Endlich Kohle! Profit First von Mike Michalowicz

Mike Michalowicz: Profit First

Mike Michalowicz: Profit First

Ich muss zugeben, dieses Buch liegt schon seit längerem zur Rezension bei mir auf dem Schreibtisch. Das hat zwei Gründe: Zum einen bin ich vermutlich nicht die richtige Zielgruppe. Wenn man seit fast zwanzig Jahren erfolgreich ein Unternehmen leitet, dann sind grundlegende Fragen der Unternehmensführung nicht unbedingt die Themen, die die höchste Priorität haben. Und zum anderen hat mich auch die Autoren-Biografie nicht unbedingt angesprochen; das klang mir zu sehr nach New Economy, nach „brillanter“ Start-up-Schwätzer und „Ich mache euch alle reich:“

Und wie war es?

„Aber man kann ja immer dazulernen“, habe ich mir gedacht. Und ich muss sagen, ich habe es zumindest nicht bereut, das Buch gelesen zu haben. Im Kern dreht es sich darum – so viel will ich hier vom Inhalt verraten – das buchhalterische Denken umzudrehen. Während man traditionellerweise sagt: Umsatz – Kosten = Gewinn stellt Michalowicz die Formel auf den Kopf und definiert Umsatz – Gewinn = Kosten. Mathematisch ist das äquivalent; es macht aber trotzdem einen Unterschied. Denn bei der klassischen Sichtweise ist der Gewinn das, was am Ende (hoffentlich) übrigbleibt. Der Fokus liegt also auf dem Umsatz und die Kosten werden solange dazu neigen sich dem Umsatz anzugleichen bis kein Gewinn mehr übrig bleibt. Kehrt man die Formel um, dann heißt das: Setze den Gewinn als fix und gestalte die Kosten so, dass der Gewinn erhalten bleibt.

Klar, das ist kein wirklich neuer Gedanke. Aber ich habe ihn bisher selten so deutlich ausformuliert gesehen; das muss man Michalowicz zu Gute halten. Und er hat diesen Gedanken konsequent zu Ende gedacht und bis auf konkrete Maßnahmen heruntergebrochen. Im Prinzip kann man also gleich loslegen. Und das ist auch, was Michalowicz dem Leser (nicht nur einmal) empfiehlt.

Ja, aber…

Und jetzt komme ich zum großen Manko dieses Buches. Das Buch ist sehr amerikanisch. Und wenn ich sehr amerikanisch sage, dann meine ich sehr, sehr, SEHR amerikanisch. Dem Verlag kann hier keinen Vorwurf machen; tatsächlich hat er sogar versucht, das Buch an deutsche Gegebenheiten anzupassen. Dennoch war es letzten Endes dieser „Jeder kann es schaffen“- und „Ich mache euch alle reich“-Tonfall, den ich schon vorher befürchtet hatte. An manchen Stellen kam ich mir so vor, als sei ich in einem Homeshopping-Kanal gelandet – „mit echten Zirkonen!“

Das mag im amerikanischen Original nicht weiter stören; die Tonalität im Marketing ist in den USA einfach plakativer. Im Deutschen hat das auf mich allerdings unseriös gewirkt. Und mal ganz ehrlich, will man seine Firmenfinanzen auf eine Idee abstellen, die man für unseriös hält?

Für wen ist das etwas?

Wie schon gesagt: ich würde mich nicht trauen, meine berufliche Existenz auf diese Basis zu stellen. Wenn man allerdings am Anfang seiner selbständigen Laufbahn steht, kann man das durchaus anders sehen. Oder wenn man generell auf „Chakka“-Rufe in seinem Business steht. Denn rein inhaltlich habe ich nichts auszusetzen. Die Botschaft glaub ich wohl, allein mir fehlt das Vertrauen.

Literatur: Michalowicz, Mike: Profit First. Ein einfaches System, jedwedes Unternehmen von einem kapitalfressenden Monster in eine Geldmaschine zu verwandeln. budrich Inspirited, Opladen / Berlin / Toronto ISBN 978-3-8474-0672-3

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

 

Gut gerüstet für Social Media Marketing

Stephanie Holmes: Social Media Marketing 2015

Stephanie Holmes: Social Media Marketing 2015

Social Media spielt auch für kleinere Unternehmen und Selbstständige eine wichtige Rolle. Oft fehlen hier jedoch Zeit, Know-how und das finanzielle Budget, um soziale Medien zielgerecht zu nutzen. „Social Media Marketing 2015“ von Stephanie Holmes will hier eine Hilfe bieten. Ihre Erfahrungen hat die Autorin in IT-Projekten und durch die Arbeit mit Unternehmen in ihrer Social Media Beratungsagentur gesammelt. Mit dem Buch zeigt sie, wie sich Social Media auch ohne eigene Abteilung für die externe Kommunikation einsetzen lässt.

Marketing im Vorübergehen
Auf knapp 200 Seiten mit insgesamt 17 Kapiteln geht sie auf die wichtigsten Aspekte Ihrer Zielgruppe ein: Selbstständige sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Dort muss Social Media Marketing meist „nebenbei“ geschehen. Damit das Social Media  Engagement nicht bei einer kurzfristigen Aktion bleibt, deren Effekt schnell versandet, legt die Autorin zunächst einen theoretischen Grundstein. Mit dessen Hilfe kann man anschließend schnell selbst in der Social Media-Welt Fuß fassen und das „Marketing nebenbei“ professionell gestalten.

Grundgerüst für den schnellen Einstieg
In vier Blöcken lernt der Leser Grundlegendes zu Theorie und Praxis des Social Media Marketing:

  • Social Media im Unternehmen
  • Vorstellung von Social Media-Plattformen
  • Planung einer Social Media Strategie
  • Umgang mit Krisen und Kritik

Jedes Kapitel ist so aufgebaut, dass das neu erworbene Wissen mit Fragen und Übungen gefestigt wird. In den einzelnen Kapiteln erklärt die Autorin zunächst in straffer Form, worum es geht. Zahlreiche Abbildungen erleichtern das Verständnis. Im Grundlagenteil wird Social Media im Unternehmen eingeordnet: Wo in der Unternehmenskommunikation ist es anzusiedeln, wer ist dafür verantwortlich? Anschließend erfährt man, welche Social Media Plattformen (XING, Twitter, Groupon etc.) im Netz zu finden sind und was sie dem Unternehmen bringen. Die Autorin konzentriert sich hier auf die Funktionalitäten der Plattformen und nicht auf die technischen Details. Ein kritischer Abschnitt sowie ein Fallbeispiel runden jedes Kapitel zu den Plattformen ab. Der letzte Teil des Buches zeigt schließlich, wie man eine Strategie entwickelt und Social Media für sein eigenes Unternehmen einsetzt.

Gute Grundlage – aber ausreichend für die Praxis?
Die Autorin hat sich eine ambitionierte Aufgabe gestellt – Selbstständige und KMU sollen mit dem Buch von Social Media profitieren können. Umfang und Preis des Buches sprechen für eine kurzweilige und praxisnahe Darstellung. Der Inhalt wird anschaulich erläutert und durch diverse Hilfsmittel wie Fragenblöcke, Comics etc. ist er leicht verständlich.

Doch der Umfang hat seine Tücken: Zum Beispiel sind einige Plattform-Beschreibungen zu begrenzt: statt der Unternehmenssicht steht manchmal die persönliche Praxis im Vordergrund. Für XING beispielsweise wäre die Pflege einer Unternehmensseite interessant; nicht unbedingt nur, wie man sich als Privatperson anmeldet. Die einzelnen Kapitel könnten mehr harte Fakten und vor allem Handlungsanweisungen beinhalten. Wünschenswert sind auch Hinweise, wo und wie man das Wissen selbstständig weiter vertiefen könnte.
Hilfreich sind dagegen die zahlreichen Übungen und Anregungen, über Social Media in seinem Unternehmen nachzudenken. Stets geht es in den Übungen darum, das gerade Gelesene auf sein eigenes Unternehmen anzuwenden. So ist der erste Schritt zur Umsetzung bereits beim Lesen des Buchs getan. Fallbeispiele zeigen außerdem sehr anschaulich, wie andere Unternehmen die verschiedenen Plattformen einsetzen und was man aus Fehlern von anderen lernen kann.

Fazit
Insgesamt: ein schnell und angenehm lesbares Buch, das seiner Zielgruppe den Einstieg in das Thema leicht macht. Besonders der Abschnitt zur Planung einer Strategie wird in der Einführungsphase sicher immer wieder nützlich werden. Auch die vielen Übungen mit direktem Praxisbezug machen das Buch zu einer lohnenden Lektüre. Wer allerdings tiefer in das Thema einsteigen möchte, kommt schnell an die Grenzen des Buchs. Ein Manko, das man aber bei dem budgetschonenden Preis von 19,90 € durchaus in Kauf nehmen kann.

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns von der Autorin kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag und die Autorin haben keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

Literatur:  Stephanie Holmes [2015]: Social Media Marketing 2015. webmasters press, Nürnberg. ISBN 978-1511552639

Anleitung für starke Marken

Mit Anleitung zur Marke

(c) R. B. / pixelio.de

Über Anleitungen als Marketinginstrument haben wir uns im doctima-Blog schon öfter Gedanken gemacht. Denn Berührungsängste zwischen Technischer Dokumentation und Marketing schaden letzten Endes beiden Kommunikations-Abteilungen.

Heute ist nun von mir ein umfangreicherer Beitrag auf marconomy zu diesem Thema erschienen. Anhand von 6 Tipps zeige ich, wie Produktanleitungen Marketingfunktionen übernehmen können. Schauen Sie doch mal rein: Mit diesen 6 Tipps wird Ihre Produktanleitung zum Hit.

 

Leseliste: Social Media Controlling

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