Der Preis war heiß …

Doctima-Preisverleihung

Preis-Übergabe (v. l. n. r.): Markus Nickl (doctima), Jan Gerwinksi (Uni Siegen), Susanne Göpferich (GAL)

… und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der lang erwartete Gewinner unseres Preis für berufliche Kommunikation ist Jan Gerwinski. Er erhält das Preisgeld von 1.000 € für seine Arbeit „Der Einsatzort im Kommunikationsvollzug“. Am Beispiel der Feuerwehr hat er untersucht, wie sich Kommunikation in Einsätzen verändert, wenn digitale Hilfsmittel verwendet werden.

Jan Gerwinskis Arbeit wurde von den fünf Juroren aus insgesamt 17 Einsendungen ausgesucht. Und ich muss sagen: Ich bin froh, dass wir eine Arbeit gefunden haben, die gleich mehrere Dinge anschaulich zeigt. Denn die Arbeit beweist deutlich, welchen Nutzen Linguistik bei der Analyse von beruflicher Kommunikation leistet. Auch und gerade dort, wo man nicht sofort den Aspekt der Kommunikation im Vordergrund sieht. Feuerwehreinsätze sind ein Feld, das die meisten Menschen zumindest grundsätzlich zu kennen meinen und bei dem viele vermuten, dass es dort wenig Neues zu entdecken gibt.

Wir freuen uns deshalb, demnächst Jan Gerwinski mit einem Gastbeitrag in unserem Blog begrüßen zu dürfen. Dort wird er uns die Ergebnisse seiner Arbeit genauer vorstellen.

 

Feedback, bitte! – Warum Technische Redaktion keine Einbahnstraße sein sollte

Martin Häberle arbeitet als Technischer Redakteur für ein mittelständisches Software-Unternehmen und ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Gießen im Studiengang „Technische Redaktion und Multimediale Dokumentation“ für Wiki-basierte Dokumentation. Zu diesem Thema ist er auch als Berater, Trainer und Autor u.a. für die K15t Software GmbH tätig.

(c) K15t Software

(c) K15t Software

Lange Zeit war Technische Redaktion eine Einbahnstraße. Wir schickten Informationen in die eine Richtung, und aus der anderen kam nichts zurück. Doch in Zeiten des Web 2.0 ist das zu wenig. Technische Redakteure müssen heute kommunizieren und interagieren können – auch mit ihren Lesern. Feedback hilft ihnen dabei, Technische Inhalte nutzergerecht zu erstellen und kontinuierlich zu verbessern. Anstelle der Einbahnstraße ist Technik-Kommunikation heute ein iterativer Prozess, funktioniert also eher wie ein Kreisverkehr.  Für diese neuen Redaktionsprozesse benötigen wir neue Werkzeuge – weg von Redaktionssystemen oder DTP-Werkzeugen, hin zu kollaborativen Plattformen.

Lesen Sie in diesem Artikel, warum Feedback so wichtig ist, um hilfreiche Inhalte zu erstellen und wie Web-basierte Kollaborationswerkzeuge sowohl internes Feedback als auch Kundenrückmeldungen für Technische Dokumentation ermöglichen.

Gutes Feedback ist mehr als Lob

Feedback hat hier im Südwesten Deutschlands wenig Tradition. Denn in meinem Heimatland Baden-Württemberg heißt es „Net g’schimpft isch genug g’lobt“ und das bedeutet in der Praxis, dass man sehr wenig Feedback bekommt – sei es nun Lob oder Kritik. Dabei ist Rückmeldung wichtig, um besser zu werden! Gerade als Technischer Redakteure sind wir auf Feedback angewiesen. Nur so können wir hilfreiche Inhalte erstellen, die unsere Leser erwarten und den Nutzern Informationen bereitstellen, die sie wirklich benötigen.

Üblicherweise erhalten Technische Redakteure aber nur selten (nützliches) Feedback zu ihren Inhalten. Vielleicht kommen während der ohnehin viel zu kurzen Review-Phase ein paar handschriftliche Korrekturen von den Fachexperten hereingeflattert, und manchmal werden uns die Kollegen sogar mit ein paar erhellenden Erkenntnissen beglücken. Doch fast nie erhalten wir in der Technikkommunikation eine Rückmeldung von denjenigen, mit denen wir wirklich kommunizieren möchten: von den Leserinnen und Lesern.

Doch warum kommuniziert die Leserschaft nicht mit uns? Ein Grund für ausbleibendes Feedback ist, dass eine Beteiligung der Leserschaft in traditionellen Redaktionsprozessen entweder nicht vorgesehen ist oder nicht einfach und zuverlässig möglich ist. Erst die Web-2.0-Bewegung brachte entsprechende Web-basierte kollaborative Werkzeuge (z.B. Wikis) hervor – digitale Plattformen, auf denen Inhalte nicht nur konsumiert, sondern auch selbst erstellt werden können.

Moderne Web-basierte Plattformen gehen neue Wege, um Inhalte kollaborativ zu erstellen, zu überarbeiten und zu veröffentlichen. Dokumentation bereitzustellen ist damit nicht mehr länger ein Monolog gegenüber den Lesern, sondern wird zum Dialog. Der Technikredakteur wird endlich zum Technik-Kommunikator!

Der Content-Lebenszyklus „2.0“

In typischen Dokumentationserstellungs-Prozessen planen Technische Redakteure zunächst ihre Informationsprodukte, erstellen eine Struktur und recherchieren, bevor sie mit dem Erstellen der einzelnen Inhaltsbausteine loslegen. Die Entwürfe werden so lange angepasst und Überarbeitungen werden abgestimmt und zusammengeführt, bis jemand eine Freigabe erteilt und die Inhalte ins gewünschte Zielformat ausgegeben werden. Und schließlich gelangt die Dokumentation zu ihren Lesern.

(c) K15t Software

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Wenn wir einen kollaborativen Ansatz verfolgen, können wir noch eine fünfte Phase zu diesem Prozess hinzufügen: das aktive Einbeziehen unserer Leser („Engage“). Indem wir es ihnen ermöglichen etwas Inhaltliches beizutragen, schließt sich die Feedback-Schleife und wir beginnen miteinander zu kommunizieren. Auf Basis der Anregungen, Fragen und Wünschen ihrer Leser können Technische Redakteure ihre Dokumentation so kontinuierlich verbessern, wie dies beispielsweise in der agilen Software-Entwicklung praktiziert wird.

Im Wiki lässt sich jede Änderung nachverfolgen – der gesamte Prozess von der Erstellung bis zum Review wird transparent für alle Beteiligten. Und wenn wir Feedback sowohl beim internen Review als auch während der Nutzung der bereitgestellten Inhalte erhalten, dann wirkt sich das positiv auf die Qualität der Inhalte aus (entgegen einiger unhaltbarer Wiki-Mythen).

Feedback zu Inhalten im Entwurfsstadium

Während des internen Lektorats prüfen die eingeladenen Fachexperten unsere Inhalte. Sie kommentieren hier und dort, schließen ein paar Wissenslücken und klären inhaltliche Fehler und Missverständnisse mit den Technischen Redakteuren. Außerdem gibt es möglicherweise einen Schlussredakteur, der den Entwurf auch auf Sprache, Stil und Struktur prüft und dadurch eine gewisse Konsistenz und formale Richtigkeit sicherstellt. Schließlich wird der Entwurf freigegeben und publiziert.

In einer kollaborativen Plattform sind alle, die am Redaktionsprozess beteiligt sind, sprichwörtlich auf der gleichen (Wiki-)Seite. Soziale Funktionen wie Kommentare, ein „Gefällt mir“-Button oder die Möglichkeit, Inhalte einfach zu teilen, helfen den Nutzern, miteinander effizient zu kommunizieren und mit den Inhalten zu interagieren – sogar wenn die Beteiligten über verschiedene Standorte oder sogar Zeitzonen hinweg verteilt arbeiten.

Abhängig von der gewünschten Arbeitsweise ist die letzte Inhaltsversion entweder sofort online für die Nutzer verfügbar, oder es wird ein Freigabeschritt zwischengeschaltet.

Mit der Kollaborationsplattform Atlassian Confluence lassen sich beispielsweise Inhaltsfragmente aller Arten und Größen kommentieren, Überarbeitungen anregen und schließlich als gelöst markieren – und das mit wenigen Klicks und ohne das Browserfenster zu wechseln. Nutzer können Inhalte bei Bedarf hinzufügen, bearbeiten oder löschen. Dabei bleibt jede Änderung transparent und kann bei Bedarf auf eine vorherige Fassung der Seitenhistorie zurückgesetzt werden.

(c) K15t Software

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Über Erweiterungen, sogenannte Add-ons, können in diesem Unternehmens-Wiki Entwurfsversionen und freigegebene Versionen für Inhalte definiert werden. So ermöglicht beispielsweise die Erweiterung Comala Workflows, den Seiten einen Status zuzuweisen. Oder mit Hilfe des Add-ons Scroll Versions lassen sich freigegebene Inhalte bei Bedarf sogar in einen separaten Wiki-Bereich publizieren, der auf Wunsch öffentlich zugänglich ist. Darüber hinaus verwaltet dieses Add-on auf Wunsch auch mehrere Versionen und Varianten der Dokumentationsinhalte in einem zentralen Autorenbereich.

Diese Vorgehensweise ist an die Versionsverwaltung von Quellcode in der Software-Entwicklung angelehnt, wo in Entwicklungszweigen und Releases gedacht wird. Zunehmend verfolgen aber auch Technische Redakteure anderer Branchen diesen Ansatz, um Dokumentation agil erstellen und bereitstellen zu können.

Wege, wie wir von unseren Lesern lernen können

Die zweite (und spannendere) Art des Feedbacks kommt von den Leserinnen und Lesern, also all denen, welche die bereitgestellte Dokumentation auch tatsächlich nutzen um etwas zu lernen und um ein bestimmtes Problem zu lösen. Um deren Rückmeldungen effizient einzuholen, führt praktisch kein Weg an einer Web-basierten Plattform vorbei. Als Technische Redakteure können wir hier Bewertungs- und Kommentarfunktionen sowie Web-Analysewerkzeuge zu unseren Gunsten einsetzen.

Bewertungsfunktion für hilfreiche Inhalte
Am Naheliegendsten ist wohl die Verwendung einer Bewertungsmöglichkeit für die Nutzer der Dokumentationsinhalte. Technische Redakteure können über die Summe der Bewertungen eine Aussage über die Nützlichkeit der dargebotenen Inhalte erhalten – etwa auf einer Skala von 1–5 Sternen. In Confluence gibt es hierzu das Rate Macro, welches diese Funktion bietet.

Kommentare und Diskussionen
Manche Leser würden ausführlicheres Feedback in Form von Kommentaren hinterlassen – wenn wir es ihnen erlauben. Fehlt etwas, ist eine Information veraltet oder irreführend? Unsere Nutzer möchten vielleicht weiterführende Fragen stellen oder haben sogar selbst Antworten und Problemlösungen gefunden, die sie mit anderen Nutzern teilen wollen. Dies bereichert in vielen Fällen die von uns Technischen Redakteuren bereitgestellten Dokumentationsinhalte erheblich.

Die PHP-Dokumentation gewinnt beispielsweise erheblichen Nutzwert durch sogenannte „User-contributed notes“, also von Nutzern beigesteuerte Anmerkungen.

(c) K15t Software

(c) K15t Software

Andererseits können Nutzerbeiträge in großer Zahl auch eine echte Herausforderung für Technische Redakteure darstellen. Beim Software-Hersteller Atlassian, der seine Produktdokumentation im öffentlichen Confluence-Wiki bereitstellt, zeigte sich kürzlich, dass sich nur rund 20 % der Kommentare auf den Hilfeseiten direkt auf die Inhalte bezogen – der größte Anteil beinhaltete Support-Anfragen, Funktionswünsche etc. Dies führte dazu, dass das kollaborationsbegeisterte australische Unternehmen sich dazu entschied, dort die Kommentarfunktion vorerst zu deaktivieren.

Der zugehörige Blogpost, in dem Atlassian diese Entscheidung ankündigte, zeigt uns aber auch, wie gut Nutzerkommentare funktionieren und welchen Mehrwert sie bieten können. Mehr als 60 Personen kommentierten den Beitrag und diskutierten ihre Bedenken und Ideen mit den Atlassian-Verantwortlichen, die nicht nur in den Kommentarspalten den Dialog suchten.
In manchen Fällen mögen Kommentare also zu viel des Guten sein, aber sie sind definitiv etwas Gutes!

Detaillierte Webseiten-Zugriffsanalysen
Der dritte Weg, um an Feedback zu kommen führt über die Erhebung von Nutzerdaten. Mittels Web-Analysewerkzeugen wie Google Analytics können wir Technischen Redakteure beispielsweise schnell herausfinden, wie viele Nutzer unsere Web-basierte Dokumentation nach bestimmten Stichwörtern durchsuchen und wie lange Besucher auf den einzelnen Seiten verweilen. Web-Analysewerkzeuge sind wohl der leiseste Weg, um mehr über das Verhalten unserer „Kunden“ zu lernen.

Fazit

Erfolgreiche Technische Kommunikation ist mehr als Technische Redaktion. Dabei kommt es in hohem Maß auf das Nutzerfeedback an, damit wir passgenaue Inhalte für unsere Leserschaft erstellen können und um deren Informationsbedarf gemäß ihrer Erwartungen zu decken. Der beste Weg dorthin führt über kollaborative Methoden, die wir sowohl im internen Review-Prozess als auch zum Einholen von Kundenfeedback anwenden.

Viele Organisationen haben ein Enterprise-Wikis als optimale Plattform identifiziert, die beide Aspekte in einem Web-basierten Kollaborationswerkzeug vereint. Wenn wir Nutzer beim Erstellen und Optimieren von Inhalten beteiligen, so erhalten wir viel mehr ist als die Summe der einzelnen Bestandteile. Das gilt nicht nur fürs Web 2.0 allgemein, sondern auch für Technische Dokumentation.

Und wenn wir Technischen Redakteure aufmerksam in unseren Feedback-Kanal hineinhören, dann können wir möglicherweise sogar das eine oder andere Lob darin finden … 😉

Dieser Beitrag ist der erste Teils einer Artikelreihe im englischsprachigen Blog von K15t Software. Im nächsten Teil werden dort Lösungen vorgestellt, wie sich kollaborative Hilfeplattformen im Web bereitstellen lassen, damit wir als Technische Redakteure unsere Dokumentation auf die nächste Stufe bringen können.

Wort oder Fachwort?

Bauteile "immer" oder "nur" auf ebenen Unterlagen befestigen?

Bauteile „immer“ oder „nur“ auf ebenen Unterlagen befestigen?
(c) Petra Dirscherl / pixelio.de

Wenn ich nicht gerade meinem Job bei doctima nachgehe oder hier blogge, betreue ich bei der tekom ein Expertenforum zu Sprachthemen rund um die Technische Dokumentation. Dort kam letzte Woche eine interessante Frage auf, die ich hier noch einmal ausführlicher beleuchten möchte. Denn sie zeigt ein paar Dinge darüber, wie Wörter „funktionieren“ und wo es sich lohnt, Dinge zu standardisieren (oder nicht).

„Immer“ oder „nur“?

Worum ging es nun konkret. Ein Nutzer des Forums hatte darum gebeten, die Bedeutung von „immer“ und „nur“ möglichst eindeutig – „quasi mathematisch“ – zu definieren. Das klingt zunächst einmal einfach. Wo das Problem liegt, merkt man an den beiden Beispielsätzen, die er zur Erklärung mitgebracht hatte:

  1. „Das Bauteil immer auf ebenen Unterlagen befestigen.“
  2. „Das Bauteil nur auf ebenen Unterlagen befestigen.“

Hier braucht man eine eindeutige Lösung. Sonst führen die unterschiedlichen Formulierungsvarianten zu Verwirrung bei den Lesern.

Bedeutung und Deutung

Die beiden Beispiele machen klar: Auf den ersten Blick sind „immer“ und „nur“ recht verschieden. Sie haben aber einen gemeinsamen Bedeutungskern. Ich will diesen Bedeutungskern einmal abstrakt als „Ausschließlichkeit“ bezeichnen. Bei „nur“ ist diese Bedeutung offensichtlich, bei „immer“ ein wenig vermittelter. Hier ist die zeitliche Bedeutungskomponente im Vordergrund; der Aspekt „Ausschließlichkeit“ ergibt sich dadurch, dass das Wort „zu jeder Zeit“ bedeutet, also keine Ausnahme zulässt.

Fazit: „immer“ und „nur“ sind in diesem Kontext Synonyme, die lediglich eine ganz leichte Bedeutungsschattierung transportieren. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich sagen „immer“ fokussiert eher auf den Prozess, „nur“ eher auf das Produkt bzw. den Einzelfall. Reicht das als Erklärung? Ist das die Lösung für dieses Standardisierungsproblem?

Spannend?

Die Antwort dazu gebe ich weiter unten. Zuvor möchte ich ein wenig in die Theorie abschweifen. Denn spannend an dem „immer“/“nur“-Problem finde ich nicht nur die Bedeutungsdiskussion. Fast noch interessanter ist das – Achtung Theorie! – semantische Modell, das hinter dieser Frage bzw. Sicht auf die Wortbedeutung ergibt. Kann es sein, dass Wörter ihre Bedeutung je nach Kontext verändern? Kann es sein, dass bestimmte Aspekte der Wortbedeutung je nach Kontext ein- und ausgeblendet werden. Und was ist dann eigentlich die Bedeutung eines Wortes?

Viele von uns gehen intuitiv davon aus, dass jedes Wort eine klar umrissene Bedeutung besitzt, die sich zumindest prinzipiell in einzelne Bedeutungsbestandteile zerlegen lässt. „Mutter“ ist „direkter Vorfahr“ und „weiblich“ (mal abgesehen von „Schraubenmutter“ und ähnlichen Homonymen). So ähnlich mache ich das oben auch, wenn ich als Bedeutungselement der beiden Begriffe „Ausschließlichkeit“ isoliere. Diese Sicht auf die Wortbedeutung nennt man Merkmalssemantik.

Tatsächlich sind Wörter in ihrer Bedeutung aber gar nicht so fix, wie wir das glauben. Vielmehr besitzen sie einen Bedeutungskern, der nach außen hin aufweicht und nur fallweise aktualisiert wird. Das ganze nennt sich Prototypensemantik und ist mittlerweile durch psycholinguistische Experimente gut belegt. Allen, die sich gerne genauer damit beschäftigen möchten, empfehle ich die Magisterarbeit „Merkmalssemantik vs. Prototypensemantik. Anspruch und Leistung zweier Grundkonzepte der lexikalischen Semantik“ von Philipp Overbeck. Viele empfinden diese sprachliche Uneindeutigkeit, wie sie die Prototypensemantik beobachtet und erklärt, übrigens als unbefriedigend. Tatsächlich ist sie aber die Voraussetzung dafür, dass wir Sprache flexibel und kreativ verwenden und auf neue Sachverhalte und Ideen flexibel reagieren können.

Ein Fall für die Terminologie?

Dass die Prototypensemantik mit ihren Theorien wohl nicht ganz daneben liegt, zeigt ausgerechnet die Terminologiearbeit im Unternehmen. Denn durch die Definition von Termini bzw. Fachwörtern (Terminus ist das Fachwort für „Fachwort“) verleihen wir Wörtern eben den fixen Bedeutungskern, den sie als alltagssprachliches Wort nicht haben. Wir müssen also Aufwand betreiben, um Wörter passend für die Merkmalssemantik zu machen.

Ist es nun sinnvoll, die Bedeutung von „immer“ und „nur“ terminologisch exakt zu klären? Ich denke nein, denn ein wichtiger Aspekt eines Fachworts ist, dass es für den Leser leicht als solches erkennbar ist. Typische Fachwörter sind a) Fremdwörter, b) selten und c) vergleichsweise lang:

  • „Redux-Oxygenator“ erkennen wir sofort als Fachwort (obwohl ich das Wort gerade eben erfunden habe und auch nicht weiß was es bedeutet).
  • „Einbruch“ würden wir nicht als Fachwort einschätzen (obwohl das durchaus ein Terminus in der juristischen Fachsprache ist).

„Immer“ und „nur“ – das ist, denke ich, klar – sind so schlecht als Fachwörter erkennbar, wie es nur geht. Wenn wir die Bedeutung von „immer“ und „nur“ nun also merkmalssemantisch unterscheiden und fixieren wollten, müssten wir deshalb sehr, sehr deutlich machen, dass diese Wörter hier Fachbegriffe sind und als solche verstanden werden sollen. Von alleine würde ein Leser nicht auf die Idee kommen, hier ein Fachwort zu vermuten.

Was also tun?

Grundsätzlich ist es zwar möglich, die beiden Bedeutungen zu unterscheiden. Fragt sich nur, was dadurch gewonnen ist. Denn die Krux in dem Beispiel liegt ja darin, dass die beiden Begriffe fast gleichbedeutend sind. Die Bedeutungsschattierungen, die „immer“ und „nur“ transportieren, sind in diesem Kontext eigentlich irrelevant, sozusagen eine Geschmacksfrage.

Bleibt das Verwirrungspotenzial, wenn beide Begriffe nebeneinander verwendet werden. Und das ist tatsächlich vorhanden. Es ist durchaus vorstellbar, dass ein Leser versucht einen (nicht beabsichtigten) Sinn zu finden, warum ähnliche Sachverhalte unterschiedlich formuliert sind und er dadurch verwirrt wird.

Die Lösung des Ganzen ist letzten Endes recht einfach: Statt den Sinn genau abzugrenzen, würde ich mich in diesem Fall auf eine Variante (egal welche) beschränken und nur noch diese verwenden. Dadurch sind Missverständnisse ausgeschlossen und der Leser wird von semantischen Details verschont.

World Leaders schreiben besser?

Die Autori des Beitrags, Kristina PelikanHeute begrüßen wir Kristina Pelikan als Autorin in unserem Blog. Am Schweizerischen Tropen- und Public Health – Institut in Basel widmet sie sich u. a. internationaler und interkultureller Projektkommunikation, als wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU Berlin gehören Fachsprachen zu ihren Schwerpunkten – beide Themen verbindend promoviert sie als Sprachwissenschaftlerin zu Kommunikationsoptimierung.  Außerdem beschäftigt Sie sich damit, wie Wissenschaftler in internationalen Teams zusammen Dokumente erstellen…

Besprechung am Laptop

(c) K. Pelikan

Chausiku kommt aus Rukungiri und sitzt vor einer schwierigen Aufgabe.
Letztes Jahr hat sie in Uganda ihr Studium in Sozialwissenschaften erfolgreich abgeschlossen, und nun soll sie einen Text für den internen Newsletter eines Forschungsprojektes schreiben. Manche Texte dieses Newsletters werden auf der Projektwebseite veröffentlicht, was den Kreis der Rezipienten erweitert und Chausikus Druck erhöht. Wie soll sie diesen Text schreiben?
Chausiku arbeitet in einem Forschungsprojekt, das von Mitgliedern einer medizinischen Fakultät in Belgien geleitet wird, und an dem knapp 100 Projektmitglieder in sechs Ländern zusammen am Zugang zu bestimmten Medikamenten arbeiten. 11 verschiedene Muttersprachen und 9 verschiedene Fachrichtungen sorgen für eine sprachliche Heterogenität, der mit English als Lingua Franca begegnet wird. Wie schreibt Chausiku also nun diesen Text? Schreibt sie ihn alleine?

Collaborative Writing – das bedeutet?

Chausiku schickt ihren Entwurf der in der Schweiz arbeitenden Leiterin ihrer Arbeitsgruppe „Knowledge Management and Communication“, bevor er im nächsten Skype-Meeting mit dem gesamten Team besprochen wird. Die Arbeitsgruppe besteht aus mindestens einem Mitglied je Partnerinstitut – mit verschiedenen Muttersprachen und Fachsprachen. Chausikus Artikel wird somit sowohl von einem indischen Experten für ayurvedische Medizin als auch von einer britischen Politikwissenschaftlerin kommentiert. An jedem Text dieses Newsletters wird im Team gearbeitet – collaboratively. Collaborative Writing ist jedoch nicht gleich Collaborative Writing – Farkas nennt unterschiedliche Varianten, die Chausiku alle aus ihrem Projekt kennt.  Farkas 1991

Frau am Schreibtisch

(c) K. Pelikan

Bei Chausikus Projekt treffen sich die Projektmitglieder zu sogenannten „Writing Workshops“, um gemeinsam an Publikationen zu schreiben, sie arbeiten virtuell per Skype, Wiki oder Forum in Teams zusammen – zusätzlich zu „Local Meetings“ der Mitglieder nur eines Partnerinstitutes. Also arbeiten sie in unterschiedlichen Zusammensetzungen und mit unterschiedlichen Kommunikationsmedien gemeinsam an ihren Forschungsfragen und Publikationen – gefolgt von Diskussionen über Intellectual Property und Authorship.
Kollaboratives Schreiben ist jedoch nicht nur ein Austausch von Ideen, sondern auch ein Austausch von Skills in den Bereichen Fremdsprache, Fachsprache und wissenschaftliches Schreiben selbst. Chausiku hat in Uganda Sozialwissenschaften studiert und ihr Studium mit Auszeichnung abgeschlossen – die Zusammenarbeit in so einem heterogenen Team hat sie jedoch nie gelernt. Sie wird sie nun lernen – learning by doing!

We had world leaders!

Auf die Frage, warum es für die Mitarbeiter seiner Projekte bisher kein Training im Bereich Kommunikation oder wissenschaftliches Schreiben gab, war „we had world leaders“ die Antwort eines international renommierten Projektleiters. Fachkompetenz impliziert Schreibkompetenz im interkulturellen Umfeld. Somit ist auch Chausiku als wissenschaftliche Mitarbeiterin, die gerade in Uganda vor ihrem Text sitzt, ein World Leader?
Englisch kann ja eh jeder! Ab einem gewissen Bildungsniveau wird verhandlungssicheres Englisch vorausgesetzt. Nicht immer muss diese Varietät des Englischen dem Englisch eines Muttersprachlers gleichen – ist doch „Pseudoenglisch“ die neue Sprache Europas (Die Welt 2015) und auch außerhalb Europas anerkannt. Capacity Building in diesen Bereichen gibt es also in sehr vielen internationalen Forschungsprojekten in den Naturwissenschaften nicht.

… und das geht in so einem heterogenen Team?

Teamwork und effiziente Kommunikation sind das A und O in solchen Projekten. Selbstverständlich gibt es bei dieser sprachlichen Heterogenität
Verständnisschwierigkeiten und auch andere Hürden zu effizienter Kommunikation. Manche dieser Hürden lassen sich überwinden, wie Beispiele aus einem Forschungsprojekt zeigen (Pelikan 2015) . Chausiku kennt sich mit dem Thema ihres Artikels sehr gut aus – möchten die Projektleiter in Belgien den Text auch schön bunt haben, so wie sie es mag? Hier beseitigen einheitliche Templates für bestimmte Dokumente so manche interkulturelle Diskussion über afrikanisch-bunte versus europäisch-schlichte Texte – werden sie entsprechend erstellt und eingesetzt. Auch eine einheitliche Terminologie, ein projektspezifisches Corporate Wording, kann erheblich zur Verständlichkeit beitragen. Wird dieses nicht bewusst eingesetzt, kann sich ein projektspezifischer Fachwortschatz unter der Hand selbst entwickeln (Pelikan/Roelcke 2015) , der einen Teil der Funktionen eines Corporate Wordings übernimmt. Weiter erleichtern klar definierte Prozesse die Kommunikation – insofern sie in ein Kommunikationskonzept integriert sind, das dem Ansatz der integrierten Kommunikation folgt.

Training für World Leaders?

UAP Better. Simple. Life

(c) K. Pelikan

In der Wissenschaft wird Kommunikation nicht selten mit Dissemination, der Kommunikation von Forschungsergebnissen nach außen, gleichgesetzt. Die dabei oft vernachlässigte interne Kommunikation und auch das gemeinschaftliche Schreiben benötigen jedoch mehr Beachtung – und die Mitarbeiter ein entsprechendes Training: Chausikus Text wäre längst fertig! Tools ersetzen keine Skills: Chausiko hatte noch nie ein DMS gesehen, nun soll sie im dort integrierten Blog ihre Arbeit dokumentieren und sich im Diskussionsforum beteiligen. Schließen die Kollegen von Fachsprache auf Fachkompetenz? Aber auch Kollegen anderer Fachrichtungen sollen ja ihre Beiträge verstehen. Also schreibt sie besser nicht nur medial sondern auch konzeptionell schriftlich, dabei möglichst verständlich und verzichtet auf Emoticons? Auch solche Skills müssen erlernt werden.
Steigerung der Effizienz durch entsprechendes Training der Mitarbeiter und Optimierung der involvierten Prozesse, das sollte in Wissenschaft und Wirtschaft Usus sein. Kommunikationskonzepte sollten also nicht nur erstellt, sondern auch entsprechend in Schulungen vermittelt werden. So lassen sich auch Ansätze zur Kommunikationsoptimierung einfacher umsetzen – alle Mitarbeiter ziehen am gleichen Strang. Gerade World Leader mit hohen Zielen und engem Zeitplan sollten in diesem Bereich auf die Effizienz ihrer Arbeit und der ihrer Teams achten.

Es lebe die Heterogenität

Corporate Wording, Lingua Franca, Lexikalisches Leveling… Alles soll möglichst einheitlich sein – ganz im Sinne der Verständlichkeit und somit der Effizienz. Auf der sprachlichen Ebene hat dieser Ansatz durchaus seine Berechtigung. Auf der  inhaltlichen Ebene überragt der Nutzen der Heterogenität. Verständlichkeit ist essentiell – aber woher weiß Chausiku, was der aus Polen stammende und in Belgien arbeitende Kollege versteht? Die Leiterin der Kommunikationsarbeitsgruppe ist als Sprachwissenschaftlerin sehr gut mit Makro- und Mikrostrukturen von Texten für Newsletter vertraut – der Kollege aus Indien hilft ihr beim Inhalt des medizinischen Fachtextes. Aus der Heterogenität der einzelnen Arbeitsgruppen lässt sich signifikanter Nutzen ziehen – sowohl in der Kommunikation, als auch in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Das geht ausgezeichnet über die Distanz von vielen Tausend Kilometern. Die virtuelle Zusammenarbeit hat viele Vorteile – bereits beim gemeinsamen Brainstorming beginnend.

 

Gut gerüstet für Social Media Marketing

Stephanie Holmes: Social Media Marketing 2015

Stephanie Holmes: Social Media Marketing 2015

Social Media spielt auch für kleinere Unternehmen und Selbstständige eine wichtige Rolle. Oft fehlen hier jedoch Zeit, Know-how und das finanzielle Budget, um soziale Medien zielgerecht zu nutzen. „Social Media Marketing 2015“ von Stephanie Holmes will hier eine Hilfe bieten. Ihre Erfahrungen hat die Autorin in IT-Projekten und durch die Arbeit mit Unternehmen in ihrer Social Media Beratungsagentur gesammelt. Mit dem Buch zeigt sie, wie sich Social Media auch ohne eigene Abteilung für die externe Kommunikation einsetzen lässt.

Marketing im Vorübergehen
Auf knapp 200 Seiten mit insgesamt 17 Kapiteln geht sie auf die wichtigsten Aspekte Ihrer Zielgruppe ein: Selbstständige sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Dort muss Social Media Marketing meist „nebenbei“ geschehen. Damit das Social Media  Engagement nicht bei einer kurzfristigen Aktion bleibt, deren Effekt schnell versandet, legt die Autorin zunächst einen theoretischen Grundstein. Mit dessen Hilfe kann man anschließend schnell selbst in der Social Media-Welt Fuß fassen und das „Marketing nebenbei“ professionell gestalten.

Grundgerüst für den schnellen Einstieg
In vier Blöcken lernt der Leser Grundlegendes zu Theorie und Praxis des Social Media Marketing:

  • Social Media im Unternehmen
  • Vorstellung von Social Media-Plattformen
  • Planung einer Social Media Strategie
  • Umgang mit Krisen und Kritik

Jedes Kapitel ist so aufgebaut, dass das neu erworbene Wissen mit Fragen und Übungen gefestigt wird. In den einzelnen Kapiteln erklärt die Autorin zunächst in straffer Form, worum es geht. Zahlreiche Abbildungen erleichtern das Verständnis. Im Grundlagenteil wird Social Media im Unternehmen eingeordnet: Wo in der Unternehmenskommunikation ist es anzusiedeln, wer ist dafür verantwortlich? Anschließend erfährt man, welche Social Media Plattformen (XING, Twitter, Groupon etc.) im Netz zu finden sind und was sie dem Unternehmen bringen. Die Autorin konzentriert sich hier auf die Funktionalitäten der Plattformen und nicht auf die technischen Details. Ein kritischer Abschnitt sowie ein Fallbeispiel runden jedes Kapitel zu den Plattformen ab. Der letzte Teil des Buches zeigt schließlich, wie man eine Strategie entwickelt und Social Media für sein eigenes Unternehmen einsetzt.

Gute Grundlage – aber ausreichend für die Praxis?
Die Autorin hat sich eine ambitionierte Aufgabe gestellt – Selbstständige und KMU sollen mit dem Buch von Social Media profitieren können. Umfang und Preis des Buches sprechen für eine kurzweilige und praxisnahe Darstellung. Der Inhalt wird anschaulich erläutert und durch diverse Hilfsmittel wie Fragenblöcke, Comics etc. ist er leicht verständlich.

Doch der Umfang hat seine Tücken: Zum Beispiel sind einige Plattform-Beschreibungen zu begrenzt: statt der Unternehmenssicht steht manchmal die persönliche Praxis im Vordergrund. Für XING beispielsweise wäre die Pflege einer Unternehmensseite interessant; nicht unbedingt nur, wie man sich als Privatperson anmeldet. Die einzelnen Kapitel könnten mehr harte Fakten und vor allem Handlungsanweisungen beinhalten. Wünschenswert sind auch Hinweise, wo und wie man das Wissen selbstständig weiter vertiefen könnte.
Hilfreich sind dagegen die zahlreichen Übungen und Anregungen, über Social Media in seinem Unternehmen nachzudenken. Stets geht es in den Übungen darum, das gerade Gelesene auf sein eigenes Unternehmen anzuwenden. So ist der erste Schritt zur Umsetzung bereits beim Lesen des Buchs getan. Fallbeispiele zeigen außerdem sehr anschaulich, wie andere Unternehmen die verschiedenen Plattformen einsetzen und was man aus Fehlern von anderen lernen kann.

Fazit
Insgesamt: ein schnell und angenehm lesbares Buch, das seiner Zielgruppe den Einstieg in das Thema leicht macht. Besonders der Abschnitt zur Planung einer Strategie wird in der Einführungsphase sicher immer wieder nützlich werden. Auch die vielen Übungen mit direktem Praxisbezug machen das Buch zu einer lohnenden Lektüre. Wer allerdings tiefer in das Thema einsteigen möchte, kommt schnell an die Grenzen des Buchs. Ein Manko, das man aber bei dem budgetschonenden Preis von 19,90 € durchaus in Kauf nehmen kann.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns von der Autorin kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag und die Autorin haben keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur:  Stephanie Holmes [2015]: Social Media Marketing 2015. webmasters press, Nürnberg. ISBN 978-1511552639

doctima auf der SCHEMA Conference 2015

SCHEMAConference1

Der frisch aufgebaute doctima-Stand am Morgen – hier hatten wir anschließend jede Menge guter Fachgespräche (c) doctima

Zwei Tage gefüllt mit interessanten Gesprächen mit Kunden und Interessenten. Zwei Tage den Puls direkt am Markt. Zwei Vorträge, mit denen wir uns am fachlichen Austausch beteiligt haben: Das war für uns die SCHEMA Conference 2015. Am Mittwochabend haben wir dort unseren Stand wieder abgebaut. Und wir sind zufrieden (und zugegeben auch ein bisschen müde) in den Projektalltag zurückgekehrt.

Dass unser Angebot auf so reges Interesse gestoßen ist, hat uns natürlich sehr gefreut. An unserem Stand war während der Vortragspausen so gut wie immer Hochbetrieb. Mit im Gepäck für die SCHEMA-„Gemeinde“ hatten wir vor allem zwei Themen: Unseren Schematron-Regelsatz, der kurz vor der Marktreife steht. Und unser Standard-Produkt ContentConnect, mit dem wir das Redaktionssystem ST4 mit anderen Systemen (z. B. Typo3) verbinden und so die intelligente Mehrfachnutzung von Content ermöglichen.

Was jetzt schon feststeht: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei. Und wer unsere Vorträge noch einmal „nacherleben“ will und bei der SCHEMA Conference dabei war, kann sie demnächst im Kundenbereich der SCHEMA-Website herunterladen.

Frische Luft gegen rauchende Köpfe

Schreibimpulsfächer

Schreibimpulsfächer (c) Budrich Verlag

Heute habe ich meine Schreibblockade einfach weggefächert. Statt einen unhandlichen Ratgeber nach Tipps zum Schreiben zu durchforsten, habe ich zum „Schreibimpulsfächer“ gegriffen. Der Markt für Ratgeber-Literatur zum Schreiben und Texten ist ja voll von Sachbüchern, die Abhilfe bei Blockaden versprechen. Doch kaum eines ist bisher so handlich und schnell einsetzbar wie die Fächer-Variante von Ingrid Scherübl und Katja Günther aus dem UTB-Verlag.

Fächern um jedes Wort?

Der Schreibimpulsfächer soll in jeder Phase des Schreibens helfen, besonders wenn der Schreibprozess stockt. Doch was soll ein „Schreibimpulsfächer“ eigentlich sein?
Etwas länger und schmaler als ein Brillenetui hat der Fächer eine kompakte und handliche Form. Er besteht aus losen Blättern, die mit einer Schraube fest aneinander geheftet sind. Das dicke, griffige Papier lässt sich gut durchblättern – konstruktiv gesehen erfüllt der Fächer schon mal seinen Zweck.
Auf den 55 Fächerseiten finden sich Tipps in Form von Fragen, Aufforderungen oder Gedankenspielen. Der Fächer hat sogar eine kleine Anleitung, die sich auf dem ersten Fächerblatt befindet. Er ist unterteilt nach Arbeitseinheiten, die den Schreibprozess bestimmen:

  • Einstimmen,
  • Loslassen,
  • Durchsteigen,
  • Dranbleiben und
  • Abrunden

Klingt nicht sehr spezifisch, aber trifft den Kern des Problems. Und die Erkenntnis, dass Schreiben aus verschiedenen Phasen besteht, empfinde ich als hilfreich für das strukturierte Arbeiten. Die Arbeitseinheiten sind zudem farblich voneinander abgehoben, sodass der Fächer bei einer Schreibblockade schnell eingesetzt werden kann. Für jede Arbeitseinheit gibt es pro Fächerblatt einen kurzen, griffigen Tipp, der meist aus einem einzigen Satz oder einer Frage besteht. Zum Beispiel für die Einheit „Einstimmen“: „Wie sieht eine wirklich erholsame Pause für dich aus? Was lässt du besser?“. Für die Phase des „Dranbleibens“ soll dieser Tipp helfen: „Wie kann Dein Betreuer Dich aktuell unterstützen? – Dein Erfolg ist auch sein Erfolg.“

So geht „Fächern“

Man muss sich bewusst sein, in welcher Arbeitsphase man gerade steckt. Nehmen wir mal die des „Durchsteigens“. Das ist laut Autoren die Phase des „Drin-Seins“, hier sind neue Perspektiven nützlich und dass man den Überblick nicht verliert. Man sucht sich den Teil des Fächers heraus, der Tipps für diese Phase gibt. Das ist etwas mühselig, wenn man die anderen Kategorien nicht mit durchblättern möchte. Der letzte Schritt ist, sich blind ein Fächerblatt der jeweiligen Phase herauszuziehen – wie bei einem Kartentrick – und den Tipp als Denkanstoß zu nutzen. Der gezogene Schreibimpuls könnte zum Beispiel lauten: „Das Thema Deiner Arbeit: Erkläre es so einfach wie möglich einem Viertklässler!“ So erhält man schnell eine überraschende Inspiration, die die Schreibblockade lösen kann.

Wohl dosierte Soforthilfe

Prinzipiell gibt es solche Tipps natürlich in Hülle und Fülle auch in anderen Ratgebern. Einige Vorschläge sind nicht neu und sicherlich nicht für jeden eine Hilfe: Zum Beispiel, dass die meisten an einem ordentlichen Arbeitsplatz besser arbeiten können. Dennoch: Ich fand einige Tipps neu und nützlich und bin froh, dass der Fächer auf meinem Tisch liegt und ich ihn beim Schreiben ab und zu durchblättern kann. Denn gerade die Kürze der Tipps und das praktische Fächer-Format bieten einen unerwarteten Denkanstoß, der beim Lesen eines langen Ratgeber-Textes schnell wieder verfliegen kann. Die Schreibimpulse helfen auf unkomplizierte Art eine neue Perspektive einzugehen und sich wieder auf seinen Text einzulassen.
Grundsätzlich bietet der Fächer keine dauerhafte Veränderung des eigenen Schreibprozesses. Er ist eher eine „Instant-Hilfe“, die mit genügend gutem Willen die akuten Beschwerden lösen kann, nicht aber die chronischen. Aber diesen Anspruch soll er laut Autoren ja auch nicht erfüllen. Wer nach langfristiger Hilfe sucht, muss doch zu den umfangreichen Ratgebern in Buchform greifen. Mein Fazit: Eine klasse Ergänzung, aber kein Ersatz für die Buch-Ratgeber.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur: Scherübl, Ingrid/Günther, Katja [2015]: Der Schreibimpulsfächer. Inspirationen für das Selbstcoaching beim Schreiben. Budrich: Opladen, Toronto. ISBN 978-3-8252-4344-9

Information 4.0: Gut aufgestellt und kräftig herausgefordert

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Die Herausforderung wartet…
(c) Martin Büdenbender / pixelio.de

„Information 4.0“ war ja das Leitthema der tekom-Frühjahrstagung in Darmstadt, von der ich vor Kurzem hier schon einmal berichtet habe. Was steckt aber hinter diesem Begriff? Und was bedeutet er für die Dokumentations-Branche, in der wir von doctima ja auch zuhause sind?
Auf der Rückfahrt von Darmstadt habe ich mit meinem Kollegen Edgar Hellfritsch angeregt und auch kontrovers darüber diskutiert. Hier unser Fazit.

Kurze Begriffsklärung
Information 4.0 – was bedeutet das? Kurz gesagt: Unter diesem Schlagwort subsummieren sich all die Anforderungen und Anpassungen im Bereich der Produktdokumentation, die sich aus dem Konzept (Vorsicht: schon wieder Schlagwort) „Industrie 4.0“ ergeben. Also jener erwarteten vierten industriellen Revolution, die sich aus der „Informatisierung der Fertigungstechnik“ergibt.
Wie kann man sich die „Information 4.0“ konkret vorstellen? Dazu ein einfaches Beispiel: Das Bordhandbuch eines Autos wird heute komplett von einem Technischen Redakteur zusammengestellt; er sorgt vor Auslieferung dafür, dass das Handbuch nur die modellspezifischen Informationen enthält. Diese Aufgabe der modellspezifischen Zusammenstellung übernimmt unter Bedingungen der „Industrie/Information 4.0“ das Auto selbst. Dafür werden jedem Bauteil (oder jeder Baugruppe) alle benötigten Anwenderinformationen direkt mitgegeben; es gibt also gar kein fixes Bordhandbuch mehr. Will man im Auto zum Beispiel etwas zur Klimaanlage wissen, holt sich das Informationssystem des Autos zum Zeitpunkt der Anfrage alles Notwendige direkt von der entsprechenden Baugruppe. Und wird die Baugruppe ausgetauscht, steht automatisch auch die korrekte neue Dokumentation zur Verfügung.

Was bedeutet das für die Technische Redaktion?

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Vernetzte Produktion.
(c) KUKA Systems GmbH – CC-BY-SA-3.0

Das klingt für den ein oder anderen vielleicht noch sehr nach Zukunftsmusik. Aber der Wandel zur „Industrie 4.0“, der die „Information 4.0“ nach sich zieht, ist bereits im Gange. Das hat nicht zuletzt die Keynote von Prof. August-Wilhelm Scheer auf der tekom-Frühjahrstagung gezeigt. Es ist also der richtige Zeitpunkt, das Thema (frühzeitig) in jener Zunft anzugehen, die im Produktionsprozess gerne vergessen wird: der Technischen Redaktion.

Von der tekom-Tagung sind wir mit dem Eindruck zurückgekehrt, dass aber besonders die Technische Redaktion an einigen wichtigen Punkten schon gut aufgestellt ist. Zumindest, wenn sie auf Höhe der Zeit betrieben wird:

  • Der Tatbestand eine fast kompletten Modularisierung, die den Produktionsprozessen noch bevorsteht (Stichwort „Losgröße 1“), ist für uns in der Technischen Redaktion nichts Neues. Damit beschäftigen wir uns im Grunde schon seit gut 15 Jahren. Hier ordnen sich Erfassungsstrategien und -technologien wie Regelbasiertes Schreiben und Content-Management-Systeme nahtlos ein.
  • Die Produktionsprozesse 4.0 leben von der Selbstbeschreibung der verarbeiteten Produkte und Komponenten. Selbstbeschreibung bedeutet für die Technische Kommunikation den systematischen Einsatz von Metadaten bzw. semantischen Ontologien. In professionellen Redaktionsprozessen sind diese Technologien heute geübte Praxis.
  • Unter dem Schlagwort „Content Delivery“ etablieren sich in der Technischen Redaktion in jüngster Zeit Lösungen für die intelligente Verteilung von technischen Informationen. Auch dieses Wissen kann direkt produktiv werden.

So weit ein paar – zugegeben sehr konzentrierte – Stichpunkte zur Habenseite. Natürlich sind diese Themen alles andere als trivial. Wer als Unternehmen hier Nachholbedarf hat, sollte sich jetzt auf den Weg machen. Nicht nur, um „irgendwann später“ einmal für die Industrie 4.0 gewappnet zu sein. Vielmehr geht es darum, die organisatorischen und wirtschaftlichen Potenziale zu nutzen, die in modernen und sauber konzipierten Redaktionsprozessen liegen.

Drei große Herausforderungen

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(c) Markus Vogelbacher / pixelio.de

Daran muss aus unserer Sicht die Technische Redaktion noch arbeiten, soll das mit der Information 4.0 wirklich klappen:

  • In Vorträgen auf der tekom-Tagung ist es eher lapidar angesprochen worden: Für das Modell Information 4.0 muss „halt noch“ ein einheitliches und natürlich verbindliches Informationsmodell verabschiedet werden. Also ein Standard wie DITA oder AutomationML. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die verteilt erstellten Informationen grundsätzlich kompatibel sind. Was allen Beteiligten aber klar sein muss: Einfach wird dieser Prozess der Abstimmung und Vereinheitlichung ganz sicher nicht.
  • Information 4.0 verstärkt den Trend zur produktzentrierten und bis zur Sinnlosigkeit standardisierten Dokumentation. Wir bei doctima betrachten diese Entwicklung schon länger mit Sorge. Wo bleibt in dieser Denke der Anwender mit seinen Informationsbedürfnissen, die sich ganz sicher nicht an der Produktstruktur ausrichten und vielmehr individuell und experimentell geprägt sind?
  • Stichwort „Sicherheit“: Wo Produktions- und Informationsprozesse webbasiert laufen sollen, darf es in Sachen Sicherheit keine Lücken geben. Auch hier gibt es ganz viel zu tun.

Wir wünschen uns, dass die Technische Kommunikation den Weg zur Industrie 4.0 selbstbewusst und aktiv mitgestaltet. Unsere Branche hat zum einen schon viel Erfahrung gesammelt – und zum anderen müssen wir als TR-Verantwortliche selbst dafür sorgen, dass unsere Belange auch wirklich berücksichtigt werden.

Was stehen Sie zur „Information 4.0“?
So weit eine Zusammenfassung unserer Beobachtungen und Gedanken. Wie stehen Sie zu diesem Thema? Ist es für Sie nur ein Buzzword? Oder haben Sie schon Erfahrungen mit so gestalteten Informationsprozessen? In diesem Sinne „Kommentar frei“ für eine angeregte Diskussion.

tekom-Frühjahrstagung: So war’s

EIngang des Tagungsgebäudes

Auf dem Weg zur tekom Frühjahrstagung…

Zusammen mit meinem Kollegen Edgar Hellfritsch war ich Ende April auf der tekom-Frühjahrstagung in Darmstadt. Dieser Branchentreff für alle, die professionell in der Technischen Kommunikation unterwegs sind, gehört für uns beide fast schon zum Pflichtprogramm. Obwohl: Die Frühjahrstagung besuchen wir im Gegensatz zur Jahrestagung nicht jedes Jahr – von daher durchaus ein Ereignis mit Seltenheitswert.

Und: Mit einer Woche Abstand – hat sich’s gelohnt?

Das sagt mein Kollege Edgar Hellfritsch:

Keynote von Professor Scheer zu Industrie 4.0

Keynote von Professor Scheer zu Industrie 4.0

Wie so oft, war ich auch dieses Mal wieder beeindruckt von der professionellen Vorbereitung und fürsorglichen Betreuung des tekom-Teams. Das ist keine Selbstverständlichkeit und kann deshalb gar nicht oft genug gesagt werden. Auch den Veranstaltungsort fand ich wieder sehr gut gewählt. Die Frühjahrstagung ist da ja immer eine kleine Überraschung und ich bin jedes Jahr wieder gespannt, wo es uns da hin verschlägt.

Mit SCSS hatte ich einen recht technischen Vortrag angemeldet und ehrlich gesagt vorab ein wenig Bammel, ob der auf Interesse stößt. Ich habe den Vortrag aber trotzdem eingereicht, denn mit SCSS lassen sich Online-Informationsangebote wesentlich effizienter gestalten und ich wollte mal zeigen wie. Zum Glück haben sich meine Befürchtungen dann nicht bestätigt. Mehr als 20 Zuhörer waren in meinem Vortrag und danach gab es auch noch Lob von Teilnehmern. Was will man mehr? Ich werde auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben.

Das bleibt bei mir (Johannes Dreikorn) hängen:

Wieder einmal ein gelungener Veranstaltungsort

Wieder einmal ein gelungener Veranstaltungsort

Ich schließe mich Edgar an: Das darmstadtium war wirklich eine gute Wahl. Selten habe ich an einem Veranstaltungsort eine so aparte und stimmige Architektur erlebt.

Als Referent habe ich mich natürlich über die super Seminarräume gefreut. Freundlich und modern ausgestattet, eine Akustik, in der man ohne Mikro auskommt: Das ist schon viel Wert, wenn man fast zwei Stunden lang mit einer Gruppe über ein Thema arbeitet.

In meinem Tutorial/Erfahrungsbericht über OneNote als Team- und Projektplattform habe ich gemerkt: Kleine und mittelgroße Redaktionen haben wirklich Bedarf an unaufwendigen Kollaborations-Formen. Und unsere Lösung bei doctima mit OneNote ist gar nicht so exotisch. (Das erinnert mich an meinen Vorsatz: Zu OneNote möchte ich hier im Blog unbedingt noch etwas schreiben. Es gibt einfach zu viel Spannendes zu berichten.)

Das Rahmenthema „Information 4.0“ hat uns reichlich Diskussionsstoff für die Rückfahrt beschert. Mein Fazit in Kürze: Ein relevantes Thema (also keine reine Worthülse); ein bisschen weniger Buzzwords hätten manchem Beitrag zum Thema gut getan (dafür ein bisschen mehr Systematik); denn wenn wir ehrlich sind, stecken in „Information 4.0“ viele Themen drin, die uns als TK-Branche schon längere Zeit begleiten. Ich sehe schon: Dazu muss ich auch noch einmal extra schreiben.

Alte Zöpfe – neue Chancen

Kein alter Zopf  (c) Helmut J. Salzer  / pixelio.de

Kein alter Zopf
(c) Helmut J. Salzer / pixelio.de

Letzte Woche haben wir einen erschütternden Einblick in die Tiefen der TYPO3-Altlasten gegeben. Zugegeben: Letzten Endes kann TYPO3 nichts für die mangelnde Update-Bereitschaft seiner Benutzer; bei Drupal-, WordPress- und Joomla-Installationen sieht das auch nicht anders aus.
Deshalb wollen wir uns in diesem Post ansehen, welche Chancen das Update auf TYPO3 6.2 bietet. Und natürlich die versprochene Auflösung bringen, warum 4.5 manchmal mehr ist als 6.

Mehr Bequemlichkeit und Sicherheit

Auf die Sicherheitsaspekte beim Umstieg auf TYPO3 6.2 sind wir schon im letzten Beitrag eingegangen. Hinzu kommen zahlreiche Neuerungen auf technischer Seite (z. B. die Einführung des File Abstraction Layer oder die Umstellung auf MySQLi). Und man gewinnt eine Menge an Bequemlichkeit in der Handhabung: definierbare Displaybreiten in der Seitenvorschau (für responsive Seiten), automatische Content-Veröffentlichung im Scheduler, einfachere Formularerstellung im Form Wizard. Schon die neuen Features lohnen also den Umstieg. Daneben gibt es aber noch andere Chancen, die ein Upgrade auf TYPO3 6.2 bietet.

Responsive, Adaptive – Hauptsache -ive

Auch wenn es jetzt nicht so heiß gegessen wird, wie manche das gekocht haben: Google bewertet in Zukunft Webseiten auch danach, ob sie auf mobilen Geräten sinnvoll nutzbar sind, also z. B. adaptive oder responsive reagieren.
Für die weniger Webtechnik-Affinen unter Ihnen:  Beide Techniken verwendet man zur Anpassung einer Website an das gerade verwendete Anzeigegerät. Adaptive heißt dabei, dass die Anpassungen bereits vor dem Ausliefern der Seite an den Browser, also auf dem Server, passieren. Das ist wesentlich flexibler, aber auch aufwendiger.

Deshalb verwendet man häufig das einfachere responsive Design. Hierbei entscheidet sich erst im Browser, wie eine Seite dargestellt wird. Der Nachteil dabei: Der komplette Inhalt muss ausgeliefert werden, egal ob er in der entsprechenden Darstellung auch  gebraucht wird.Google ist es übrigens prinzipiell egal, für welche Variante Sie sich entscheiden. Mit adaptiven Verfahren laufen Sie aber wesentlich weniger Gefahr in andere Google-Fettnäpfchen wie lange Download-Zeiten oder unnötige Übertragungen zu treten.

Egal, für welche Technik Sie sich entscheiden: Eine mobile Darstellung ist fast immer Pflicht. Und das TYPO3-Update ist der ideale Zeitpunkt dafür. Erledigen Sie alles in einem Aufwasch. Denn oft ist Nutzen und Potenzial nicht ganz so groß, wie Sie die Web-Agentur gerne glauben machen will. Ob Sie Ihre Bierflaschenreinigungsanlage oder den neuen Herzschrittmacher gut verkaufen, steht und fällt wahrscheinlich nicht mit Ihrer mobilen Seite…

Endlich sozial

Social-Media ist wichtig, das weiß heute jeder. Aber was hat Social Media mit TYPO3 zu tun? Mehr, als man denkt: Moderne Extensions wie SocialSharePrivacy  sorgen für perfekte Integration der Social-Media-Angebote und gleichzeitig für die Einhaltung der aktuellen Datenschutzrichtlinien.
Social Media in die Website zu integrieren bringt allerdings nichts, wenn sich nichts tut auf den sozialen Plattformen. Letzten Endes haben Sie nur drei Optionen: Entweder Sie nehmen sich (a) Zeit oder geben (b) anderen Geld oder lassen es (c) ganz. Interessanterweise hat gerade bei einem schon fast intimen Vorgang wie der Kommunikation mit Besuchern per Social Media eine externe Agentur meist sowohl die besseren Themen als auch höhere Durchhaltevermögen. (Teilweise) Auslagern ist deshalb nicht die schlechteste Idee.

Die Lösung zu 6 ist kleiner als 4.5

Sollten Sie nicht wissen, wovon ich rede, empfehle ich den Beitrag „TYPO3-Altlasten“ aus der vergangenen Woche. Kurz zusammengefasst: Unsere kühne Behauptung war, dass 4.5 manchmal mehr ist als 6.0. Dazu sollte man Folgendes wissen.
Im Moment gibt es zweieinhalb Versionen von TYPO3, die mit Updates versorgt werden. 6.2 ist das aktuelle LTS-Release. LTS steht hierbei für „Long Term Support“ und bezeichnet Versionen, die besonders lang aktualisiert werden und sich dadurch besonders für den Einsatz im professionellen Umfeld anbieten. Die aktuelle Version 7 ist keine LTS-Version und wird deshalb nicht so lang unterstützt.
Die gerade ausgelaufene LTS-Version 4.5 hat im März ihre letzte Unterversion mit der Nummer 40 bekommen. Für 4.5 gibt es – als absolutes Novum im TYPO3-Umfeld und von der TYPO3-Gemeinde nicht gerade gern gesehen – nur noch bezahlte Updates. Für 5000 Euro pro Instanz bekommt man hier eine Gnadenfrist bis März 2016. Da Version 6.0 keine LTS-Version war, wurde sie nur kurz (ca. sechs Monate) mit Updates versorgt. Und daraus folgt: 4.5 LTS ist besser – da länger unterstützt – als Version 6.0.