gerät (sprich der Aufwand die Verbesserungen nicht mehr rechtfertigt).

Am wichtigsten ist aber folgender Aspekt beim Kommunikationscontrolling: Mit den geeigneten Kennzahlen werden Sie sprachfähig gegenüber anderen Abteilungen und dem Management, z. B. indem Sie den Return on Investment (ROI) plausibel machen. Wenn Sie Ihre Ziele mit Kosten und Nutzen messbar unterlegen können, fällt es Ihnen sehr viel einfacher, auch andere zu überzeugen. Erst durch Kommunikationscontrolling wird für das Management nämlich aus dem „Wunsch“ nach einem CMS eine Maßnahme, die sich nach Heller und Pfenning rechnet und die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen dauerhaften Nutzen entfaltet.

Erst die Strategie, dann die KPI

Schlimmer als keine Kennzahlen sind irrelevante Kennzahlen. Denn ohne Kennzahlen kann man nicht planen; mit irrelevanten Kennzahlen aber auch nicht – und sie verursachen zusätzlich noch Aufwand. Also: einfach mal zu erheben, wieviel A4-Seiten Dokumentation man pro Jahr produziert, hilft niemandem weiter.

Wichtig ist deshalb, dass man seine Kennzahlen strategisch ausrichtet. Welche Ziele verfolgen wir als Gesamtunternehmen? Welche Ziele verfolgen wir als Abteilung? Wo stehen wir heute, wo wollen wir hin? Und woran erkennen wir, dass wir dorthin gekommen sind? Wie lässt sich das messen?

Kennzahlen (sogenannte Key Performance Indicator – KPI) sollten Eigenschaften mitbringen, die sich an der S.M.A.R.T.-Formel orientieren:

  • spezific: genau und konkret sein
    Nicht: „Wir wollen die Relevanz steigern.“
    Sondern: „Wir möchten die Quote der Supportanfragen senken, auf die es keine Antwort in der Dokumentation gibt.“
  • measurable: messbar, in Zahlen fassbar
    Nicht: „Kostenreduktion erzielen.“
    Sondern: „Unsere Übersetzungskosten auf 5000 € pro Anleitungsversion senken.“
  • achievable: erreichbar, für die Projektbeteiligten akzeptabel
    Nicht: „Senkung der Personalkosten in der Abteilung um 75 %.“
    Sondern: „Abbau der regelmäßig anfallenden Überstunden“
  • relevant: realistisch und zu den Zielen passend
    Nicht: „Wir wollen schönere Anleitungen verfassen.“
    Sondern: „Das Userfeedback zu unseren Anleitungen soll sich verbessern.“
  • timely: zeitbezogen, mit spezifischen Terminen
    Nicht: „Wir wollen unsere Kosten reduzieren.“
    Sondern: „Wir wollen unsere Kosten bis zum 31.12.2018 pro Quartal um 3 % senken.“

KPI, die diesen Kriterien gerecht werden, sind dann auch wirklich kein Selbstzweck, sondern ein mächtiges Werkzeug, mit dem Sie Ihre Redaktion strategisch ausrichten können. Kurzfristig bedeutet das natürlich Aufwand für die Zielfindung, für die Definition der Kennzahlensätze und für den Aufbau eines Auswertungssystems. Mittelfristig gewinnt Ihre Abteilung dadurch aber massiv an Schlagkraft. Doch bevor es soweit ist, wollen wir uns im nächsten Blogpost einmal ansehen, wie man Kennzahlen in seiner Redaktion am besten einführt.

Schwere Kost – doch nahrhaft

Schwere Kost im ganz wörtlichen Sinn ist das Buch, das ich dieses Mal besprechen möchte. Mit 1030 Seiten bringt „Fachkommunikation im Fokus – Paradigmen, Positionen, Perspektiven“ immerhin fast eineinhalb Kilo auf die Waage. Nun ist schwere Kost an sich nicht schlecht und oft ja auch nahrhaft. Bleibt also die Frage zu klären, ob das auch bei diesem Buch so ist.

Was soll das?

Das Buch versammelt Aufsätze von über dreißig Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen rund um das Thema Fachkommunikation. Als Laie mag ein solches Buch vielleicht befremden; Meine Kollegen haben mich jedenfalls ungläubig gefragt, ob ich das wirklich rezensieren will. Aber ja, das wollte ich und zwar aus mehreren – teilweise persönlichen – Gründen:

  • Fachkommunikation ist ein Thema, das mich seit langem beschäftigt und selten bekommt man ein derart breites Spektrum an einer Stelle geboten.
  • Das Buch ist ein Vertreter einer akademischen Textsorte, die leider und zu Unrecht langsam ausstirbt, nämlich eine Festschrift. In diesem Fall zum 60. Geburtstag von Klaus-Dieter Baumann, einem der herausragenden Experten in der deutschen Fachsprachenforschung.
  • „Fachkommunikation im Fokus“ ist Band 100 in der Reihe FFF /Forum für Fachsprachen-Forschung“, in der vor fast zwanzig Jahren auch meiner Dissertation erschienen ist.

Für mich also Gründe genug, um mir das Buch einmal näher anzusehen.

Was bietet es?

Das Buch versammelt Aufsätze zur Fachkommunikation mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten, zu verschiedenen Einzelsprachen und mit diversen methodischen Zugängen. Ein Schwerpunkt liegt in Arbeiten aus sprachvergleichender Sicht und aus der Übersetzungswissenschaft.

Die Themen sind zwar wissenschaftlich anspruchsvoll, im allgemeinen aber für Laien durchaus lesbar. Beispielhaft herausheben möchte ich hier einen Aufsatz von Kerstin Petermann (Leipzig), in der sie die Rolle des journalistischen Interviewers aus Sicht der Fachkommunikation untersucht und so die widersprüchlichen Anforderungen an den Interviewer als Fragenden und als Vertreter des Publikums herausarbeitet. Sie modelliert Interviews als Form des Wissenstransfers und belegt dieses anhand eines Korpus. Diese Modellierung hat durchaus praktische Konsequenzen, z. B. widerspricht  sie  der verbreiteten Forderung nach einem „Gespräch auf Augenhöhe“, da in Interviews als Wissenstransfer automatisch eine asymmetrische Situation (Experte/Laie) angelegt ist.

Auch als Praktiker lassen sich dem Buch also neue Denkanstöße abgewinnen. Dennoch ist diese Stärke des Buchs – die thematische, einzelsprachliche und methodische Vielfalt – aus Sicht des fachlich interessierten Laien aber auch das größte Manko des Buches. Wer sich das Themenfeld Fachkommunikation neu erschließen möchte, wird von der Vielfalt der Perspektiven und Forschungsansätze vermutlich überfordert werden. Man sollte schon über eine solide Grundlage in der (linguistischen) Fachsprachenforschung verfügen, um das Buch sinnvoll nutzen zu können.

Wer sollte es lesen?

„Fachsprachen im Fokus“ ist sicher nichts für Praktiker, die einfach nur eine schnelle und effiziente Lösung ihrer Alltagsprobleme suchen. Auch Einsteiger in das Gebiet der Fachsprachenforschung werden mit dem Band wohl eher überfordert sein. Für Leute wie mich, die sich gerne einmal mit den wissenschaftlichen Grundlagen Ihres Fachs beschäftigen und sich über den aktuellen Stand der Diskussion informieren möchten, ist dieses Buch ein echtes Geschenk – ein Geschenk, das mich sicher noch öfter beschäftigen wird.

Literatur:  Kalverkämper, Hartwig [Hrsg. 2016]: Fachkommunikation im Fokus. Paradigmen, Positionen, Perspektiven, Reihe FFF – Forum für Fachsprachen-Forschung, Bd. 100, Verlag Frank und Timme, Berlin. ISBN 978-3-7329-0214-9 .

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Usability und Technische Dokumentation – aus einem Guss

Das Buch, das ich mir heute vorgenommen habe, füllt – zumindest dem Anspruch nach – eine Lücke, die ich seit Längerem beklage: Technische Dokumentation und Produkt gleichermaßen aus dem Blickwinkel der Usability zu betrachten. Die Autorin Getrud Gründwied ist Professorin für Technische Dokumentation und Usability an der Hochschule München. Sie weiß also, wovon sie schreibt. Aber: Ist das Buch auch für Praktiker verwendbar?

Inhalt

Grünwieds Buch ist als Handbuch angelegt. Es verspricht damit Entwicklern, IT-Spezialisten und Technischen Redakteuren einen strukturierten Einstieg in das weite Themenfeld der Usability. Und ich muss sagen das gelingt auch voll und ganz. Ausgangspunkt ihrer Einführung ist für Grünwied der zunehmende Trend zur Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen. Im ersten Moment erschien mir das ein wenig weit hergeholt und mich beschlich eine leichte Ahnung von Buzzword-Dropping. Schließlich ist Usability in der  Dokumentation schon seit den Achtzigern ein Thema. Aber Grünwied legt anschaulich und plausibel nahe, wie Usability unter den Bedingungen der Digitalisierung zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor wird, der sich weder bei Produkten noch bei der Produktkommunikation noch länger ignorieren lässt.

Die weiteren Informationen baut Grünwied dann didaktisch sinnvoll auf. Nach einem Grundlagen-Kapitel, das die verschiedenen Aspekte der Usability darstellt, zeigt sie die verschiedenen Prozessmodelle, in denen heute Produkte, Software und Technische Dokumentation entwickelt werden. Besonders wichtig war mir das darauffolgende Kapitel zu Nutzer- und Nutzungsforschung. Ich beschäftige mich seit langem damit und kann sagen, dass ich dieses Thema selten so strukturiert dargestellt gesehen habe. Nach einem kurzen Kapitel zur Gestaltung (bzw. zu Methoden um eine nutzbare Gestaltung zu finden) geht sie schließlich auf die Evaluation der Usability ein.

In diesen drei Kernkapiteln schildert Grünwied anschaulich und doch dicht eine Vielzahl von Methoden aus dem Usability-Bereich. Hier bestünde allerdings die Gefahr, dass die Materie in theoretischen Erklärungen stecken bleibt. Deshalb ist es nur konsequent, dass die Autorin das Buch mit zwei Praxiskapiteln abschließt: Kapitel 8 beschäftigt sich mit dem Anwenden der Methoden und Kapitel 9 zeigt drei ausführliche Fallstudien.

Präsentation

Insgesamt ist das Buch ansprechend gestaltet mit einem klaren Druckbild und einer haptisch gefälligen Papierqualität. Grafiken, Tabellen, Text-Inserts mit Hintergrundinformationen lockern das Schriftbild des Handbuchs auf. Die Informationen sind dadurch in kleine überschaubare Einheiten gegliedert und lassen sich leicht erfassen. Zur Verständlichkeit tragen auch sogenannte „Checklisten“ bei. Dahinter verbergen sich aber keine Checklisten im eigentlichen Sinn, sondern Kurzzusammenfassungen in Listenform. Hilfreich, aber eigentlich hatte ich mir etwas Anderes erwartet von den Checklisten, die auf dem Buchcover versprochen wurden.

Ähnlich geht es mir mit dem weiterführenden Material. Mit Endnoten (ist das nicht ein wenig „Old-School“?), einem umfangreichen Softwareverzeichnis und einem kurzen, thematisch geordneten Literaturverzeichnis findet der Leser eigentlich ausreichend Anknüpfungspunkte zur Vertiefung. Aber wieso gibt es keine Hinweise auf Webressourcen? Empfehlenswerte Usability-Blogs gibt es zuhauf, genau wie Youtube-Channels und Twitteraccounts von Usability-Experten. Und weil wir schon beim Thema Webressourcen sind: Warum gibt es keine ergänzende Website, in der man sich interaktive Beispiele herunterladen kann und  die über eine Linksammlung bequem zu Webressourcen führt? Bei all diesen Punkten nimmt das Buch seinen Anspruch, Digitalisierung voranzutreiben, nicht ernst genug. In einer nächsten Auflage sollte der Verlag hier auf jeden Fall nachbessern.

Fazit

Grünwieds Buch hält definitiv, was es verspricht. Es schafft den Spagat sowohl Entwicklern als auch Technischen Redakteuren einen Einstieg in das mittlerweile ziemlich unübersichtliche Thema Usability zu geben. Zwar hätte man bei dem Buchkonzept – insbesondere bei diesem Thema – einer modernen, digitalen Zielgruppe in ihren Rezeptionsgewohnheiten noch mehr entgegenkommen können. Dem Gesamteindruck tut das aber keinen wesentlichen Abbruch – eindeutige Lese-Empfehlung für alle Neulinge im Themenfeld Usability.

Literatur:  Grünwied, Gertrud [2017]: Usability von Produkten und Anleitungen im digitalen Zeitalter. Handbuch für Entwickler, IT-Spezialisten und technische Redakteure. Mit Checklisten und Fallstudien. Publicis Verlag, Erlangen. ISBN 978-3-89578-464-4.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Durch Schreiben denken lernen

Auf meinem Schreibtisch liegt ein weiterer Band der UTB-Reihe „Kompetent lehren“ mit dem Titel „Schreibdenken“. Auf den ersten Blick erschließt sich mir nicht sofort, was damit gemeint ist. Denke ich nicht immer beim Schreiben? Versuche ich nicht immer, mir den passenden Stil und Inhalt zurechtzudenken? Doch genau das soll hier nicht gemeint sein. Vielmehr geht es darum, beim Schreiben weiterzudenken, um im Anschluss die Quintessenz der Gedanken herauszufiltern. Nach einem Selbsttest kann ich sagen: Klingt erstmal schwierig, ist es aber nicht! Hat man sich einmal darauf eingelassen, lässt sich ein kreativer Schub wahrnehmen. Ein Blick ins Buch erklärt uns auch, warum: Schreibdenken integriert beide Hirnhälften und das steigert unsere Denkleistung. Gar nicht mal so schlecht! Und dann – auf der Höhe unserer Denkleistung – fällt es natürlich umso leichter, das Wesentliche herauszufiltern.

Dank 20-jähriger Schreiberfahrung – sowohl als Autorin als auch Unterstützerin anderer Autorin – schafft Ulrike Scheuermann es, ihr Konzept verständlich rüberzubringen. Dabei kritisiert sie auch die derzeitige Schreibsituation in Deutschland allgemein und an Hochschulen. Man kann ihr nur zustimmen, wenn sie meint, dass bei uns vorrangig die Meinung herrscht, dass man „schreiben entweder kann – oder eben nicht“. Dabei können doch ein paar kleine Übungen täglich aus jedem von uns einen besseren Schreiber machen. Und diesen Ansatz verfolgt das vorliegende Buch durchgängig. Dabei schafft sie es, trotz Nennung klassischer Techniken eine Verbindung zum Selbstcoaching und der Psychologie herzustellen. In der Übung „Das innere Gespräch“ ist man dazu angehalten, mit zwei Facetten seiner selbst in Dialog zu treten: Wenn der „Mäkelige“ nichts mehr zu meckern hat und die „Gerneschreiberin“ kurz innehält, dann ist das Ziel erreicht: Man hat sich mit sich selbst auseinandergesetzt und kann mit frischen Ideen starten.

Es wird sogar philosophisch

Doch was bietet das Buch inhaltlich? Neben grundlegenden Informationen über das Schreibdenken wird auch eine Beziehung zu anderen Konzepten, wie z. B. Voice oder Flow hergestellt. Auch zeigt es auf, wie sich Schreibblockade und andere (Schreib-)Probleme lösen lassen. Besonders positiv fallen dabei die Schilderung des prototypischen Schreibprozesses und die Auflistung der Schreibtypen auf. Hat man erstmal festgestellt, ob man eher der „Drauflosschreiber“, „Versionenschreiber“, „Patchwork-Schreiber“ oder „Planer ist“ – mit allen Vor- und Nachteilen – fällt es viel leichter, sich auf das Schreiben einzulassen. Und auch Intro- und Extravertierte werden eingebunden. Letztere – eher als Schreibmuffel bekannt – werden dazu angehalten, Möglichkeiten zu suchen, über das Geschriebene zu sprechen. Ein weiterer großer Pluspunkt sind die vielen praktischen Übungen. Dabei wird vor allem auf Kürze udn Prägnanz wert gelegt. Längere Übungen (bis zu 30 Minuten) sind als Gruppenübungen angelegt. Das lässt den Arbeitsaufwand abschätzen und demotiviert nicht gleich vorab. Auch werden die Übungen in bestimmte Kontexte gesetzt. Welche Übung hilft z. B. wenn ich mich fokussieren will? Am Ende wird es sogar noch philosophisch: Schreibdenken lässt sich nämlich auch für das Selbstcoaching im Alltag anwenden. Und wie findet man am besten heraus, was man in den letzten 7 Monaten seines Lebens tun würde, als einfach mal draufloszuschreibdenken?

Fazit

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die einfaches Rezeptwissen in kurzweiliger Darstellung suchen. Viele Tipps helfen Ihnen sicherlich aus dem Schreibloch und zeigen neue Wege, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Um tiefer in die Materie einzutauchen, eignet sich das Buch nicht – den Anspruch erhebt es aber auch nicht. Wer eine Abhandlung zum Thema Schreibdenken erwartet, wird sicher enttäuscht. Vielmehr nennt das Buch sein Konzept, geht dabei aber auch immer wieder auf andere Bereiche bis hin zum Selbstcoaching und privaten Schreiben ein. Genau darin liegt aber die Stärke des Buches: Es ist eine generelle Schreibhilfe.

Literatur:  Scheuermann, Ulrike [2016; 3. Aufl.]: Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. Verlag Barbara Budrich, Opladen und Toronto. ISBN 978-3-8252-4717-1.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

OneNote als Leitsystem für das Projekt-Management

Entspannt Projekte managen mit OneNote

Von Haus aus ist Microsoft OneNote ja eigentlich „nur“ eine Notizbuch-Software. Allerdings mit dem Potenzial zu sehr viel mehr. Wie wir hier im doctima-Blog schon mehrfach berichtet haben, lässt sich OneNote zu einer intelligenten Projektmanagement-Plattform ausbauen. In der doctima-Redaktion arbeiten wir als Team schon einige Jahre auf dieser Basis. In diesem Post möchte ich noch einmal zusammenfassen, was man tun muss, um dieses Mehr zu erreichen – und was für uns noch heute den Reiz dieser Lösung ausmacht.

Antwort auf zwei zentrale Fragen

Die Grundlage dafür, dass es mit OneNote als Projektmanagement-Plattform klappen kann, liegt in zwei einfachen Fragen. Fragen, die im Grunde für jede Systemeinführung gelten. Was möchte ich mit einer Lösung erreichen? Und wer soll damit arbeiten? Die Frage also nach der Funktion und den Zielgruppen.

Unser Glück war, dass wir diese Fragen bei unserem Start mit OneNote recht gut beantworten konnten. Wir brauchten eine Plattform, die uns bei der inhaltlichen Steuerung der täglichen Projektarbeit unterstützt. Und zwar für ein Team aus bis zu zehn Beteiligten, die allesamt professionell in der Technischen Redaktion unterwegs sind.

Damit war eine klare Grenze gesetzt zu Systemen, die vor allem planerische Aufgaben fokussieren oder auf Verwaltung und Controlling von Budgets spezialisiert sind wie beispielsweise Microsoft Project oder auf Projektmanagement spezialisierte Ticketsysteme wie redmine. Wir haben solche Systeme durchaus im Einsatz, aber als „Hilfssysteme“ und nicht als „Leitsystem“.

OneNote hat sich nach einigen Tests schnell als ein solches „Leitsystem“ angeboten, das unsere naturgemäß stark redaktionell und content-orientierten Bedürfnisse wirksam unterstützt.

Aufgeräumte Informationsstrukturen

A und O eines funktionierenden Datenbestandes sind passgenaue Informationsstrukturen. Strukturen, die über eine längere Zeit halten und in denen sich auch Neueinsteiger – nach einem initialen Briefing – sicher bewegen und zurechtfinden. Im Falle von OneNote betrifft das Thema Informationsstrukturen vor allem die folgenden drei Bereiche:

Die Grobaufteilung der Daten. Liegt alles, was über OneNote organisiert werden soll, in einem einzigen Notizbuch? Oder braucht es mehrere? – Wir als Team haben insgesamt sieben Notizbücher im Einsatz, von denen jedes eine definierte Klasse an gemanagten Daten und Informationen enthält.

Kurz ein Blick in drei dieser Notizbücher – anonymisiert, versteht sich: Herzstück unserer Architektur ist das Notizbuch mit den laufenden Projekten. Quasi als Fundament darunter managt ein weiteres Notizbuch projektübergreifende Informationen und Wissensbestände zu einzelnen Kunden (z. B. den Redaktionsleitfaden, CI-Ressourcen wie das Kundenlogo, spezielle kundenspezifische Arbeitsprozesse, die für jedes Einzelprojekt gelten). Und noch eine Ebene „grundsätzlicher“ angesiedelt ist eine Knowledge-Base in Form eines Notizbuchs, in der wir Fachwissen, das für uns als Team wichtig ist, strukturiert ablegen.

Wie der Screenshot zeigt: Für jedes Notizbuch verwenden wir eine jeweils eigene Form der Informationsstrukturierung. Das Notizbuch für Projekte ist (logischerweise) nach Projekten geordnet, die Knowledge-Base dagegen nach Stichworten.

Als dritte Ebene der Strukturierung arbeiten wir in jedem Notizbuch mit Templates, also vordefinierten Seitentypen. Hier ein Blick auf die Startseite eines Projekts. Wie Sie sehen: Die Aufbereitung der Daten ist strikt standardisiert, was – in diesem Fall zu dem gewünschten – Ergebnis führt, dass jedes Projekt aus Perspektive des standardisierten Informations-Managements unabhängig von seinem Inhalt erst einmal „gleich“ aussieht:

Strikt standardisiert – trotzdem einfach und flexibel

Stringente Standardisierung und Flexibilität müssen sich nicht ausschließen. Das ist etwas, das wir als Team an unserer Lösung mit OneNote sehr schätzen. Dabei kommt uns zugute, dass OneNote im Gegensatz zum Beispiel zu web-basierten Systemen wie Wiki-Plattformen oder Microsoft SharePoint wirklich „wiki“ (also schnell) zu bedienen ist. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Frontend (User-Perspektive) und Backend (Verwaltungsperspektive). Brauche ich eine neue Seite, ist sie mit wirklich nur einem einzigen Mausklick angelegt. Natürlich – das System stellt nicht automatisch sicher, dass die Standards (siehe oben) eingehalten werden. Dafür ist der (und nur der) verantwortlich, der vor dem Rechner sitzt. Weil wir ein überschaubares und gut eingespieltes Team sind, ist das für uns kein Problem. In größeren Prozessen kann diese Offenheit von OneNote durchaus zum Fallstrick werden.

Was ich zum Stichwort „Einfachheit“ noch dringend empfehle: Eine Team-spezifische Registerkarte im Menüband von OneNote, die alle Formate, Funktionen und Makros an einer Stelle sammelt. So braucht niemand zu raten, was erlaubt ist und was nicht. Und es geht auch keine Zeit dafür verloren, irgendwo im Menüband von OneNote versteckte Einzelfunktionen zu suchen.

Fazit – Wir bleiben dabei

Ein Leitsystem für’s Projektmanagement mit einer Notizbuch-Software? Ja, das funktioniert. Und auch noch nach Jahren. Wir als Team sehen noch keinen Bedarf, uns grundlegend umzuorientieren. Natürlich hat OneNote deutliche Grenzen, gerade in den Bereichen Automation, Integration und Datenaggregation. Wir arbeiten deswegen wie gesagt mit einem Set an flankierenden Assistenz-Systemen und fahren mit dieser Aufstellung sehr gut.

Ich selbst bin über die Jahre zugegeben zu einem OneNote-Fan geworden – ich organisiere auch privat einiges über OneNote. Und gleich nachher werde ich OneNote wieder beruflich in einem Szenario „at its best“ nutzen. Es geht zu einem Kundenworkshop. Meine Fragen habe ich in OneNote dabei und dank des Caching-Mechanismus die gesamte Projekthistorie mitsamt meiner gewohnten Arbeitsumgebung, ganz so, als würde ich von meinem Schreibtisch im Büro aus arbeiten. Und wenn ich mit den Workshop-Ergebnissen zurückkomme, dauert es nur ein paar Sekunden, bis mein ganzes Team darauf Zugriff hat. Geht’s schneller?

Suchmaschinenoptimierung für die Technische Dokumentation: 6 Schritte

Hilft Ihre Gebrauchsanleitung der Suchmaschine?

Hilft Ihre Anleitung der Suchmaschine?

Heute habe ich im Parson-Blog einen Post darüber veröffentlicht, wie die Technische Dokumentation ihr SEO(Suchmaschinen)-Potenzial entfalten kann. Aus Platzgründen habe ich dabei die Frage aussparen müssen, welche Schritte notwendig sind, um Produktkommunikation für Suchmaschinen nutzbar zu machen.

1. Contentqualität heben

Richten Sie Ihre Dokumentation konsequent auf die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppen aus. Entschlacken Sie Inhalte und geben Sie den Nutzern Ihrer Dokumentation einen Eindruck für welchen Zeitpunkt im Produktlebenszyklus der aktuelle Content gedacht ist. Entwickeln Sie eine Strategie, wie die Nutzer jeweils den richtigen Content zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Medium finden können. Dadurch sorgen Sie dafür, dass auch die Suchmaschine Ihren Content als relevant erkennt.

2. Modular texten

Modulares Texten ist seit längerem der Königsweg, um die Textvolumen in der Technischen Dokumentation effizient und qualitativ hochwertig produzieren zu können. Technisch wird die modulare Texterstellung oft durch XML-basierte Redaktionssysteme oder professionelle CMS-Lösungen unterstützt. Durch geschickte modulare Texterstellung versorgen Sie Ihren Webauftritt mit der Contentmenge, die tatsächlich suchmaschinenwirksam wird.

3. Metadaten vergeben

Text zu erstellen, ist nur die halbe Miete. Durch Metadaten reichern Sie Ihren Content mit Semantik an. Metadaten ermöglichen eine intelligentere Suche und sorgen dafür, dass Contentmodule automatisch in die richtigen Zusammenhänge integriert werden (z. B. eine Produktbeschreibung in den Webshop). Dadurch reichern Sie bestehenden Web-Content mit einer höheren Qualität an und erhöhen die Relevanz für Nutzer und Suchmaschinen.

4. Terminologie nutzen

Vermutlich haben Sie schon einen funktionierenden Terminologieprozess in Ihrem Unternehmen. Für das Web ist hier eine Umkehrung des Prozesses gefragt. Denn natürlich soll Ihr Content unter allen Begriffsvarianten gefunden werden und nicht nur entsprechend Ihrer terminologischen Festlegungen. Analysieren Sie deshalb Ihre „deprecated terms“ und reichern Sie Ihren Content für die Webdarstellung an geeigneten Stellen (z. B. in description, title, Alt-Tags) mit diesen Begriffen an. Dadurch sorgen Sie dafür, dass Google Sie unter möglichst vielen Begriffsvarianten als relevant erkennt.

5. Übersetzungen managen

Übersetzungsmanagement ist in Technischen Redaktionen heute oft ein Kernprozess. In vielen Fällen laufen Übersetzungen aber parallel zum Marketing ab. Hinzu kommt, dass Marketingabteilungen auch heute noch oft ohne gezielte Übersetzungssteuerung und Translation Memory Systeme arbeiten. Eine Analyse der gemeinsamen Content-Schnittmengen sorgt hier dafür, dass Content in möglichst vielen Sprachen zu Verfügung steht und Suchmaschinen das eigene Unternehmen auf allen Zielmärkten weit oben rankt.

6. Content automatisieren

Suchmaschinenoptimierung mit Dokumentations-Content kann keine Handarbeit sein. Das verbieten allein schon die typischen Contentbestände in der Technischen Dokumentation. Viele Unternehmen stellen heute Produktdokumentation als PDF zum Download bereit. Eine suboptimale Lösung, denn PDFs entfalten eine vergleichsweise geringe Suchmaschinenwirkung. Besser ist es, Dokumentationscontent nativ in den Webauftritt zu integrieren und die Redaktionswerkzeuge der beteiligten Abteilungen miteinander zu vernetzen. Dadurch erzielen Sie einen starken Automatisierungsgrad und – für Suchmaschinen ein wichtiges Kriterium – eine hohe Aktualität Ihres Contents.

Es lohnt sich also, das Suchmaschinenpotenzial der Technischen Redaktion zu erschließen. Reden Sie mit uns. Wir helfen Ihnen gerne auf dem Weg zum erfolgreichen Dokumentations-Content.