User Experience für den Content

(c) Rob Galagher / pixelio.deBraucht die Technische Dokumentation User Experience? Diese Frage habe ich schon vor einiger Zeit hier im Blog gestellt – und mit „Ja!“ beantwortet. Aber wenn das so ist, warum hören wir dann so wenig davon?

Nun, es mag daran liegen, dass wir Content immer irgendwie schon als gegeben nehmen, dass er immer schon irgendwie mitgedacht ist. Design, Interaktion, Distributionskanäle – das alles ist natürlich wichtig, aber letzten Endes das Sahnehäubchen (oder besser der Milchschaum) auf dem Cappuccino „Content“. Und ähnlich wie fader Kaffee auch mit gutem Milchschaum kein Geschmackserlebnis wird, gibt es auch keine User Experience ohne ausgezeichneten Content.

Was macht nun aber User Experience bei Content aus? Eine der wenigen Wortmeldungen dazu kommt von Scriptorium:

When applied to content, user experience encompasses design, organization, accessibility, and usability. Can your users quickly find the information they need? Is the process of finding and using information pleasant?

Aber reicht das wirklich aus? Machen wir also den Milchschaum-Test und übertragen das Zitat auf das Design: „User Experience bedeutet bei der Gestaltung, dass der Benutzer die Designelemente leicht identifizieren kann und die Gestaltung angenehm findet.“ — Und tatsächlich, wenn man das so formuliert klingt es dann irgendwie nicht angemessen.

Auch bei Content Experience reicht es nicht aus, nur Inhalte zu produzieren, die die User nicht stören und mit denen sie gut arbeiten können. Was macht also User Experience bei Content aus?

User Experience hat viel mit Erwartungen zu tun. Es geht darum, Erwartungen zu treffen und vor allem zu übertreffen. Content muss positiv überraschen, er muss dem User ein „Wow“ entlocken.

User Experience heißt bei Content auch: Gemeinschaft schaffen, mit dem User auf Augenhöhe partnerschaftlich kommunizieren. Der Content muss einladen, in einen Kommunikationszusammenhang zu treten. Das heißt auch: Content muss frühere Kommunkationsanlässe kennnen und sich auf sie beziehen. Und Content muss es schaffen zum sprachlichen (und visuellen) Lifestyle der Kunden zu passen.

Zugegeben: Für die Technische Dokumentation ist das eine ungewöhnliche Forderung, dreht sich die Diskussion hier doch meistens darum, wie man möglichst viel standardisiert und Prozesseffizienz schafft. Aus meiner Sicht ein gefährliches Spiel, wenn das der einzige  Aspekt ist, den man bei Content betrachtet. Denn wie schon gesagt: Bei fadem Kaffee hilft auch die beste Milchschaumhaube nichts.

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