Strategische Unverständlichkeit: Schreiben als Trick

Teuflische Tricks beim Texten (c) Harald Wanetschka / pixelio.de

Teuflische Tricks beim Texten
(c) Harald Wanetschka / pixelio.de

Auf den letzten Beitrag bekamen wir eine Menge Zuspruch und Ermunterung auf Linkedin, Twitter und XING.Vor zwei Wochen haben wir uns ja hauptsächlich graphische Tricks und Layoutfragen angesehen. Daneben gibt es aber auch eine ganze Reihe von Tricks auf allen sprachlichen Ebenen, mit denen sich durch Unverständlichkeit kommunikative Ziele ertricksen lassen.

Noch ein Wort vorab: Je besser diese Tricks gemacht werden, desto schwerer lässt sich nachweisen, ob der Effekt beabsichtigt ist, zufällig erzielt wird oder auf der einfachen Unfähigkeit beruht, Texte einfach und verständlich zu schreiben. Aber dass diese Tricks auch bewusst eingesetzt werden, daran lässt sich kaum zweifeln.

Textsortenmerkmale

Textsorten erkennen wir an diversen Merkmalen, z. B. Layout, Sprachstil, Einbettung in Handlungszusammenhänge und Kombination mit ergänzenden Textsorten. In fast perfekter Weise nutzen Handelsregister-Scammer diese Merkmale aus, um Existenzgründer um ihr Geld zu erleichtern. Der Trick besteht darin, dass sie nach der Anmeldung im Handelsregister ein Schreiben faxen oder schicken, das im typischen Behörden-Deutsch formuliert ist und als Ergänzung einen Überweisungsvordruck beigelegt hat. Dadurch entsteht der Eindruck, dass des eine offizielle Zahlungsaufforderung ist. Viele Gründer dürften auf diese Betrugsmasche hereinfallen. Schöne Beispiele von solchen Anschreiben finden sich übrigens auf fuer-gruender.de.

Satz- und Textlänge

Überlange Texte sind natürlich hervorragend geeignet, um missliebige Informationen vor dem Benutzer zu verstecken. Auch in den Reaktionen auf den ersten Beitrag zu diesem Thema sind vielen die sogenannten EULAs eingefallen. Das Prinzip funktioniert aber auch mit Sätzen.

Manche Texte sollen aufklären, stammen aber aus einem juristischen Umfeld mit den entsprechenden Bandwurmsätzen. In einem Fondsprospekt habe ich z. B: folgendes (anonymisiertes) Monstrum mit 47 Wörtern gefunden:

„Der Teilfonds strebt Kapitalwachstum vornehmlich durch Anlagen in Aktien und aktienähnlichen Instrumenten an, die ein Engagement in Unternehmen bieten, die ihren Geschäftssitz in den Schwellenländern, insbesondere Ländern in Lateinamerika, Südostasien, Afrika, Osteuropa (einschließlich Russland) und im Nahen Osten haben oder dort den überwiegenden Teil ihrer Geschäftstätigkeit ausüben.“

Alles klar? Dann steht Ihrer Investitionsentscheidung ja nichts mehr im Weg.

Struktur-Tricks

Texte haben bestimmte Strukturen und mit diesen kann man Leser manipulieren. Ein einfaches Beispiel sind Tweets folgender Art: „Gefahr für Hundebabies in Hamburg. Warum kann kein http://bit.ly/XYZZXY “ Wir können solche unvollendeten Sätze kaum ertragen und klicken dadurch häufiger auf den Link, als wenn wir wüssten, was uns an der verlinkten Stelle erwartet. Das heißt, wie ich die Beziehung zwischen Ausgangstext (Tweet) und verknüpftem Text (Webseite) aufbaue, manipuliert die Interaktionsbereitschaft des Lesers.

Ähnlich funktioniert das in dieser Bannerwerbung:

datenschutz-info

 

 

 

Wenn Sie jetzt denken, dass der Link auf „Datenschutzinfo“ auch wirklich zu Datenschutz informiert, dann sind Sie in die Falle getappt. Denn tatsächlich öffnet sich eine Vermarktungsseite für Googles Adsense

datenschutz-info_adsense

 

 

 

Über die Beschriftung des Links werden also Erwartungen geweckt, die dann nicht eingehalten werden. Denn „Kaufen Sie hier“ ist alles andere als eine Datenschutz-Info.

War das alles?

Vielleicht: Tatsächlich gibt es noch eine Menge von Beispielen, wie Sprache manipulativ verwendet wird (warum muss ich jetzt an Politik denken?). Mich würde aber interessieren, was unseren Lesern und Leserinnen untergekommen ist. Die interessantesten Beispiele würde ich dann (zusammen mit weiteren eigenen) in Folgeposts hier vorstellen.

Endlich Kohle! Profit First von Mike Michalowicz

Mike Michalowicz: Profit First

Mike Michalowicz: Profit First

Ich muss zugeben, dieses Buch liegt schon seit längerem zur Rezension bei mir auf dem Schreibtisch. Das hat zwei Gründe: Zum einen bin ich vermutlich nicht die richtige Zielgruppe. Wenn man seit fast zwanzig Jahren erfolgreich ein Unternehmen leitet, dann sind grundlegende Fragen der Unternehmensführung nicht unbedingt die Themen, die die höchste Priorität haben. Und zum anderen hat mich auch die Autoren-Biografie nicht unbedingt angesprochen; das klang mir zu sehr nach New Economy, nach „brillanter“ Start-up-Schwätzer und „Ich mache euch alle reich:“

Und wie war es?

„Aber man kann ja immer dazulernen“, habe ich mir gedacht. Und ich muss sagen, ich habe es zumindest nicht bereut, das Buch gelesen zu haben. Im Kern dreht es sich darum – so viel will ich hier vom Inhalt verraten – das buchhalterische Denken umzudrehen. Während man traditionellerweise sagt: Umsatz – Kosten = Gewinn stellt Michalowicz die Formel auf den Kopf und definiert Umsatz – Gewinn = Kosten. Mathematisch ist das äquivalent; es macht aber trotzdem einen Unterschied. Denn bei der klassischen Sichtweise ist der Gewinn das, was am Ende (hoffentlich) übrigbleibt. Der Fokus liegt also auf dem Umsatz und die Kosten werden solange dazu neigen sich dem Umsatz anzugleichen bis kein Gewinn mehr übrig bleibt. Kehrt man die Formel um, dann heißt das: Setze den Gewinn als fix und gestalte die Kosten so, dass der Gewinn erhalten bleibt.

Klar, das ist kein wirklich neuer Gedanke. Aber ich habe ihn bisher selten so deutlich ausformuliert gesehen; das muss man Michalowicz zu Gute halten. Und er hat diesen Gedanken konsequent zu Ende gedacht und bis auf konkrete Maßnahmen heruntergebrochen. Im Prinzip kann man also gleich loslegen. Und das ist auch, was Michalowicz dem Leser (nicht nur einmal) empfiehlt.

Ja, aber…

Und jetzt komme ich zum großen Manko dieses Buches. Das Buch ist sehr amerikanisch. Und wenn ich sehr amerikanisch sage, dann meine ich sehr, sehr, SEHR amerikanisch. Dem Verlag kann hier keinen Vorwurf machen; tatsächlich hat er sogar versucht, das Buch an deutsche Gegebenheiten anzupassen. Dennoch war es letzten Endes dieser „Jeder kann es schaffen“- und „Ich mache euch alle reich“-Tonfall, den ich schon vorher befürchtet hatte. An manchen Stellen kam ich mir so vor, als sei ich in einem Homeshopping-Kanal gelandet – „mit echten Zirkonen!“

Das mag im amerikanischen Original nicht weiter stören; die Tonalität im Marketing ist in den USA einfach plakativer. Im Deutschen hat das auf mich allerdings unseriös gewirkt. Und mal ganz ehrlich, will man seine Firmenfinanzen auf eine Idee abstellen, die man für unseriös hält?

Für wen ist das etwas?

Wie schon gesagt: ich würde mich nicht trauen, meine berufliche Existenz auf diese Basis zu stellen. Wenn man allerdings am Anfang seiner selbständigen Laufbahn steht, kann man das durchaus anders sehen. Oder wenn man generell auf „Chakka“-Rufe in seinem Business steht. Denn rein inhaltlich habe ich nichts auszusetzen. Die Botschaft glaub ich wohl, allein mir fehlt das Vertrauen.

Literatur: Michalowicz, Mike: Profit First. Ein einfaches System, jedwedes Unternehmen von einem kapitalfressenden Monster in eine Geldmaschine zu verwandeln. budrich Inspirited, Opladen / Berlin / Toronto ISBN 978-3-8474-0672-3

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

 

Strategische Unverständlichkeit

Gerd Antos in Aktion

Gerd Antos in Aktion

Vorbemerkung: Diesen und den dazugehörigen Folgebeitrag möchten wir Gerd Antos zum Abschied widmen, einem wahren Titanen der Verständlichkeits- und Wissenstransferforschung. Wir wünschen ihm einen Ruhestand, der seinen Namen nicht verdient. Denn wer Gerd kennt, der weiß, dass er auch nach seiner akademischen Tätigkeit gewohnt umtriebig bleiben wird.

In unserem Alltag bei doctima nimmt die Frage, wie wir Dinge verständlich bekommen, einen großen Raum ein. Meist sind Texte unverständlich, weil die Autoren und Autorinnen es schlicht nicht besser geschafft haben. Sei es aus Zeitmangel, aus (schlechter) Gewohnheit oder auch mit guten Absichten, die dann doch fehlschlagen.  Manchmal ist Unverständlichkeit aber auch strategisch beabsichtigt …

Grundlagen der Unverständlichkeit

Um einem falschen Eindruck gleich vorzubeugen: Nein, man kann nicht zu uns kommen, um sich erklären zu lassen, wie man Informationen möglichst gezielt verschleiert oder missverständlich formuliert. Aber: Die Ratschläge, die Texte verständlicher machen, sind umgekehrt auch die Methoden für strategische Unverständlichkeit. In diesem und einem weiteren Beitrag will ich einmal zeigen, wie das funktioniert.

Getäuschte Erwartungen

Die Bezeichnung „Kleingedrucktes“ ist ja sprichwörtlich geworden für Dinge, die in einem Vertrag verschwiegen werden sollen. Mit Gestaltung lässt sich natürlich auch auf andere Weise Unfug treiben: Geringe Kontraste, zu kleine oder große Zeilenlängen, schlecht lesbare Fonts – es gibt zig Varianten, wie durch Gestaltung Inhalte verheimlicht werden.

Etwas trickreicher ist das Gestaltungs-Mimikry. In seiner einfachsten Form sind Gestaltungselemente (Buttons, Links etc.) nicht an der Stelle, an der man sie vermutet. Das sieht man schön an diesem Banner:

trickbanner1 Der „Schließen“-Button ist hier auf der ungewohnten linken Seite. Das Banner wird dadurch tendenziell eher nicht weggeklickt. Hinzu kommt, dass der Button auch optisch nicht unseren Erwartungen (eckig, dreidimensional, Kreuz nicht als Teil des Untergrunds) entspricht. Die Erklärung „Close“ verschleiert hier die Funktion eher, als dass sie hilft. Denn wir sind gewohnt dass Funktionselemente intuitiv erfassbar sind.

Tarnen und Täuschen

Noch einen Schritt weiter geht dieses Banner:

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Ja, man kann auch dieses Banner wegklicken. Der Button dafür ist aber ebenfalls an der unüblichen Stelle oben links. Außerdem ist er außerhalb der geschlossenen Gestalt des rechteckigen Banners auf einem durchsichtigen Untergrund, so dass er mit dem darunterliegenden Text verschwimmt.

Getarnte Jäger

Besonders perfide ist ein Trick, den ich jetzt Gott sei Dank schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen habe (und für den ich auch leider keinen Screenshot habe). Dabei wird die etablierte Bildsprache (X schließt das Fenster) umgedeutet. Mit X-Button wird dann der Vollbildmodus gestartet (d. h. die Seite des Werbetreibenden aufgerufen). Die Werbeeinblendung wird dagegen mit einem Häkchen-Button geschlossen.

Grundsätzlich könnte man natürlich auch als Bildmetapher einen Haken für das Schließen der Seite („erledigt“) verwenden. Der Trick formuliert durch Sehgewohnheiten, die mittlerweile etabliert sind und vom Werbeanbieter missbräuchlich umgedeutet werden.

Text, gewollt unverständlich

Bisher habe ich ein paar Beispiele gezeigt, wie sich Grafik strategisch missbräuchlich einsetzen lässt. Im Folge-Beitrag werde ich noch zeigen, welche sprachlichen Mittel von „Black-Hat“-Textern verwendet werden. Bis dahin würde mich interessieren, ob euch dieser (umgedrehte) Blick auf Verständlichkeit interessiert und welche Beispiele ihr für strategische Unverständlichkeit kennt. Schreibt es uns in die Kommentare, auf Facebook oder Twitter.

Standardsammlung ohne Standardkost

Fünf Standards, viel Wissen, kein Vergleich

Wer technischer Redakteur, Verantwortlicher für die Einführung eines CMS, Quereinsteiger oder überhaupt an standardisierter und strukturierter Information interessiert ist, der soll mit „Standardisierungsmethoden für die technische Dokumentation“ gut bedient werden. Das Werk ist eine Hilfestellung für alle, die auf der Suche nach einer Methode zur Standardisierung ihrer Dokumentation sind. Werk sage ich bewusst, denn es handelt sich nicht um ein Buch, sondern um eine Sammlung von Aufsätzen, die von Experten oder Entwicklern der jeweiligen Standards verfasst wurden.

Amüsanter Anfang und lockeres Lernen

Geschichte mal anders: Mitreißender Informationsstrom statt öder Textwüste

Die ersten Zeilen lassen mich allerdings schmunzeln. Statt des erwarteten ernsthaften Textes überrascht ein unterhaltsamer Einstieg von Jürgen Muthig zur Vorstellung von Firmenstandards als Eigenentwicklung. Er ist gespickt mit humorvoller und anschaulicher Bildsprache, ohne lächerlich zu wirken oder mich als Einsteiger in meiner Wahl zu beeinflussen. Manfred Krüger und Wolfgang Ziegler schaffen es, den unterhaltsamen Stil der ersten Seiten weiterzuführen. Statt trockener Textwüsten über die Geschichte der Standards folgt ein ansprechender und kurzweiliger Fluss von Informationen. Nebenbei erhalte ich so solides Hintergrundwissen, das mir bei der Einschätzung der danach folgenden Expertenaufsätze hilft. Durch die Ansprache mit „wir“ ist der Text kein endloser Monolog und ich kann der zeitlichen Entwicklung von SGML und CALS über HTML und DocBook zu S1000D, DITA und weiteren modernen Standards gut folgen. Der Geschichtsteil hat auch einige Überraschungen parat: Zum Beispiel plaudert Ziegler ganz nebenbei aus dem Nähkästchen über den von ihm entwickelten Firmenstandard DOCU für Liebherr.

Eine bunte Mischung aus Expertenwissen

Sammelband: Vom Lehrbuch bis zur Werbebroschüre alles vertreten

Sammelband: Vom Lehrbuch bis zur Werbebroschüre alles vertreten

An manchen Stellen stößt das Konzept eines Sammelbandes leider an seine Grenzen. Die Autoren (Muthig/Schäflein-Armbruster, Closs, Lehrndorfer/Reuter, Juhl, Böhler) kommen auf sehr unterschiedlichen Wegen zur technischen Redaktion und unterscheiden sich in ihrem Schreibstil. Das schlägt sich auch in der Sammlung nieder. Die einen schreiben pistolenartige Kurzsätze, die anderen stapeln Schachtelsätze. Manche Aufsätze lesen sich wie eine Werbebroschüre, andere dagegen wie ein Lehrbuch. Ein wirklich objektiver Vergleich kann konzeptbedingt nicht stattfinden – kein Experte wird den Standard schlechtreden, für den er sich entschieden hat, und kein Entwickler das verreißen, was er selbst mühsam aufgebaut und verbreitet hat. Vergleichen muss der Leser deshalb selbst.

Entscheiden muss ich selbst

Wegfindung: Viele Standards führen zum Ziel

Wegfindung: Viele Standards führen zum Ziel

Die Entscheidung, welcher Standard für mich geeignet ist, wird mir nicht abgenommen. Aber sie wird mir erleichtert: So unterschiedlich die Stile der Autoren auch sein mögen, so wenig auch verglichen wird – jeder Aufsatz erklärt genau, wie der vorgestellte Standard funktioniert, für welche Einsatzzwecke er geeignet ist und erklärt die Hintergründe und Anwendung des Standards. Jeder Experte, der zu Wort kommt, macht deutlich, dass er ein Experte ist und vermittelt das Wissenswerte zu „seinem“ Standard. Die meisten von ihnen liefern auch eine Zusammenfassung für Eilige mit. Erfreulich ist, dass der Sammelband trotz des mehrfachen Aufgreifens derselben Themen in der Einführung und im dazu passenden Aufsatz nicht repetitiv ist – oder es zumindest schafft, nicht so zu wirken. Wer mehr wissen möchte, der wird im Werk ebenfalls fündig: Literaturangaben zu den jeweiligen Aufsätzen bieten eine Anlaufstelle zum Weiterlesen und das Autorenverzeichnis erleichtert die Kontaktaufnahme.

Gescheiterte Standards gibt es nicht

Das Schlusswort des Intros beschreibt in etwa den Eindruck, den die Sammlung von Expertenschriften bei mir hinterlassen hat. Das größte Problem eines Standards ist die Marktdurchdringung. Alle Standards haben ihre Berechtigung, einen gescheiterten Standard gibt es nicht. Was zu meinen Anwendungszwecken passt, wird übernommen. Und was nicht ganz passt, wird passend gemacht oder nur teilweise übernommen (dafür haben Krüger und Ziegler das schöne Wort „Steinbruchnutzung“ gefunden).

Sinn und Zweck der Aufsatzsammlung ist es, einen Überblick über einige der etablierten Standards in der Technischen Dokumentation zu bekommen. Ein Vergleich findet nicht statt. Das hat den Vorteil, dass ich unvoreingenommen an meine Auswahl gehen kann. Das hat aber gleichzeitig auch den Nachteil, dass mir etwaige Schwierigkeiten erst nach meiner Entscheidung auffallen können. Denn die Experten erwähnen Probleme oder Schwächen bei der Einbindung „ihrer“ Standards in Technische Dokumentation nicht. Dazu sollte man andere Werke zu Rate ziehen, die auch explizit die Schwächen mit in den Vergleich einbeziehen. Trotzdem servieren die Autoren eine Menge mundgerecht aufbereitetes Wissen, das bei der Beurteilung hilfreich ist. Nebenbei erfährt man – gerade als Einsteiger wie ich – bei der Lektüre Dinge, die einen vorher vielleicht interessiert haben, für einen technischen Redakteur aber nicht unwichtig sind. Zum Beispiel hat OpenOffice bereits vor Word eines der heute meistgenutzten Datenaustauschformate genutzt: XML. Das war für mich neu. Für Sie auch?

Literatur: Jürgen Muthig (Hrsg.): Standardisierungsmethoden für die Technische Dokumentation (2008). Verlag Schmidt-Römhildt, Lübeck, 167 Seiten. ISBN 978-3-7950-7066-3

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Un-Sinn mit Un-Kosten

Die "Un"kosten müssen weg ... (c) photosteve101

Die „Un“kosten müssen weg …
(c) photosteve101

„Unkostenbeiträge gibt es nicht,“ höre ich immer wieder von Leuten, die sich mit Geld ganz genau auskennen. Manche, wie Oliver in dieser Diskussion bezeichnen das Wort sogar als „verbale Missgeburt“.

Die Begründung für diese Ablehnung erscheint im ersten Moment logisch: Unkosten sind ja auch Kosten, deshalb die Verneinung durch „Un-“ verkehrt und dient dazu, die „wahren“ Hintergründe zu verschleiern. Das hört sich im ersten Moment ja auch überzeugend an. Dahinter steckt aber ein sprachliches Missverständnis. Denn das in „Un-“ in „Unkosten“ will gar nichts verneinen.

Eine Vorsilbe – zwei Bedeutungen

„Un-“ als Verneinung kennen wir alle. Es ist eine der häufigsten Vorsilben im Deutschen und bildet Substantive („Unverstand“, „Ungeschick“, Ungeist“), gelegentlich beteiligt sie sich bei der Bildung von Verben („verunzieren“, „verunstalten“); am häufigsten aber bildet sie Adjektive („unschön“, „ungebildet“, „unbunt“). „Un-“ als verneinende Vorsilbe ist produktiv, das heißt auch heute noch werden damit neue Wörter gebildet (z. B. „uncool“).

Daneben gibt es aber eine weitere Bedeutung dieser Vorsilbe, die heute nicht mehr produktiv eingesetzt wird. Denn für eine kleine Menge Wörter (und soweit ich das sehe nur bei Substantiven) gibt es ein „Un-“ mit einer Sonderbedeutung. Es meint dann „eine große Menge von“. Beispiele dafür sind „Unmenge“, „Unflat„, „Ungewitter“ und eben auch „Unkosten“. Besonders schön sieht man diese Doppeldeutigkeit von „Un-“ bei dem Wort „Untiefe„. Das kann nämlich sowohl „eine flache Stelle im Wasser“ bedeuten (das verneinende „Un-„), als auch „eine besonders tiefe Stelle“ (das steigernde „Un-„).

„Un-“ ist manchmal mehr

Dass auch bei „Unkosten“ dieses steigernde „Un-“ gemeint ist, merkt man auch an dem Kontext in dem das Wort verwendet wird. Denn dann geht es oft darum zu betonen, dass die Kosten besonders hoch sind, z. B. „sich in Unkosten stürzen“.

In der zweiten, steigernden  Bedeutung wird „Un-“ heute allerdings nicht mehr produktiv eingesetzt; neue Wörter werden damit nicht gebildet. Und die wenigen, die sich mit dieser Bedeutung erhalten haben, wirken oft ein wenig altmodisch oder werden, wie „Unkosten“ nicht mehr richtig verstanden. Aber eine „Missgeburt“ sind diese Wörter deshalb noch lange nicht.

Wie wenig ist genug? – Rechtskonforme Dokumentation im Maschinen- und Anlagenbau

Querbeet durch die Technische Dokumentation im Maschinen- und Anlagenbau.

Querbeet durch die Technische Dokumentation im Maschinen- und Anlagenbau.

Hersteller müssen ihre Produkte rechtskonform machen. Neben dem Produkt selbst gehört dazu auch die Dokumentation. Dafür möchten sie so wenig Aufwand wie möglich betreiben. Doch wie wenig darf es werden und wie viel muss sein? Was braucht meine Dokumentation, um rechtlich auf sicheren Füßen zu stehen? Und wie kann meine Redaktion effizient und trotzdem sicher und konsistent schreiben? Antworten darauf will das Buch auf meinem Tisch geben: „Technische Dokumentation im Maschinen- und Anlagenbau“ von Heinz Schlagowski.

Für wen soll das Buch sein?

Das Buch will mich ansprechen und „alle, die mit technischer Dokumentation zu tun haben“. Das ist sehr breit gefächert und macht es dem Autor nicht einfacher – haben wir als technische Redakteure doch ganz anderes Fachwissen als der Laie, der sein Produkt auf den Markt bringen möchte und für das Drumherum wenig übrig hat. Das Buch will erklären, warum das Drumherum für rechtssichere Produkte weit mehr ist als nur eine lästige Pflicht.

Was liefert das Buch?

Gleich so viel: Nach dem Lesen werde ich mit einer Fülle an Informationen belohnt, die nicht nur den Technischen Redakteur, sondern auch den Hersteller eines Produktes ansprechen soll. Allerdings bläht diese Informationsfülle das Buch auch auf 700 Seiten auf, die gelesen werden wollen und größtenteils aus Text bestehen.

Europäische Gemeinschaft: Gesetze und Grundlagen für Produkte
Warum interessieren sich Entscheider zunehmend für das Thema technische Dokumentation – oder wären gut beraten das zu tun? Ich als angehender Technischer Redakteur weiß natürlich warum technische Dokumentation wichtig ist (schließlich habe ich diesen Weg nicht zufällig eingeschlagen) und erfahre in diesem Teil nichts Weltbewegendes. Aber wer neu oder quer einsteigt weiß nach diesem Teil des Buches ebenfalls warum diese Arbeit wichtig und sinnvoll ist.

Der Entscheider im Unternehmen weiß das vielleicht noch nicht und versteht durch die Vermittlung der rechtlichen Grundlagen und Vorschriften, warum konsistente und gute technische Dokumentation ein Thema ist, das Aufmerksamkeit verdient hat.

Normen und Richtlinien als „Stand der Technik“
Wenn ein Hersteller eine Maschine produziert oder ich die Dokumentation dazu schreibe, dann muss das nach dem „Stand der Technik“ erfolgen. Was das genau heißt, können der Hersteller und ich im Bereich der Normen und Richtlinien nachlesen. Das Buch klärt uns auf was getan werden muss, um Maschine und Dokumentation auf den Stand der Technik zu bringen. Dass der Autor das Thema sehr ernst nimmt erklärt auch, warum das Thema das halbe Buch in Anspruch nimmt.

Während der Hersteller von den VDI-Richtlinien angesprochen wird, sind für mich die tekom-Leitfäden ein nützliches Handwerkszeug für den Alltag in der Redaktion. Auszugsweise Abschnitte und Erklärungen unter anderem aus der Maschinenrichtlinie und einigen DIN-Normen wie dem Klassiker 82079 helfen mir zu verstehen, was die manchmal sehr schwammigen Normen aus unserem Schrank eigentlich aussagen wollen. Der Entscheider versteht, welche Dokumente ich für meine Dokumentation brauche und kann die Kommunikation mit anderen Abteilungen fördern.

Sicher ist sicher
Sicherheit ist wichtig für denjenigen, der meine Dokumentation zu lesen bekommt. Damit sicher auch wirklich sicher und rechtskonform ist, präsentiert mir Herr Schlagowski die Informationen, die die Normen und Richtlinien enthalten, nochmals in einem separaten Kapitel. Dazu bekomme ich genaue Instruktionen zur Gestaltung – praktisch, da ich sofort anfangen kann, die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Der rote Faden für die Dokumentation
Um individuelle Redaktionsleitfäden erstellen zu können, liefert das Buch einige Hinweise zur Entwicklung von Redaktionsleitfäden und betont, warum diese sinnvoll sind.

Wenn ich in die Situation kommen sollte einen Leitfaden für eine Redaktion schreiben zu müssen, dann kann ich auf das Kapitel „Redaktionshandbuch“ zurückgreifen. Hier wird mir genau erklärt, warum ein Redaktionsleitfaden nützlich ist und wie man zu einem guten Redaktionsleitfaden kommt. Das Kapitel enthält aber keine Mustervorlage oder Beispiele für einen Redaktionsleitfaden. Die Schreib- und Recherchearbeit nimmt einem der Autor also nicht ab.

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Damit der Leitfaden nicht zum Kuddelmuddel wird: Kapitel Redaktionsleitfäden
(Bild: Tim Reckmann / pixelio.de)

Für einen potenziellen Auftraggeber ist dieser Teil uninteressant, denn ihn interessiert weniger, wie ich arbeite, sondern was dabei herauskommt.

Hilfe zur Selbsthilfe
Wie ein Redaktionsleitfaden aussehen kann, wird mir im nächsten Kapitel klarer, das mit Beispielen aus einem Redaktionsleitfaden gewürzt ist, die zusätzlich noch mit Erklärungen versehen sind. Als Inspirationsquelle ist dieses Kapitel sehr gut geeignet und für Neueinsteiger sind die fertigen Bausteine sehr praktisch.

Das Kapitel liefert aber noch mehr. Der Betreiber der dokumentierten und ausgelieferten Maschine hat auch einige eigene Dokumentationspflichten. Um diesen nachzukommen benötigt er weitere Informationen. Der informierte Hersteller weiß nach diesem Kapitel, welche Informationen das sind und kann diese gleich mitliefern.

Mehrere Maschinen sind eine Anlage
Das Schlusskapitel erklärt, wie aus der Maschine eine Anlage wird und welche Regeln dann für den Hersteller und meine Dokumentation gelten. Anhand des Kapitels können Entscheider festlegen, ob es sich um eine Anlage handelt und welche Einzeldokumente wie vorliegen müssen, um eine funktionale Gesamtdokumentation zu erzeugen.

Für wen ist das Buch tatsächlich geeignet?

Dem Anspruch „allen, die mit technischer Dokumentation zu tun haben“ wird das Buch gerecht, es waren nicht nicht nur für mich interessante Abschnitte im Buch.

Besonders die konkreten Hilfen zur Erstellung eines Redaktionsleitfadens und die Gestaltungsvorschläge für Sicherheitshinweise haben mir gefallen.

Die Entscheider im Unternehmen wissen nach dem Lesen des Buches, warum sie unseren Beruf wertschätzen sollten und wie sie ihren Käufer auch nach dem Kauf bei seinen Dokumentationspflichten unterstützen können.

Rundumschlag mit großem Umfang

Allerdings erfordert das Buch dazu auch 700 Seiten und hat mich daher im ersten Moment eher abgeschreckt. Es kann als Universalbuch auch nicht in dieselbe Detailtiefe wie Fachliteratur gehen. Als Universalbuch ist „Technische Dokumentation im Anlagen- und Maschinenbau“ von Heinz Schlagowski geeignet, als Nachschlagewerk für Detailfragen weniger, da mich nicht jedes Kapitel angesprochen hat und ich reichlich oft mit Umblättern beschäftigt war. Hier bevorzuge ich spezielle Literatur, die genau auf die Technische Redaktion zugeschnitten ist.

Literatur: Heinz Schlagowski (Autor): Technische Dokumentation im Maschinen- und Anlagenbau (2., überarbeitete Auflage 2015). Beuth Verlag GmbH, Berlin/Wien/Zürich, 749 Seiten. ISBN 978-3-410-25157-6

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Weihnachten: Out of the Box

weihnacht_2015Mittlerweile ist es ja eine schöne Tradition geworden, dass wir zu Weihnachten in unserem Blog ein „Gutzi“ hinterlegen, sozusagen eine kleine digitale Leckerei, die wir selbst gestaltet haben. Dieses Mal haben wir uns eine Bastelanleitung für eine kleine Geschenkbox überlegt: zum selber nutzen oder als nette Verpackung für kleine Aufmerksamkeiten, mit denen Sie Ihre Lieben überraschen möchten.

Wir wünschen all unseren Lesern und Leserinnen, all unseren Kunden und Geschäftspartnern eine besinnliche Vorweihnachtszeit.

 

Wachsende Kritik…

Wir wachsen an der Kritik, nicht am Applaus. (c) Refe http://getrefe.tumblr.com/

Wir wachsen an der Kritik, nicht am Applaus.
(c) Refe http://getrefe.tumblr.com/

Zum zweiten Mal beteiligen wir uns an einer Blog-Parade der PR-Doktorin Kerstin Hoffmann. Diesmal zu einem Thema, das uns Herzen liegt, gerade weil es oft nicht einfach ist.

Angebot und Nachfrage

„Kritik“ habe ich einmal gelesen „ist die einzige Sache, die jeder gerne gibt und niemand bekommen will.“ Das klingt im ersten Moment überzeugend. Ist es aber nicht. Tatsächlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwierig ist, gute Kritik zu bekommen (und genauso sehr schwer gute Kritik zu geben). Kritik – und ich spreche hier von wirklicher Kritik und nicht von irgendwelchen Meckereien – ist ein rares Gut, das man gezielt suchen sollte. Denn Kritik ist – wie man im Englischen sagt – ein „acquired taste“.

Kritiker finden

Die meisten Leute kritisieren meiner Erfahrung nach nicht gerne. Ein Beispiel: Bei doctima lasse ich Texte gerne von unseren Praktikanten und Praktikantinnen gegenlesen. Das hilft mir bei der Überarbeitung der Texte und schärft den Blick bei Einsteigern in der Redaktion. In diesen Situationen habe ich dann folgendes oft erlebt. Einen Text, den ich selbst als eher vorläufig eingeschätzt habe, bekomme ich mit lediglich ein paar Kommakorrekturen und stilistischen Anmerkungen zurück. Frage ich dann konkret nach, wie die Korrektoren eine (eher schwache) Stelle fanden, kommt als Antwort: „Das habe ich nicht kapiert, aber das liegt an mir.“ – Nein, liegt es nicht! Wenn ein Text nicht verstanden wird, und er ist für diese Zielgruppe gedacht, dann liegt es nie am Leser, wenn er oder sie ihn nicht versteht.

Kritik fördern

Mittlerweile gebe ich unseren Praktikanten vor ihren ersten Textkorrekturen ein kleines Briefing. Da sage ich dann ganz deutlich, dass ich natürlich auch Bescheid wissen will, wenn mein Text Rechtschreibfehler aufweist oder stilistisch schwach ist. Viel wichtiger  ist mir aber, ob er nachvollziehbar gegliedert ist, ob meine Argumente stichhaltig sind und ob ich sie verständlich rübergebracht habe.

Kritik sollte man ermuntern, nicht verhindern. Letzten Endes sollte man sich und andere zu guten Kritikern erziehen. Und: Gute Kritiker sollte man sich merken. Ich weiß mittlerweile sehr genau, wen ich frage, wenn es bei einem Text darauf ankommt, wenn ein Seminarkonzept noch den letzten Schliff braucht oder wenn eine Social Media Strategie wirklich rund laufen muss.

Kritik schätzen

Kritik wird zu wenig geschätzt. Das merke ich auch immer wieder in unseren Social Media Trainings. Gerade Marketing-Experten fragen dort z. B. oft: „Wie gehe ich mit negativen Beiträgen im Blog um?“ „Ernst nehmen, als Dialoganlass wertschätzen, auf seine Berechtigung prüfen und – wenn nötig umsetzen.“ antworte ich dann meistens. Denn jeder, der kritisiert, sucht immer noch den Dialog und gibt uns eine Chance an der Kritik zu wachsen. Schlimm ist die Kritik, die uns nicht mehr erreicht.

Viele Social Media Manager verbuchen Kritik am eigenen Produkt als „negative sentiment“ und damit als schlecht. Das hat sicher seine Berechtigung, denn Kritik ist nun mal kein Lob. Aber: Kaum ein Social Media Manager erfasst in seinem Controlling negative Kritik als „Innovation“ oder „Idee zur Produktverbesserung“. Das ist aber, was Kritik eigentlich ist. Etwas, das wir wertschätzen sollten.

3D, in Farbe und bunt – die tekom Jahrestagung 2015

Normalerweise schreiben wir ja hier nach der Jahrestagung über die Vorträge, die wir so besucht haben, und welche Themen uns besonders beeindruckt haben. Nur: Seit langem waren wir zur Herbsttagung auch einmal wieder als Aussteller dabei. Und: Wir hatten so viele spannende Gespräche an unserem Stand, dass wir sogar Schwierigkeiten hatten, zu unseren eigenen Vorträgen zu kommen. Weitere Vorträge zu besuchen, war einfach nicht drin.
Deshalb wollen wir dieses Mal ein wenig zusammenfassen, was wir aus den Besuchen bei uns am Stand mitgenommen haben und welchen Eindruck wir vom gesamten Rahmen hatten.

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[Edgar Hellfritsch] Tatsächlich waren die einzigen Vorträge, denen ich während der Tagung zuhören konnte, die anderen Beiträge zum ShowCase Mobile Doku, das ich mit meinem Projektbericht zum Handbuch Arbeitssicherheit und Umweltschutz der DKA GmbH eröffnen durfte.

Da hatte schon einiges Hand und Fuß, und wir sind gut vorne mit dabei. Das gibt ein gutes Gefühl.

Auch der Partnervortrag mit Herrn Hentsch von der Hilscher GmbH hat großen Spaß gemacht (TechDok als Marketing-Turbo). Auch weil ein großes Interesse an den messbaren Erfolgen spürbar war, die wir vorgestellt haben. Nochmal einen herzlichen Gruß an alle, mit denen ich so viele großartige Gespräche führen durfte, und spätestens bis zur nächsten tekom-Tagung!

 

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[Christian Hammer] Nette Leute, schönes Hotel, meist gutes Essen. Soweit könnte die erste Beschreibung meiner Eindrücke von der tekom-Jahrestagung auch auf einer Urlaubskarte stehen. Dieses Jahr gab es aber was Besonderes, doctima war seit Langem mal wieder als Aussteller auf der angeschlossenen Messe präsent.

Sobald man (laut tekom-Namensschild) vom Teilnehmer zum Aussteller mutiert, verschiebt sich auch die eigene Wahrnehmung der Tagung. Aus den vielen durch Kaffeetrinken mit Bekannten unterbrochenen Vorträgen wird das eher stationäre Bewachen des doctima-Standes. Das klingt erstmal langweiliger. Ist es aber nicht. Der Kaffee war, dank der exzellenten Stand-Wahl unseres Benny Rauschenberger, auch diesmal immer verfügbar und es gab niemanden, der uns nicht gefunden hätte. So konnten viele die Gelegenheit zu einem Pläuschchen bei Schoki und Apfelsaft nutzen. Man muss also sagen, der Stand hat richtig Spaß gemacht. Einziger Wermutstropfen: Wir haben unseren liebgewonnen 3D-Drucker am Ende der Tagung wirklich verlost. Glückwunsch nochmal an den Gewinner Thomas Stutz von der Firma EMAG in Salach.

 

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[Benny Rauschenberger] An unserem doctima-Messestand auf der tekom-Jahrestagung hatten wir eine Vielzahl von wirklich interessanten Gesprächen. Themen, die die Messe-Besucher umtrieben, waren vor allem Content Delivery, mobile Dokumentation und Qualitätssicherung. Die Herausforderungen, wie Content weiterverarbeitet und in verschiedene Medien ausgespielt wird, egal ob mobil oder browser-gestützt, und wie der Content dann vereinheitlicht wird, spielen anscheinend nach wie vor eine große Rolle. Hierzu haben wir unzählige tolle Gespräche geführt und wurden auch sehr positiv wahrgenommen. Das hat sehr viel Spaß gemacht und macht Lust auf mehr. Nächstes Jahr werden wir bestimmt wieder mit Vorträgen und einem Messestand vor Ort sein.
Super war auch der Service und Support der tekom und der Messe Stuttgart, sowohl im Vorfeld als auch auf der Tagung selbst. Danke hierfür!

 

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[Markus Nickl] tekom Jahrestagung – ein Highlight im Doku-Kalender, das bei mir schon zu Beginn des Jahres dick angemarkert ist. Aber klappt das auch, wenn man dort ausstellt? Ich muss zugeben, ich war skeptisch. Unnötig skeptisch, wie ich jetzt gemerkt habe. Tatsächlich musste ich bei den Besuchen in den Vorträgen zurückstecken. Aber: Die Gespräche am Stand und auf den After-Show-Parties (danke an tekom, Schema und unsere kroatischen Stand-Nachbarn Ciklopea) waren wirklich extrem spannend. Was ich mitgenommen habe? Social Media scheint endlich auch bei Technischen Redakteuren als Betätigungsfeld anzukommen, insbesondere auch im Kontext Social Intranet (Dazu habe ich auch beim Fokustag Intranet einen Vortrag gehalten). Mobile Doku nimmt langsam Fahrt auf. Und Content Delivery führt die Dokumentation wieder näher an andere Kommunikationsabteilungen in den Unternehmen. Drei Themen also, bei denen wir gut aufgestellt sind. Ich freue mich auf die Projekte, die sich hier abzeichnen.

 

Und wie geht es anderen, die bei der #tekom2015 dabei waren? Was hat Sie beeindruckt, welche Themen waren heiß, wo die schlimmsten Flops? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

DITA und Deutschland – eine Antwort an die Redakteuse

Warum weht in Deutschland bei DITA ein anderer Wind? (c) lichtkunst.73  / pixelio.de

Warum weht in Deutschland bei DITA ein anderer Wind?
(c) lichtkunst.73 / pixelio.de

Im Nachgang zur #tekom15 hat Marijana Prusina hier die Diskussion auf der Tagung und ihre Gedanken zu DITA zusammengefasst. Unser Kommentar dazu.

Deutschland zu zögerlich? Ich denke eher nicht. Ich sehe den wichtigen Punkt eben doch darin, dass in Deutschland schon lange sehr leistungsfähige CCMS auf dem Markt sind.

Denn das heißt zunächst einmal: Alle early adopter haben sich frühzeitig damit beholfen.

Zweite Konsequenz: Die Unternehmen, die bisher bei unstrukturierten Workflows geblieben sind und bei denen DITA eine Lösung wäre, treffen auf einen Markt, auf denen DITA eine Lösung unter mehreren mächtigen Standards ist. Denn nur weil DITA eine Lösung wäre, heißt das ja nicht, dass ein CMS keine sein kann.

Drittens: Es gibt außerdem auch etliche Fälle, bei denen Unternehmen von DITA wegmigrieren. Auch das hält den Markt für DITA in Deutschland schlanker.

Und Viertens: Vielen Redakteure in Deutschland mit denen ich gesprochen habe, geht DITA schlicht und einfach auf die Nerven. In jedem zweiten internationalen Vortrag zu DITA wird zumindest angedeutet, dass die Redakteure in Deutschland sagen wir mal zu dumm sind zu verstehen, was DITA leistet. Zunächst ist das ja ohnehin schon keine besonders clevere Verkaufsstrategie. Und wenn ich die Argumente pro DITA dann schon in identischer Form seit mehreren Jahren von den CMS-Herstellern kenne, dann wirkt der DITA-Promoter auf mich nicht sonderlich kompetent.

DITA ist (genau wie CMS) immer nur so gut, wie die Leute damit arbeiten. Wir bei doctima haben in unseren Migrationsprojekten aus DITA schon die erstaunlichsten Fälle von Missbrauch erlebt. Leider versäumen viele Kunden von DITA (ebenso wie von CMS) ihre Redakteure auch redaktionell für strukturierte Schreibprozesse zu qualifizieren. Und dann hilft das beste System nichts…