Strategische Unverständlichkeit: Schöngeredet oder schon gelogen?

Post wegen der "Dieselthematik"

Post wegen der „Dieselthematik“

Schon seit einiger Zeit liegt auf meinem Schreibtisch dieser Brief vom (ehemaligen) Autohersteller meines Vertrauens. Ich habe zwar lange mit mir gerungen, aber letzten Endes habe ich mich entschlossen, jetzt doch einen Post dazu zu schreiben. Erstens weil ich mich wirklich geärgert habe. Und zweitens ist mir aufgefallen, wie gut das Anschreiben in unsere kleine Reihe „Strategische Unverständlichkeit“ passt. Deshalb will ich mir dieses Machwerk heute noch mal im Detail vornehmen.

Der Betreff – ein Monstrum

Sehen wir uns einmal den Einstieg in den Brief an. Der Betreff – das sagen wir unseren Kunden auch in unseren Seminaren immer wieder – ist ein besonders wichtiger Teil des Briefes. Er setzt das Thema und den Ton für den restlichen Brief. Und das stimmt (leider) auch hier:

  1. Länge
    Mit vier Zeilen ist der Betreff extrem lang, gleichzeitig strotzt er von Abkürzungen, Kennziffern und allem, was man tut, um nicht gelesen zu werden (1. Regel des Wissenschaftsjournalismus: Keine Formeln!)
  2. Aussagekraft
    Der Betreff eröffnet mit dem schönen Wort „Dieselthematik“. Mal abgesehen davon, dass diese Thematik beim Leser vielleicht noch gar nicht gesetzt ist: Es geht hier überhaupt nicht um Diesel, sondern um eine missbräuchliche Software. Frau Labbé und Herr Balon versuchen also auf ein anderes, weniger problematisches Thema auszuweichen.
  3. Missverständlichkeit
    Ähnlich problematisch aber noch ein Stück weiter geht es, wenn man hier von einer „Servicemaßnahme“ spricht – ein Wort das positiv besetzt ist, während es darum geht eine missbräuchliche Manipulation des Wagens zu beseitigen. Und übrigens geht es hier auch nicht um „Abweichungen“. Die Software liefert ja die Werte, die mir beim Kauf zugesichert wurden. Sondern es geht darum, dass die realen Werte durch Software verschleiert werden.
  4. Fachbegriffe
    Wissen Sie, was ein „NOx“ ist? Vermutlich ja, denn Sie haben im Chemie-Unterricht gut aufgepasst. Ich bin mir aber nicht sicher, wie viele Skoda-Kunden ähnlich fleißig waren. Zufall? Kommunikative Inkompetenz? Könnte sein; im Kontext der anderen problematischen Textstellen aber eher unwahrscheinlich.

Der restliche Brief – es wird nicht besser

Wie schon gesagt, der Betreff setzt den Ton und der Brief hält ihn durch. Immer wieder wird verschleiert und kleingeredet. Da werden „die Stickoxidwerte (NOx) […] optimiert“. Wie schön, ich mag optimierte Dinge. Da gibt es eine seltsame Häufung von behördensprachlichen Elementen, z. B.:

  • „diesbezüglich“,
  • „aufgefordert, umgehend einen Termin […] zu vereinbaren“,
  • „eine gegebenenfalls bevorstehende Hauptuntersuchung“
  • usw.

Und dann finden sich da aber auch wieder seltsam unpassende, direkte Appelle an die Gefühle des Lesers: „Wir bedauern zutiefst, dass wir Ihr Vertrauen enttäuscht haben“ und „Ihr Vertrauen ist unser wichtigstes Gut.“

Spannend auch, wie der Brief nach dem überlangen Betreff gleich noch einen überlangen Satz hinterherschickt. Wie Skoda zwar meine Fahrgestellnummer kennt, mir aber nicht sagen kann, welches Aggregat in meinem Fahrzeug verbaut ist und wann ich vermutlich dran bin. Und wie Skoda mir verspricht, alle technischen Kosten zu ersetzen (wäre ja auch noch schöner), aber kein Wort des Bedauerns verliert über den Aufwand, der mir entsteht.

Was können wir daraus lernen?

Tatsächlich kann man aus diesem Brief eine Menge lernen. Dieser Brief ist wirklich so klasse, dass man ihn zur Pflichtlektüre im Deutschunterricht machen sollte. Denn Schüler sollten frühzeitig lernen, solche manipulativen Texte zu erkennen.

Noch viel mehr lässt sich daraus aber über Volkswagen und Skoda lernen. Wir erinnern uns: Das technische Problem besteht nicht darin, dass Messwerte „optimiert“ wurden, sondern dass mit dieser Software gelogen und betrogen wurde. Und die Entwickler davon ausgegangen sind, dass das schon niemandem auffallen wird.

Und nun dies: Ein Brief, um die Kunden zu informieren, in dem – na ja wir haben ja gesehen, was dieser Brief tut. Und offensichtlich glaubt man, die Kunden werden darauf hereinfallen. Das lässt schon tiefe Einblicke in die Unternehmenskultur bei Volkswagen zu.

Was kann Frau Labbé lernen?

Liebe Frau Labbé – und hier wende ich mich direkt an Sie – Vertrauen ist nichts, was man einfach so besitzt. Es ist nicht Ihr wichtigstes Gut, denn Sie haben mein Vertrauen im Moment gar nicht (mehr), und es ist vermessen mir das zu unterstellen. Vertrauen ist etwas, das man sich erwirbt. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Und wenn man Vertrauen enttäuscht hat, dann sollte man sich offen und ehrlich entschuldigen. Wenn man bei der Entschuldigung aber trickst und manipuliert, dann verliert man auch noch die Chance, dass der andere verzeiht. Das gilt in Geschäftsbeziehungen genauso wie im Privaten.

Die gute Nachricht an Sie ist: Vertrauen verdient man sich immer aufs Neue: Ich bin schon gespannt auf Ihren nächsten Brief, in dem Sie mich „weiterhin fortlaufend und transparent informieren“. Denn aus der Nummer kommen wir offensichtlich beide nicht so schnell raus.

5 Gründe, warum du Technischer Redakteur werden musst

Technische Redaktion – ein Sammelbecken für Quereinsteiger. Zunehmend gibt es aber auch Leute, die den geraden Weg gehen; bei mir zum Beispiel mit einem Masterstudium an der Hochschule Merseburg. Deshalb dachte ich mir, ich wende mich heute mal an alle, die sich fragen, ob Technische Redaktion für sie das Richtige ist, und versuche mich an der Berufsberatung.

1. Du bist diejenige, die immer sagt „Hast du mal in die Anleitung geschaut?“

Wenn jemand in deinem Umfeld seine neueste technische Errungenschaft nicht versteht. Denn du weißt: Die Anleitung wurde schließlich nicht umsonst geschrieben. Und meist löst sie das Problem besser als irgendwelche Internettipps.

Und wo wir schon dabei sind: Du bist auch diejenige, die jede Anleitung aufhebt, sich die guten heraussucht und die schlechten heimlich korrigiert – oder wenigstens darüber ablästert.

Und darüber hinaus heißt es nach deiner Meinung …

2. … „Studieren geht über Probieren“

Klar, ein wenig Risiko macht auch mal Spaß. Die Bohrmaschine kann man bestimmt auch mal benutzen, um das neue Tapetenweiß anzurühren… Aber Sicherheitshinweise zum Beispiel werden ja nicht zum Spaß angebracht, wie man im Studium lernt. Sie sind eine Wissenschaft für sich und gar nicht so einfach zu erstellen. Und auch vieles andere erledigt sich nicht „mit einer flotten Schreibe“, sondern ist solides Handwerk.

3. Du suchst gern die Nadel in der Suppe

Äh. Das Haar im Wald. Beziehungsweise das Salz im Heuhaufen. Ach das gibt’s doch nicht!

Was ich damit sagen will: Du liebst Sprache. Und du kannst richtig ungemütlich werden, wenn ebendiese misshandelt wird. Das kommt dir zugute, wenn du Texte zu Immobilienfonds oder Werkzeugmaschinen lektorierst. Wo es unverständlich wird, greifst du ein und klärst mit den Entwicklern die Stellen, die überarbeitet werden sollten.

Und jetzt zu den weniger offensichtlichen Dingen…

4. Du magst Listen….

a) Alphabetische Listen
1. Nummerierte Listen
• Listen mit Punkten und
√ ganz besonders die mit Häkchen!

Und zu Recht. Listen sind die Helden des Alltags, auch in der Technischen Redaktion. Genauso wie man zu Hause aufräumt, wenn man sonst im Chaos versinkt. Listen strukturieren Projekte, Aufgaben, Kriterien usw. Und sie können ganz subtil sogar für eine funktionierende Qualitätssicherung sorgen.

5. Du brauchst Abwechslung

Im Büro, auf dem Schreibtisch, auf deinem Monitor.

Und die bekommst du, das garantiere ich dir. So viel Abwechslung wurde dir das letzte Mal mit sechs Jahren im Bällebad bei IKEA geboten. An einem Tag erklärst du Steuersoftware, am nächsten die Funktionsweise einer Pumpe oder eines Panzers. Und du findest diese ganzen unbekannten Fachbegriffe, Funktionen und Zusammenhänge jedes Mal aufs Neue spannend. Außerdem kann dich irgendwann keiner mehr auf dem Gebiet Allgemeinwissen schlagen. Jauch kann einpacken.

Du willst noch mehr Gründe?

Mir fallen noch viele Punkte ein, die hier folgen könnten. Zum Beispiel, dass du gerne über den engen Tellerrand der eigenen Abteilung hinausblickst. Denn Technische Dokumentation ist eine echte Querschnittsaufgabe, bei der man mit allen möglichen Bereichen im Unternehmen in Kontakt kommt.

Letzten Endes kann man nur in der praktischen Arbeit sehen, was einem am meisten Spaß macht. Für mich ist es die Kombination von Sprache, Technik, Anwenderorientierung und vor allem, Projektziele gemeinsam mit einem Team zu erreichen. Ich jedenfalls fühle mich als Technische Redakteurin pudelwohl.

Die Übersetzung von Anleitungen als Kultur

Cover_Konventionen technischer KommunikationBrigitte Horn-Helf stellt mit „Konventionen technischer Kommunikation: Makro- und mikrokulturelle Kontraste in Anleitungen“ die Ergebnisse ihrer kontrastiven Textsortenvariantenforschung vor. Anhand von 12 Korpora hat sie Profile erstellt, die u.a. Technischen Übersetzern als praktische Arbeitshilfen dienen sollen.

Den meisten sprachwissenschaftlichen Publikationen eilt nicht gerade der Ruf voraus, besonders praxisbezogen zu sein; noch seltener wird ihren Autoren eine altruistische Zielsetzung unterstellt. Horn-Helf versucht sich mit ihrer Publikation an einem Gegenbeispiel: Sie will den Arbeitsalltag Technischer Übersetzer erleichtern und damit die Qualität (übersetzter) Anleitungstexte verbessern.

Eine gute Übersetzung…

… muss selbstverständlich inhaltlich und sprachlich korrekt sein. Aber die schnöde Aneinanderreihung von in die Zielsprache überführten Textbausteinen gelingt mittlerweile sogar dem Google-Translator (einigermaßen). Die Kunst einer professionellen Übersetzung liegt darin, den Zieltext auch den (Textsorten-) Konventionen der Zielkultur anzupassen. Und genau an dieser Stelle erkennt Horn-Helf Komplikationen.

Probleme in der Übersetzungspraxis

Zwar wird die Berücksichtigung der Zielkultur in der Übersetzungstheorie immer wieder postuliert. Selten wird diese aber in Form von konkreten Anweisungen, Hilfestellungen und Sprachratgebern für die Übersetzer greifbar gemacht. Laut Horn-Helf können sich die Übersetzer das Wissen um Textsortenkonventionen aber selbst nicht aneignen, da dafür in ihrem (wohl sehr) stressigen Arbeitsalltag einfach keine Zeit bleibe.

Man könnte annehmen, dass gerade diese Kenntnis interkultureller bzw. intersprachlicher Konventionen eine Kernkompetenz professioneller Übersetzer sein müsste. Horn-Helf erkennt diesen Anspruch aber allenfalls als weit verbreitete und anmaßende Forderung an diesen Berufsstand: Solange die Wissenschaft nicht hilft, könnten Übersetzer Textsortenkonventionen ihrer Zielsprachen höchstens „erahnen“, nie aber systematisch erfassen.

Hilfe für Technische Übersetzer

Selbstverständlich kann Horn-Helf nicht alle Technischen Übersetzern aus ihrer misslichen Lage befreien; wohl aber die, die zwischen der deutschen, englischen und russischen Sprache hin und her übersetzen. Dazu stellt sie sich der ultimativen Herausforderung: Kontrastive Textsortenprofile; genauer: kontrastive Textsortenvariantenprofile!

Bereits im Titel der Publikation wird auf den Unterschied zwischen Makro- und mikrokulturellen Kontrasten hingewiesen:

  • Makrokulturen sind für Horn-Helf die verschiedenen Kulturen bzw. Sprachen (hier: D/E/R).
  • Als Mikrokulturen bezeichnet Horn-Helf technisch-wissenschaftliche Disziplinen, wobei ihre Entscheidung für die Gegenüberstellung auf ‚Maschinenbau‘ und ‚Gerüstbau‘ fällt.

Aber Anleitungstexte müssen oft nicht nur Brücken zwischen Sprachen oder wissenschaftlichen Disziplinen schlagen:

  • Zusätzlich zu den beiden Mikrokulturen betrachtet Horn-Helf die in der Fachsprachenforschung allseits bekannte vertikale Schichtung ihrer drei Korpussprachen, auch bekannt als Theorie- und Verteilersprache oder interne und externe Kommunikation.

3 Makrokulturen [mal] 2 Mikrokulturen [mal] 2 vertikale Schichtungen – das macht 12 Korpora, die Horn-Helf auf über 100(!) sprachwissenschaftliche Analysekriterien abklopft und miteinander vergleicht. Nur ein geübter Sprachwissenschaftler kann nicht überrascht sein, ob der Menge an Dingen, die man an einem Anweisungstext betrachten und auszählen kann: Deklarationen, Sprachhandlungen, Interpunktion, Gliederungsmittel, Satzkomplexität, Typographie, Text-Bild-Relation, Parenthesen und und und.

Insgesamt umfasst die Publikation fast 1000 Seiten – aufgrund dieser Menge an Daten und Auswertungen wurden Kapitel 4-8 auf eine beiliegende CD ausgelagert. Von Interesse für die Übersetzungspraxis ist aber allein Kapitel zwei:

„Kulturspezifische Präferenzen und Translation“:

Horn-Helf nimmt sich jedes Analysekriterium vor, beschreibt ihre Ergebnisse und formuliert darauf aufbauend einen Ratschlag zur ‚translatorischen Behandlung‘.

So erfährt der Russisch-Deutsch-Übersetzer, dass er russische Imperative in imperativische Infinitive überführen sollte, da diese in deutschen Anweisungstexten üblich seien.

Bei der typographischen Gliederung von Aufzählungen bevorzugen Russen Minuskeln, Deutsche den Spiegelstrich, in englischen Texten hingegen „sollte sich die Markierung der Aufzählungsglieder grundsätzlich auf Ziffern beschränken.“

Für die Anpassung der Parenthesendichte einer deutschen Anleitung gilt für den Übersetzer die Faustregel: „Im Zuge der Translation ist die Parenthesendichte für den russischen [Zieltext] um ca. ein Drittel, für den englischen [Zieltext] auf die Hälfte zu reduzieren.“

Welche Zielgruppe hat dieses Buch?

Eine wohl überraschende erste Antwort auf diese Frage lautet: (Angehende) Kulturwissenschaftler. In ihrem ersten (weit über 300 Seiten umfassenden) Kapitel führt Horn-Helf ihren Leser äußerst detailliert und mithilfe breit gefächerter Meinungen und Zitate durch den aktuellen Forschungsstand zum Thema ‚Kultur‘: über den Kulturbegriff per se, über Universalia, hin zu kulturspezifischer Farbsemantik, Geschlechterrollen oder Freundschafts- und Höflichkeitsdefinitionen. Damit bietet Sie – beabsichtigt oder nicht – eine Art Einführung in die Vergleichende Kulturwissenschaft.

Die eigentlich angesprochenen Technischen Übersetzer müssen selbst entscheiden, ob ihnen die Beschäftigung mit Horn-Helfs Forschungsbeitrag ihre Arbeit erleichtert. Ein selektives Querlesen ist für diesen Berufsstand sicher interessant; wobei aber ein wichtiger Faktor (vor allem in Hinblick auf die Qualität der übersetzten Texte) nicht übersehen werden sollte: Horn-Helf bildet den Status quo von Anweisungstexten zum Zeitpunkt ihrer Korpuszusammenstellung ab – ohne Einbeziehung der jeweiligen makrokulturellen Verständlichkeitsforschung. So mag der imperativische Infinitiv in deutschen Anleitungstexten die Vormachtstellung haben; viele Verständlichkeitsforscher und Technische Sprachratgeber wären den Übersetzern aber sehr dankbar, wenn wenigstens sie von seiner Verwendung absehen würden.

Literatur: Horn-Helf, Brigitte: Konventionen technischer Kommunikation: Makro- und mikrokulturelle Kontraste in Anleitungen. FFF – Forum Fachsprachen Forschung, Bd. 91. Verlag Franck & Timme, Berlin, 612 Seiten mit CD. ISBN 978-3-86596-233-1

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Connecting Content

doctima_contentconnectWar mein letzter Beitrag ein Plädoyer dafür, die wertvollen Inhalte aus der Technischen Redaktion an möglichst vielen Stellen wiederzuverwenden, möchte ich diesmal davon berichten, wie wir Sie bei der Erledigung dieser Aufgabe unterstützen können. In diesem Beitrag geht es darum, was unser neues Werkzeug ContentConnect leistet, welche Aufgaben es dazu bewältigt, und welche Vorteile Sie als Anwender daraus ziehen können.

Ziele: Was ContentConnect leistet

ContentConnect verbindet Content-Plattformen miteinander. Um das Grundprinzip des Werkzeugs zu verstehen, beschränke ich mich in diesem Beitrag auf den einfachen Fall mit einer Quelle (SCHEMA ST4) und einem Ziel (TYPO3). Mit der Fähigkeit, auch Inhalte aus mehreren Quellen zu kombinieren und die Ergebnisse in mehrere Zielsysteme zu verteilen, sind der redaktionellen Fantasie aber grundsätzlich alle Türen geöffnet.

Unseren ersten ContentConnect -Kunden ging es darum, Produktinformationen aus dem CMS der Technischen Reaktion nahtlos in die vom Marketing betreute Unternehmens-Website zu integrieren. Besucher der Website sollten Zugang zu den Produkten finden

  • über die Navigation durch die Hierarchie der Produktgruppen,
  • durch die indizierte Suche des Web-CMS und
  • einen „Product Finder“, also eine Facetten-Suche, wie man sie von großen Webshops her kennt.

Für den Anwender sollten sich die Produktinformationen nahtlos in die Web-Umgebung integrieren, sie sollten nicht bemerken, dass die Daten extern in das System eingespeist werden.

Inhalte: Was überträgt ContentConnect?

ContentConnect kopiert nicht einfach Daten. Er nutzt die im Content enthaltene Information, um einen wirklichen Mehrwert zu erreichen.

Strukturierte Informationen

Struktur einer Produktseite auf hilscher.com

Struktur einer Produktseite auf hilscher.com

Produktbeschreibungen sind strukturierte Information: Produktbezeichnung, Highlights, Technische Details, Bestellinformationen, Produktbilder, usw. werden als identifizierbare Bausteine übertragen. Diese lassen sich z. B. in Seiten-Templates eines Web-CMS einpassen. Systeme wie TYPO3 oder Contao unterstützen modulare Seiten-Layouts und bieten hierfür eine hervorragende Grundlage.

Mehrsprachigkeit

Ein zentraler Vorteil von Redaktionssystemen in der Technischen Redaktion ist das meist hervorragende Übersetzungs-Management. Gängige Web-CMS können gerade bei diesem qualitäts- und kostenkritischen Thema bei weitem nicht mithalten. ContentConnect überträgt alle Informationen in beliebig vielen Sprachen.

Metadaten

Produktinformationen im Redaktionssystem der Technischen Redaktion sind in der Regel mit Metadaten zu Filter- bzw. Ausgabezwecken angereichert. Sie geben zum Beispiel an, ob ein Produkt eine bestimmte Farbe hat, ein bestimmtes Betriebssystem unterstützt oder für einen speziellen Markt geeignet ist. Diese Metadaten lassen sich auch im Web verwenden, um z. B. mit einem Produktfinder einen zusätzlichen Zugang zu den Produkten zu schaffen, oder um den Navigationspfad durch Filter zu verschlanken. Wie wir das mit unserem Kunden Hilscher umgesetzt haben, können Sie unter den folgenden Links nachvollziehen:

Grafiken und Binärdateien

Produktbilder, Downloads, Infografiken: Grafiken und Binärdateien sind essenzieller Bestandteil des Contents und werden selbstverständlich mit bereitgestellt.

Querbeziehungen

Querbeziehungen zwischen Informationsbausteinen werden beim Transfer aufrechterhalten: Bei unserem Kunden waren das beispielsweise:

  • Hierarchien, z. B. die Einordnung in Produktgruppen,
  • Verweise auf zugehörige Produkte wie Zubehör oder Alternativen,
  • Links auf zugehörige Treiber-Downloads oder
  • eingebettete Bilder und Grafiken.

Generierte Inhalte

Nicht immer liegen alle Informationen, die im Zielsystem benötigt werden oder sinnvoll sind, in der Technischen Redaktion vor. Deshalb haben wir in ContentConnect vorgesehen, die zu übertragenden Inhalte regelbasiert anzureichern. Einige Beispiele:

  • Download-Links erhalten – abhängig vom Datentyp den Linkziels – PDF- oder DVD-Symbole.
  • Das Metadatum „unterstützte Technologien“ eines Produkts wird in eine Galerie von Logos dieser Technologien umgesetzt.
  • Telefonnummern in Kontaktadressen werden automatisch mit Telefon-Links versehen, die vom Smartphone aus bzw. über Skype o. ä. direkt angewählt werden können.

Aufgaben des Werkzeugs

Um die oben beschriebenen Inhalte abbilden zu können, erledigt der Content Connect die folgenden Aufgaben:

  • Benutzerauthentifizierung in Quell- und Zielsystemen,
  • Integration des ContentConnect in Quell- und Zielsysteme,
  • Objekte in Quell- und Zielsystem identifizieren und aufeinander abbilden,
  • Umsetzung von Quell- in Ziel-Datenmodell,
  • Konvertierung und Anreichern der Inhalte in Ziel-Markup,
  • Differenz-Upload für Grafiken und Ressourcen.

Alle Abläufe werden dabei vollständig über eine individuelle Konfiguration gesteuert. So können wir auf Kundenwünsche flexibel eingehen.

Vorteile aus Anwendersicht

Der Leiter der Technischen Redaktion bei unserem Kunden Hilscher hat die Vorteile des Systems aus seiner Sicht zusammengestellt und mit mir in einem Vortrag auf der tekom-Tagung 2015 präsentiert.

  • Für den Kunden erleichtert sich der Zugang zu den Produkten des Unternehmens. Filter und Produktfinder ergänzen die Navigation. Die umfassende, konsistente Information liegt in allen relevanten Sprachen vor.
  • Für den Vertrieb sinkt der Kommunikationsaufwand, während die Vertriebsqualität steigt. Ein gemeinsamer Blick auf die Website ermöglicht ein viel direkteres Eingehen auf den Kunden.
  • Das Marketing erhält eine Website mit umfassenden, mehrsprachigen Produktbeschreibungen, optimal für SEO-Zwecke, bei gleichzeitiger Arbeitsersparnis.
  • Das Produktmanagement kann leichter individuelle Highlight-Informationen bereitstellen.
  • Für den Controller verbessert sich das Übersetzungs-Controlling. Unnötige Aufwände durch Mehrfacherfassung von Technischen Daten, Produktbeschreibungen etc. entfallen, dagegen steigen Publikationsgeschwindigkeit und -konsistenz.

Weitere Informationen finde sich in unserem Foliensatz zur tekom Jahrestagung 2015 (H. Hentsch, E. Hellfritsch „Technische Redaktion als Marketing-Turbo“).

Zusammenfassung

Der generische Ansatz, den wir mit ContentConnect verfolgen, stellt die Informationsfülle der Technischen Redaktion unternehmensweit zur Verfügung. Nahtlos eingebunden in die native Datenhaltung des Zielsystems kann der vorhandene Content an vielen unterschiedlichen Stellen zusätzlichen wertvollen Nutzwert generieren.

Content Connected

Content Connected

Content Connected

Kürzlich gestand mir eine Technische Redakteurin: „…Und dann kopiere ich die einzelnen Technischen Daten in die Eingabemaske für die App und das Online-Portal. Das ist schon recht mühselig.“

Ein anderer Redakteur zeigte mir vor einiger Zeit seine Lösung: Er erzeugt aus seiner Redaktionslösung einige tausend statische HTML-Produktbeschreibungen, mit eigenem Navigationsbereich und allem, um das Ganze dann in einem iFrame in die Webseite einzukleben, die selbstverständlich dynamisch von einem Web-CMS (WCMS) erzeugt wird. Weder die Suchmaschine noch die Sprachumschaltung der Site sind angebunden. Optik und Bedienbarkeit sind damit -nun ja- diskutabel.

Solche und ähnliche Szenarien begegnen mir immer wieder. Was mich dabei fuchst: In beiden Fällen arbeiten Technische Redaktion und Marketing mit hochprofessionellen Werkzeugen und Methoden. Auf dem Weg zum Anwender verpufft aber die ganze schöne Effizienz an fehlenden Schnittstellen.

Schatzkiste Technische Dokumentation

Was leider oft übersehen wird: In der Technischen Redaktion entstehen mit professionellen Methoden und Werkzeugen hochwertige Inhalte:

  • Konsistente, qualitätsgesicherte und umfassende Produktinformationen,
  • Strukturierte Informationen, die personalisierte Darstellung bzw. Filterung erlauben – so entstehen aus demselben Ausgangsmaterial Sichten für Kunden, Partner, Mitarbeiter,
  • Hochwertige und durch Standardisierung kostengünstige Übersetzungen,
  • Professionell erstellte Grafiken und Bilder,
  • Metadaten, die z. B. über Facettensuche oder Kriterienfilter einen gezielten Zugang zum Produktportfolio ermöglichen.

Diese Inhalte werden häufig ausschließlich für die mit dem Produkt ausgelieferte Technische Dokumentation verwendet. Bestenfalls erstellt die Technische Redaktion auch Schulungsunterlagen und Produktblätter.

Profit für mehr Abteilungen

Wir haben uns diese Schnittstellen einmal systematisch angesehen und waren selbst überrascht, wie viele Unternehmensbereiche von diesem Datenschatz profitieren könnten. Insbesondere für Vertrieb und Marketing bieten sich vielfältige Optionen, die Informationen im Unternehmen weiter zu verwerten:

  • Produktbroschüren, Kataloge
  • Website, Shop
  • Produktpräsentations-Unterlagen
  • Reparatur- und Wartungsanleitungen
  • Support-Datenbank, Knowledge Base
  • Anforderungs-Management
  • ERP, PLM
  • … u. v. m.

Diese Informationsangebote entstehen zum überwiegenden Teil nicht in der Technischen Redaktion. Es gibt aber an zahlreichen Stellen Schnittmengen zu den Daten, die in der Technischen Redaktion erarbeitet werden. Nicht immer, und da sind wir wieder bei den Beispielen vom Anfang dieses Beitrags, findet allerdings an diesen Schnittstellen ein effizienter Abgleich statt.

Ein typisches Szenario sieht meist so aus:

  • Mehrfacherfassung und/oder Copy-Paste,
  • inkonsistente, teils widersprüchliche Stände zwischen den Medien,
  • fehlende Sprachversionen in einigen der Medien,
  • Verzögerungen und Koordinationsprobleme zwischen den Medien,
  • detaillierte Produktinformationen sind im Web nur als PDF verfügbar (Lokale Suchmaschine, Google, User Experience, etc.).

 

Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir unser neues Produkt ContentConnect entwickelt. Mit ihm schaffen wir eine konfigurierbare Schnittstelle, um die Informationen aus der Technischen Redaktion an fast beliebiger Stelle automatisiert einbinden zu können. Zu den Details des ContentConnect und konkreten Einsatzbeispielen lassen wir demnächst einen eigenen Beitrag folgen.

Was ist neu in TYPO3 7.6?

TYPO3 7 CMS Backend

TYPO3 7 CMS Backend | Screenshot @steffenduesel

Nach sieben Sprint-Releases ist endlich die neue LTS-Version (Long-Term-Support-Version) von TYPO3 veröffentlicht worden. Sie wird voraussichtlich bis Ende April 2017 noch weiterentwickelt. Bis November 2018 sollen Sicherheitsupdates und wichtige Fehlerbehebungen als Update zur Verfügung stehen. Es lohnt sich aber schon jetzt einen Blick unter die Haube zu werfen und zu sehen, was sich Neues ergeben hat.

Höhere Performance

An der Performance von TYPO3 CMS wurde ziemlich geschraubt. Es wird nun der Composer Autoloader für PHP-Klassen verwendet. Wenn eine TYPO3-Installation mittels Composer installiert wurde, profitiert sie in vollem Umfang vom neuen Autoloader. Alle anderen Installationen funktionieren natürlich weiterhin, der alte Autoloader wird parallel beibehalten.

Spürbare Performanceverbesserungen sind auch beim Rendern von Fluid-Template-Dateien und ViewHelpern gemacht worden, die sich beim Rendern des Frontends sowie Backends durch einen schnellen Aufruf bemerkbar machen.

Verbessertes Backend

Gegenüber den offensichtlichen Änderungen am Backend-Design hat sich auch einiges im TYPO3-Core getan. So setzt das Backend nun auf Twitters Bootstrap auf und wurde um einige JavaScript-Bibliotheken erleichtert. Außerdem wurde das Backend auch für mobile Geräte aufbereitet. Statt nur die Ansichtsgröße auf das Display anzupassen, blendet das Backend hier nur noch diejenigen Elemente ein, die auf der aktuellen Viewport-Größe auch wirklich bedienbar und nützlich sind. Ansonsten wurde damit begonnen, den HTML-Code des Backends aufzuräumen und semantischer zu strukturieren.

Screenshot @steffenduesel

Screenshot @steffenduesel

Im Listen- und Seiten-Modul kann der Seitentitel nun auch inline geändert werden. Außerdem wurde die API für den Backend-Login überarbeitet. Diese kann nun flexibler mit externen Systemen wie z.B. OpenID umgehen.

Eine nette Spielerei: Backend-Nutzer können jetzt im Benutzerprofil einen Avatar hochladen, der dann im Changelog neben dem Namen angezeigt wird. Ansonsten kann man jetzt sehen, welcher Nutzer gerade eingeloggt ist. Auch die (Entscheidungs-)Dialoge wurden besser an das übrige User-Interface des Backends angepasst.

Um die Zusammenarbeit im Backend zu erleichtern, haben manche Einträge, wie z.B. die Inhaltselemente, ein internes Beschreibungsfeld bekommen, das nur im Backend angezeigt wird. Hier können Nutzer zusätzliche Informationen hinterlegen, die bei der Bearbeitung beachtet werden sollen.

zu guter Letzt eine gute Nachricht für SVG-Fans: SVG-Grafiken werden jetzt per default unterstützt und können im Backend eingebunden werden.

Weitere Erneuerungen

Mit der neuen TYPO3 CMS Version wird ein neuer Inhaltstyp Namens „Fluid Styles Content“ eingeführt. Damit können TYPO3-Entwickler nun standardmäßig Inhaltselemente ausgeben, indem sie mit Fluid arbeiten. Komplexer TypoScript-Code ist damit nicht mehr notwendig.

Man kann jetzt Dateien in der FAL Dateiliste ersetzen, wobei der alte Dateiname beibehalten oder wahlweise der neue verwendet wird. Zudem enthält das Install-Tool ein neues CleanUp-Tool, mit dem sich FAL-Dateien löschen lassen.

Das letzte Feature, das ich hier erwähnen möchte, ist die Optimierung beim Update von Erweiterungen. Bislang installierte der Erweiterungsmanager immer die neueste verfügbare Version der Erweiterung. Nun erscheint jedoch erst ein Dialogfenster, bei dem man die Version zum Update wählen kann.

Fazit

Visuell zeigt sich TYPO3 in einem frischen, zeitgemäßen Design. Durch den gleichen Aufbau finden sich auch Redakteure, die mit älteren TYP3-Versionen gearbeitet haben, schnell wieder ein.

Der Code im TYPO3-Core ist nun moderner und schlanker. Durch die neuen APIs und das Entfernen veralteter Komponenten ist die Anpassung für Entwickler flexibler geworden. Durch die modernen Technologien, die TYPO3 einsetzt, steigt auch die Sicherheit.

Vom Entwickler-Standpunkt aus wird die Entwicklung von Erweiterungen für TYPO3 7.6 sicherlich neue Herausforderungen geben, liefert aber mit dem aktuellen TYPO3-Core gleichzeitig eine gute Palette neuer APIs dafür.

Hilfe, die Praktikanten sind da!

Korbinian Geiger (23, Bild links) und Korbinian+TheoTheo Helmberger (28, Bild rechts) unterstützen zurzeit als Praktikanten seit dem ersten Oktober respektive zweiten November die technische Redaktion im unserem Haus. Wir haben sie gebeten, kurz über ihr Praktikum zu berichten.

Wie seid ihr zu uns gekommen?

Korbinian: Ich studiere technische Redaktion und Kommunikation im fünften Semester an der Fachhochschule München. Das fünfte Semester ist wie bei vielen Studiengängen an der Fachhochschule ein Praxissemester. Die große Aufgabe des letzten Semesters vor den Sommerferien (in denen erfahrungsgemäß für das Studium wenig bis nichts passiert) war also, einen Praktikumsplatz zu finden. Mein erster Weg führte mich zu den Stellenanzeigen – in der Hoffnung, dort fündig zu werden. Die Hoffnung erfüllte sich und unter den Unternehmen kam mir ein Name bekannt vor: doctima. Den habe ich doch schon mal gehört. So war es auch – in meinem Studium bin ich während der Recherchen zu einer Präsentation auf diesen Blogbeitrag über die Bedeutung von Zielgruppen gestoßen. Deshalb habe ich mich entschieden, mein Praktikum bei doctima zu machen.

Theo: Im Gegensatz dazu bin ich Quereinsteiger im Bereich Technische Redaktion. Nach meinem Magisterabschluss in Japanologie letztes Jahr war ich auf der Suche nach einem für mich passenden Beruf. Trotz vieler Ideen und Empfehlungen (wie dem Klassiker „Irgendwas mit Japan“) entschied ich letztendlich, dass es mit „Dinge erklären“ zu tun haben sollte. Ich liebe es Dinge/Konzepte/Sachverhalte zu erklären. Von einem früheren Treffen mit Katrin Thurnhofer erinnerte ich an ihre Firma, die mit – genau passend – „irgendetwas mit Sachen erklären“ zu tun hat. Also habe ich zum Hörer gegriffen und mir erst einmal erklären lassen, was es denn mit dieser Technischen Dokumentation auf sich hat. Zu Zeit meiner Anfrage war Korbinian gerade in einem auswärtigen Kundenprojekt beschäftigt und die Redaktion gleichzeitig mit Arbeit überlastet, aber eben de-facto ohne Praktikant. Daher hat es sich für beide Seiten angeboten, dass ich an meine telefonische Kurzeinführung ein Praktikum anschließe.

Was macht ihr bei uns? Welche Aufgaben habt ihr?

Theo:  Durch mein fehlendes Wissen über Technische Redaktion und den Zeitdruck zu Beginn meines Praktikums bedingt, bestanden meine Aufgaben in den ersten Wochen hauptsächlich aus Korrekturlesen. Trotz meiner Vorkenntnisse als Geisteswissenschaftler habe ich dabei jedoch noch einiges über das Thema Lektorat gelernt. Erst nach der Lastspitze war dann Zeit für eine Einarbeitung in ST4, Content-Management und ähnliche Gegenstände der Technischen Redaktion. Die Contentpflege eines überarbeiteten maschinenübergreifenden Bedienungskapitels – ein Großprojekt das selbst nach 2 Jahren noch nicht abgeschlossen ist – ist zum Beispiel größtenteils meine Aufgabe. Zusätzlich habe ich zudem bei der Vorbereitung für die Tekom-Jahrestagung und der Weihnachtsaktionen mitgeholfen.

Korbinian: Bei mir Verschiedenes. Anfangs waren die Arbeiten die üblichen Verdächtigen wie Formulare kopieren, Bibliotheksverwaltung, Recherchearbeiten und unkritischen Kleinkram. Theo hat bereits die Arbeit beim Kunden erwähnt, der mit den Inhalten seiner sehr umfangreichen Internetseite umgezogen ist. Nach meiner Rückkehr sind es aber hauptsächlich Arbeiten aus dem Bereich der technischen Dokumentation. Dazu gehören die Nachformatierung von maschinell produzierten Dokumenten, Lektorate und Transfer von Fremddokumentation.

Wie lange musstet ihr euch einarbeiten?

Theo: Nach etwa einer Woche war ich größtenteils akklimatisiert. Was die Aufgaben angeht, so konnte ich vom ersten Tag an mithelfen. Die Kollegen hier sind sehr gut darin die Aufgaben so aufzuteilen und benötigtes Wissen mitzuliefern, dass für jedes Level an Vorkenntnissen etwas dabei ist. Allerdings gab es auch nach 4 Monaten noch neue Sachen zu lernen, wenn eine neue Aufgabe anstand. Dadurch dass man als Praktikant zwischen Projekten wechselt, ist immer irgendetwas anders.

Korbinian: Es vergingen drei bis vier Tage, bis ich einzelne einfache Aufgaben ohne Nachfragen bearbeiten konnte. Als Frischling musste ich mich zuerst in der Netzwerkumgebung und in den internen Wissenspoolen zurechtfinden. Aber bevor ich davon irgendetwas sehen konnte, hat sich Johannes Dreikorn die Zeit genommen und mit mir zusammen die Arbeitsumgebung eingerichtet. Einige Fragen haben sich dann nach einem Blick in den internen Wissenspool geklärt, für manche Dinge muss ich aber immer noch nachfragen, zum Beispiel dann, wenn es um projektspezifische Corporate Designs oder ähnliches geht. Inzwischen läuft die Beseitigung von Unklarheiten aber nebenher, sodass ich mich auf die Arbeit konzentrieren und dabei noch Spaß haben kann.

Macht euch die Arbeit hier eigentlich auch Spaß?

Korbinian: Hier kann sich jeder seine Zeit frei einteilen. Wir arbeiten in Gleitzeit. Natürlich gibt es eine ungefähre Terminplanung, aber jeder entscheidet selbst, wann was bearbeitet wird und wann Pause ist. Es gibt immer was zu tun, man sitzt nie seine Zeit ab. Meistens steht irgendeine Recherchearbeit an, die nicht zeitkritisch ist und im Hintergrund läuft. Abgesehen von der Arbeit ist niemand, den ich bisher kennengelernt habe (und das sind nach vier Monaten doch einige), unfreundlich. Das „Du“ ist hier das Normalste der Welt. Als technische Redaktion ist die doctima auch ein Hort für Leute, die etwa auf der gleichen Wellenlänge sind und so kommt es, dass sich die Gespräche nicht immer um Verben, Texte und Dokumentation drehen, sondern auch mal um die neuesten Filme, Spiele oder Serien. Nicht zu vergessen der ‚Leberkas-Express‘. Falls jemand mittags zum Bäcker oder Metzger fährt, dann wird vorher rumgefragt, ob noch jemand etwas haben will.

Theo: Das stimmt, die Gleitzeit trägt maßgeblich dazu bei. Ansonsten würde ich neben der interessanten und erfüllenden Arbeit auch die Büroräume und das allgemeine Arbeitsklima anmerken. In einem hellen, offenen Büro wie diesem ist es nicht schwer sich wohl zufühlen und die gut ausgestattete Küche trägt ihr Übriges dazu bei. Frotzeleien zwischen IT und Redaktion (Ja, liebe IT, ich esse nunmal langsam!) oder nachmittägliche Blödeleien sorgen zusätzlich für eine lockere Atmosphäre.

Wie ist für euch unsere räumliche Erreichbarkeit?

Korbinian: Die doctima liegt etwas außerhalb der Stadt in einem neu angelegten Industriegebiet. Es kommt also auch frische Luft rein, wenn das Fenster geöffnet wird. Mit dem Bus bräuchte ich etwa eine halbe Stunde von der Innenstadt bis zur doctima. Meistens fahre ich aber mit dem Fahrrad. Der Weg zur doctima führt über Fahrradwege oder ruhige Straßen und ist mit fünf Kilometern nicht übermäßig lang. Sehr wichtig: Obwohl die doctima etwas außerhalb liegt, gibt es für den Hunger zwischendurch in vier Fahrradminuten einen Rewe mit Bäcker und Döner und in fünf Fußminuten die gute Kantine des Fraunhofer-Instituts.

Theo: Für mich verhält es sich ähnlich, da ich auch mit dem Fahrrad komme. Daher finde ich es auch sehr gut dass man Fahrräder im Haus abstellen kann. Der Rewe liegt zudem direkt auf meinem Heimweg und ist somit sehr praktisch wenn man erst um halb acht Uhr abends aus dem Büro kommt (was ich Langschläfer gerne tue).

Was könnt ihr aus eurer Zeit bei uns mitnehmen?

Theo: Mein hauptsächlicher Wissensgewinn erstreckt sich auf die Grundlagen der Technischen Redaktion (Was ist Sinn und Zweck/Ziel der TR und wie wird dieses erreicht) und die Erkenntnis, dass ich in diesem Beruf arbeiten möchte. Darauf aufbauend habe ich die verschiedenen Möglichkeiten in den Beruf einzusteigen gelernt (Studium, berufsbegleitende externe Weiterbildung, Weiterbildung in Vollzeit, berufsbegleitendes Studium, Ausbildung, Tekom-Volontariat). Zudem hat mir meine Zeit hier gezeigt, wie wertvoll nicht TR-bezogenes Wissen sein kann: Der „andere Blickwinkel“ ist nicht zu unterschätzen. Darüber hinaus weiß ich jetzt mehr über die Struktur von Anleitungen und Arbeitsabläufen, Grundlagen in InDesign und Photoshop sowie XML und ST4.

Korbinian: Mir als Student im Praxissemester war natürlich wichtig, das Gelernte auch praktisch anzuwenden. Was ich im Studium über Word, InDesign, Terminologie und allgemein über Content-Management-Systeme gelernt habe, das hat sich in der Praxis als nützlich herausgestellt. Was ich im Studium nicht gelernt habe, das ist der tägliche Arbeitsablauf eines Redakteurs. Zur Redaktion gehört eben nicht nur Schreiben, sondern auch Zeitmanagement, Verwaltung und der Informationsaustausch mit anderen Redakteuren und mit Kunden. Mitgenommen als allgemeine Weisheit habe ich, dass Verbesserungsvorschläge auch von Praktikanten durchaus erwünscht sind und man keine Scheu haben sollte, sich einzubringen.

Wir möchten am Schluss noch für die tolle Zeit in eurer Firma danken! Hoffentlich ist unser Abschied keiner für immer.

Strategische Unverständlichkeit: Schreiben als Trick

Teuflische Tricks beim Texten (c) Harald Wanetschka / pixelio.de

Teuflische Tricks beim Texten
(c) Harald Wanetschka / pixelio.de

Auf den letzten Beitrag bekamen wir eine Menge Zuspruch und Ermunterung auf Linkedin, Twitter und XING.Vor zwei Wochen haben wir uns ja hauptsächlich graphische Tricks und Layoutfragen angesehen. Daneben gibt es aber auch eine ganze Reihe von Tricks auf allen sprachlichen Ebenen, mit denen sich durch Unverständlichkeit kommunikative Ziele ertricksen lassen.

Noch ein Wort vorab: Je besser diese Tricks gemacht werden, desto schwerer lässt sich nachweisen, ob der Effekt beabsichtigt ist, zufällig erzielt wird oder auf der einfachen Unfähigkeit beruht, Texte einfach und verständlich zu schreiben. Aber dass diese Tricks auch bewusst eingesetzt werden, daran lässt sich kaum zweifeln.

Textsortenmerkmale

Textsorten erkennen wir an diversen Merkmalen, z. B. Layout, Sprachstil, Einbettung in Handlungszusammenhänge und Kombination mit ergänzenden Textsorten. In fast perfekter Weise nutzen Handelsregister-Scammer diese Merkmale aus, um Existenzgründer um ihr Geld zu erleichtern. Der Trick besteht darin, dass sie nach der Anmeldung im Handelsregister ein Schreiben faxen oder schicken, das im typischen Behörden-Deutsch formuliert ist und als Ergänzung einen Überweisungsvordruck beigelegt hat. Dadurch entsteht der Eindruck, dass des eine offizielle Zahlungsaufforderung ist. Viele Gründer dürften auf diese Betrugsmasche hereinfallen. Schöne Beispiele von solchen Anschreiben finden sich übrigens auf fuer-gruender.de.

Satz- und Textlänge

Überlange Texte sind natürlich hervorragend geeignet, um missliebige Informationen vor dem Benutzer zu verstecken. Auch in den Reaktionen auf den ersten Beitrag zu diesem Thema sind vielen die sogenannten EULAs eingefallen. Das Prinzip funktioniert aber auch mit Sätzen.

Manche Texte sollen aufklären, stammen aber aus einem juristischen Umfeld mit den entsprechenden Bandwurmsätzen. In einem Fondsprospekt habe ich z. B: folgendes (anonymisiertes) Monstrum mit 47 Wörtern gefunden:

„Der Teilfonds strebt Kapitalwachstum vornehmlich durch Anlagen in Aktien und aktienähnlichen Instrumenten an, die ein Engagement in Unternehmen bieten, die ihren Geschäftssitz in den Schwellenländern, insbesondere Ländern in Lateinamerika, Südostasien, Afrika, Osteuropa (einschließlich Russland) und im Nahen Osten haben oder dort den überwiegenden Teil ihrer Geschäftstätigkeit ausüben.“

Alles klar? Dann steht Ihrer Investitionsentscheidung ja nichts mehr im Weg.

Struktur-Tricks

Texte haben bestimmte Strukturen und mit diesen kann man Leser manipulieren. Ein einfaches Beispiel sind Tweets folgender Art: „Gefahr für Hundebabies in Hamburg. Warum kann kein http://bit.ly/XYZZXY “ Wir können solche unvollendeten Sätze kaum ertragen und klicken dadurch häufiger auf den Link, als wenn wir wüssten, was uns an der verlinkten Stelle erwartet. Das heißt, wie ich die Beziehung zwischen Ausgangstext (Tweet) und verknüpftem Text (Webseite) aufbaue, manipuliert die Interaktionsbereitschaft des Lesers.

Ähnlich funktioniert das in dieser Bannerwerbung:

datenschutz-info

 

 

 

Wenn Sie jetzt denken, dass der Link auf „Datenschutzinfo“ auch wirklich zu Datenschutz informiert, dann sind Sie in die Falle getappt. Denn tatsächlich öffnet sich eine Vermarktungsseite für Googles Adsense

datenschutz-info_adsense

 

 

 

Über die Beschriftung des Links werden also Erwartungen geweckt, die dann nicht eingehalten werden. Denn „Kaufen Sie hier“ ist alles andere als eine Datenschutz-Info.

War das alles?

Vielleicht: Tatsächlich gibt es noch eine Menge von Beispielen, wie Sprache manipulativ verwendet wird (warum muss ich jetzt an Politik denken?). Mich würde aber interessieren, was unseren Lesern und Leserinnen untergekommen ist. Die interessantesten Beispiele würde ich dann (zusammen mit weiteren eigenen) in Folgeposts hier vorstellen.

Endlich Kohle! Profit First von Mike Michalowicz

Mike Michalowicz: Profit First

Mike Michalowicz: Profit First

Ich muss zugeben, dieses Buch liegt schon seit längerem zur Rezension bei mir auf dem Schreibtisch. Das hat zwei Gründe: Zum einen bin ich vermutlich nicht die richtige Zielgruppe. Wenn man seit fast zwanzig Jahren erfolgreich ein Unternehmen leitet, dann sind grundlegende Fragen der Unternehmensführung nicht unbedingt die Themen, die die höchste Priorität haben. Und zum anderen hat mich auch die Autoren-Biografie nicht unbedingt angesprochen; das klang mir zu sehr nach New Economy, nach „brillanter“ Start-up-Schwätzer und „Ich mache euch alle reich:“

Und wie war es?

„Aber man kann ja immer dazulernen“, habe ich mir gedacht. Und ich muss sagen, ich habe es zumindest nicht bereut, das Buch gelesen zu haben. Im Kern dreht es sich darum – so viel will ich hier vom Inhalt verraten – das buchhalterische Denken umzudrehen. Während man traditionellerweise sagt: Umsatz – Kosten = Gewinn stellt Michalowicz die Formel auf den Kopf und definiert Umsatz – Gewinn = Kosten. Mathematisch ist das äquivalent; es macht aber trotzdem einen Unterschied. Denn bei der klassischen Sichtweise ist der Gewinn das, was am Ende (hoffentlich) übrigbleibt. Der Fokus liegt also auf dem Umsatz und die Kosten werden solange dazu neigen sich dem Umsatz anzugleichen bis kein Gewinn mehr übrig bleibt. Kehrt man die Formel um, dann heißt das: Setze den Gewinn als fix und gestalte die Kosten so, dass der Gewinn erhalten bleibt.

Klar, das ist kein wirklich neuer Gedanke. Aber ich habe ihn bisher selten so deutlich ausformuliert gesehen; das muss man Michalowicz zu Gute halten. Und er hat diesen Gedanken konsequent zu Ende gedacht und bis auf konkrete Maßnahmen heruntergebrochen. Im Prinzip kann man also gleich loslegen. Und das ist auch, was Michalowicz dem Leser (nicht nur einmal) empfiehlt.

Ja, aber…

Und jetzt komme ich zum großen Manko dieses Buches. Das Buch ist sehr amerikanisch. Und wenn ich sehr amerikanisch sage, dann meine ich sehr, sehr, SEHR amerikanisch. Dem Verlag kann hier keinen Vorwurf machen; tatsächlich hat er sogar versucht, das Buch an deutsche Gegebenheiten anzupassen. Dennoch war es letzten Endes dieser „Jeder kann es schaffen“- und „Ich mache euch alle reich“-Tonfall, den ich schon vorher befürchtet hatte. An manchen Stellen kam ich mir so vor, als sei ich in einem Homeshopping-Kanal gelandet – „mit echten Zirkonen!“

Das mag im amerikanischen Original nicht weiter stören; die Tonalität im Marketing ist in den USA einfach plakativer. Im Deutschen hat das auf mich allerdings unseriös gewirkt. Und mal ganz ehrlich, will man seine Firmenfinanzen auf eine Idee abstellen, die man für unseriös hält?

Für wen ist das etwas?

Wie schon gesagt: ich würde mich nicht trauen, meine berufliche Existenz auf diese Basis zu stellen. Wenn man allerdings am Anfang seiner selbständigen Laufbahn steht, kann man das durchaus anders sehen. Oder wenn man generell auf „Chakka“-Rufe in seinem Business steht. Denn rein inhaltlich habe ich nichts auszusetzen. Die Botschaft glaub ich wohl, allein mir fehlt das Vertrauen.

Literatur: Michalowicz, Mike: Profit First. Ein einfaches System, jedwedes Unternehmen von einem kapitalfressenden Monster in eine Geldmaschine zu verwandeln. budrich Inspirited, Opladen / Berlin / Toronto ISBN 978-3-8474-0672-3

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

 

Strategische Unverständlichkeit

Gerd Antos in Aktion

Gerd Antos in Aktion

Vorbemerkung: Diesen und den dazugehörigen Folgebeitrag möchten wir Gerd Antos zum Abschied widmen, einem wahren Titanen der Verständlichkeits- und Wissenstransferforschung. Wir wünschen ihm einen Ruhestand, der seinen Namen nicht verdient. Denn wer Gerd kennt, der weiß, dass er auch nach seiner akademischen Tätigkeit gewohnt umtriebig bleiben wird.

In unserem Alltag bei doctima nimmt die Frage, wie wir Dinge verständlich bekommen, einen großen Raum ein. Meist sind Texte unverständlich, weil die Autoren und Autorinnen es schlicht nicht besser geschafft haben. Sei es aus Zeitmangel, aus (schlechter) Gewohnheit oder auch mit guten Absichten, die dann doch fehlschlagen.  Manchmal ist Unverständlichkeit aber auch strategisch beabsichtigt …

Grundlagen der Unverständlichkeit

Um einem falschen Eindruck gleich vorzubeugen: Nein, man kann nicht zu uns kommen, um sich erklären zu lassen, wie man Informationen möglichst gezielt verschleiert oder missverständlich formuliert. Aber: Die Ratschläge, die Texte verständlicher machen, sind umgekehrt auch die Methoden für strategische Unverständlichkeit. In diesem und einem weiteren Beitrag will ich einmal zeigen, wie das funktioniert.

Getäuschte Erwartungen

Die Bezeichnung „Kleingedrucktes“ ist ja sprichwörtlich geworden für Dinge, die in einem Vertrag verschwiegen werden sollen. Mit Gestaltung lässt sich natürlich auch auf andere Weise Unfug treiben: Geringe Kontraste, zu kleine oder große Zeilenlängen, schlecht lesbare Fonts – es gibt zig Varianten, wie durch Gestaltung Inhalte verheimlicht werden.

Etwas trickreicher ist das Gestaltungs-Mimikry. In seiner einfachsten Form sind Gestaltungselemente (Buttons, Links etc.) nicht an der Stelle, an der man sie vermutet. Das sieht man schön an diesem Banner:

trickbanner1 Der „Schließen“-Button ist hier auf der ungewohnten linken Seite. Das Banner wird dadurch tendenziell eher nicht weggeklickt. Hinzu kommt, dass der Button auch optisch nicht unseren Erwartungen (eckig, dreidimensional, Kreuz nicht als Teil des Untergrunds) entspricht. Die Erklärung „Close“ verschleiert hier die Funktion eher, als dass sie hilft. Denn wir sind gewohnt dass Funktionselemente intuitiv erfassbar sind.

Tarnen und Täuschen

Noch einen Schritt weiter geht dieses Banner:

trickbanner2

 

 

 

Ja, man kann auch dieses Banner wegklicken. Der Button dafür ist aber ebenfalls an der unüblichen Stelle oben links. Außerdem ist er außerhalb der geschlossenen Gestalt des rechteckigen Banners auf einem durchsichtigen Untergrund, so dass er mit dem darunterliegenden Text verschwimmt.

Getarnte Jäger

Besonders perfide ist ein Trick, den ich jetzt Gott sei Dank schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen habe (und für den ich auch leider keinen Screenshot habe). Dabei wird die etablierte Bildsprache (X schließt das Fenster) umgedeutet. Mit X-Button wird dann der Vollbildmodus gestartet (d. h. die Seite des Werbetreibenden aufgerufen). Die Werbeeinblendung wird dagegen mit einem Häkchen-Button geschlossen.

Grundsätzlich könnte man natürlich auch als Bildmetapher einen Haken für das Schließen der Seite („erledigt“) verwenden. Der Trick formuliert durch Sehgewohnheiten, die mittlerweile etabliert sind und vom Werbeanbieter missbräuchlich umgedeutet werden.

Text, gewollt unverständlich

Bisher habe ich ein paar Beispiele gezeigt, wie sich Grafik strategisch missbräuchlich einsetzen lässt. Im Folge-Beitrag werde ich noch zeigen, welche sprachlichen Mittel von „Black-Hat“-Textern verwendet werden. Bis dahin würde mich interessieren, ob euch dieser (umgedrehte) Blick auf Verständlichkeit interessiert und welche Beispiele ihr für strategische Unverständlichkeit kennt. Schreibt es uns in die Kommentare, auf Facebook oder Twitter.