Patienten-Aufklärung: Beratungsbögen oft mangelhaft

Arzt-Patientenkommunikation

(c) Thommy Weiss / pixelio.de

Spiegel online beschäftigt sich heute mit einem Thema, das uns zwar alle angeht, wir jedoch oft zu wenig beachten: Patienten-Aufklärung vor der OP. Und kommt zu dem Ergebnis, dass die Aufklärung allgemein, besonders aber die Gesundheitsinformationen meist mangelhaft sind. In dem wirklich lesenswerten Beitrag sind viele wichtige Punkte genannt, ein paar Aspekte möchte ich aber zusätzlich ansprechen.

  1. Verständlichkeit ist leicht gefordert
    Verständliche Patienteninformationen sind eine Forderung, die man fast immer liest. Nur selten liest man im Bereich der Medizinkommunikation aber, wie Verständlichkeit zu erreichen ist. Denn verständlich Schreiben ist keine Frage des Wollens, das bekommen wir in unseren Seminaren und Coachings immer wieder eindrücklich vor Augen geführt. Gerade Fachleuten fällt es oft schwer, für Laien die richtigen Worte zu finden.
  2. Die Bedürftigsten sind oft vergessen
    Für viele Patienten ist Verständlichkeit noch nicht genug, z. B. weil sie kognitive Einschränkungen haben oder ihre Lesefähigkeit sehr begrenzt ist. Für solche Patienten bieten sich Texte in Leichter Sprache an. Das Informations-Angebot im Medizinumfeld ist hier noch kaum vorhanden, diese Zielgruppen werden bisher kaum berücksichtigt.
  3. Der Kommunikations-Prozess ist nicht im Blick
    Im Spiegel-Artikel klingt es nur ansatzweise an: Die Qualität der Beratungstexte ist nicht allein entscheidend. Genau so wichtig ist, wann die Informationen den Patienten in welcher Form erreichen. Entscheidend ist außerdem – und das bleibt im Beitrag außen vor: Wie sind die Erstellungs- und Überarbeitungsprozesse organisiert, wie wird die Textqualität gemessen und gegebenenfalls angepasst und wie sieht das Qualifikationskonzept für die Autoren aus?

Patienteninformationen werden also auch in Zukunft problematisch bleiben, wenn sie weiterhin von medizinischen Fachleuten mit nur geringen redaktionellen Kenntnissen erstellt werden. Ein Ansatzpunkt ist hier das Medizinstudium, in dem stärker auf die Kommunikationsfähigkeit der Absolventen eingegangen werden soll. Oder man sucht sich externe redaktionelle Unterstützung z. B. für die Erstellung der Materialien oder zur Weiterbildung.

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