Frische Luft gegen rauchende Köpfe

Schreibimpulsfächer

Schreibimpulsfächer (c) Budrich Verlag

Heute habe ich meine Schreibblockade einfach weggefächert. Statt einen unhandlichen Ratgeber nach Tipps zum Schreiben zu durchforsten, habe ich zum „Schreibimpulsfächer“ gegriffen. Der Markt für Ratgeber-Literatur zum Schreiben und Texten ist ja voll von Sachbüchern, die Abhilfe bei Blockaden versprechen. Doch kaum eines ist bisher so handlich und schnell einsetzbar wie die Fächer-Variante von Ingrid Scherübl und Katja Günther aus dem UTB-Verlag.

Fächern um jedes Wort?

Der Schreibimpulsfächer soll in jeder Phase des Schreibens helfen, besonders wenn der Schreibprozess stockt. Doch was soll ein „Schreibimpulsfächer“ eigentlich sein?
Etwas länger und schmaler als ein Brillenetui hat der Fächer eine kompakte und handliche Form. Er besteht aus losen Blättern, die mit einer Schraube fest aneinander geheftet sind. Das dicke, griffige Papier lässt sich gut durchblättern – konstruktiv gesehen erfüllt der Fächer schon mal seinen Zweck.
Auf den 55 Fächerseiten finden sich Tipps in Form von Fragen, Aufforderungen oder Gedankenspielen. Der Fächer hat sogar eine kleine Anleitung, die sich auf dem ersten Fächerblatt befindet. Er ist unterteilt nach Arbeitseinheiten, die den Schreibprozess bestimmen:

  • Einstimmen,
  • Loslassen,
  • Durchsteigen,
  • Dranbleiben und
  • Abrunden

Klingt nicht sehr spezifisch, aber trifft den Kern des Problems. Und die Erkenntnis, dass Schreiben aus verschiedenen Phasen besteht, empfinde ich als hilfreich für das strukturierte Arbeiten. Die Arbeitseinheiten sind zudem farblich voneinander abgehoben, sodass der Fächer bei einer Schreibblockade schnell eingesetzt werden kann. Für jede Arbeitseinheit gibt es pro Fächerblatt einen kurzen, griffigen Tipp, der meist aus einem einzigen Satz oder einer Frage besteht. Zum Beispiel für die Einheit „Einstimmen“: „Wie sieht eine wirklich erholsame Pause für dich aus? Was lässt du besser?“. Für die Phase des „Dranbleibens“ soll dieser Tipp helfen: „Wie kann Dein Betreuer Dich aktuell unterstützen? – Dein Erfolg ist auch sein Erfolg.“

So geht „Fächern“

Man muss sich bewusst sein, in welcher Arbeitsphase man gerade steckt. Nehmen wir mal die des „Durchsteigens“. Das ist laut Autoren die Phase des „Drin-Seins“, hier sind neue Perspektiven nützlich und dass man den Überblick nicht verliert. Man sucht sich den Teil des Fächers heraus, der Tipps für diese Phase gibt. Das ist etwas mühselig, wenn man die anderen Kategorien nicht mit durchblättern möchte. Der letzte Schritt ist, sich blind ein Fächerblatt der jeweiligen Phase herauszuziehen – wie bei einem Kartentrick – und den Tipp als Denkanstoß zu nutzen. Der gezogene Schreibimpuls könnte zum Beispiel lauten: „Das Thema Deiner Arbeit: Erkläre es so einfach wie möglich einem Viertklässler!“ So erhält man schnell eine überraschende Inspiration, die die Schreibblockade lösen kann.

Wohl dosierte Soforthilfe

Prinzipiell gibt es solche Tipps natürlich in Hülle und Fülle auch in anderen Ratgebern. Einige Vorschläge sind nicht neu und sicherlich nicht für jeden eine Hilfe: Zum Beispiel, dass die meisten an einem ordentlichen Arbeitsplatz besser arbeiten können. Dennoch: Ich fand einige Tipps neu und nützlich und bin froh, dass der Fächer auf meinem Tisch liegt und ich ihn beim Schreiben ab und zu durchblättern kann. Denn gerade die Kürze der Tipps und das praktische Fächer-Format bieten einen unerwarteten Denkanstoß, der beim Lesen eines langen Ratgeber-Textes schnell wieder verfliegen kann. Die Schreibimpulse helfen auf unkomplizierte Art eine neue Perspektive einzugehen und sich wieder auf seinen Text einzulassen.
Grundsätzlich bietet der Fächer keine dauerhafte Veränderung des eigenen Schreibprozesses. Er ist eher eine „Instant-Hilfe“, die mit genügend gutem Willen die akuten Beschwerden lösen kann, nicht aber die chronischen. Aber diesen Anspruch soll er laut Autoren ja auch nicht erfüllen. Wer nach langfristiger Hilfe sucht, muss doch zu den umfangreichen Ratgebern in Buchform greifen. Mein Fazit: Eine klasse Ergänzung, aber kein Ersatz für die Buch-Ratgeber.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur: Scherübl, Ingrid/Günther, Katja [2015]: Der Schreibimpulsfächer. Inspirationen für das Selbstcoaching beim Schreiben. Budrich: Opladen, Toronto. ISBN 978-3-8252-4344-9