Typo3 zurechtgeschnitzt – Teil 2: Implementierung einer Extension

Im ersten Teil ging es um die Bereitstellung von Typo3-Extensions im Typo3-Backend. An dieser Stelle will ich mit der Implementierung weiter fortfahren.

teaserList

Das kann die Typo3-Extension “pw_teaser 2.2.7″

Noch sind nicht alle vorhandenen Extensions mit Typo3 6.2 LTS kompatibel. Ich habe die Extension “pw_teaser” schon einmal an die neuen Anforderungen angepasst. Im weiteren zeige ich wie man die Extension implementiert und für die eigenen Bedürfnisse abändert. Der pw_teaser soll im weiteren Verlauf des Beitrages eine dynamische Seite von Angeboten darstellen, die wiederum auf den ganzen Artikel verweisen.

Implementierung der Extension

Zuerst muss im Root-Template das dazugehörige “Static Template” inkludiert werden, damit die Default-Einstellungen der Extension im TypoScript geladen werden können. Am Rande erwähnt: TypoScript ist eine Konfigurationssprache, mit der sich Aussehen und Verhalten von Typo3 steuern lässt.

typo3BackendStaticTemplate

Nun lässt sich mit einem Content-Element vom Typ “Insert-Plugin” einer Seite das Plugin “pw_teaser” zuweisen. Anschließend wählt man unter “General preferences” die “Teaser-Source: [Childpages of current page]” aus.

typo3BackendPwTeaser

Als letzter Konfigurationsschritt muss noch der Pfad des HTML-Templates angegeben werden, um im Anschluss Anpassungen des Seiten-Layouts per Fluid (Namespace) vornehmen zu können.

typo3BackendPwTeaderTemplate

Gelegentlich ist auch gewünscht, die Sortierung der Teaser-Liste zu verändern, die Anzahl der Artikel zu beschränken und Seiten zu ignorieren. Diese und sonstige Einstellungsmöglichkeiten sind im Reiter “Visibility options” zu finden.

Fluid-Template erstellen

Für die Ausgabe von Inhalten und Daten, die von einer Extension erzeugt werden, verwendet man die Template-Engine Fluid, die auf dem Framework Extbase basiert. Fluid-Templates lassen sich nicht nur mit HTML strukturieren, sondern beinhalten auch  einen eigenen Namespace zur Datenausgabe. Hierzu ein paar Tipps:

  • Um sich einen Überblick aller Variablen im Fluid zu verschaffen ist das globale Array „_all“ die einzige Möglichkeit.
<f:debug>{_all}</f:debug>
  • Wie oben zu sehen, werden Variablen in geschweiften Klammern geschrieben. Soll ein nicht globales Array ausgegeben werden, ist hierzu eine for-each-Schleife nötig.
<f:for each="{categories}" as="category"> 
  <h1>{category.name}</h1> 
  <p>{category.description}</p>
</f:for>
  • Sinnvoll ist es, den Angebotsposten zum Artikel zu verweisen. Dazu bietet uns Fluid den “Page-Link” an. In das Attribut “pageUid” wird die UID der zu verlinkenden Seite eingetragen.
<f:link.page pageUid="23">Contact</f:link.page>

Wie sieht das Ganze aus? Ich zeige euch das hier mal an diesem Beispiel:

FluidTemplate

Jetzt sollte eigentlich alles klar sein, wenn ihr Fluid-Templates für den pw_teaser erstellen wollt.

Und wie sieht es bei euch aus? Schreibt mir doch eure Erfahrungen mit Fluid in die Kommentare.

p5rn7vb
FacebookXINGMehr Social Web ...

Adobe PhoneGap – die wesentlichen Fakten

Desktop-Telefon

PhoneGap – nichts fürs Tastentelefon

PhoneGap ist ein kostenloses Opensource-Tool, mit dem sich in HTML geschriebene
Web-Apps via Kommandozeile in native App-Container verpacken lassen. PhoneGap bringt außerdem Javascript-Erweiterungen mit, um in der Web-App auf Gerätefunktionen wie GPS oder Kamera zuzugreifen.

Dieses Vorgehen bringt gegenüber tatsächlicher nativer Entwicklung einige Vorteile mit sich:

  • HTML lässt sich leicht aus Redaktionsprozessen heraus generieren.
  • Sobald mehr als ein mobiles Betriebssystem unterstützt werden soll, entfällt zudem die Mehrfachentwicklung und -pflege der systemspezifischen Apps.

Da das Verfahren für eigentlich alle aktuell relevanten mobilen Betriebssyteme funktioniert, lässt sich hier erheblicher Aufwand einsparen.

Hinweis: Man stolpert im PhoneGap-Kontext immer wieder über die Bezeichnung Apache Cordova. Adobe PhoneGap ist eine Distribution der Opensource-Software Apache Cordova (analog z.B. Ubuntu vs. Linux). In Anleitungen kann man meist beide gedanklich gleich setzen. PhoneGap bringt allerdings einige zusätzliche Features mit, z.B. den Zusammenbau der App remote auf einem Adobe-Server.

Installation

Voraussetzung für jede Ziel-Plattform ist das jeweilige native Software Development Kit (SDK), das zur lokalen Verarbeitung auf dem Entwicklungs-PC installiert sein muss. Eine weitere, möglicherweise schmerzhafte Bedingung: Für Apple iOS funktioniert das Ganze nur auf einem Mac mit OS X. Mithilfe der build remote-Option können Sie auf das SDK verzichten, müssen dann aber Adobe Ihren Quellcode anvertrauen.

PhoneGap wird über das Tool Node Package Manager (NPM) installiert. Dazu muss man zunächst node.js installieren, das den NPM beinhaltet. Die einzelnen Schritte sind auf  https://npmjs.org/ und http://phonegap.com/install/ erläutert.

Keine Angst vor der Installation: Wir haben PhoneGap sowohl unter Windows als auch unter OS X ohne nennenswerten Aufwand zum Laufen bekommen.

Verwendung

Um das Werkzeug zu testen, lässt sich via Kommandozeile schnell ein PhoneGap-Projekt erzeugen. Anschließend kopieren Sie Ihr eigenes HTML-Projekt ins neu angelegte Projektverzeichnis, dort in das Unterverzeichnis www. Der Kommandozeilen-Aufruf phonegap local run blackberry erzeugt eine native Blackberry-App und startet den Simulator. Bei Bedarf fügen Sie dem Projekt, ebenfalls via Kommandozeile, Geräteschnittstellen hinzu. Wir zeigen das an einem kleinen Beispiel.

Ein Projekt

Ein iOS-Beispiel für ein Projekt, das den Verbindungsstatus (“bin ich im WLAN?”) abfragen können soll und deswegen die Netzwerk-Geräteschnittstelle einbindet:

> phonegap create meineProjektId de.mein.namespace "Mein Projekttitel"
> cd meineProjektId
> phonegap local plugin add org.apache.cordova.network-information
> phonegap local run ios

Wie man in Javascript die Geräteschnittstellen dann anspricht, ist recht gut online dokumentiert.

Um ein echtes Projekt abzurunden, sind i. d. R. einige weitere Schritte notwendig: das eigene App-Icon, Hersteller- und Versionsangaben sowie Distributionszertifikate steuern Sie der Projektkonfiguration je nach Bedarf bei.

Fazit

Gerade die Möglichkeit, die PhoneGap-Produktion in einen Skriptablauf einzubinden, zeichnet das Werkzeug als möglichen Baustein von automatisierten Redaktionsabläufen aus. Natürlich muss man gegenüber der nativen Entwicklung Abstriche bei Performance und Systemintegration machen – die Web-App wird nur verpackt, nicht ersetzt -, aber das ist gerade in unserem textlich-redaktionell geprägten App-Umfeld nicht immer ausschlaggebend. Wir haben Informationsprodukte z.B. für iOS, Blackberry X und Windows Phone 7 generiert und werden das System auch weiter nutzen und empfehlen.

Typo3 zurechtgeschnitzt – Teil 1: Extensions im neuen Typo3 6.2 LTS

Rainer Sturm_pixelio.de

Endlich ist es soweit! Typo3 6.2 LTS ist seit dieser Woche freigegeben. Hohe Performance, einfache, systematische Handhabung, Flexibilität und sowie eine verständliche Software-Architektur waren das Ziel der neuen Typo3 Entwicklung. Und ich muss sagen, das Ziel ist erreicht.

Aber auch wenn das Grundgerüst damit steht, fehlt dem einen oder anderen noch der Feinschliff zur Individualisierung. Das macht man am besten mithilfe der Typo3 Extensions. Zum neuen Release möchte ich einmal näher zeigen, wie Typo3 Extensions funktionieren.

In Typo3 einarbeiten

Wer nachvollziehen möchte, ob eine Extension überhaupt notwendig und sinnvoll ist, sollte sich zunächst einmal in den Typo3-Standard einarbeiten. Dazu gibt es von Typo3 Tutorials, ein Wiki und umfangreiche Dokumentationen. Erst wenn der Typo3-Standard die passende Funktionalität nicht liefert, empfiehlt es sich nach bereits bestehenden Extensions zu suchen.

Passende Extension suchen

Extensions lassen sich im sogenannten TER (Typo3 Extension Repository) suchen und finden. Bei der Suche sollte man auf mehrere Faktoren achten:

  • Handelt es sich um eine Alpha, Beta oder Stable Version? Diese 3 Stufen sind wie bei einer Ampelschaltung zu interpretieren und sollen darauf hinweisen ob die Extension zum aktuellen Stand für ein Produktivsystem zu empfehlen ist.
  • Wird die Extension nur von bestimmten Typo3-Versionen unterstützt? Sollte dies der Fall sein, so kann unter dem englischen Begriff Dependencies (Abhängigkeiten) nachgesehen werden, welche Versionen kompatibel sind.
  • Wichtig ist auch, ob es eine Extension-Dokumentation (Extension Manual) gibt. Dies ist für den Gebrauch oftmals notwendig, um nachzuvollziehen, wie die Extension am besten einzusetzen ist.

Sollte es notwendig sein, die Extension weiterzuentwickeln, so kann man mit einer statischen Code-Analyse unter dem Link „Quality Check“ die Qualität der Software prüfen.

http://typo3.org/extensions/repository/

Bereitstellung der Extension im Typo3

Hat man sich für eine Extension entschieden, so kann man diese im TER herunterladen. Zur Auswahl stehen das T3X-Format und gelegentlich auch das ZIP-Format. Nach dem Download kann im Typo3-Backend die heruntergeladene Extension implementiert werden. Das geschieht mit dem Extension-Manager. Hierzu muss man lediglich die heruntergeladene Datei auswählen und auf [Upload!] drücken. Anschließend sollte die Extension als aktiviert gekennzeichnet sein.

typo3BackendExtManager

Jetzt habe ich euch gezeigt, wie eine Extension erfolgreich heruntergeladen wird, um sie in Typo3 bereitzustellen. Im nächsten Teil von “Typo3 zurechtgeschnitzt” berichte ich anhand der Extension “pw_teaser” über die Implementierung und zeige, wie man Fluid-Templates erstellt.

Mehr Handbuch als Praxis

Die Titelseite des Praxishandbuchs

Die Titelseite des Praxishandbuchs

In diesem Blog habe ich ja schon das eine oder andere Mal den Standpunkt vertreten, dass Technische Redakteure sich mehr mit Marketing und Werbung auseinandersetzen sollten. Da kam es mir ganz gelegen, dass der UVK Verlag uns das “Praxishandbuch Werbung” von Schweiger und Schrattenecker zur Rezension angeboten hat.

Angenehm überrascht haben mich zunächst einmal die (für ein Fachbuch) hochwertige Gestaltung und das ansprechende Titelmotiv. Ein Detail, zugegebenermaßen, aber es zeigt, dass das Buch sein Thema ernst nimmt und auf die Wirkung von Werbung vertraut.

Die beiden Autoren sind an der Wirtschaftsuni Wien tätig. Diesen österreichischen Hintergrund merkt man auch recht deutlich an der Auswahl des Anschauungsmaterials. Im Fokus stehen immer wieder österreichische Veranstaltungen und Unternehmen, die in Deutschland kaum bekannt sind (z. B. die Schuhmarke Humanic, Römerquelle etc.). Was im ersten Moment für Nicht-Österreicher wie ein Nachteil wirken mag, hat sich für mich jedoch tatsächlich als eine Stärke des Buchs erwiesen. Gerade die Markenfremdheit und das “Unabgenutzte” der Werbebeispiele demonstrieren die diskutierten Phänomene deutlicher als hundertmal gesehene Standardwerbung.

Lobenswert ist, dass die Autoren begleitend zum Buch auch eine Website anbieten, auf der sie ergänzendes Material und vor allem Beispiel-Videos hinterlegt haben. Für meinen Geschmack ist dieses Angebot allerdings bei weitem zu spartanisch und lieblos geraten. Hier hätte man die interaktiven Möglichkeiten des Internets noch deutlich besser ausreizen müssen.

Inhaltlich ist das Handbuch umfassend und detailreich: Es betrachtet Marketingplanung, -instrumente und -kommunikation, behandelt Werbeplanung und -controlling ebenso wie Grenzen der Werbung. Dabei spart es auch aktuelle Neuerungen (Social Media, Suchmaschinenoptimierung, Neuromarketing etc.) nicht aus. Es verfällt aber auch nicht in die derzeit grassierende Euphorie und räumt den modernen Werbeformen überproportional viel Raum ein.

Und damit komme ich auch schon zu meinem Hauptkritikpunkt an dem Buch. Als Hintergrundmaterial, als Lehrwerk ist das “Praxishandbuch Werbung” gut geeignet. Wer sich selbst in die Grundlagen des Marketings einarbeiten möchte, ist mit diesem Werk sicher gut beraten. Für Leute, die praktische Anleitungen suchen, für die konkrete Arbeit im Alltag, sprich als Praxishandbuch bietet das Werk aber schlicht zu wenig. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Schweiger und Schrattenecker zeigen weder, wie sich die theoretischen Ausführungen in die alltägliche Arbeit im Marketing übertragen lassen. Und sie bieten auch keine Möglichkeit, mit der sich die Inhalte des Buches selbst erarbeiten lassen (z. B. durch Übungsaufgaben, Recherche-Aufträge etc.).

Letzten Endes bleibt dadurch das Buch weit hinter dem Anspruch zurück, den der Titel erhebt. Eigentlich schade, denn als einführendes Grundlagenwerk ist es durchaus gut lesbar und auch für Neulinge im Marketing geeignet.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur: Schweiger, Günter; Gertraud Schrattenecker [2013]: Praxishandbuch Werbung. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz, München ISBN 978-3-86764-468-6

Einfach das Chaos organisieren

Gerade eben habe ich wieder auf das rote X geklickt – und Microsoft OneNote geschlossen. Eine Software, die mich nun seit gut anderthalb Jahren täglich während der Arbeit begleitet. Und nicht nur mich: Auch in meinem Team ist OneNote zu einem Standard für das Projektmanagement geworden.

Lange Vorgeschichte

Wahrscheinlich ist es vielen von Ihnen genauso gegangen wie uns. Über die Jahre werden die Projekte inhaltlich komplexer, die Laufzeiten erhöhen sich und immer mehr Leute gehören den Projektteams an. Und dann bekommt man ganz natürlich das Bedürfnis nach einer zentralen Kollaborationsplattform. Um Projekte zu strukturieren, Vorgaben niederzulegen und Dinge zu dokumentieren. Ohne das ist effizientes Arbeiten kaum mehr möglich.

Auf diesem Weg haben wir in der doctima-Redaktion ganz unterschiedliche Lösungen ausprobiert. Mit dabei war die Aufgabenverwaltung von Microsoft Outlook, ein Wiki und ein Opensource-Projektmanagement-Tool mit Ticketsystem, aufgabenbezogener Zeitauswertung und vielen weiteren Automatismen. Richtig zufrieden waren wir mit keiner dieser Lösungen. Und jetzt arbeiten wir zunehmend begeistert mit Microsoft OneNote.

Warum so soft?

Warum so eine eher “softe” Lösung? Warum kein Powertool aus dem mittlerweile reichhaltigen Angebot im Bereich Projektmanagement? Diese Frage kann ich mittlerweile recht gut beantworten. Und interessant: Die Antwort weist auf etwas hin, das wir unseren eigenen Kunden auch immer raten, wenn es um Prozessoptimierung und die Anschaffung neuer Software geht:

  • Eine Software alleine hilft gar nichts. Erst müssen die Prozesse klar sein, dann kann man sinnvoll über den Einsatz von Software nachdenken. An unseren Arbeitsprozessen haben wir systematisch und intensiv gearbeitet, so dass wir das Heil nicht fälschlicherweise in den Tools suchen müssen.
  • Wenn man weiß, was man will und braucht, tut es erst einmal auch eine einfachere Lösung als die legendäre eierlegende Wollmilchsau. Denn das wollen viele Projektmanagement-Systeme sein. Wir haben jetzt die Chance, stückweise zu begreifen, was wir über das Bisherige hinaus brauchen. Und wenn wir da an deutliche Grenzen stoßen, darf es gerne auch eine spezialisierte Software sein. Aber wirklich erst dann. Und diese Software muss sich auf sehr durchdachte Anforderungen gefasst machen.
  • Dass wir uns mit OneNote als Tool so wohl fühlen, hat sicher auch damit zu tun, dass wir ein Team aus Redakteuren sind. Es ist unser Tagesgeschäft, Informationen prägnant und strukturiert aufzubereiten, um sie damit für die Laufzeit eines Projekts und darüber hinaus gut nutzen zu können. OneNote überzeugt uns an dieser Stelle mit der enormen Geschwindigkeit, in der man Informationsstrukturen aus Fließtext, Grafik und vor allem Tabellen erstellen kann. Wikis haben meiner Erfahrung nach genau hier ihre zentrale Schwäche.

Fortsetzung folgt

Ganz sicher. OneNote hat auch seine Grenzen und Tücken (über die ich auch schon laut geflucht habe). Aber wir sind auf einem guten Weg. Davon werde ich in einem weiteren Beitrag berichten, der demnächst hier erscheint. Und ich fände es sehr spannend zu erfahren, welche Erfahrungen andere Redaktionen mit ihrem Projektmanagement gemacht haben. Von daher herzliche Einladung, die Kommentarfunktion zu nutzen.

 

Zeitgleich ist nicht gleichzeitig

Ausschnitt: Weltzeituhr

Ist gleichzeitig auch zeitgleich?

Immer wieder liest man Dinge wie “Bonner Kunstverein eröffnet zeitgleich drei Ausstellungen“. Wirklich? Und wenn ja, wen interessiert, dass die Ausstellungseröffnungen die gleiche Dauer hatten? Nein, gemeint war hier “gleichzeitig” oder eventuell auch “am selben Tag”.

Denn “gleichzeitig” bedeutet in “zum selben Zeitpunkt oder im selben Zeitraum stattfindend”. Zeitgleich sind dagegen Ereignisse, wenn sie gleich lang dauern, ganz unabhängig vom Zeitpunkt, an dem sie stattfinden. Ein kleiner, aber feiner Unterschied: Ereignisse können zwar “gleichzeitig” und “zeitgleich” stattfinden. Sie müssen es aber nicht. Wenn die Skiläuferinnen Tina Maze und Dominique Gisin zeitgleich in Sotschi gewinnen, dann bedeutet das eben nicht, dass sie zusammen im Ziel ankommen – sonst wären sie ja gleichzeitig da.

Aufreger-Thema

Die Verwechslung von gleichzeitig und zeitgleich ist mittlerweile fast schon ein Aufreger-Thema geworden. Offensichtlich kann man damit so viel Aufmerksamkeit erhalten, dass es sich lohnt dafür eigens zur Generierung von Werbeeinnahmen eine Microsite aufzuziehen (Wer will kann, das gerne googeln. Ich unterstütze dieses Verhalten aber nicht mit einem Direktlink und verweise stattdessen auf den Zwiebelfisch zum Thema).

Nun kann man sich natürlich fragen: “Ist das nicht wieder nur das übliche Genörgel von Leuten, die mit Sprachwandel nur schlecht umgehen können, wenn er sie selbst betrifft?” Ich finde nein, denn es geht hier um die Differenzierungsfähigkeit in der Sprache. Klar, vielleicht hat nicht jeder das Bedürfnis, solche feinen Bedeutungsunterschiede zu ziehen. Und als Linguist kann ich das zu einem Teil auch akzeptieren.

Differenzieren statt imponieren

Google Ngram: "gleichzeitig" und "zeitgleich" seit 1970

Google Ngram: “gleichzeitig” und “zeitgleich” seit 1970

Aber warum verwenden dann eigentlich seit einigen Jahren immer mehr Leute
“zeitgleich”. Ich kann zwar auch nicht in die Köpfe der Sprecher hineinsehen. Aber wenn ich mir so vor Augen führe, wann ich “zeitgleich” bisher gehört habe, dann beschleicht mich ein Verdacht: “Zeitgleich” klingt offensichtlich irgendwie interessanter, ungewöhnlicher und letzten Endes gewählter. Es ist irgendwie so wie “gleichzeitig” aber irgendwie doch auch wieder nicht.

Das heißt aber letzten Endes, wir geben eine sinnvolle Differenzierungsmöglichkeit auf und erhalten dafür sprachliches Renommiergehabe. Solche “Imponierverwendungen” sind übrigens nicht nur auf “zeitgleich” beschränkt. Ähnliches passiert auch bei “gleichsam” und “gleichermaßen” oder bei “anscheinend” und “scheinbar”. Gemeinsam ist diesen Beispielen, dass die Sprecher ein gebräuchliches deutsches Wort mit einem weniger gebräuchlichen verwechseln, mit dem es zumindest ein Morphem (“zeit”, “gleich”, “schein”) und einige Bedeutungskomponenten teilt. Außerdem lassen sich die Wörter in ähnlichen Zusammenhängen verwenden.

Die Verwechslung ist also verständlich, entlarvt aber auch den Phrasendrescher. Und deshalb sollte man schon genau hinhören, wenn Leute “zeitgleich scheinbar alles richtig” machen.

Leichte Sprache – gar nicht so leicht

(c) by Thommy Weiss / pixelio.deUdo ist ein “Mensch mit Lernschwierigkeiten” und gerade volljährig geworden. Nun hat er erfahren, dass er jetzt an der Bundestagswahl teilnehmen darf. Aber was ist die Bundestagswahl eigentlich? Er recherchiert im Internet, aber auf jeder Seite, die er findet, wird alles so kompliziert erklärt, dass er nur noch Bahnhof versteht. Fast hätte er aus Frust aufgegeben, aber dann stößt er auf die Internetseite des Bundestags in “Leichter Sprache”. Dort steht geschrieben:

“Bundes-Tag ist der Name für ein großes Haus in Berlin.

Im Bundes-Tag arbeiten die Abgeordneten.
Und es ist der Name
für eine Gruppe von Menschen,
die in diesem Haus arbeiten.

Die Menschen in dieser Gruppe nennt man auch:
Abgeordnete.

Es gibt 631 Abgeordnete.
Es sind Frauen und Männer.

Die Abgeordneten sprechen über die Gesetze
im Plenar-Saal.

Wer über 18 Jahre alt ist,
darf die Abgeordneten wählen.

Die Abgeordneten dürfen
für alle anderen Menschen in Deutschland
Entscheidungen treffen.
Sie bestimmen die Gesetze in Deutschland.

Die Abgeordneten werden alle 4 Jahre gewählt.
Das nennt man: Bundes-Tags-Wahl.
Die letzte Wahl war im Jahr 2013.
Die nächste Wahl ist im Jahr 2017.”

Jetzt weiß Udo Bescheid und hat alles verstanden.

Barrierefreiheit = Zugang zu Informationen

Was vielen noch nicht bewusst ist: Unter das Schlagwort “Barrierefreiheit” fällt nicht nur der freie Zugang zu Gebäuden, öffentlichen Einrichtungen oder Verkehrsmitteln. Auch der Zugang zu Informationen ist für viele Menschen ein Problem. Nicht nur für Udo, sondern auch Nicht-Muttersprachler, funktionale Analphabeten oder ältere Menschen, die mit schwierigen Texten nicht zurecht kommen.

Für diese Menschen gibt es die “Leichte Sprache”. Sie verwendet die meisten der herkömmlichen Tipps für verständliches Schreiben in stark zugespitzter Form.

Einige Beispiele, worauf man beim Schreiben achten sollte:

  • Sich auf die wichtigsten Informationen beschränken
  • Kurze Sätze verwenden (möglichst nicht mehr als 8 Wörter)
  • Keine grammatisch schwierigen Konstruktionen verwenden (Passiv, Genitiv, etc.)
  • Fremd- und Fachwörter erklären
  • Texte mit passenden Bildern illustrieren
  • Auf Lesbarkeit achten (große Schrift, Kontrast Hintergrund/Text)

Leichte Sprache – auch ein Thema für doctima

Als Dienstleister für Institutionelle Kommunikation haben wir bei doctima die “Leichte Sprache” natürlich auch im Fokus. Nicht nur Ämter und Behörden erkennen, dass sie durch ihre schwer verständlichen Texte viele Menschen von ihren Informationsangeboten ausschließen. Auch für Banken und andere Wirtschafts-Unternehmen ist es wichtig, alle Menschen an ihrem Informationsangebot teilhaben zu lassen und Inhalte parallel zur herkömmlichen Form auch in “Leichter Sprache” zur Verfügung zu stellen.

Mehr zum Thema:

4 Monate wie im Flug

Die NinaVor Beendigung meines Studiums der „Informatik für Geistes- und Sozialwissenschaftler“ wollte ich noch einmal in den Bereich der Technischen Dokumentation eintauchen. Aus diesem Grund war ich vom 01. Oktober 2013 bis 31. Januar 2014 Praktikantin bei doctima in Fürth.

Am Anfang …

war alles neu. Aber bereits zum Ende der ersten Woche legte sich das Gefühl, „neu“ in der Firma zu sein besonders durch das angenehme Arbeitsklima, dem eigenständigen Arbeiten an Projekten und der dazugehörigen Verantwortung.

Die Aufgaben, die …

mir gestellt wurden, waren vielfältiger Natur. Sie deckten primär den Bereich der Technischen Redaktion ab. Bspw. pflegte ich Inhalte in das Redaktionssystem ST4 ein, passte Grafiken und Inhalte an das Layout bestehender Dokumentationen an, formatierte Anleitungen nach oder führte das ein oder andere Telefonat mit Kunden. Von Zeit zu Zeit schnupperte ich auch in das Marketing der Firma hinein und wurde z. B. mit der Erstellung einer Seminarbeschreibung für das Seminarprogramm 2014 betraut. Zuletzt fielen auch organisatorische Tätigkeiten wie das Vorbereiten von Mappen für anstehende Seminare oder die Zusammenstellung von Seminarunterlagen an.

Gelernt habe ich unter anderem, …

dass ein strukturiertes Vorgehen und der Dialog mit Kunden und anderen am Projekt beteiligten Personen das A und O sind.

Mitnehmen werde ich …

interessante Eindrücke in die Arbeit des Technischen Redakteurs und viel praktische Erfahrung, die mir ein aufschlussreiches Bild über die Arbeit als Redakteur gegeben haben.

Zurück bleibt …

ein Dankeschön – besonders an das Team der Technischen Kommunikation – für die lehrreiche Zeit!

Achsooo ….

auch wenn es nicht so klingen mag, der Spaß kam auch nicht zu kurz :-).

Nina

Der Berg ruft – Oder: Wie Texte funktionieren

Bietschhorn-Modell zur Textdiagnose

Bietschhorn-Modell

 

“Irgendetwas stimmt in diesem Text nicht!” Wie oft ist es mir in Projektarbeit und Beratung schon so gegangen, dass ich einen Text analysiert oder Korrektur gelesen habe und erst nach einigem Nachdenken sagen konnte, woher das ungute Gefühl eigentlich kommt.

Mal sind alle Fakten enthalten, aber der rote Faden fehlt. Mal ist von der Komposition her alles in Ordnung, aber der Autor hatte einfach die falsche Zielgruppe im Visier – was den besten Text zum Scheitern bringt. Ein anderes Mal sind es nur ein paar “kosmetische” Änderungen in Grammatik oder Stil, und schon ist ein Text in Ordnung.

Texte in Ebenen gedacht

Dieses Phänomen, nämlich dass Texte auf unterschiedlichen Ebenen funktionieren, ist Kern einer Neuerscheinung aus dem November 2013. Zugegeben: Von alleine wäre ich nicht darauf gekommen, dass sich die Anschaffung lohnt. Das Buch wendet sich nämlich erst einmal an die wissenschaftliche Welt und es behandelt eine Textsorte, die für die berufliche Praxis kaum relevant ist: Textdiagnose und Schreibberatung – Fach- und Qualifizierungsarbeiten begleiten

Trotzdem kann ich dieses Buch allen empfehlen, die ihr sprachliches Handwerks- und Beratungsinstrumentarium ausweiten und schärfen wollen. Das liegt vor allem an den ersten 185 Seiten. Die lassen sich nämlich mit ganz wenig Mühe auch auf andere Textsorten übertragen – gerade auch auf die, die uns im beruflichen Alltag Sorgen machen. Ich denke da im Blick auf unsere Projekte zum Beispiel an Kundenanschreiben oder auch sehr umfangreiche Texte wie Gebrauchsanleitungen oder technische Spezifikationen.

Inhaltlich bieten diese 185 Seiten einen Schnellkurs in angewandter Textlinguistik, geschrieben von einem Autorinnen-Team, das die Theorie und die Praxis sehr gut kennt. Das merkt man der Themenauswahl an (keine akademischen Fragen, sondern die relevanten Themen). Und das merkt man auch dem Schreibstil an, der seine wissenschaftliche Herkunft zwar nicht ganz verleugnen kann, aber insgesamt für eine gute Lesbarkeit sorgt.

Bemerkenswerter Name – hoher Nutzwert

Dreh- und Angelpunkt in diesem Buch ist das “Bietschhorn”-Modell. Das eignet sich aus meiner Sicht hervorragend dafür, in einem Text Klarheit zu schaffen über die eingangs geschilderte Herausforderung: Wo liegt eigentlich das Problem eines Textes?
Das “Bietschhorn”-Modell zerlegt Texte dazu in sechs verschiedene Schichten (siehe Abbildung). Diese Schichten müssen erst einmal für sich und dann auch im Miteinander funktionieren. Nur so wird ein Text kommunikativ erfolgreich. (Daher übrigens auch der Name “Bietschhorn”; das ist ein Berg in den Walliser Alpen mit einer geologisch außergewöhnlichen horizontalen und vertikalen Schichtung.)

Mir persönlich gefällt dieses Buch sehr gut. Die Konzepte sind fachlich auf der Höhe der Zeit. Alles ist so weit durchdacht und systematisiert, dass ein Modell als praktische Arbeitshilfe mitgeliefert wird. Und so hat das “Bietschhorn-Modell” mittlerweile seinen festen Platz in meiner Sammlung beratungstauglicher Modelle, die ich immer dann brauche, wenn es ans Redigieren und Konzipieren von Texten geht.

#tekomf14 – wir kommen!

Gestern war bei uns die gute Nachricht im Postfach. Unsere Vorträge sind angenommen und wir (Edgar Hellfritsch und ich) werden auf der tekom-Frühjahrstagung am 10. und 11.04.2013 in Augsburg dabei sein.

Das freut uns ganz besonders, denn wir haben die “kleine” tekom-Tagung sehr ins Herz geschlossen. Klar, die Jahrestagung ist internationaler und die Chance alte Bekannte zu treffen ist höher. Dafür bieten die Frühjahrstagungen einen individuelleren Rahmen. Es ist leichter neue Bekanntschaften zu schließen. Und es ist natürlich auch interessant, die wechselnden Veranstaltungsorte einmal kennen zu lernen. Denn mal ganz ehrlich: Ohne Frühjahrstagung wäre ich wahrscheinlich nie nach Münster gekommen und da hätte ich wirklich etwas verpasst.

Worüber wir reden werden? Ich denke, wir haben zwei wirklich spannende Themen im Gepäck, die zeigen, wo es in Zukunft in der Technischen Dokumentation hingehen kann.

Edgar Hellfritsch

Edgar Hellfritsch

Edgar Hellfritsch:
Am heißen Draht: Schnittstelle zwischen Hotline und Technischer Redaktion

Nur selten arbeiten Technische Redakteure in der Hotline. Statt Redaktionswerkzeugen kommen dort Ticketsysteme zum Einsatz. Wichtige Anwenderinformation aus dem Beheben der Supportfälle bleibt dadurch den Technischen Redakteuren verborgen.

Wie könnte ein effizienter Rückfluss dieser Informationen in die Dokumentation aussehen? Am Beispiel des OpenSource-Ticketsystems OTRS zeige ich, wie sich die Zusammenarbeit verbessern lässt.

Markus Nickl

Markus Nickl

Markus Nickl:
Wenn der Kundendialog eskaliert – Der richtige Umgang mit Shitstorms

Technische Redakteure haben in den letzten Jahren Social Media für sich entdeckt. Allerdings halten sich immer noch viele Unternehmen beim Web 2.0 zurück. Nicht zuletzt deshalb, weil durch mehrere Shitstorms (Anglizismus des Jahres 2011) verunsichert sind, die in letzter Zeit einige große Unternehmen getroffen haben.

Dabei lassen sich solche kommunikative Krisen durchaus bewältigen. Und es gibt Maßnahmen, mit denen man es erst gar nicht so weit kommen lassen muss.

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Sie mit dabei bei der #tekomf14? Haben Sie schon einen heißen Kandidaten unter den Vorträgen entdeckt? Oder kennen Sie einen Geheimtipp, was man in Augsburg unbedingt gesehen haben muss? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.