Mobile Dokumentation mit „Go Mobile“

Go mobile - ein schlanker Einstieg in die mobile Dokumentation

Go mobile – ein schlanker Einstieg in die mobile Dokumentation

Bei doctima beschäftigen wir uns seit langem mit mobiler Dokumentation – in Projekten wie auch theoretisch. Als Dietrich Juhl, Technischer Redakteur und Buchautor, uns fragte, ob wir sein neues Buch zur Mobilen Dokumentation sponsoren würden, haben wir deshalb ohne lange nachzudenken freudig zugesagt. Mittlerweile ist „Go mobile!“ erschienen und heute werfen wir einen Blick hinein.

Herausforderung: Mobile Dokumentation

Der erste Zugang zur elektronischen Technischen Dokumentation (eTD) kann schwer, unübersichtlich oder sogar furchteinflößend sein. Immer wurden Anleitungen einfach als das verfasst, was sie nun mal sind: Texte. Und jetzt spricht plötzlich jeder von HTML, CHM, Near-by-Suchen und dieser komischen Siri.

Vom ersten Einstieg zum ersten Umstieg

Da kommt Dietrich Juhls „Go mobile“ gerade Recht. Es kann wie ein kleines Nachschlagewerk genutzt werden: Die Grundlagen der eTD werden verständlich und meist auf nur einer Seite als leicht verdauliche Häppchen angeboten. Aufgelockert werden die Beiträge zusätzlich durch zahlreiche Abbildungen, Comics und Internetcodes, die zu praktischen Beispielen führen.

Aber „Go mobile“ nur auf die Umstellung von textbasierter auf elektronische Dokumentation zu reduzieren, wäre ein Frevel. Vielmehr liefert Juhl eine Einführung in die Technische Redaktion per se, indem er grundlegende Systematiken erklärt, ihre Anwendungsbereiche vorstellt und schließlich ihre Umsetzung für elektronische Ausgabegeräte diskutiert.

Und er fängt ganz von vorne an: Welche Ordnungssysteme stehen für Topics zur Verfügung? Wo liegt der Unterschied zwischen handlungs- und lernorientierten Texten? Was sind Hypertextelemente? Was ist unter Responsive Design zu verstehen und welche verschiedenen Arten von Filtern, Speicherformaten und Ausgabegeräten sind denkbar? Fragen dieser Art werden zwar sehr knapp aber immer unter Berücksichtigung bzw. in der Gegenüberstellung von textbasierter und mobiler Dokumentation beantwortet.

Die letzten Kapitel können als ein Konzept und damit auch als eine Checkliste für die Aufbereitung und Umstellung einer bestehenden Dokumentation für elektronische Ausgabegeräte genutzt werden. Hätten Sie daran gedacht, dass die Bilder jetzt auch auf einem mini Smartphone zu erkennen sein müssen? Haben Sie eine Suchwortoptimierung durchgeführt? Schon mal überlegt, ob wirklich die gesamte Doku elektronisch zugänglich gemacht werden muss?

Nur für Anfänger?

Der sehr knappe und oft stichpunktartige Einstieg in die eTD richtet sich selbstverständlich hauptsächlich an Anfänger und Laien, die vielleicht mit den Gedanken spielen, auf eTD umzusteigen oder sich allgemein über den damit verbundenen möglichen Mehrwert informieren möchten.

Aber auch Menschen mit ein wenig mobiler Erfahrung können von diesem Buch profitieren: Sie haben wohl selten die wichtigsten Aspekte für die Arbeit eines Technischen Redakteurs so kompakt und strukturiert zusammengestellt gesehen. Das Buch kann dazu inspirieren, mal etwas Neues auszuprobieren oder davor bewahren, vor lauter Detailverliebtheit wichtige Grundlagen zu vergessen.

Zudem liegt Juhls Augenmerk immer auf dem, was die Sonne eines jeden Technischen Redakteurs sein sollte: Der Leser! Wie nutzt der Leser die Anleitung? Mobil? Was weiß er? Was braucht er? Wie kann ich den Zugriff für ihn optimieren? Wo kann für ihn die elektronische Dokumentation einen Mehrwert bringen? Auch alten Hasen der Technischen Redaktion kann es gut tun, sich solche Fragen immer mal wieder zu stellen.

Theorie – keine Praxis

Juhl stellt Mehrwert und ggf. auch Nachteile elektronischer gegenüber textbasierten Anleitungen immer ganz richtig dar, geht aber nicht auf den Aufwand ein, der mit den unterschiedlichen Formaten einhergeht. V.a. ein Anfänger könne die Welt der eTD durchs Juhls Brille daher ein wenig zu kunterbunt sehen. „Go mobile“ sollte auf keinen Fall zu hohe Erwartungen an die gegebenen technischen Möglichkeiten und v.a. den Etat wecken: Volltextsuchen in PDFs oder Aufklapptexte in CHMs sind weitaus leichter zu bekommen, als eine App oder gar eine von Siris Schwestern.

Und noch eine Bitte:

Dietrich Juhl rät den Lesern, sein Buch nicht von vorne nach hinten, sondern quer zu lesen. Bitte! Tun Sie ihm nicht den Gefallen, zumal dies ohne Stichwortverzeichnis ohnehin nicht so leicht wird.

Schnappen Sie sich das Buch und lesen Sie es ganz altmodisch und linear von vorne bis hinten Wort für Wort durch!

Literatur: Juhl, Dietrich [2016]: „Go Mobile„, BoD Norderstedt, ISBN 978-3-7392-1027-8

Hinweis: Das hier besprochene Buch wurde uns vom Verlag kostenfrei als elektronisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Der Verlag hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieser Besprechung genommen.

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